Chinesische Astrologie

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Die chinesische Astrologie basiert auf einem anderen System als die abendländische. Nicht der Tierkreis bildet die Grundlage der Berechnungen und Erkenntnisse, sondern eine Kombination aus Zahlenmystik, Zeitqualität und dem Prinzip der Polarität. Entscheidend dabei sind die Zahlen Fünf und Zwölf.

Zwei Linien führen zu den astrologischen Erkenntnissen, die zehn Himmelsstämme und die zwölf Erdäste. Die zehn Himmelsstämme stehen für den himmlischen Raum. Sie leiten sich aus den fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bzw. den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser ab.

Zuordnung der Planeten und Elemente zueinander:

Planet Element
Jupiter Holz
Mars Feuer
Saturn Erde
Venus Metall
Merkur Wasser

Sonne und Mond gelten in der chinesischen Astrologie nicht als Planeten. Darüber hinaus erscheinen sie immer in ihrer weiblichen und männlichen Form, sodass sich die Zahl Zehn ergibt. Dieses Prinzip ist weit über China hinaus als Yin/Yang bekannt. Danach unterliegt die Existenz einem steten Wechsel aus Tag und Nacht, warm und kalt, hell und dunkel, Aktivität und Ruhe.

Der Gegenpol und die notwendige Ergänzung zu den zehn Himmelsstämmen sind die zwölf Erdäste. Sie repräsentieren die irdische Zeit, den Zyklus. Die Zwölf als ihre magische Zahl ergibt sich aus den Jahren des Jupiterumlaufs, den Monaten des scheinbaren Sonnenumlaufs sowie den Doppelstunden eines Tages. Die Himmelsstämme und die Erdäste - also die Energie der Planeten und Elemente sowie der Zyklus der Zeit - sind für sich genommen nicht von Bedeutung. Nur in ihrer gegenseitigen Bedingtheit entfalten sie ihre Wirkung, wie der Chinaspezialist Marcel Granet ausführt: "Da jedoch Raum und Zeit, Himmel und Erde nur in ständiger und enger Abhängigkeit voneinander vorstellbar sind, besitzt die Verbindung der beiden Zyklen nicht weniger Bedeutung als ihre Gegensätzlichkeit. Durch jeden der beiden Zyklen wird auf alle Orte und Gelegenheiten hingewiesen, und beide ermöglichen es, diese Gegebenheiten so zu ordnen, dass sie der Erde gemäß und für den Himmel verbindlich oder für den Himmel bezeichnend und für die Erde maßgeblich werden."[1]

Die Stationen des zyklischen Umlaufs sind durch zwölf Tiere symbolisiert, die einmal mehr dem Yin-Yang-Prinzip entsprechen. Es handelt sich um sechs wilde Tiere für das Yang-Prinzip sowie um sechs Haustiere für das Yin-Prinzip. Im Einzelnen lauten die zwölf Zeichen:

Gelegentlich wird der chinesische Tierkreis mit dem westlichen in Beziehung gesetzt: Ratte entspricht demnach dem Widder, Büffel dem Stier, Tiger den Zwillingen usw. Es gibt auch eine andere Zuordnung, die mit dem Drachen beginnt. Er entspricht dann dem Widder, Schlange dem Stier, Pferd den Zwillingen usw. Derartige Vergleiche sind aber grob vereinfachend und werden keinem der beiden Systeme gerecht, die völlig unabhängig voneinander entwickelt wurden.

Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag und jede Doppelstunde beginnt mit einem Element und einem Tierkreissymbol. Die Zählung geht dann nach der oben angegebenen Reihenfolge weiter, wobei das Element in seiner männlichen und seiner weiblichen Form auftaucht, während das Tierkreissymbol unmittelbar wechselt, zum Beispiel Yang-Holz-Ratte, Yin-Holz-Büffel, Yang-Feuer-Tiger, Yin-Feuer-Hase usw. Da diese Zählung nicht nur für das Jahr, sondern auch für den Monat, den Tag und die Doppelstunde gilt, hat jeder Mensch acht Zeichen - vier Elemente und vier Tierkreissymbole -, die seine individuelle astrologische Prägung ausmachen. Die chinesische Astrologie ist also bei weitem nicht so unpersönlich, wie eine oberflächliche Betrachtung, die nur die Zuordnung jeweils eines Tieres zu einem Jahr berücksichtigt, vermuten lässt.

Bei den zwölf Tierkreiszeichen spielt die Wertung eine große Rolle. Es gibt Zeichen, die als sehr günstig gelten, etwa Drache oder Schwein, und andere, die einen ausgesprochen schlechten Ruf haben, wie Schlange oder Hund.

Neben der Lehre von den Himmelsstämmen und den Erdästen gibt es eine auf den Mond ausgerichtete astrologische Tradition, die sehr alt ist. Demnach durchläuft der Mond 28 Stationen. Sie alle sind den Tierkreiszeichen zugeordnet. Nach 12 Stationen beginnt die Zählung aufs Neue. Da der Mondkalender nicht mit dem Zwölferzyklus im Einklang steht, muss mit zwei verschiedenen Kalendern gerechnet werden. Das hat sich jedoch als unpraktisch erwiesen. Der Einfluss der Mond-Astrologie ist deshalb in der konkreten Anwendung zurückgegangen.

Ein wichtiges Element der chinesischen Astrologie sind auch die beiden Mondknoten.

Für die Sterndeuter der Vergangenheit waren neben den Bewegungen der Planeten besondere Himmelserscheinungen wie Finsternisse oder Kometen von Bedeutung. Astronomie und Astrologie gingen dabei Hand in Hand. China verfügt deshalb über eine bedeutende Tradition bei der Himmelsbeobachtung. Sie war den Beamten des Kaisers vorbehalten. Dem obersten Herrscher oblag die Aufgabe, die Erkenntnisse in praktische Politik umzusetzen, wie schon Konfutse gefordert hat: "Der Himmel lässt seine Bilder herabhängen, die Herrscher nehmen sie als Vorbild."

Prognostik

Die chinesische Astrologie ist sehr prognostisch orientiert. Dabei spielt das Tierkreiszeichen, das in dem betreffenden Jahr herrscht, eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle. Die Trivialastrologie, die in China ebenso verbreitet ist wie in der abendländischen Tradition, beschränkt sich bei der Voraussage häufig darauf. Jede ernsthafte Prognose bringt jedoch die individuelle astrologische Prägung des Klienten mit der Qualität der Zeit in Verbindung, für die die Prognose gelten soll. So sind differenzierte Aussagen möglich. Zur Unterstützung der Prognose greift man auch auf andere Systeme zurück, darunter auf das bekannte I-Ging-Orakel, das im "Buch der Wandlungen" schriftlich fixiert ist.

Die Anwendung der prognostischen Astrologie ist gesellschaftlich weitgehend unbestritten, sogar unter Intellektuellen, Politikern, Offizieren oder Wirtschaftsvertretern, deren westliche Pendants jeden Kontakt mit der Astrologie (zumindest offiziell) meiden. Die Menschen lassen sich einen günstigen Termin für die Hochzeit, den Berufsstart, eine Firmengründung, eine Reise sowie andere mehr oder weniger bedeutende Ereignisse im Leben von einem Astrologen errechnen. Politiker suchen vor wichtigen Entscheidungen den Rat von Astrologen, Wirtschaftsführer befragen sie ebenfalls vor Investitionen, Käufen oder Börsengängen.

Die im Abendland populäre psychologische Astrologie oder die esoterische Astrologie, bei der es darum geht, seelische Muster und Prozesse zu erkennen, spielt in China kaum eine Rolle.

Deutung

Insgesamt kennt das chinesische Horoskop fünf Deutungselemente [2].

  • Das Geburtsjahr (eine Kombination aus den zwölf Tieren mit den fünf Elementen, also 60 Varianten) bestimmt den Charakter und die Veranlagungen.
  • Die Jahreszeit ist einem der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Sie bestimmt das geistige Streben und deine geheimen Wünsche für das persönliche Glück.
  • Die Doppelwoche gibt Auskunft über die Begabungen und Fähigkeiten, aber auch über die charakterlichen Schwächen. Das Verhältnis zur Umwelt in beruflicher, politischer und sozialer Hinsicht ist hier Thema.
  • Der Tag ist einem von 28 Mondhäusern (Hsui) zugeordnet. Er charakterisiert deine inneren Gefühls- und Gemütsbewegungen, die Fähigkeit, Freundschaften zu schließen oder eine partnerschaftliche Beziehung aufzubauen.
  • Die Uhrzeit wird einer von zwölf Doppelstunden zugeordnet. Der Stunde der Geburt wird wieder ein vom ersten Pfad bekanntes Tiersymbol zugeordnet. Dieses steht für den äußeren Teil des Menschen, der von der Umwelt wahrgenommen wird. Es geht hierbei um die Wirkung und den Eindruck, den man bei seinen Mitmenschen hinterlässt.

Quellen

  1. Marcel Granet: Das chinesische Denken. Inhalt, Form und Charakter. Frankfurt a.M. 1997, S. 114.
  2. http://www.antikreisen.de/china/philosophie/horoskop.html
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