Carl Gustav Jung

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Carl Gustav Jung
Geburtshoroskop von C. G. Jung

Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (geboren am 26.7.1875 in Kesswil, Schweiz, um 19:32 Uhr LMT [1], gestorben am 6.6.1961 in Küsnacht) war zwar nicht in erster Linie Astrologe, doch prägte er die Psychologische Astrologie maßgeblich und beeinflusste zahlreiche Astrologen weltweit.[2] Wie kaum sonst jemand unter den Begründern der modernen Psychologie schätzte er die Astrologie und integrierte sie in seine Arbeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben[3]

Jung wurde als Sohn eines Pfarrers in Kesswil am Bodensee geboren. Carl war vier Jahre alt, als sein Vater nach Basel berufen wurde und mit der Familie nach Basel-Kleinhüningen zog, wo er auch seine Jugend verbrachte. Ab 1895 studierte er an der Universität Basel Medizin und wurde 1900 als Assistent von Eugen Bleuler in der Psychiatrischen Universitätsklinik "Burghölzli" in Zürich psychiatrisch tätig. Seine Dissertation von 1902 war ein Beitrag Zur Psychologie und Pathologie sogenannter occulter Phänomene. Danach war er für ein halbes Jahr bei Pierre Janet in Paris; 1903 heiratete er Emma Rauschenbach, die Tochter einer reichen Industriellen-Familie[4].

Bei Bleuler konnte sich Jung 1905 mit umfangreichen diagnostischen Assoziationsstudien habilitieren, denen er 1907, dem Jahr seiner ersten Begegnung mit Sigmund Freud, seine Arbeit Über die Psychologie der Dementia praecox folgen ließ. Ab 1905 lehrte Jung - neben seiner Tätigkeit als Arzt im Burghölzli - als Privatdozent für Psychiatrie an der Universität Zürich. Wegen Zerwürfnissen mit Bleuler gab Jung 1909 seine Tätigkeit am Burghölzli auf und eröffnete in seinem neuen Haus in Küsnacht am Zürichsee seine Privatpraxis. Jung engagierte sich in der Bewegung Freuds, für den er als Redakteur des Internationalen Jahrbuches für psychologische und psychotherapeutische Forschung tätig wurde. Von 1910 bis 1914 war er Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. 1912 publizierte er sein Buch Wandlungen und Symbole der Libido, das zum Bruch mit Freud führte, da Jung darin Freuds Libidotheorie kritisierte.

1913 gab Jung seine Lehrtätigkeit an der Universität Zürich auf. Fortan war er bis auf Unterbrechungen durch ausgedehnte Reisen in den zwanziger Jahren – vor allem nach Afrika und Asien – in eigener Praxis tätig, publizierte jedoch weiter seine Überlegungen und Ansichten, die er nunmehr Analytische Psychologie oder Komplexe Psychologie nannte.

Ebenfalls ab 1913, initiiert durch das Zerwürfnis mit Freud, begann Jung, sich seinem eigenen Unbewussten, seinen Träumen und Fantasien zu widmen und rekapitulierte seine Kindheit. Träume und Fantasien hielt er als Notizen und Skizzen in "Schwarzen Büchern" fest. Diese bildeten die Grundlagen seines "Roten Buches", an dem er bis 1930 arbeitete.

Antonia Anna "Toni" Wolff (1888-1953) war ab 1912 Mitarbeiterin von Jung und wurde ab 1913 seine engste Vertraute und ab 1914 für viele Jahre seine wichtigste Mitarbeiterin und Geliebte. Toni Wolff wird manchmal auch als "Jungs Analytikerin" bezeichnet. C.G. Jung blieb mit Emma Jung verheiratet, und oft traten sie zu dritt auf.

Seine zunehmende Reputation führte dazu, dass er 1929 eingeladen wurde, eines der Hauptreferate auf dem von Teilnehmern aus ganz Europa besuchten Jahreskongress der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie von Matthias Heinrich Göring (AÄGP) zu halten. Im Jahr darauf wurde er als 2. Vorsitzender in den Vorstand dieser bedeutenden Vereinigung gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fiel ihm wegen des solidarischen Rücktrittes des bisherigen Vorsitzenden Ernst Kretschmer der Vorsitz zu; gleichzeitig wurde er dadurch formaler Herausgeber des verbandseigenen Zentralblattes für Psychotherapie, das bis dahin neben Johannes Heinrich Schultz und Rudolf Allers wesentlich von Kretschmers Freund Arthur Kronfeld als Schriftleiter organisiert worden war, der als Deutscher jüdischen Glaubens jedoch sofort jedes öffentliche Wirken hatte einstellen müssen. Als Präsident trug Jung ab 1934 bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1939 dazu bei, die ursprüngliche und europaweite Bedeutung der AÄGP, die organisatorisch weiter in Deutschland und dort von nationalsozialistisch eingestellten deutschen Mitgliedern organisiert und geleitet wurde, unter der Bezeichnung Überstaatliche und ab 1935 Internationale Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie wenigstens dem Namen nach weiter aufrechtzuerhalten.

Seine Präsidentschaft innerhalb der IAÄGP nach 1933 wurde vielfach kritisiert und brachte ihn in den Verdacht des Antisemitismus. Darüber hinaus gibt es aber auch mehrere Äußerungen von Jung selbst, u.a. im deutschen Rundfunk und in mehreren Aufsätzen, die sich als Sympathie mit dem Nationalsozialismus interpretieren lassen. Die nationalsozialistische Propaganda lobte anfangs Jungs Psychologie als "aufbauende Seelenlehre", während gleichzeitig die Schriften seines früheren Mentors Freud der Bücherverbrennung zum Opfer fielen. Jung ließ sich das nicht nur gefallen, sondern lobte den "germanischen Geist" und kritisierte das "zersetzende Denken" Freuds. Dennoch war das Wirken Jungs wohl nicht vom Judenhass geprägt. Viele seiner wichtigen Mitarbeiter/innen und Anhänger/innen waren Juden, z.B. Erich Neumann (Psychologe) und Jolande Jacobi. Ab 1936 distanzierte sich Jung auch zunehmend von der NS-Ideologie und sprach von "Wahnwitz", der grässliche Wirklichkeit geworden sei. Dies führte dazu, dass Jungs Werke ab 1939 in Nazi-Deutschland verboten waren. Nach 1945 wurde Jung scharf wegen seiner Haltung in den Anfangsjahren des Nationalsozialismus kritisiert. Er selbst nahm zu den Vorwürfen nicht öffentlich Stellung, soll sich aber privat mit den Worten geäussert haben: "Ich bin ausgerutscht". Der Aufsatz "Nach der Katastrophe" kann auch als Aufarbeitung seiner persönlichen Verwicklung gelten.

In der Schweiz nahm er 1933 an der ETH Zürich – ab 1935 als Titularprofessor – wieder eine Lehrtätigkeit auf, die er bis 1942 fortführte. 1942-43 diente Jung via Allen Welsh Dulles dem US-amerikanischen Geheimdienst als eine Art "Profiler": Jung sollte die psychische Verfassung der führenden Nazis und des deutschen Volkes analysieren, ihre Handlungsweisen und möglichen Reaktionen prognostizieren.

In seinen letzten Lebensjahren führte er vermehrt Forschungen über seine Theorie des kollektiven Unbewussten und die Bedeutung der Religion für die Psyche durch. Er liegt in Küsnacht ZH, Friedhof-Dorf begraben.

Psychologie

Gret Baumann-Jung schreibt an Bernhard Engler über den Aszendent ihres Vaters.

Als Schüler Sigmund Freuds ging Jung bald über dessen Lehre von der Dominanz der Libido als Antrieb menschlichen Handelns hinaus. 1912 trennten sich ihre Wege, und Jung nannte seine Richtung fortan "Analytische Psychologie". Er maß dem Kollektiven Unbewussten (im Gegensatz zu dem Persönlichen Unbewussten) als wichtigem Antriebsfaktor des Menschen große Bedeutung bei. Dies führte ihn zur Mythologie und zur Lehre von den Symbolen und Archetypen, welche das menschliche Verhalten steuern.

Die Historikerin Ute Reichel schreibt über Jungs Psychologie: "Determinismus und das ihm zugrunde liegende kausal-mechanistische Weltbild sind in dieser Auffassung überwunden und werden erweitert durch die Einbeziehung ganzheitlicher Aspekte und die Vorstellung nicht-kausaler Synchronizität. In der Tat erweiterte diese psychologische Schule das Menschenbild des freudianischen Ansatzes dahingehend, dass religiöse und mythologische Zusammenhänge in ihr Deutungsschema einbezogen werden. Diese Richtung bemühte sich, Zugang zu den tieferen Seelenschichten des Menschen zu finden und mit der Einbeziehung der Archetypenlehre und des „kollektiven Unbewussten" die dem Einzelnen verlorengegangene Ganzheit wiederzugeben und die damit verbundene Frage nach dem Sinn des Daseins zuzulassen. ... Auf eine einzigartige Weise wird der Mensch in den Mittelpunkt des Kosmos gerückt, indem gesagt wird, dass diejenigen Ereignisse, die dem Menschen äußerlich begegnen, eine Parallele zu seinem Innenleben und seiner Psyche aufweisen; andererseits wird so gesehen die äußere Welt zum Spiegelbild der inneren. Zu diesen scheinbar neuen, in Wirklichkeit aber nur wiederentdeckten Erkenntnissen der Psychologie des 20. Jahrhunderts, bietet die jahrhundertealte Erfahrungswissenschaft Astrologie zahlreiche Parallelen. Die Symbolsprache der Planeten spiegelt die im Menschen wirksamen Seelenkräfte wider..."[5] Speziell Jungs Archetypenlehre fügt sich gut ein in die Symbolik der abendländischen Astrologie, und wird in Erklärungsansätzen der Astrologie (wie diese genau funktioniere) immer wieder herangezogen.[6] Über den Weg der Archetypen kam Jung selbst zur Astrologie, welche er - wie die Alchemie - als eine wichtige Bereicherung der Tiefenpsychologie verstand.

Astrologie

Jungs Stellung zur Astrologie

In seiner Gedenkrede über Richard Wilhelm sagte er 1930: "Die Astrologie ... stellt die Summe aller psychologischen Erkenntnisse im Altertum dar. [Sie] beruht auf ... Zeitqualitäten, d.h. mit andern Worten, was in diesem Zeitmoment geboren oder geschaffen wird, hat die Qualität dieses Zeitmoments."[7] Bis in die Fünfziger Jahre hinein schwankte er, ob der hinter dem astrologischen Phänomen befindliche Wirkzusammenhang kausal oder synchronistisch sei. Er war sich lange unschlüssig, ob eine materielle Verursachung ("Strahlen" oder Partikel) vorliege oder ob "nur" eine analoge (mantisch-zeichendeutende) Beziehung bzw. eine sinnhafte Koinzidenz zwischen Sterne und Mensch vorliege. Am Ende seines Lebens (in einem Brief von 1960) erklärte er die astralen Mythen schließlich als rein archetypische Bilder, mit denen die Qualität der jeweiligen Zeitmomente (wie bei einem "Weinjahrgang") intuitiv erfasst werden könne: „Wir sind zu einem gegebenen Augenblick, an einem gegebenen Ort geboren worden und wir besitzen ... die Qualität des Jahres und der Jahreszeit, die uns zur Welt kommen sah. Nicht mehr behauptet die Astrologie." Bei ihr handle es sich um eine Projektion psychologischen Urwissens in die Sterne - getreu jenem zutiefst menschlichen Reflex, ausgerechnet "im Weitesten das Nächste" zu suchen...

Häufig zitiert wird seine Einschätzung: "Die moderne Astrologie nähert sich mehr und mehr der Psychologie und klopft bereits vernehmlich an die Tore der Universitäten." Diese optimistische Aussage hält den Gegebenheiten zu Beginn des 21. Jahrhunderts allerdings nicht stand.

In astrologischen Kreisen bekannt wurde seine Arbeit Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge (1952)[8] - veröffentlicht in dem Buch "Naturerklärung und Psyche", welches er zusammen mit dem Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Pauli verfasste. In einem astrologischen Experiment untersuchte er darin u.a. eine Anzahl von Geburtshoroskopen Verheirateter und Unverheirateter auf eine "Ehe"-Konstellation hin: bezüglich Sonne und Mond im Vergleich zu sonstigen Aspekten zwischen Sonne, Mond, Mars, Venus, AC und Deszendent - und fand in seiner ersten Erhebung tatsächlich einen höheren proportionalen Anteil der Sonne-Mond-Verbindung bei Verheirateten gegenüber den Vergleichs-Horoskopen von Unverheirateten.[9] Spätere, von ihm wiederum selbst durchgeführte Kontrolluntersuchungen, bestätigten diesen Zusammenhang jedoch nicht. Er vermutete daraufhin (nachvollziehbar), dass in einem synchronistischen Kontext die statistischen Ergebnisse eben abhängig seien von der jeweiligen (unterschwelligen) Erwartungshaltung des Forschers bzw. Untersuchenden. Fortan zeigte er sich desillusioniert bzgl. des Recheninstruments Statistik, und bescheinigte dieser einen grundsätzlich "ruinösen Einfluss" auf Zufälle und Synchronizitätsvorgänge.

Zentrale Begriffe für die Astrologie

Jungs geistiges und seelisches Schaffen hat die moderne, mithin die Psychologische Astrologie erheblich beeinflusst. Im deutschsprachigen Raum geschah dies bereits ab den 1920er Jahren, aber verstärkt ab den 1970er Jahren, als sich ein erneuertes esoterisches Denken wie auch die Psychologische Astrologie besonders von den englischsprachigen Ländern wie den USA und Großbritannien aus stark verbreitete. Vor allem der amerikanische Astrologe Dane Rudhyar wie die amerikanisch-britische Astrologin Liz Greene gewannen großen Einfluss mit ihrer auch von der Komplexen Psychologie Jungs geprägten Astrologie.

Die wichtigsten Jung'schen Begriffe für die Astrologie sind wohl folgende:

  • Animus / Anima: Besonders in der Partnerschaftsastrologie häufiger verwendete Begriffe, bei denen es um die inneren, archetypischen (Such-)Bilder zum jeweils anderen Geschlecht geht.
  • Archetypen: Die im kollektiven Unbewussten angesiedelten Urbilder menschlicher Vorstellungsmuster, die auf vielen menschlichen Ur-Erfahrungen wie Geburt, Liebe oder Elternschaft beruhen[10].
  • Persona: Derjenige Teil des Ichs, der für ein normatives, sozialverträgliches Verhalten des Individuums gegenüber seiner Umwelt sorgt.
  • Individuation: Der psychische Reifungsvorgang des Menschen (hin zum Selbst) analog zu seinem körperlichen Wachstums- und Alterungsprozess[11].
  • Schatten: Die negativen bzw. sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit, die in das Unbewusste abgeschoben werden[12].
  • Synchronizität: Zeitlich naher, "ursacheloser", aber auch sinnhafter Zusammenhang von seelischen Erleben, innerem Bild und einem gleichzeitigen oder nachfolgenden, äußerlich-objektiven Ereignis.

Literatur

  • Carl Gustav Jung: Synchronizität, Akausalität und Okkultismus. dtv, München 2001 ISBN 978-3423351744
  • Deirdre Bair: C. G. Jung. Eine Biographie. München 2005, ISBN 3813502422; Taschenbuch: Btb, München 2007

Anmerkungen und Quellen

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  1. Astrodatabank: Persönliche Information von Gret Baumann-Jung, gegeben in: "Carl Gustav Jung: Leben, Werk, Wirkung," von Gerhard Wehr, 1985, Kosel-Verlag München
  2. So ist es unter Astrologen inzwischen gängig, die Trans-Saturnier (Uranus, Neptun und Pluto) als Symbole des von Jung formulierten "Kollektiven Unbewussten" zu verstehen, s. beispielsweise Dane Rudhyar, Die Astrologie der Persönlichkeit, S. 242ff.
  3. Abschnitt weitgehend von Wikipedia übernommen.
  4. Die Jung-Biographin Deirdre Bair spricht in C.G. Jung. Eine Biographie (München 2007), S. 10, von der zweitreichsten Erbin der Schweiz.
  5. Ute Reichel, Zum Wandel des Verhältnisses von Wissenschaft und Astrologie vom 16. Jahrhundert bis heute, in: Ulrike Voltmer & Reinhardt Stiehle (Hrg.), Astrologie und Wissenschaft, Chiron Verlag, Tübingen 2011, ISBN 978-3-89997-193-4, S. 149
  6. Kocku von Stuckrad: Die Geschichte der Astrologie, C.H. Beck München 2003, S. 339
  7. zitiert in Dane Rudhyar, Die Astrologie der Persönlichkeit, S.84/ 85
  8. C.G. Jung: Synchronizität, Akausalität und Okkultismus, dtv, München 1990,
  9. C.G. Jung: Synchronizität, Akausalität und Okkultismus, dtv, München 1990,, S. 51
  10. Quelle: Wikipedia
  11. Jolande Jacobi: Die Psychologie von C.G. Jung. Zürich 1959, S. 165.
  12. angelehnt an Wikipedia
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