Direktion

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Direktion (lat. dirigere: "leiten","führen", directio: Ausrichten) ist ein Zentralbegriff für alle Prognosesysteme der Astrologie. Darunter werden diverse Prognosemethoden verstanden, bei denen Horoskopfaktoren bewegt und in einer Form der zeitlichen Extrapolation auf bestimmte Zeiträume nach definierten Direktionsschlüsseln (Formeln) projiziert werden. Aus denen in die Zukunft projizierten Direktionsstellen sich bildenden Aspekten werden Ereigniszeiten oder Möglichkeiten abgeleitet. Die eintreffenden Ereignisse, Entwicklungen und Geschehnisse müssen der Analogiekette der dirigierten Faktoren entsprechen. Zu signifikanten Ereignissen kommt es, wenn sich nach den diversen Direktionsmethoden Aspekte von zwei oder mehr Horoskopfaktoren gebildet haben und in einen genauen Orbis eingetreten sind. Man spricht dann von "Auslösungen".

Inhaltsverzeichnis

Vier Arten von Direktionen

Es können vier wesentliche Arten von Direktionen unterschieden werden, die sich historisch parallel entwickelt haben und auf gleichartigen Erkenntnissen und Prämissen beruhen. Die Grundlage ist immer, dass sich Aspekte eines "kleinen Zeitraums" auf einen exakt definierbaren anderen in der Zukunft liegenden "größeren Zeitraum" auswirken, z.B. nach den Formeln: 1 Moment (Minute) = 1 Jahr (Solarhoroskop), 4 Minuten = 1 Jahr (Primärdirektion), 1 Tag = 1 Jahr (Sekundärdirektion), 1 Synodischer Mondmonat = 1 Jahr (Synodisches Mondhoroskop), 1 tropischer Monat = 1 Jahr (Tertiärprogression). Die einzige Ausnahme sind die Transite, welche zum Zeitpunkt ihres Entstehens wirken.

Primärdirektion

Die Primärdirektion, welche auf der Eigenbewegung der Erde beruht, gehört zu den ältesten Direktionsmethoden. Im geozentrischen Weltbild wurde jedoch der tägliche Umschwung des gesamten Himmelsgewölbes und seiner Faktoren ( Sterne, Planeten, Aszendent, Medium coeli etc.) in seinen trigonometrischen Zeitverhältnissen bezogen auf eine im Zentrum der Welt feststehende Erde verstanden. Diese bilden die Zeitverhältnisse während nur eines Umschwunges an einem einzigen Tag oder Nacht nach einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. Geburt) ab. Die Primärdirektionen gehören zu den ursprünglichsten Direktionsverfahren der gelehrten Astrologie und wurden schon von Ptolemäus beschrieben und bilden tatsächliche astronomische Proportionen ab. Zu den Aspekten gehören die Mundanaspekte. (Schlüssel: 1 Grad Rektaszension des Medium coeli entspricht einem Lebensjahr; mit anderen Worten: etwa je 4 Minuten nach der Geburt entsprechen einem Lebensjahr). Erich Carl Kühr entwickelte ein ergänzendes primärdirektionales System, bei dem Primärdirektionen tageweise zur Auslösung kommen, das er "Tagesdirektion" nannte.

Sekundärdirektion

Die Sekundärdirektionen, die auch Sekundärprogression oder nur als Progression bezeichnet werden, beruhen ebenso auf tatsächlich ablaufende astrononomische Verhältnisse, jedoch wird hier jeder einzelne und folgende Tag nach einem Ereignis (z.B. Geburt) als 1 Jahr (Lebensjahr) genommen. Die Berechnungsweise entspricht dem Prinzip der Tageshoroskope. Primär- und Sekundärdirektionsverfahren wurden und werden noch heute gleichwertig und miteinander angewandt, obwohl einige Autoren diese konkurrierend gegenüber stellen, wie der kritische Astrologe Walter Lang (Schüler von Erich Carl Kühr) [1] Es war jedoch Placidus de Titis, der als erster die Direktionsbewegungen in primäre und sekundäre begrifflich unterschied, was bei Nachfolgegenerationen zu Begriffsverwirrungen führte. Die Unterscheidung bezieht sich nicht auf eine erstrangige oder zweitrangige Bedeutung derselben, sondern mit primär ist nur die erste Bewegung der Erde um die eigene Achse und mit der zweiten Bewegung (sekundären) die Bewegung der Himmelskörper fortschreitend, Tag für Tag, gemeint (heliozentrisch: Die Bewegung der Erde mit allen anderen Planeten um die Sonne). Vor der begrifflichen Unterscheidung durch Placidus wurden alle Formen der Direktion einheitlich als "Direktion" bezeichnet.

Symbolische Direktion

Symbolische Direktion: Neben diesen von altersher den astronomischen Verhältnissen abgeleiteten Primär- und Sekundärdirektionen wurden von einer mystischen Tradition die symbolischen Direktionsarten entwickelt und angewandt. Historisch sind grundsätzlich zwei Entwicklungslinien in der Geschichte der Astrologie unterscheidbar, die sich parallel in den zwei bis drei vorchristlichen Jahrhunderten etablierten. Knappich: "Durch viele Jahrhunderte tobte nun der Kampf zwischen einer enthüllenden, rationalistischen Astrologie, in der die Sterngötter zu physischen Prinzipien und Urkräfte wurden, die alles Irdische beeinflussen und einer verhüllenden, von Priestern zu Machtzwecken oft geheimgehaltenen esoterisch-magischen Astrologie."[2] Die symbolischen Direktionsmethoden beruhen zwar auch auf den astronomischen Vorbildern der Tages- Monats- und Jahresbewegungen einzelner Himmelsfaktoren, jedoch werden nach einem ausgesuchten Vorbild und dem daraus abgeleiteten Direktionsschlüssel alle Horoskopfaktoren nach gleichen Meßverhältnissen dirigiert. Diese Formen der Direktion haben sich vermutlich aus den vereinfachten Profektionsystemen der Antike entwickelt. In der Regel werden alle Horoskopfaktoren auf der Ekliptik nach einem bestimmten Schlüssel in gleicher Weise verschoben, sei es nach dem Sonnenbogen, nach dem Schlüssel 1 Ekliptikgrad pro Lebensjahr, 30° Ekliptikgrade pro Lebensjahr oder nach anderen Ideen und Schlüsseln. Der Phantasie, der Intuition oder Vision sind in diesen Systemen keine Grenzen gesetzt und so haben sich besonders im 17. Jahrhundert in Frankreich diese Methoden äußerster Beliebtheit erfreut[3] und gelangten von dort aus nach England, während die gelehrte italienische Schule (Guido Bonatus, Placidus de Titis u.a.) die symbolischen Direktionsverfahren strikt ablehnten. Der Kapuzinermönch Francois Yves (1593-1687) ersann in seiner Schrift "Astrologiae nova Methodus" ein neues Direktionssystem, die "direktion sexagenaire", die aber, so schreibt W. Knappich:"..nichts anderes als ein Abklatsch der bereits von Petosiris und Paulus Alexandrinus gelehrten Profektionssysteme war."[4] Charles E. O. Carter definierte die symbolischen Direktionen folgendermaßen: "Die symbolischen Progressionssysteme sind Systeme, in denen die Direktionsfaktoren nach Zeiteinheiten vorwärtsbewegt werden, die nicht auf ihrer wirklichen oder scheinbaren Bewegung beruhen."[5]

Symbolische Direktionsarten

  • Sonnenbogendirektion (Schlüssel: alle Horoskopfaktoren werden pro Jahr um die Entfernung nach vorne geschoben, um die die Sonne sich täglich weiter bewegt).
  • Mondbogendirektion (Berechnung: nach der Strecke der täglichen Mondbewegung werden alle Horoskopfaktoren verschoben, jeder weitere Tag nach der Geburt entspricht dabei einem Lebensjahr).
  • Graddirektion (Schlüssel: alle Horoskopfaktoren werden um jeweils 1 Grad pro Jahr nach vorne geschoben).
  • Profektion (Schlüssel: alle Horoskopfaktoren werden um jeweils 30 Grad pro Jahr nach vorne geschoben)
  • Planetenstunde

Revolutionsdirektionen

Direktionen, welche auf Grundlage der Rückkehr von Sonne, Mond, Planeten oder anderen Himmelsfaktoren auf ihre genaue ekliptikale Ausgangsposition (Radixhoroskop) abgeleitet werden, bezeichnet man auch als Rückkehrhoroskop oder Wiederkehrhoroskop. Sie gehören zu den älteren Direktionsarten in der Geschichte der Astrologie, deren Vorläufer bis in die Spätantike reichen, allerdings wahrscheinlich nur mit Planetenposition des Wiederkehrzeitpunktes, auf das Geburtshoroskop bezogen, und ohne eine eigentliche Horoskopgrafik[6].

Am bekanntesten ist derzeit das Wiederkehr-Horoskop der Sonne, das Solarhoroskop. Das Solarhoroskop ist die Horoskop-Grafik, welche auf den Wiederkehr-Zeitpunkt der Sonne auf ihre ekliptikale Position des Radixhoroskops erstellt wird. Die Aspekte und die sich daraus entwickelten Direktionsstellen gelten für 1 Jahr bis zum nächsten Solarhoroskop. Dieses wird auch mit symbolischen Direktionen (siehe Profektion) durchlaufen, so dass man diese Direktionsmethode als Mischform zwischen Transit und "Symbolischer Direktion" auffassen kann, denn die Sonne zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr zu ihrem ursprünglichen "Geburtsort" und den dabei entstehenden Aspekten der anderen Planeten zu allen Radixpositionen sind nichts anderes als Transite, deren Wirkungszeitraum auf 1 Jahre projiziert wird - nach dem Schlüssel 1 Tag (genauer Zeitpunkt des Solarhorosop) gleich 1 Lebensjahr.

Der römische Kaiser Hadrian (76-138 n.Chr.) z. B. war mit dem antiken Vorläufer des Solarhoroskopes wohl vertraut und stellte sich alljährlich seine "Antigenisis", [7]; dabei wurde sehr wahrscheinlich jedoch noch kein eigentliches Wiederkehrhoroskop für den Augenblick der exakten Wiederkehr erstellt. Nach den heutigen Erkenntnissen wurde das Solarhoroskop in der heutigen Form und Deutung, Horoskopgrafik mit Positionen der Horoskopelemente in den Häusern der Grafik, erstmals in der Arabischen Astrologie, z. B. bei Albumasar[8], angewandt und erstellt, zu Deutung und Prognose.

Folgende Revolutionsdirektionsmethoden werden angewandt.

Direkte und konverse Direktion

Die sogenannte Konverse Direktion hat ihren Ursprung im System der Primärdirektion des Altertums, während die Direkte Direktion sich aus der späteren Sekundärdirektion entwickelt hat.

Deutung

Vor allem folgende Punkte werden bei der Deutung berücksichtigt:

  • Wenn ein dirigierter (= vorgeschobener) Planet oder eine dirigierte Achse einen Aspekt zu einem Faktor des Radixhoroskops bildet, so ist dies eine Auslösung, das heißt, der betreffende Faktor erfährt eine Aktivierung. Der Orbis, also der Spielraum, innerhalb dessen die Auslösung wirksam ist, muss hier wesentlich kleiner angesetzt werden als üblich, da andernfalls der Zeitraum, für den eine Auslösung gültig ist, unüberschaubar groß ist und damit der Aussagewert hinfällig wird.
  • Wenn ein dirigierter Planet oder eine dirigierte Achse das Tierkreiszeichen oder das (Radix-)Haus wechselt, beginnt ein neuer Abschnitt.

Besonderheit bei Achsen

Bei der Arbeit mit dirigierten Achsen ist eine minutengenaue Geburtszeit erforderlich, weil sich sonst zu große Ungenauigkeiten in der Prognose ergeben. So kann je nach Methode eine - häufig gar nicht so unwahrscheinliche - Unstimmigkeit der Geburtszeit von 4 Minuten eine Ungenauigkeit in der Prognose von einem Jahr ausmachen!

Kritik des Begriffs "Symbolische Direktion"

Der Begriff Symbolische Direktion ist seit seiner Einführung durch Charles E. O. Carter umstritten, da nicht nur die darunter verstandenen Direktionsarten auf "Symbole" beruhen, sondern auch alle anderen Direktionsarten. Auch können die in den Primär- oder Sekundärdirektionen verwendeten Direktionsschlüssel ebenfalls "symbolisch" verstanden werden, denn diese, auch wenn sie von tatsächlich sichtbaren Konstellationen ausgehen, stellen auch nur eine Variante einer gedachten projizierten Konstellation zu einem bestimmten, zukünftigen Zeitpunkt dar. Sie können somit genauso als "mutmaßliche" oder "willkürliche Annahmen" angesehen werden, deren "Willkürlichkeit" im Direktionsschlüssel selbst liegt. Placidus de Titis hatte aus diesem Grunde viel Mühe auf die Herleitung der Formel, dass 1 Tag = 1 Lebensjahr entspreche, verwendet, und Bibeltextstellen als Legitimation herangezogen. Der gleiche Einwand "nur vorgestellter Konstellationen" kann ebenso gegen die als "real" angenommenen astronomischen" Transite vorgebracht werden, die im Moment ihres tatsächlich astronomischen Daseins auf Radixhoroskope wirken. Die Radixpositionen sind jedoch zum Zeitpunkt eines Transits nicht mehr "tatsächlich" astronomisch existent, sie gehören bereits Jahre bis Jahrzehnte der Vergangenheit an. Somit gilt auch für Transite die Kritik nicht vorhandener astronomischer Konstellation, die eben deshalb auch nur als "wirskam gedacht" angesehen werden können. Während also bei den Primär- und Sekundärdirektionen Konstellationen in ihrer Wirksamkeit in die Zukunft verlagert werden, wird die Wirksamkeit einer realen astronomischen Position bei Transiten auf nicht mehr reale astronomische Positionen bezogen. Der einzige Unterschied zu den sogenannten symbolischen Direktionsarten liegt demnach nur darin, daß bei den einen ein meßbarer eigengesetzlich-astronomischer Bewegungsablauf einzelner Faktoren für die gedachte Zukunftsprojektion vorgelegen hat, während bei den symbolischen Direktionen dieser meßbar eigengesetzlich-astronomischer Bewegungsablauf nicht direkt am Himmel nachweisbar war.

In der modernen Forschung der Chronobiologie konnten vergleichsweise zahlreiche endogene Rythmen in biogischen Organismen, vom Einzeller bis zu komplexen Vielzellern, nachgewiesen werden. In gleicher Weise ist es denkbar, dass lebende Entitäten sich astronomische Muster einprägen und astrologische Strukturen eines Radixhoroskops als Leitmuster für endogene Zeitstrukturen dienen, nach denen bestimmte Perioden und Rhythmen ablaufen. Insofern weder die auf astronomischen Werten basierenden Direktionszeitschlüssel und den auf vorgestellten Zeitstrukturen fussenden symbolischen Direktionsarten real-meßbare Muster nachgewiesen werden können, kann diese Unterscheidung nur als "vorläufig" sinnvoll eingestuft werden. In jedem Fall kann die eine Direktionsart deshalb nicht weniger "wirksam" als eine andere eingestuft werden. Hier allein kann bisher nur die "Erfahrung" entscheiden.

Einzelnachweise

  1. Lang, Walter, Astrologie im heutigen Weltbid, Arkana Verlag, Heidelberg, 1986, S. 228
  2. Knappich, Wilhelm, Geschichte der Astrologie, 1988, S. 10
  3. "Direktionen mit dem Sonnenbogen: Diese von französischen Autoren zurerst konvers, später von Witte (Hamburg) direkt geführten Direktionen in Länge nach dem Sonnenbogen der Sekundärdirektion, haben gleichfalls die Formel 1 Tag nach der Geburt = 1 Jahr zur Voraussetzung"(Herbert Freiherr von Klöckler, Kursus der Astrologie, Bd. 1, 1991, S. 168)
  4. W.Knappich, Geschichte der Astrologie, 1988, s. 276
  5. C. O. Carter, Symbolische Direktionen,O.W. Barth Verlag,1920, S.13
  6. Holden, James H.: A History of Horoskopic Astrology. American Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006, S. 98. Holden bezieht sich zwar auf das Solarhoroskop, analog wurde aber vermutlich auch für die weiteren Revolutionsdirektionen kein eigenes Horoskop erstellt
  7. W. Knappich, Geschichte der Astrologie, 1988, S. 94
  8. Holden, S. 120
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