Aussagegrenze
Die Aussagegrenzen sind ein wichtiger Begriff in der Revidierten Astrologie von Thomas Ring. Er ist der dezidierten Meinung, entgegen mancher traditioneller astrologischer Auffassungen, dass viele Aussagen nicht aus dem Geburtshoroskop abgeleitet werden. Zum Beispiel könne man weder Geschlecht, Intelligenz oder materiellen Wohlstand einer Person aus deren Radix ablesen.
Die Betonung der Aussagegrenzen gehört zu Rings Programm der Bescheidenheit, mit dem er sich in deutlichen Gegensatz stellte zur weit gefächerten Aussagekompetenz der Astrologie, von der viele, insbesondere traditionell orientierte Astrologen glauben, dass sie fast Alles, vom Geburtsmoment bis zum Todeszeitpunkt und sämtlichen Lebensereignissen dazwischen, bestimme oder zumindest anzeige.
Auch Liz Greene teilt das viel bescheidenere Konzept der Aussagegrenzen weitgehend, explizit zum Beispiel bezüglich der Frage von Introversion/Extraversion, die man nicht aus dem Geburtsbild ablesen könne.
Thomas Ring schreibt gleich zu Beginn seines wichtigsten Werks, der Astrologischen Menschenkunde, über die Aussagegrenzen:[1]
- Im astrologischen Meßbild steht von alledem nur der dispositionelle Unterbau. Er enthält Grundeinstellungen auf Objekte in einem «möglichen» Milieu. Das tatsächliche Milieu ist darin nicht angezeigt. (...)
- Hiermit ist zugleich eine Aussagegrenze der astrologischen Diagnostik bestimmt. Was Einwirkungen der Umwelt, Milieuverhältnisse, Erziehung, kollektive Schicksale zum dispositionellen Unterbau hinzugeben, darüber auszusagen steht nicht in ihrer Macht. (...)
- (...) Dennoch befinden wir uns strikte genommen vor einer anderen Aussagegrenze der astrologischen Diagnostik: die eigentliche Erbsubstanz steht nicht im Meßbilde. Beispielsweise können wir über die Intelligenzanlage sehr differenzierte Aussagen abgeben, wenn wir wissen, ob im Familienerbe vorausgesetzt werden darf, was gemeinhin eingeschliffene Gehirnbahnen genannt wird. Dann künden die Elemente von Richtung, Intensität, Denkstil und Problematik. Für das «Ob», aber gibt es keine untrüglichen Anzeichen. (...) Für Genialität und den Gegenfall pathologischer Entartung finden wir wiederum keine untrüglichen Anzeichen.
- Zusammengefaßt: weder Erbe noch Umwelt sind substantiell im Meßbilde enthalten, angezeigt sind aber Relationsformen zu beidem. Unter Begriffen solcher wollen seine Elemente verstanden sein. Sie bedürfen bestimmter Bedingungen des Anwendungsfalls, um über einen gewissen Schematismus hinaus Wirklichkeit zutreffend beschreiben zu können. Die methodisch statthaften astrologischen Aussagen ermitteln wir nach der Formel «wenn-dann», das heißt, wenn dies oder jenes spezifische Familienerbe und Milieu vorliegt, dann treten diese oder jene Entsprechungen ein. Genialität oder pathologische Entartung modifizieren sie weiter.
Quellen
- ↑ Thomas Ring: Astrologische Menschenkunde, Bd. 1, S. 8 ff.