Aspekt

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Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Ein Aspekt ist eine Winkelverbindung zwischen zwei Planeten, aber auch zwischen einem Planeten und einer Achse. Dabei kommt es zu einem Austausch der beteiligten Kräfte. Für die Gültigkeit von Aspekten gibt es einen bestimmten zu definierenden Spielraum, in der Fachsprache als Orbis (Umraum) bezeichnet. Ein Aspekt, der sich innerhalb dieses Orbis befindet, heißt plaktischer Aspekt. Liegt der Orbis innerhalb eines Grads, nennt man den Aspekt exakt oder partil.

Es gibt Haupt- und Nebenaspekte, auch große und kleine Aspekte genannt.

Planeten, die keinen (Haupt-)Aspekt aufweisen, nennt man unaspektierte Planeten. Auch diesem Tatbestand misst man bei der Horoskopinterpretation eine Bedeutung zu. Mehrere Aspekte in einer bestimmten Anordnung bilden eine Aspektfigur (s. die Huber-Schule bzw. das Aspektbild).

Hauptaspekte

Die Hauptaspekte bei Gertrud Hürlimann[1]

Hauptaspekte (auch ptolemäische Aspekte genannt) sind:

Sonderformen

Folgende Hauptaspekte wurden in der Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) entwickelt, möglicherweise aus Anhaltspunkten der Antike rekonstruiert und besonders in der zweiten Phase der astrologischen Renaissance (19. Jahrhundert) wieder berücksichtigt:

Nebenaspekte

Es gibt eine Vielzahl von Nebenaspekten. Die wichtigsten sind:

Erwähnt werden sollen außerdem noch folgende Aspekte:

Deutung

Es gibt harmonische bzw. synthetische Aspekte, bei denen sich die beiden beteiligten Planeten eher in einem Einklang miteinander befinden, und so genannte Spannungsaspekte, auch als analytische oder herausfordernde Aspekte bezeichnet. Früher kategorisierte man die Aspekte in "gute" (etwa das Trigon) und "schlechte" (etwa das Quadrat) - eine Unterscheidung, die heute zunehmend in Frage gestellt wird. Denn die analytischen Aspekte bergen ein hohes Entwicklungspotential in sich: Sie stacheln dazu an, etwas zu unternehmen und sich mit den Reibungspunkten seiner Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Die - vermeintlich leichten , "angenehmen" - synthetischen Aspekte hingegen können zu einer gewissen Trägheit führen.

Sind die Langsamläufer - bei Wolfgang Döbereiner "Schicksalsregulative" genannten - Saturn, Uranus, Neptun oder Pluto an einem Aspekt beteiligt, tritt diese Unterscheidung sowieso eher in den Hintergrund. Vielmehr ist dann das durch die jeweiligen Planeten und ihre "Mischung" beschriebene Thema entscheidend.

Die Deutung von Nebenaspekten in einem Horoskop kann zu vertiefteren und differenzierteren Aussagen führen, wenngleich schon die Hauptaspekte sehr weit reichende Aussagen ermöglichen.

Vor der Deutung der Aspektklasse - ob es sich um ein Quadrat, ein Trigon etc. handelt - sollte stets erst geklärt werden, welche Planeten bzw. welcher Planet und welche Achse dabei aufeinander treffen, welche Energien sich also miteinander im Austausch befinden. Es ist wichtig, einen Aspekt immer in beide Richtungen zu deuten. Zwar geht man davon aus, dass der langsamere der beiden beteiligten Planeten (Tagesbewegung) auch derjenige ist, welcher dem anderen seinen Stempel nachhaltiger aufdrückt, doch fließt der Kräftestrom auch in umgekehrter Richtung: bei einem Venus-Saturn-Aspekt beispielsweise verleiht auch die Venus dem langsameren Saturn etwas von ihrer Charakteristik, sie macht ihn u.a. "weicher".

Weitere Zuordnungen

Wenn ein Aspekt davor steht, exakt zu werden, wenn sich also der schnellere auf den langsameren Planeten zubewegt, spricht man von einem applikativen Aspekt. Hat er die Stelle der Exaktheit bereits überschritten und trennen sich die beiden Planeten wieder voneinander, so handelt es sich um einen separativen Aspekt. Applikative Aspekte sind stärker wirksam als separative.

Nicht zu verwechseln sind diese Begriffe mit der Unterscheidung zwischen einem zunehmenden und einem abnehmenden Aspekt: Jedes Planetenpaar bildet im Rahmen eines Zyklus alle möglichen Aspekte zueinander, und zwar außer der Konjunktion und der Opposition, die in jedem Zyklus nur einmal vorkommen, jeden Aspekt zweimal. Solche Aspekte (die innerhalb eines Zyklus zweimal zustande kommen) gelten als zunehmend, wenn sie nach der Konjunktion, aber vor der Opposition erfolgen; und abnehmend, wenn sie nach der Opposition und vor der Konjunktion stattfinden. Ein Beispiel hierfür ist der zunehmende und der abnehmende Halbmond im Verlauf des Sonne-Mond-Zyklus (s. Mondphase). Bei einem zunehmenden Aspekt gilt etwas als im Wachstum begriffen, während in der abnehmenden Phase der Höhepunkt einer Entwicklung bereits überschritten und eine gewisse Abgeklärtheit erreicht ist.

Alle Aspekte mit einer Gradzahl teilbar durch 30 verbinden normalerweise spezifische Tierkreiszeichen miteinander: Quadrate beispielsweise Zeichen derselben Qualität, Trigone Zeichen desselben Elements. Wenn sich die beteiligten Planeten jedoch nahe der Zeichengrenze befinden und man einen etwas weiteren Orbis zulässt, so trifft diese Regel nicht mehr unbedingt zu. Man nennt diesen Tatbestand dann einen dissoziierten Aspekt. Wenn sich die Sonne beispielsweise auf 3 Grad Stier befindet und der Mond auf 29 Grad Waage, so hat man es mit einer dissoziierten Opposition zu tun. Das eigentliche Oppositionszeichen von Stier ist nämlich Skorpion, während Stier und Waage als Zeichen in einem Quinkunxaspekt zueinander stehen. So erhält die dissoziierte Opposition immer auch etwas vom Charakter der Quinkunx.

Anmerkungen

  1. Abb. entnommen aus ihrem Klassiker "Astrologie: Ein methodisch aufgebautes Lehrbuch"
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