Auriga

Aus Astrowiki-de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sternbild Auriga (Fuhrmann)

Deutscher Name: Fuhrmann

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Sternbild[1] war bei den Babyloniern als Fuhrmann (Rukubi) bekannt. Der lateinische Name Auriga bedeutet soviel wie Wagenlenker oder Steuermann.

Die Römer identifizierten das Sternbild mit dem griechischen König Erichthonios, der den vierspännigen Wagen erfand.

Der Fuhrmann gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden.

Einer früheren Deutung nach handelt es sich bei dem Sternbild um einen Hirten, der eine Ziege über der Schulter trägt. Der Name des Hauptsterns Capella bedeutet „Zicklein“. In älteren Sternatlanten, wie der Uranometria von Johann Bayer oder den Werken von Johannes Hevelius und J.E. Bode wird der Fuhrmann als bärtiger Mann mit einer Ziege auf dem Rücken oder Arm dargestellt.

Der südlichste Stern Alnath wurde in der Vergangenheit als γ Aurigae dem Fuhrmann zugerechnet. Nach Festlegung der Sternbildgrenzen durch die IAU gehört er heute zum Stier.


Mythologie

König Erichthonios I. von Athen spannte als erster vier Pferde vor seinen Wagen. Bei den Römern galt er als Sohn des Gottes Vulkan, bei den Griechen als Sohn des Hephaistos und der Athene.

Nach der Griechischen Mythologie soll es sich bei der Ziege um die Nymphe Amalthea handeln, die Zeus als Knaben versorgte. Zeus war ein Sohn des Titanen Kronos, dem geweissagt wurde, dass er eines Tages von einem seiner Nachkommen als Herrscher gestürzt werde. Kronos verschlang darauf hin alle seine Kinder sofort nach der Geburt. Nach der Geburt von Zeus wurde ihm stattdessen ein Stein untergeschoben, den er ebenfalls verschlang. Zeus wurde in einer Höhle versteckt und von Amalthea mit der Milch einer Ziege aufgezogen. Anderen mythologischen Deutungen nach, war Amalthea selbst eine Ziege. Ihr Horn gehörte später der Glücksgöttin Fortuna und war deren „Füllhorn“.

Wichtige Fixsterne

Name Katalogname Mag ekl. Breite Pos. 1900 Pos. 1950 Pos. 2000 Pos. 2050 Natur (Ptolemäus)
Hasseleh ι-Aurigae 2.7 10°27' n 15°15' Gem.gif 15°57' Gem.gif 16°38' Gem.gif 17°20' Gem.gif Mars/ Merkur
Al Maz ε-Aurigae 3.0 20°57' n 17°27' Gem.gif 18°09' Gem.gif 18°51' Gem.gif 19°33' Gem.gif Mars/ Merkur
Hoedus I/ Haedi I, Sadatoni ζ-Aurigae 3.8 18°12' n 17°15' Gem.gif 17°57' Gem.gif 18°38' Gem.gif 19°20' Gem.gif Mars/ Merkur
Hoedus II/ Haedi II η-Aurigae 3.3 18°17' n 18°03' Gem.gif 18°45' Gem.gif 19°27' Gem.gif 20°09' Gem.gif Mars/ Merkur
Al Hurr λ-Aurigae 4.7 16°57' n 20°27' Gem.gif 21°09' Gem.gif 21°51' Gem.gif 22°34' Gem.gif Mars/ Merkur
Capella α-Aurigae 0.1 22°52' n 20°28' Gem.gif 21°10' Gem.gif 21°52' Gem.gif 22°34' Gem.gif Mars/ Merkur
Menkalinan β-Aurigae 1.9 21°30' n 28°31' Gem.gif 29°13' Gem.gif 29°54' Gem.gif 00°37' Can.gif Mars/ Merkur
Prijipati, Praja δ-Aurigae 3.7 30°51' n 28°32' Gem.gif 29°14' Gem.gif 29°55' Gem.gif 00°38' Can.gif Mars/ Merkur
Manus, Bogardus θ-Aurigae 2.7 13°46' n 28°33' Gem.gif 29°15' Gem.gif 29°57' Gem.gif 00°39' Can.gif Mars/ Merkur

γ-Aurigae = β-Tauri= El Nath; wie oben bereits beschrieben, gehört dieser Fixstern heute in das Sternbild Taurus.

Wirkung

Claudius Ptolemäus

Nach Ptolemäus haben die leuchtenden Sterne des Fuhrmanns die Wirkung von Mars und Merkur [2]

Manilius

Manilius beschreibt in seiner Astronomica[3] die Wirkung des Fuhrmann wie folgt:


Sein Naturell und die Künste, am Himmel behalten, die dieser
früher auf Erden als Wagenlenker geliebt hatte, schenkt er:
auf der Quadriga zu stehen, die vier mit schäumenden Trensen
aufgezäumten Mäuler bezähmend, der Pferde sehr starke
Kräfte zu beugen und straff beim Schwenken die Zügel zu ziehen;
aber sobald sie nach Öffnung des Riegels den Boxen entfohn sind,
anzupeitschen die Wilden, durch Vorbeugen noch zu beflügeln,
kaum mit den flinken Rädern die Bahn überhaupt zu berühren,
mit ihren Hufen die Winde besiegend oder - die Spitze
haltend - die Konkurrenten des Rennens ins Abseits zu drängen
oder durch Bremsen behindernd das ganze Rund zu versperren
oder - als mittlerer hoffend - bald rechts durch die Kurve zu gehen,
bald aber hart an der spitzen Wendemarke zu laufen
und bis zuletzt das Ergebnis unentschieden zu lassen.
Und auch als Kunstreiter kann er sich bald auf diesen, bald jenen
Rücken der Vierbeiner schwingen und fest seine Füße verwurzeln,
mittels der Pferde fliegen und spaßen auf fliegenden Rücken;
oder er wird, vom Pferde getragen, bald Kampfwaffen schwenken,
bald in der Länge der Kampfbahn die Preise beim Schnellritt erringen.
Was auch immer solcherlei Vorliebe schafft, das besitzt er.
Hierher könnte für mich Salmoneus, der den Himmel auf Erden
nachahmte, Brücken erbaute, Auf Erzplatten Vierspänner fahren
ließ und den Weltenton wiedergegeben zu haben geglaubt hat,
Jupiter selbst auf die Erde gebracht zu haben vermeinte,
während er Blitze erfand, und den Feuern, von oben geschleudert,
selber zuteil ward und Jupiter sterbend erkannte, entstammt sein.
Diesem Gestirne entsprossen mag Bellerophon eine Straße,
als er den Tierkreis durchflog, im Kosmos angelegt haben,
welchem der Himmel ein Tummelplatz war, dem das Meer und die Länder
unter den Füßen keinerlei Spuren vom Lauf hinterließen.
Solchen Menschen erhebt sich der Fuhrmann, das musst du dir merken.
[Anschließend] werden die Böcklein[4] das zitternde Kinn zu zeigen beginnen
und dann zuletzt die zottigen Rücken den Ländern verheißen,
dort, wo zur Rechten die Nordwinde blasen. Erwarte kein ernstes
Antlitz als Werk dieses Sternbilds, noch strenge Männer wie Cato,
noch den Rabenvater Torquat, noch Horatier-Taten!
Das übersteigt das Gestirn, und so etwas passt nicht zu Böcklein,
welche sich stoßen: Leichtsinn macht ihnen Spaß, und der Leichtsinn
prägt ihre Herzen, bei Tändeleien und quirligem Umtrieb
schwitzt man sich ab; mit Liebeleien verläuft ihre Jugend;
Tapferkeit treibt diese niemals zu Schmerzen, doch häufig die Wollust,
und die schändliche Lust wird erkauft sogar mit dem Tode;
bringt sie den Tod, ist's nicht schlimm, denn im Laster sind sie ja Sieger.
Und sie verleihen so den Nativen die Obhut der Herden,
und sie erschaffen sich einen Hirten, welchem die Flöte
baumelt am Hals und durch Wechsel der Mundstücke Weisen hervorbringt.

Quellen

  1. Quelle für Geschichte und Mythologie: Wikipedia
  2. Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos. Chiron Verlag 2. Auflage Mössingen 2000 ISBN 3925100172
  3. Marcus Manilius: Astronomica - Astrologie. Lateinisch-deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Fels. Reclam Verlag Stuttgart ISBN 978-3150185551 Buch 5, Verse 71-117
  4. Die Böcklein sind Hoedus I und II