Geminos von Rhodos
Geminos von Rhodos[1] († 1. Jahrhundert v. Chr. in Rhodos), in latinisierter Form Geminus, war ein griechischer Astronom, Stoiker und Mathematiker.
Geminos war Schüler des Poseidonios. Er lebte um 70 v. Chr. in Rom, und schrieb dort die Eisagoge eis ta phainomena (übersetzt: „Einführung in die Phänomene“, lateinisch: Elementa astronomiae), eine für seine Zeit ganz besondere Leistung über die Astronomie. Er beruft sich in dem Werk wiederholt auf das Lehrgedicht Phainomeia des Aratos von Soloi (* ca. 310 v. Chr.; † 245 v. Chr.) sowie Hipparchos (* um 190 v. Chr.; † um 120 v. Chr.). Es gab des Weiteren ein mindestens sechsbändiges Werk zum mathematischen Denken. Das Werk ist nur aus Zitaten bekannt. Es gibt aber auch arabische Teilübersetzungen.
Möglicherweise stammt der Mechanismus von Antikythera aus Geminos von Rhodos' Hand. Von Geminos stammt die erste Erwähnung eines Erdglobus: Er verwies auf Krates von Mallos, der einen Globus entworfen hatte (vgl. Vogel (1995), S. 82).
Werk: Elementa astronomiae
Folgende Besonderheiten finden sich in dem astronomischen Lehrbuch, in dem astrologische Deutungsregeln zwar immer wieder am Rande erwähnt werden, jedoch nicht im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern wohl vorausgesetzt werden:
- In einer sehr gut nachvollziehbaren und erfrischenden Art Weise beschreibt Geminos über das ganze Buch verteilt immer wieder die Besonderheiten, die die Kugelgestalt der Erde mit sich bringt, über Wende- und Polarkreise bis hin zu Bewohner, die auf der gegenüber liegenden Seite der Erdoberfläche liegen ("Gegenfüßler").
- Die damals bekannten Planeten bekamen bei Geminos Beinamen[3], so hießen:
- Geminos erkannte bereits, dass sich die Sonne im Laufe des Jahres unterschiedlich schnell bewegt, je nachdem ob sich die Erde im Perihel oder Aphel befindet: für die Quadranten des Tierkreises stellte er eine unterschiedliche Anzahl an Tagen fest, die die Sonne benötigte, sie zu durchlaufen (1. Quadrant: 94 1/2 Tage, 2. Quadrant 92 1/2 Tage, 3. Quadrant 88 1/8 Tage, 4. Quadrant 90 1/8 Tage; Summe 365 1/4 Tage)[4]
- Ebenfalls beschreibt Geminos bereits, dass die Meridianachse nicht immer rechtwinklig zur Horizontachse steht, sondern stark abweichen kann (er beschreibt Abweichungen bis zu 120° zu 60°)[5]
- Die Sternbilder entsprechen weitestgehend den auch von Ptolemäus bekannten Bezeichnungen, lediglich am südlichen Sternhimmel tauchen die beiden heute uns unter diesem Namen nicht mehr bekannten Bilder "Thyrusstab" (den der Zentaurus gefasst hält) und "Heroldslanze" (nach Hipparchos) auf.[6]
- Entsprechend des damaligen Standes der Erdachse an der Grenze zwischen Jungfrau/Waage und Fische/Widder beschrieb er Fische und Widder als gleichermaßen am schnellsten aufsteigende Zeichen, Jungfrau und Waage als die am langsamsten aufsteigenden.[7]
- Bei den heliakischen Auf- und Untergängen unterscheidet Geminos einmal die wahren Auf- und Untergänge, also die tatsächliche Gleichzeitigkeit des Auf- oder Untergangs eines Gestirns mit der Sonne, zum anderen aber den sichtbaren, wenn also ein Gestirn gerade eben nicht mehr oder noch nicht von der Sonne überstrahlt wird.[8]
- Der damals verbreiteten Astrometeorologie, nach der bestimmte Fixsterne (z. B. Sirius bei den Ägyptern) in ihrem heliakischen Auf- oder Untergang für bestimmte Wetterphänomene verantwortlich sein sollen, erklärt Geminos eine klare Absage, und zeigt, dass zwar eine Gleichzeitigkeit zu beobachten ist, die Ursachen jedoch in den Jahreszeiten, die durch das jeweilige Verhältnis von Erde zur Sonne entstehen, verursacht werden. Seine Begründung ist weiterhin, dass die Fixsternsphäre viel zu weit weg sei, um das irdische Wetter zu beeinflussen.[9]
- Interessant ist eine Bemerkung zum ägyptischen Kalender, der nur 365 Tage kannte und keinen Schalttag berücksichtigte: nach seiner Darstellung war den Ägyptern die wahre Jahreslänge keineswegs unbekannt, doch war es in ihrer erklärten Absicht, dass die Feste der Götter, die sich am Jahreslauf orientierten, im Laufe der Jahre verschoben (alle 120 Jahre um ein Tierkreiszeichen) und somit durch den Tierkreis wanderten.
Literatur
- Geminos: Introduction to the Phenomena ("Einführung in die Phänomene"), 2006 ISBN 0-691-12339-X (engl.)
- Paul Kroh: Lexikon der antiken Autoren, Stuttgart 1972, S. 240
- PDF-Datei von Manitius' Ausgabe von Geminus' Eisagoge eis ta phainomena ("Isagoge") - public domain (Griechischer Text mit deutscher Übersetzung; Hrsg. Manitius bei Teubner, Leipzig 1898)
Quellen
- ↑ Artikel von Wikipedia übernommen.
- ↑ Dass aber alle Sterne auf einer einzigen Fläche liegen ist nicht anzunehmen, sondern vielmehr dass sie sich in teils größerer, teils geringerer Höhe befinden. Elementa Astronomiae, S. 13
- ↑ Elementa astronomiae, S. 14
- ↑ Elementa astronomiae, S. 15
- ↑ Elementa astronomiae, S. 28 f.
- ↑ Elementa astronomiae S. 41
- ↑ Elementa astronomiae S. 99
- ↑ Elementa astronomiae, S. 147 ff.
- ↑ Elementa astronomiae Kap. 17, insbesondere S. 187; über Sirius ab S. 191.