Astrologische Geschichtsbetrachtung
Der Versuch, den Lauf der Menschheitsgeschichte mit dem Lauf der Gestirne in Verbindung zu setzen und zu deuten. Eine umfassende Einteilung ist das platonische Jahr von 25 729 (nach anderen Quellen auch 25 771) Sonnenjahren. In diesem Zeitraum wandert der Frühlingspunkt einmal durch den gesamten Tierkreis. 2 144 Jahre (einen so genannten platonischen Monat) lang hält sich der Frühlingspunkt in einem Zeichen auf, das dem Weltgeschehen während dieser Zeit seine Prägung gibt. Für die Geschichtsbetrachtung bleibt diese Klassifizierung jedoch zu vage, zumal keine Einigkeit darüber herrscht, wann genau der Übergang von einem Zeichen in ein anderes stattfindet. Die unterschiedlichen Auffassungen variieren zum Teil um Jahrhunderte und machen eine konkrete Betrachtung deshalb schwer. Es gibt daher den Ansatz, einen platonischen Monat in Abschnitte von einem Zoll (= 2,5 Grad) zu unterteilen. Dadurch entstehen Epochen von 179 Jahren, anhand derer historische Entwicklungen untersucht werden können.
Konkreter sind die Konjunktionen der geistigen Planeten Uranus, Neptun und Pluto, die sehr exakt bestimmt werden können. Allerdings bezieht sich ihre Wirkung nicht nur auf den gradgenauen Zeitpunkt der Konjunktion, sondern schließt die Jahre bis Jahrzehnte davor und danach ein.
Der durch eine Konjunktion von Uranus, Neptun und Pluto gebildete Zyklus umfasst 4 500 Jahre. Zuletzt standen die drei Planeten in den Jahren 578 bis 576 vor unserer Zeitrechnung bei 9 Grad Stier zusammen. Ihnen gegenüber befand sich Saturn im Skorpion. In dieser Zeit formte sich die griechische Kultur, die das Abendland seitdem prägt. Die Vorsokratiker wie Pythagoras, Heraklit und andere schufen die philosophischen, wissenschaftlichen und weltanschaulichen Grundlagen für die abendländische Zivilisation. In Asien wirkten Buddha, Konfuzius und Zarathustra, deren Lehren ebenfalls noch heute große Teile der Menschheit beeinflussen.
Der Gesamtzyklus wird unterteilt in die Konjunktion von Neptun und Pluto, die sich etwa alle 500 Jahre ereignet. Seit der Konjunktion der drei Planeten fand sie fünfmal statt, und sie markierte immer einen besonderen Einschnitt; entweder den Neubeginn, den Abschluss oder den Höhepunkt einer Epoche:
- 82 vor unserer Zeitrechnung hatte sich das Römische Reich zur alles beherrschenden Weltmacht entwickelt.
- 412 nach Christus endete die klassische Antike. Die Völkerwanderung war dabei, das Gesicht Europas grundlegend zu verändern. In Indien erreichte die klassische Epoche unter der Gupta-Dynastie ihre kulturelle Blüte.
- 905 befand sich das Mittelalter auf dem Höhepunkt. Das erste Deutsche Reich wurde gegründet, und in Asien begann der Aufstieg der Mongolen mit der Eroberung der Mandschurei.
- 1399 war das Mittelalter mit seinem Wertesystem in Auflösung begriffen. Die ersten Reformatoren John Wycliff und Johannes Hus traten auf. Konstantinopel stand kurz vor der Einnahme durch die Türken, und nur der Vormarsch der Mongolen hielt dieses Schicksal vorübergehend auf.
- 1891 hatte die industrielle Revolution für eine tief greifende Veränderung der menschlichen Lebensbedingungen gesorgt. Durch die Urbanisierung und Individualisierung waren die für Jahrtausende stabilen sozialen Strukturen zerstört worden. Die Zeit markiert auch die Kolonisierung Afrikas sowie den Beginn der sozialistischen und der Frauenbewegung.
Der ganze Zyklus kann noch in Uranus-Neptun-Konjunktionen (zu denen es alle 172 Jahre kommt) unterteilt werden, die eine weitere Differenzierung der Geschichtsbetrachtung ermöglichen.
Auch der Eintritt der langsam laufenden Planeten Uranus, Neptun und Pluto in ein neues Zeichen (Ingress) sowie das plötzliche Auftauchen von Kometen, Finsternisse und der Saroszyklus werden zur Erklärung weltgeschichtlicher Phänomene herangezogen.