Deszendent

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Ekliptik und Meridian. Deszendent links hinten im Bild

Der Deszendent ist der zu einem bestimmten Moment am Westhorizont untergehende Punkt im Tierkreis. Der Begriff kommt vom lateinischen descendere (absteigen). Verbreitete Abkürzungen sind DC, DS, D oder Desz. Dem Deszendenten liegt der Aszendent genau gegenüber.

Astronomie

Der Deszendent ist der Schnittpunkt des westlichen Horizonts mit der Ekliptik. Er weist dieselben astronomischen Eigenschaften wie der Aszendent auf.

Deutung

Der Deszendent gilt als der Du-Punkt im Horoskop. Er zeigt an, wie der Horoskopeigner das Gegenüber wahrnimmt. Damit ist häufig der Beziehungspartner gemeint, doch beschränkt sich die Symbolik nicht darauf. Es geht um die Wahrnehmung des gesamten mitmenschlichen Bereichs und der Beziehungen, die damit verknüpft sind, auch wenn die Partnerschaft im engeren Sinne im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig zeigt der Deszendent damit an, wie andere auf den Horoskopeigner zukommen. Das Zeichen am Deszendenten und etwaige Planeten in Konjunktion mit ihm verleihen ihm die besondere persönliche Färbung. Auf die genau entgegengesetzte Art und Weise, wie am Aszendenten das eigene Wesen, die eigene Art zum Ausdruck kommt, und die Außenwelt auf die aszendentenspezifische Art und Weise zum Ausdruck kommt, wird hier der Horoskopeigner bewirkt und erwartet vom Gegenüber eine Bewirkung in der Art des Deszendenten. Insofern ist dieser, wie auch der Aszendent, eine bestimmte Art von Brille oder Filter, die die Erwartungen beeinflusst und steuert.

So wie der Deszendent die notwendige Ergänzung und das Gegenstück des Aszendenten ist, so ergänzt das Du das Ich, um zur Ganzheit zu gelangen. Es geht allerdings nicht um symbiotische Verschmelzung, sondern um neue Erfahrungen, die allein nicht möglich sind.

Dennoch ist es eine bemerkenswerte Symbolik, dass Partnerschaft und Liebe am Untergangspunkt des Horoskops stehen. Dazu schreibt der Astrologe Ernst Ott:

"Manchen von uns fällt es schwer, ihr Ego in den Hintergrund zu stellen, sie müssen auch in der Beziehung den Ton angeben, sich durchsetzen oder sehen gar den Prozess der Liebe als Konkurrenzspiel. Andere wiederum haben zu wenig Selbstdurchsetzung und benutzen den Partner als Krücke für das fehlende eigene Selbstwertgefühl ... Ohne ein gesundes Ego (Aszendent) gibt es keine wirklich gleichberechtigte Partnerschaft (Deszendent). Am Deszendent geht nicht nur das aufgeblähte Ego unter, sondern auch die ängstliche Anpassung. Nach diesem Untergang beginnt die Nacht der Liebe als ein wirkliches Fest der Begegnung zweier gleichberechtiger Persönlichkeiten." [1]

In etwa vergleichbar, wie das Ego im Tierkreiszeichen Waage als aufs Äußerste geschwächt gilt, so gilt das auch für den Selbstausdruck am Aszendenten: man ist hier vollkommen auf den Gegenüber eingestellt und nimmt sich selbst vollkommen zurück. Andererseits beeinflusst man selbst sein Gegenüber in der Art des Deszendeten, wenn man die Absichten des Aszendenten verwirklicht. Als ein Beispiel mag hier der Löwe-Aszendent gelten: Im Bestreben, seine eigene Großartigkeit, und Unverwechselbarkeit zu leben und Bewunderung zu verdienen, wirkt er auf andere leicht unnahbar und ganz besonders unabhängig, vielleicht sogar schwer zugänglich und nur schwer in der Lage, sich auf Bindungen vollkommen einzulassen. Das, was das Gegenüber des Löwe-Aszendenten hier wahrnimmt, ist somit der Wassermann-Deszendent.

Der Deszendent kann auch (mehr oder weniger bewusst) zur Projektionsfläche des Individuums werden. Dann steht er für die Eigenschaften, die selbst nicht gelebt, sondern auf den anderen übertragen und bei ihm auch gesucht werden; sei es, weil sie nicht im Bewusstsein sind oder weil sie beispielsweise aufgrund von Moralvorstellungen abgelehnt werden (Projektion, Schatten).

Mit dem Deszendenten beginnt das siebte Haus, das Haus der Partnerschaft, das dem Tierkreiszeichen Waage zugeordnet ist.

Literatur

  1. Ernst Ott: Liebe - Lust am Untergang? In: Meridian 3/99, S. 46f.
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