Geburtszeit
Für die Erstellung eines Geburtshoroskops ist eine möglichst minutengenaue Geburtszeit erforderlich. Für die manuelle Horoskopberechnung mittels Ephemeriden und Häusertabellen musste die Geburtszeit in die Greenwich-Zeit umgerechnet werden, deshalb musste die Zeitzone des Geburtsortes bekannt sein und man musste etwaige Sommerzeiten berücksichtigen. Heute wird das von Astrologiesoftware fast immer automatisch und zuverlässig erledigt.
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Historische Entwicklung der Geburtszeiterfassung
Seit dem Jahr 1876 wird die Geburtszeit in Deutschland auf die Stunde genau registriert. Zuvor war das Personenstandswesen Aufgabe der Kirchen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird auch auf die Minute genau registriert. Jeder Mensch kann und sollte, wenn er sich ein Horoskop erstellen lassen möchte, seine Geburtszeit beim Standesamt seines Geburtsortes erfragen.
Die Geburtszeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind in der Regel nur auf eine viertel Stunde genau. Erst seit den Fünfzigerjahren sind sie meist minutengenau oder aber auf fünf Minuten genau.
Erfordernis an die Genauigkeit
Normalerweise reicht eine auf fünf Minuten genau erfasste Geburtszeit. Dies gilt allerdings nicht, wenn sich der Aszendent oder das Medium coeli, gegebenenfalls auch eine andere Häuserspitze, auf der Grenze zwischen zwei Tierkreiszeichen befindet. Denn der Aszendent bewegt sich durchschnittlich alle vier Minuten um ein Bogengrad weiter (die anderen Häuserspitzen ändern sich damit auch). So kann in einem solchen Fall die Frage, in welchem Tierkreiszeichen sich der Aszendent bzw. eine andere Häuserspitze befindet, durchaus von der Genauigkeit der Geburtszeit abhängen. Zudem sind für bestimmte Prognosemethoden minutengenaue Geburtszeiten nötig. Manche Astrologen arbeiten, um zu genaueren Ergebnissen zu gelangen, mit verschiedenen Methoden der Geburtszeitkorrektur.
Für bestimmte Deutungen der klassischen Astrologie ist die Unterscheidung von Taggeburten und Nachtgeburten eforderlich (Firdaria, sensitive Punkte, Herrscher, Würde oder auch Hayiz).
Gebärmethode
Ein viel diskutiertes Feld sind Kaiserschnitt- und künstlich eingeleitete Geburten. Oft wird die Frage gestellt, ob solche Geburtszeiten ebenso gültig sind wie "natürliche" Geburtszeiten? Hierzu gibt es verschiedene Auffassungen: Geht man von der Hypothese aus, dass die Astrologie "auf einer Sensibilität der Organismen für kosmische Reize beruht"[1], wird man zumindest Bedenken haben, dass der Zeitpunkt einer Kaiserschnittgeburt oder einer anderen operativen Geburt, die vom Arzt zeitlich bestimmt werden kann, einem kosmischen Plan entsprechen könnte. Dieser Argumentation zufolge liefern auch eingeleitete Geburten, bei denen die Wehentätigkeit medikamentös (durch Hormone) oder anderweitig künstlich ausgelöst wird (womit jedoch der Geburtszeitpunkt nicht exakt festgelegt werden kann), nur mit Einschränkungen Geburtszeiten, die für die Astrologie nützlich sind.
Es gibt eine Menge Menschen, die mittels Kaiserschnitt auf die Welt kamen oder deren Geburt auf diese Weise künstlich eingeleitet wurde. Würde man deren Geburtszeiten in Hinsicht auf die astrologische Nutzbarkeit für zumindest fragwürdig erklären, so gälte dies für einen gar nicht unbeträchtlichen Teil der Geburtszeiten, mit denen Astrologen arbeiten. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass auch in der natürlichen Geburtshilfe, für die sich immer mehr Menschen interessieren, Geburten im Problemfall eingeleitet werden, wenn auch mit homöopathischen Medikamenten oder ebenso einfachen wie wirkungsvollen Methoden wie der Brustwarzenstimulation oder einem Einlauf in Verbindung mit Fasten. Jedenfalls hat auch hier der Mensch seine Hand im Spiel.
Dies führt direkt zur anderen Argumentationslinie, die nämlich davon ausgeht, dass es auch Teil des kosmischen Plans sein kann, dass der Mensch seine Hand im Spiel hat, dass also letztlich ein Kind in jedem Fall zu dem Zeitpunkt auf die Welt kommt, der das ihm entsprechende Horoskop abbildet, ob nun jemand bei der Geburt nachgeholfen hat oder nicht.
Geburtsmoment
Derjenige Augenblick, der den Beginn des selbstständigen Lebens darstellt und auf den somit das Geburtshoroskop erstellt wird. Dies ist nach verbreiteter Auffassung der erste Atemzug. Da dieser die Neugeborenen viel Kraft kostet, tun sie ihn oft, aber keineswegs immer zusammen mit einem Schrei. Manchmal schreit das Baby erst etwas später. Gelegentlich atmet ein Kind, noch bevor sein ganzer Körper aus dem Mutterleib herausgekommen ist.
Es gibt aber auch den Brauch, den Zeitpunkt des Austritts aus dem Mutterleib oder denjenigen der Abnabelung als Geburtsmoment aufzuschreiben. Die Abnabelung geschieht heute allerdings oft erst zu einem Zeitpunkt, zu dem das Baby schon einige Minuten auf der Welt ist.
Dies alles soll zeigen, dass auch eine in einer Geburtsurkunde festgehaltene minutengenaue Geburtszeit kein Garant dafür ist, dass hier tatsächlich der erste Atemzug gemeint ist.
Literatur
- ↑ Peter Niehenke: Astrologie. Stuttgart 1994. S. 30.
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