Abendstern
Als Abendstern werden die inneren Planeten bezeichnet, wenn sie nach Sonnenuntergang, also am Abend, sichtbar sind.
Wenn von dem Abendstern die Rede ist, ist normalerweise Venus gemeint. In der griechischen Antike nannte man Venus als Abendstern Hesperos. Er ist als solcher abends am westlichen Himmel sichtbar, wenn er nach der Sonne untergeht. Im Tierkreis befindet er sich dann hinter der Sonne. Beispiel: Die Sonne steht in den Fischen, Venus im Widder. Der Planet Merkur wird nur theoretisch als Abendstern bezeichnet, wenn er sich in diesem Verhältnis zur Sonne befindet, da er zu selten und zu kurz sichtbar ist.
Da Venus und Merkur als einzige Planeten die Sonne innerhalb der Erdumlaufbahn umkreisen, befinden sie sich von der Erde aus gesehen immer in der Nähe der Sonne (Venus kann sich maximal 47 Grad von ihr entfernen, Merkur höchstens 28 Grad (Elongation)). So können sie niemals am mitternächtlichen Himmel auftauchen, zeitweilig sind sie auch gar nicht zu sehen: nämlich dann, wenn sie weniger als 10 Grad von der Sonne entfernt sind. Aufgrund dieser Besonderheit, die mit sich bringt, dass diese Planeten immer in Horizontnähe auftauchen und wenn, dann häufig in der Übergangszeit Dämmerung, haben sie von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen; vor allem die Venus, welche nach Sonne und Mond das hellste Gestirn am Himmel ist.
Wenn Venus oder Merkur am östlichen Himmel vor der Sonne aufgehen, werden sie Morgensterne genannt. Der Morgenstern ist jedoch wiederum die Venus, und als solche hieß sie früher auch Phosphoros (oder Dioskurios), Lichtbringer.
Deutung
- Ob Venus und Merkur Morgenstern oder Abendstern sind, wird in der modernen Astrologie in der Regel kaum berücksichtigt. Im Altertum hingegen maß man diesem Tatbestand eine große Bedeutung bei. Spätestens seit Pythagoras (ca. 580 - 470 v. Chr.) war bekannt, dass es sich bei Hesperos und Phosphoros um ein- und denselben Planeten handelte[1]. Auch heute kann man die Tatsache, ob es sich bei den beiden Planeten um einen Morgen- oder einen Abendstern handelt, bei der Deutung berücksichtigen und damit feinere Nuancen in die Interpretation einbringen:
Denn Venus ist Herrscherin zweier Tierkreiszeichen: Stier und Waage. Als Abendstern entfaltet sie eher die Eigenschaften des Waage-Zeichens. So wie die Sonne in der Waage den Herbst mit seinen immer kürzer werdenden Tagen und damit eine Wendung nach innen bzw. zum Nächsten einläutet, so erscheint der Abendstern als Künder der Nacht.
Auch Merkur herrscht über zwei Zeichen: Zwillinge und Jungfrau. Als Abendstern entfaltet er eher die Eigenschaften der introvertierten Jungfrau, des Zeichens, welches für die Ernte steht.
- Die abendliche Stellung von Planeten, also über dem Horizont nach Sonnenuntergang oder "westliche Stellung" zur Sonne, wurde in der Klassischen Astrologie als occidental bezeichnet und galt besonders bei Venus, Merkur und dem Mond als günstig, da die abendliche Position traditionell eher mit weiblichen Qualitäten verbunden wurde[2], während sie für die Planeten Saturn, Jupiter und Mars als ungünstig betrachtet wurde[3]
Deutungsbeispiel
Merkur: Steht der Merkur als Abendstern in der 10. Stelle, so bereitet er einen Aufenthalt im Auslande, viele Veränderungen des Wohnsitzes, und lässt den Geborenen durch seine Handlungen öffentlich bekannt werden.[4]
Quellen
- ↑ Bernd A. Mertz: Venus und Merkur als Morgen- und Abendstern im Horoskop. Mössingen 1997, S. 18
- ↑ Schon Ptolemäus schreibt im Tetrabiblos (Chiron-Verlag, Tübingen 2000, S. 35) vom weiblichen Einfluss abendlicher Planeten
- ↑ William Lilly: Christliche Astrologie. Chiron-Verlag, Tübingen 2007, S. 143
- ↑ Firmicus Maternus lib. III, 7, 22 in: "Zum Horoskop Josef Rosensteins" von Ernst Tiede. „Astrologische Rundschau", 9. Jahrgang, Juni-September 1919, Heft 9/12, S. 168
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