Achtes Haus
Aus Astrowiki-de
Analoges Tierkreiszeichen: Skorpion
Herrscherplanet: Pluto (früher Mars)
Geschlecht: weiblich
Quadrant: dritter Quadrant, Taghälfte
Natur: Moor, Vulkan, äusserer Tod der Natur
Farbe: stahlblau, schwarz-rot, giftgrün, rostrot
Archetyp: Leichenbestatter, Untergrundkämpfer[1], Dogmatiker, Therapeut[2]
Körperbereich: Sexualsystem, Ausscheidungsorgane
Inhaltsverzeichnis |
Deutung
Das Zeichen an der Spitze des achten Hauses sowie etwaige in ihm vorhandene Planeten sagen etwas darüber aus, wie ein Mensch mit diesem ewigen "Stirb und Werde" umgeht. Wie man sich tiefer bindet - über die im siebten Haus stattfindende Begegnung hinaus -, z. B. via Hochzeit (bis dass euch der Tod scheidet), darüber informiert das achte Haus und ebenso über Tabuthemen und Hintergründiges aller Art.
Wandlungen und Tode
Das achte Haus steht für Umwandlungsprozesse des Menschen, wie sie vor allem durch Krisen, die eine grundlegende Regeneration nach sich ziehen, erfolgen. Es ist das Haus des Todes, der auch als Umwandlungsprozess verstanden werden kann; es sagt aber nichts über den Zeitpunkt des Todes aus. Alle Prozesse der Verwesung, Ausscheidung, der Gärung und des Zerfalls (auf materieller, körperlicher Ebene) werden daher ebenfalls dem achten Haus zugerechnet wie auch schwere Operationen.
Sexualität
Die partnerschaftliche Sexualität in ihrer Tiefe der Verschmelzung, Tabulosigkeit und Entblössung ist eines der markantesten Bereiche nicht nur des achten Hauses, sondern auch im Leben vieler. Im Französischen spricht man vom kleinen Tod in Verbindung mit den Sexualakt, dem Orgasmus dabei. Da man sich dabei zutiefst öffnet und damit auch verletztlich macht, ist die partnschaftliche Sexualität ein herausforderndes Feld zwischen Abhängigkeit, Bindung und Eigenständigkeit und spiegelt deutlich alle partnerschaftlichen, auch unterschwellingen Entwicklungen wider. Vielleicht wird mit diesen Worten deutlicher, warum z. B. Agressionen, Eifersucht und Gewalt entstehen können, wenn einer der Partner einer festen, gebundenen Beziehung ein heimliches sexuelles Verhältnis mit einer weiteren Person anfängt.
Die Sexualität in einer Partnerschaft hat vielfach eine Wirkung, die Teile der Persönlichkeit der Betroffenen verändern können, entsprechend dem Qualitäten dieses Hauses. Aus der Sexualität kann eine starke Bindung zum Partner entstehen, aber auch eine (sexuelle) Abhängigkeit.
Leitbilder und Prinzipien
Das achte Haus ist der Ort der größten seelisch-mentalen Kräfte im Horoskop, bindender, fixierender, zerstörerischer wie regenerativer. Wie nirgendswo sonst im einem Horoskop sind hier Dogmen, verbindliche Leitbilder und Prinzipien angesiedelt, genauso Vorstellungen, Suggestionskraft, Fanatismus, Zwänge und Projektionen. Und kein anderes Haus mobilisiert so grosse seelisch-mentale Energien, um ein fixes Ziel, persönliche Vorstellungen und Ideale/Ideen zu erreichen, zu vertreten und zu verbreiten, auch unter persönlichen Opfern. Deutlicher wird dies an Horoskopen z. B. von Astrologen und Astrologieinteressierten, sie haben oft einen persönlichen Planeten im achten Haus stehen, nicht selten Mars. Pluto in 8 und weitere Planeten sind oft ein Hinweis auf eine seelisch-mentale Prägekraft der Nativen (wenn sie diesen Anteil aktiv leben) auf Vorstellungen und Leitbilder Anderer (z. B. Peter Orban oder Hajo Banzhaf).
Vorstellungen, Tabus und Therapien
Die Vorstellungen des achten Hauses sind oft genug keine individuellen, sondern übernommene von Familie, Sippe und der umgebenden Gesellschaft, also ausgesprochene und vorallem unausgesprochene Prinzipien, die der Betroffene mit vielen teilt, sie eventuell verteidigt und sie entsprechend Teil seiner Persönlichkeit sind. Die klassischen Tabus, Inzesttabu z.B., stellen eine auf keine Fall zu überschreitende seelisch-mentale Grenze dar, die bei intaktem achten Haus schwere Schuldgefühle nach sich ziehen kann und zur Ausstossung aus der herkömmlichen Gemeinschaft, man wird gemieden etc. In manchen Stammesgesellschaften führte der Bruch eines großen Tabus zum Erlöschen des Lebenswillens und nachfolgend zum Tod des Betroffenen. Übernommene starke Vorstellungen, vielfältige Tabus und Prinzipien stellen natürlich andererseits ein latentes Konfliktfeld dar für die instinktiven Triebkräfte, die seelische Individualität und den persönlichen Selbstausdruck. Das kann im Problemfall zu erheblichen tiefgehenden seelischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen führen, die wiederum in tiefenpsychologischen Therapien, diese Art der Therapien gehören entsprechend ins achte Haus, gemildert oder gar beseitigt werden können. Von Persönlichkeiten, die i. d. R. selber ein betontes achtes Haus besitzen (Sigmund Freud z. B.).
Projektion
Eine der weiteren Qualitäten des achten Hauses stellen die persönlichen Projektionen dar. Diese beginnen z. B. spätestens typischerweise mit der Heirat zwischen zwei Menschen. Anfangs wird der jeweilige Gegenüber vorallem der Träger positiver Projektionen sein. Im Laufe eines Zusammenlebens oder einer Ehe kann sich dies aber noch ändern. In dauerhafteren, tieferen Konfliktfällen zwischen den Partnern werden vorallem die negativen Projektionen das Bild vom Gegenüber prägen und verzerren, sofern nicht über die auch transformierenden und wandelnden Energien und Erfahrungen des achten Hauses eine angemessene Weitentwicklung statt findet.
Die Schwächen der Anderen
Aus der Projektion entsteht nun nicht ein nur verzerrtes Bild vom Gegenüber, im achten Haus findet man aufgrund der intensiven, intimen und tiefgehenden Energien zudem auch Zugang zu Schwächen und Verdrängungen des Gegenüber. Im Unterscheid zum Therapeuten, der in diesem Bereich beruflich arbeitet und entsprechend mit professioneller Distanz, erspüren gerade stark projektive Menschen die Schwächen im seelisch-mentalen Revier (das zweite Haus symbolisert das instinktive, materielle, körperliche) des Gegenüber und nützen diese Fähigkeit und die Energien des Gegenüber für die eigenen fixen Ideen und Vorstellungen, was dem Gegenüber womöglich sogar (vorübergehend helfen kann. Der Komplex von Leitbildern, Prinzipien, Projektion, Idealen und das Gespür für die Schwächen und Verdrängungen des Gegenüber bilden i. d. R. eine vielschichtige Erlebnisebene, bei der alle aufgezählten Qualitäten miteinander reagieren und verwoben sind. Ein trauriges, negatives Beispiel des Gespürs für die Schwächen anderer findet man im Horoskop von Hitler mit seinem Geburts-Pluto im achten Haus.
Esoterik und Okkultismus
Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Okkultismus der Begriff für vielfältige tiefgehende seelisch-mentale Interessen und Vorstellungen abseits des Rationalen, Greifbaren, Herkömmlichen, Bekannten, Berechenbaren, Überlieferten zumindest in den westlichen Ländern des 18., 19. und 20. Jahrhundert. Diese Qualitäten und Neigungen wurden teilweise dem achten Haus zugerechnet[3]. Unter anderem durch die Tiefenpsychologie von Freud und Jung wurden die tiefen Kräfte des achten Hauses indirekt verständlicher und von breiteren Bevölkerungsschichten bewusst und unbewusst teilweise weniger projektiv im persönlichen Leben zumindest integriert. Sogenannte okkultistische Ansichten, Ideen und Lehren verloren ihren glaubenden, manchmal auch dogmatischen Insider-Charakter und gingen vielfach in den aufkommenden esoterischen Strömungen ab den 60er und 1970er Jahren auf. Beiden Strömungen ist jedoch gemeinsam, dass man oft bei den entsprechenden Personen vorallem mit sehr überzeugter und glaubender Haltung eine Betonung des achten Hauses findet. Das achte Haus gehört eben als Wasserhaus zu den Häusern der Ahnung, der seelischen Vorstellungen, des symbolischen Empfindens und der symbolischen Bilder, der Intuition und speziell beim achten Haus (und zwölften Haus) zum dem Bereich im Horoskop, der durchaus zukünftige Ereignisse wahrnehmen kann - wie er sie allerdings auch verdrängen kann durch eigene Vorstellungen und fixe Bilder.
Das geistige und materielle Erbe
Das geistige und das materielle Erbe (damit sind auch Erbschaften und Mitgiften gemeint) spielt eine herausragende Rolle im Bereich des achten Hauses. Während es im gegenüberliegenden zweiten Haus um das eigene Vermögen geht, symbolisiert das achte Haus das Vermögen der anderen, damit gegebenenfalls auch die eigenen Schulden[4], sofern man daran in irgendeiner Weise teil hat. Aus diesem Umstand resultiert oft auch eine persönliche Verpflichtung und Bindung, die sich auf die Annahme oder Übernahme der Prinzipien, Vorstellungen und Leitbilder des Anderen erstreckt. Das geistige Erbe spielt ansonsten bei einflussreichen, prägenden Persönlichkeiten eine merkbare Rolle. Und manche Stiftungen sind dem geistigen Erbe des Stifter verpflichtet, je nach Stiftungszweck.
Das Geld der Anderen
Alle Tätigkeiten der Kreditvergabe und des Bankenwesens haben einen starken Bezug zum achten Haus, es ist das zweite der anderen und bildet damit ihren Besitz und ihr Kapital ab. Der Kapitalgeber befindet sich also im achten Haus. Schulden und alle weiteren aus Krediten und Fremdkapital sich ergebenden Bindungen und Verpflichtungen sind ihm zugeordnet. Die Schuldenfalle kann entsprechend auf viele Jahre Personen gänzlich binden, entsprechend dem achten Haus, und sie fremden Bestimmungen und Prinzipien weitgehend ausliefern, wie es nicht selten im 19. Jahrhundert infolge z. B. Wucherzinses der Fall war. Andererseits ist die moderne Wirtschaftsform und -ordnung gar nicht denkbar und lebensfähig ohne das moderne, funktionierende Kredit- und Fremdkapitalwesen. Daraus werden die positiven Möglichkeiten des achten Hauses deutlich, mittels fremden Kapitals zusätzliche Werte (zweites Haus) zu schaffen. Damit sind natürlich auch Gefahrenpotentiale gegeben, wenn es z. B. möglich wird, ausserordentliche Summen an Fremdkapital zu besorgen.
Die Sippe
In der Regel findet man im achten Haus, zumindest in traditionellen Familienverbänden und Gesellschaften, verbindliche Leitbilder und Prinzipien der Sippe, der Großfamilie, der Verwandtschaft; das materielle Erbe im Todesfall hat hier meist noch eine herausragende Bedeutung für eigene finanzielle Absicherung, was sich bis in unsere Gegenwart an diversen, z. T. heftigen und entzweienden Erbstreitigkeiten zeigt - welche andererseits genauso in den reichen, nichttraditionellen Gesellschafen zu finden sind.
Quellen
- ↑ Klein, Nicolaus: Die Systematik des astrologischen Häusersystems. Hugendubel, München 1988, S. 115
- ↑ Meyer, Hermann: Das astrologische Herrschersystem. Kailash (Hugendubel-Verlag), München 1996, S. 350f.
- ↑ Kühr, Erich Carl: Psychologische Horoskopdeutung. Chiron Verlag, Tübingen 1997, S. 209
- ↑ Roscher/Völkel: Das Buch der Häuserherrscher. Ebertin, Freiburg 2000, S. 199
Weiterführende Literatur
- Banzhaf, Hajo; Haebler, Anna: Schlüsselworte zur Astrologie. Hugendubel Verlag, München 2007
- Klöckler, Herbert Freiherr von: Kursus der Astrologie, Band II. Bauer Verlag, Freiburg 1987
- Roscher, Michael; Völkel, Werner: Das Buch der Häuserherrscher. Chiron Verlag, Tübingen 2004
- Sasportas, Howard: Astrologische Häuser und Aszendenten. Knaur, München 2000
- Weiss, Jean Claude: Horoskopanalyse, Band I. Edition Astrodata, Wettswil 2001.
Siehe auch
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