Composit

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Das Partnerschaftszeichen Waage bei Johfra Bosschart

Als Composit bezeichnet man eine Methode der Partnerschaftsastrologie, bei der anhand der Horoskopfaktoren zweier (oder mehrerer) Personen ein eigenständiges Horoskop erstellt wird. Nicht zu verwechseln mit dem Combin; doch können auch mit Hilfe des Composits Schwerpunktthemen einer Beziehung relativ schnell erfasst werden.

(Die korrekte deutsche Schreibweise wäre eigentlich "Komposit", doch hat sich wohl aufgrund des Buches von Robert Hand „Planeten im Composit“ die amerikanische Schreibweise im deutschen Sprachraum eingebürgert.)

Inhaltsverzeichnis

Historisches

Ausgehend von der Vorstellung, dass Sonne und MC die Persönlichkeit eines Menschen symbolisieren, veröffentlichte Alfred Witte schon 1919 folgende Theorie:

"Das System der einzelnen Sonnen-Horoskope miteinander verbunden, gleicht der Pflanze Sonnentau, Drosera rotundifolia, wo die Blätter mit den Greifarmen die Erde mit den Planetenständen und der Stiel der Blätter der Gravitationslinie Erde—Sonne gleichen. (...) Da nun alle Menschen an verschiedenen Tagen geboren sind und doch alle auf dem Planeten Erde sich befinden, so müssen auch die miteinander in Verbindung zu bringen sein, die tatsächlich miteinander in Berührung kommen und das wird in dem Erdhoroskop dadurch ausgeführt, dass man die Radixsonnen zweier Personen addiert und als Punkt benutzt. Die Hälfte der Summe gibt den Punkt an, der die Verbindung herbeigeführt hat. Der Tag der Trennung wird ermittelt durch die Summe minus Stand der Sonne lfd. (...) Bei stärkeren Verbindungen werden die Spitzen der X. Häuser addiert und man erhält dadurch den betreffenden Punkt."[1]

Die von Witte beschriebene Arbeitstechnik heißt in der Hamburger Schule, wenn es um Partnervergleich und um die Beziehung zwischen mehreren Personen geht, Sonnengleichung.[2][3]

Erstmals vorgestellt wurde die Technik des Composits unter dem Namen "Schnittpunkt-Horokop" (später: Schnittpunkt-Vergleichs-Horoskop SVH) im Astrologischen Auskunftsbogen Nr. 81, März 1958 durch Lieselotte Raab[4]:

"Nehmen Sie Ihr Horoskop und das eines Partners, am besten des Menschen, den Sie am besten kennen, oder am liebsten haben, jedenfalls muss er Ihnen so nahe stehen, dass Sie in irgendeinem Sinne eine Einheit mit ihm bilden. Dann nehmen Sie den Sonnenort des einen und den Sonnenort des anderen, suchen davon die Mitte (gescheite Leute reden von Halbdistanzpunkten) und malen an dem gefundenen Punkt in einem dritten Horoskop eine Sun.gif hin. Auf die gleiche Art suchen Sie sich aus den beiden Lun.gifLun.gif einen dritten und setzen ihn ein, und solches tun Sie weiter mit allen Planeten. Dann gehen Sie ebenso mit den Häuserspitzen vor, so dass ein ganz vollkommen neues drittes Horoskop entsteht. Und dies wird Sie genauso überaschen wie mich: Es ist haarscharf ein Abbild der Gemeinsamkeit der beiden Partner, man erkennt nicht mehr, was dies für den einen und jenes für den anderen bedeutet, sondern, was alle Gegebenheiten diesem Paar bedeuten, wo gewissermaßen der 'Treffpunkt' gemeinsamen Denkens (Mer.gif), Wollens (Mar.gif) usw., gemeisamer Aufgabe und gemeinsamen Leides ist. Wird z.B. ein Mer.gif in diesem Doppelhoroskop böse angegriffen, dann ist nicht, wie im einzelnen Horoskop, das klare Denken als solches gestört, sondern das gegenseitige (verstandesmäßige) Verständnis; steht dabei aber z.B. ein Urg.gif besonders gut und stark, dann ist in dieser Verbindung eben das Geniale wesentlicher und nach Ort und Aspekten zu deuten wie in jedem einzelnen Horoskop."

Der erste Astrologe, der das Composit unter dem heutigen Namen verwendet, scheint John Townley zu sein, der 1973[5] ein Buch zu diesem Thema veröffentlichte; er bezeichnet sich selbst seither als "father of the composite chart"[6].

Berechnung

Für die jeweils gleichen Horoskopfaktoren (Sonne von Partner A und Sonne von Partner B) wird ein Mittel- oder Halbsummenpunkt errechnet. Wenn zum Beispiel beim einen Partner der Mond auf 13 Grad Stier steht und beim anderen der Mond auf 27 Grad Wassermann, ergibt dies zum einen einen Mittelpunkt auf 5 Grad Waage, und zum anderen einen auf 5 Grad Widder. Letzterer befindet sich auf dem kürzeren Kreisbogen zwischen Stier und Wassermann; daher ist dies der Stand des Composit-Mondes. Diese Mittelung nimmt man auch bei allen anderen Planeten vor, sowie bei der Mondknotenachse und dem Medium coeli. Für den Aszendenten und die weiteren Häuserspitzen sind zwei Methoden gebräuchlich:

  • Bezugsortmethode: man nimmt den Breitengrad eines 'Bezugsorts', im Allgemeinen des Ortes, an dem die Beziehung gelebt wird, und entnimmt aus der Häusertabelle für die zum schon berechneten MC gehörende Sternzeit den Aszendenten und die Zwischenhäuser.
  • Schnittpunkt- oder Halbsummenmethode: man berechnet auch den Aszendenten und die weiteren Häuserspitzen als Halbsummen der entsprechenden Positionen.

Die Planeten Merkur und Venus können in einem Geburtshoroskop nicht weiter als 30° bzw. 45° von der Sonne entfernt stehen. Im Composit können sie jedoch – sofern sich Sonne, Venus und Merkur der beiden Partner nahezu gegenüberstehen – durch die Mittelung rein rechnerisch in Opposition zur Composit-Sonne geraten. Manche Astrologen wählen in einem solchen, astronomisch unmöglichen Fall die gegenüberliegende, näher bei der Sonne befindliche Position für Merkur und Venus, auch wenn es sich dann technisch um den längeren Kreisbogen handelt.

Deutung

Im Gegensatz zum Combin handelt es sich beim Composit um ein fiktives, künstlich zusammengesetztes Horoskop und nicht um das Abbild realer Konstellationen am Himmel. Dennoch können mit dieser Methode recht treffende Aussagen über das Wesen einer Beziehung und der in ihr wichtigen Themen gemacht werden. Nach Erkenntnissen von Mona Riegger scheint das Composit eher die Energie zu Beginn einer Beziehung, die Zeit der ersten Tuchfühlung zu beschreiben, während der die Partner sich noch nicht wirklich verbindlich aufeinander eingelassen haben. Sie ist der Ansicht, "dass das Composit-Horoskop den Themen des siebten Hauses entspricht, während das Combin-Horoskop Achtes-Haus-Themen widerspiegelt. Das Composit beschreibt demnach die Phase des Findens, das Combin die Phase des Haltens." Und weiter: "Ein Composit-Horoskop kann in allen Bereichen menschlichen Miteinanders Aufschluss über die wichtigsten Themen der Partnerschaft geben. Doch bei Familienmitgliedern und Beziehungen, in denen eine sehr tiefe Verbindlichkeit herrscht, weil die Partner z.B. zusammen leben, Kinder haben oder finanzielle Abhängigkeiten bestehen, ziehe ich das Combin dem Composit immer vor." [7]

In einem Artikel über das Composit schreibt sie[8]: "Man kann entweder ganz strukturiert an die Deutung eines Composits herangehen, indem man Schritt für Schritt einem gängigen Deutungsschema folgt, oder aber man konzentriert sich hauptsächlich auf auffallende Aspektverbindungen, wie z.B. eine Sonne-Uranus-Pluto-Konjunktion in Opposition zu Saturn. Findet man in einem Composit eine solche Konstellation, kann man recht schnell einiges über die Dynamik zwischen beiden Partnern aussagen. Wer aber gerne einem

Deutungsschema

folgt, kann mit folgenden Schritten gute Ergebnisse erzielen:"

Composit-Aszendent

Er symbolisiert, auf welche Weise sich die Partner gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigen, wie sie gemeinsam auftreten oder aber auch, in welchem bevorzugten Umfeld sie sich aufhalten. Planeten in Konjunktion zum Asz. oder im ersten Composit-Haus
Diese Planetenenergie wird das Aszendentenzeichen entsprechend seiner Symbolik mitprägen und ein wichtiges Lernthema für die Partner bereithalten.

Planeten in Konjunktion zum DC oder im siebten Composit-Haus

Hier spiegeln sich die Energien wider, die den Partnern von außen begegnen bzw. wie die Umwelt auf sie als Paar reagiert.

Die Sonne in Zeichen und Haus

Die Composit-Sonne beschreibt das Wesen einer Beziehung. Das Zeichen, in dem die Sonne steht, charakterisiert dieses Wesen hinsichtlich seines Temperaments noch genauer. Ist es feurig-dynamisch oder eher ruhig und bedächtig? Die Hausstellung der Sonne beschreibt jenen Lebensbereich, der für die Partner am wichtigsten ist und ihnen die größten Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Der Mond in Zeichen und Haus

Die Mond-Stellung im Composit gibt Aufschluss darüber, was die Partner auf gefühlsmäßiger und seelischer Ebene nährt bzw. welche Bedingungen sie gemeinsam brauchen, um sich rundum wohl zu fühlen.

Spannungsaspekte zu Sonne und Mond

Sie geben Auskunft darüber, auf welche Art und Weise sich das Potential einer Partnerschaft entfalten kann und welchen Herausforderungen die Partner sich stellen müssen.

Spannungsaspekte der Langsamläufer zu Merkur, Venus und Mars

Sie beschreiben mögliche Konfliktbereiche. Im Falle von Merkur liegen diese eher im Bereich des Austauschs und der Kommunikation, bei Venus in punkto Geben und Nehmen oder sie betreffen den Geschmack der Partner, und im Falle von Mars kann es Konflikte beim gemeinsamen Handeln, in der Sexualität oder bei ihrem Umgang mit Wut und Aggressionen geben.

Planeten an der MC/IC-Achse

Sie geben zum einen Hinweise auf die gemeinsame Zielsetzung der Partner (MC), sowie auf mögliche Herausforderungen im häuslichen oder familiären Bereich (IC).

Synastrie zwischen Composit und Radix

Wie jeder der Partner auf das Wesen der Partnerschaft reagiert, kann man an den Interaspekten zwischen den Planeten der jeweiligen Radix zu den Composit-Planeten ablesen.

Die zeitliche Dynamik im Composit

Ein Composit zwischen zwei Menschen entsteht in dem Moment, in dem der Jüngere der beiden geboren ist. Erst dann sind beide Geburtsdaten gegeben. Bis sich die Partner aber tatsächlich eines Tages begegnen, werden in der Regel aber noch Jahrzehnte vergehen. Die erste Begegnung erweckt das Composit "zum Leben" und für die Deutung ist es nicht uninteressant zu sehen, unter welcher Zeitqualität (Transite) dies geschieht.

Literatur

Die Autorin widmet sich dem Auf und Ab von Partnerschaften aus astrologischer Sicht. Anhand der von ihr ausführlich beschriebenen Vorgehensweise lassen sich die einzelnen Phasen und die jeweiligen Entwicklungsschritte der Partner mittels der Transite und Progressionen zu Combin und Composit analysieren und tiefgreifend verstehen. Deutung von Combin- und Composithoroskopen, Transite durch die Combinhäuser und Transite von Jupiter bis Pluto zum Combin-AC sowie zu Planeten von Sonne bis Mars. Rhythmische Auslösungen. Stundenastrologischer Teil.
Die Vorstellung, die dem Composit-Horoskop zugrunde liegt, ist die der Beziehung als drittem Faktor. Diese wird wie ein unabhängiges, eigenständiges Wesen betrachtet. Jede Beziehung hat ihre eigene Atmosphäre.Wir haben bestimmte Verhaltensmuster, wenn wir allein sind. Zusammen mit unserem Partner entsteht sofort eine dynamische Energie, die unser Verhalten beeinflusst. Dies lässt sich am Composit sehr leicht ablesen. Ebenso lässt sich die Emtwicklung der Beziehung mit gängigen Prognosemethoden am Composit ablesen.
  • Meridian-Schwerpunktthema Praxis der Combin- und Compositdeutung, Heft 3/ 2013

Quellen und Anmerkungen

  1. Alfred Witte: Sensitive Punkte. in »Astrologische Rundschau«, 10. Jahrgang, Oktober-Dezember 1919, Heft 1-3, Seite 29. Nachdruck in: "Alfred Witte. Der Mensch - eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen." (Enthält alle 47 Aufsätze von Witte, mit Kommentaren von Hermann Sporner.) Ludwig Rudolph (WITTE-Verlag), Hamburg 1975, S. 40, ISBN 3-920807-11-1
  2. Für den Partnervergleich wurde in der Hamburger Schule folgende Vorgehensweise entwickelt: Die Position der Halbsumme von SO1/SO2 wird in das Horoskop von Person 1 eingezeichnet und ebenso in das Horoskop von Person 2. Die Konstellationen beschreiben, wie das körperliche Zusammensein auf den einen und anderen Partner wirkt. Mit dem MC wird auch so verfahren: Die Position der Halbsumme von MC1/MC2 wird in das Horoskop von Person 1 eingezeichnet und ebenso in das Horoskop von Person 2. Die Konstellationen beschreiben, wie das Persönliche im Zusammensein auf den einen und anderen Partner wirkt. Darüber hinaus werden auch nur die einzelnen Positionen von Sonne und MC in das Horoskop das Partners eingetragen und als Untersuchungsachse benutzt. Die Sonne beschreibt, wie der Partner mit seiner Anwesenheit auf den anderen wirkt. Das MC beschreibt, wie der Partner mit seiner Persönlichkeit (er muss deswegen nicht auch anwesend sein) auf den anderen wirkt.
  3. Heinz Schlaghecke: Astrale Kristallisation. Ein offenes Geheimnis der Natur. Symmetrie der Geburtstage von 7 Geschwistern (7. Geburt vorausberechnet). 46 Seiten, Ludwig Rudolph (WITTE-Verlag), Hamburg 1953
  4. In dem von Baumgartner redigierten Tiede-Lexikon heißt es 1969 technisch dazu: "Man stellt die Sonne des SVH auf den Schnittpunkt der beiden Sonnen der Partner. Ebenso bezgl. Asz., MC, Mond und Gestirnen. Dieses SVH kennzeichnet, ob überhaupt ein enger, intimer Kontakt und Verkehr zustande kommt (Sonne Konj. Venus oder Jupiter im SVH) oder ob das unmöglich ist und wie der Kontakt endet (Scheidung wenn Mars Quadr. Saturn im SVH usw.). - Das SVH ist das Horoskop der Geneinsamkeit, dessen, was zustande kommt, wenn zwei EINS werden. Seine Deutung kennzeichnet das Zustandekommende als harmonisch oder leidvoll. Näheres in den weiteren Ausk. Bogen, insbesondere Ausk. Bogen 92, S. 12, 117, S.17: 166, S. 29, 168, S. 28, 176, S.30 u. a.
  5. John Townley: The Composite Chart: The Horoscope of a Relationship. 47 Seiten. Samuel Weiser 1974 ISBN 0877282617
  6. http://www.astrococktail.com/books.html
  7. Mona Riegger: Handbuch der Combin- und Composit-Deutung. Freiburg 1997. S. 34.
  8. http://www.sternwelten.net/bereiche-astrologie/partnerschaftsastrologie/155-partnerschaftsastrologie-teil-5-das-composit-und-seine-zeitliche-dynamik.html
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