Breite
1) Die geographische Breite ist der in Grad gemessene Winkelabstand zwischen einer Stelle auf der Erde und dem Äquator. Die 90 Grad nördlich des Äquators werden als nördliche Breite bezeichnet, die 90 Grad südlich des Äquators als südliche Breite (siehe Abbildung). Zusammen mit der Angabe der geographischen Länge dient die geographische Breite der exakten Ortsbestimmung.
2) Die ekliptikale Breite dient zusammen mit der ekliptikalen Länge der Positionsbestimmung auf der Himmelskugel, und zwar in Bezug auf die Ekliptik. Die ekliptikale Breite wird in Graden gemessen und beschreibt den Abstand von der Ekliptik entlang eines Längenkreises, der senkrecht zur Ekliptik steht.
Die Längen- und Breitengrade auf der Erde. Der nullte Längengrad (Null-Meridian) führt durch Greenwich.
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Astrologische Deutung
Geographische Breite
- Der geographischen Breite eines bestimmten Ortes auf der Erde selbst wird keine astrologische Bedeutung beigemessen, abgesehen davon, dass sich bei inäqualen Häusersystemen die Größe der Häuser meist in Abhängigkeit von der Breite ändert.
- Die geographische Breite der Planeten vom Äquator aus, auch Deklination genannt, wird bei der Parallele gedeutet.
- Die Fixsterndeutung nach Bernadette Brady, die auf den antiken Paranatellonta aufbaut, berücksichtigt die geographische Breite, weil sie die wahren, also am Himmel tatsächlich sichtbaren Auf- und Untergänge sowie die tatsächlich sichtbare Kulmination als Grundlage der Deutung nimmt.
Ekliptikale Breite
- Die ekliptikale Breite, mit Breite der Planeten wird im allgemeinen die ekliptikale gemeint, wurde zumindest in der Klassischen Astrologie, besonders der europäischen Frühneuzeit bei der Deutung berücksichtigt, so z. B. bei William Lilly[1]. Einem Planeten, der an nördlicher Breite gewinnt, spricht man eine anwachsende Stärke zu, dagegen schwächt die Position südlicher Breite die Wirkung der Planeten, zumindest auf die Länder der mittleren nördlichen Breitengrade der Erdoberfläche.[2]
- Möglicherweise kann die vorallem in der Klassischen Astrologie aufgeprägtere Unterscheidung zwischen der eher positiven Wirkung des aufsteigenden Mondknoten - der Punkt, an dem die Mond-Laufbahn von Süden nach Norden die Ekliptik überquert - und der eher abträglichen des südlichen - der Punkt, an dem die Mond-Laufbahn von Norden nach Süden die Ekliptik überquert, absteigt[3] - vor diesem Hintergrund verstanden werden.
Daneben wurde wahrscheinlich zumindest spätantik teilweise die Natur der Planeten berücksichtigt, so dass die klassischen Übeltäter Mars und Saturn in südlicher Breite aus astrologischer Sicht besser standen, weil dort weniger wirksam.[4]
- Bei der Deutung von Fixsternen sind sich Astrologen nicht einig, ob solche mit hoher ekliptikaler Breite Berücksichtigung finden sollten oder nicht. Fixsterne hoher nördlicher ekliptikaler Breite sind zirkumpolar, damit ganzjährig sichtbar und haben - von den mitteleuropäischen geographischen Breiten aus gesehen - keinen Auf- oder Untergang, solche mit hoher südlicher ekliptikalier Breite kommen dafür niemals über den Horizont, bleiben somit für uns unsichtbar. Manche Astrologen nehmen an, dass Fixsterne, die niemals aufgehen, weil sie zu südlich liegen, auch keine Bedeutung im Horoskop haben, aber auch hier besteht keine Einigkeit.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Lilly, William: Christliche Astrologie, Band 1 + 2. Chiron-Verlag, Tübingen 2007, S. 69
- ↑ Frawley, John: Die wahre Astrologie. Bad Kreuznach 2008, S. 245
- ↑ Z. B. der arabische Astrologe Al Biruni (10./11. Jh.) spricht in seinem Werk The Book of Intruction in the Elements fo the Art of Astrology (S. 27, Astrology Classics, Bel Air (USA) 2006) von den positiven Auswirkungen des aufsteigenden Mondknoten analog Venus und Jupiter sowie von der schlechten des absteigenden analog von Mars und Saturn, nach der Meinung einiger Astrologen; andere Astrologen, so Al Biruni, betrachteten diese Analogie als an den Haaren herbeigezogen.
- ↑ Rochberg, Francesca: Babylonian Horoscopes. Transactions of the American Philosophical Society, Philadelphia 1998, S. 43 z. B. mit einer Übersetzung eines spätbabylonischen Omentextes : If Jupiter attains positive latitude in the region of the increase of the market, and Mars....stands below Jupiter and disappears from the sky, or attains negative latitude: the market will increase and the people will speak true (Wenn Jupiter nördliche Breite erreicht im Gebiet eines erfolgreichen Marktes und Mars steht unterhalb von Jupiter und geht hinter dem Horizont unter oder erreicht eine südliche Breite, wird der Markt weiter wachsen und die Händler werden ehrlich sein.