Guido Bonatus
Über das Geburtsjahr von Guido Bonatti alias Bonatus liegen gemeinhin nur Spekulationen vor, die von 1210[1] bis 1230 reichen, als Geburtsort gilt Cascia bei Florenz [2] bis ca. 1296 [3], Andere Angabe: 1223-1297[4]).
Martin Pegius bildet in seinem Geburtsstundenbuch von 1570 ein Horoskop ab, das rekonstruiert ein sehr viel späteres Geburtsdatum, nämlich den 27. Dezember 1267 jul. (06.01.1268 greg.) um 07:45 Uhr LMT ergibt[5].
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Bonatti war der berühmteste europäische Astrologe des 13. Jahrhunderts. C. Kiesewetter 1895/1977, erwähnt, dass der Stauferkaiser Friedrich II. den noch nicht Zwanzigjährigen als Hofastrologen anstellte. Anscheinend war er in seinen mittleren Lebensjahren als Professor an der Universität von Bologna tätig[6], möglicherweise lehrte er dort Astronomie/Astrologie[7].
Später zog er sich nach Forli zurück, wo er sowohl als praktizierender Astrologe wie auch Berater z. B. des Grafen von Montefeltro erfolgreich tätig war: Der Papst Martin IV hatte ein riesiges Heer gegen den Grafen ausgesandt. Gestiefelt und gespornt pflegte das Heer des Grafen neben den Pferden zu warten bis Bonatus vom Turm aus mit einer Glocke das Zeichen für den Aufbruch gab. Er hatte Zeitwahl (Elektionen) betrieben, gab das Signal zum günstigsten Termin. Der Graf verlor keine Schlacht. In den Annalen der italienischen Stadt Forli ist das Geschehen beschrieben, wie Montefeltro 1282 die Stadt verteidigte.
In Forli schrieb Bonatti sein bekanntestes, einfluss- wie umfangreichstes Werk. In der ersten Auflage trug es den Titel Guido bonatus de forlivio: Decem continens tractatus astronomie, später auch als Liber astronomicus bekannt geworden.
Bonatus war auch Experte für Talismanologie[8], eine Tätigkeit, die in der Arabischen Astrologie ab dem 10. Jahrhundert verbreitet war und von Bonatti übernommen wurde.
Astrologie
Große wie breite und lange europäische Wirkung, bis hin zu William Lilly im 17. Jahrhundert, erzielte Bonatti durch sein in Forli geschriebenes Groß-Werk Liber astronomicus, auch Liber introductorius ad iudicia stellarum (A book of Astrology oder auch book of Astronomy, engl.; dt. eigentlich Buch der Astronomie). Tatsächlich enthält das Werk zehn getrennte Abhandlungen zu verschiedenen Gebieten der Astrologie, entsprechend umfangreich war es (in der Neuübersetzung und -herausgabe aus dem Jahre 2007 erschien es daher in zwei Bänden). Besonders die Schriften daraus zur Stundenastrologie und den Elektionen galten mindestens bis ins 17. Jahrhundert als die Standardwerke zu diesen Bereichen der Astrologie.
Die zehn Abhandlungen des Liber astronomicus beziehen sich auf folgende Bereiche der Astrologie:[9]
- 1. Allgemeine Einführung
- 2. Die Grundlagen der Astrologie
- 3. Wesen der Planeten
- 4. Konjunktionen [z. B. Saturn-Jupiter o. Saturn-Mars im Krebs als Geschichtszyklen-Indikatoren. Konjunktionen galten nicht als Aspekt in der Klassischen Astrologie ]
- 5. Die 146 Betrachtungen [Aphorismen zur Stundenastrologie]
- 6. Stundenastrologie
- 7. Elektionen
- 8. Mundane Jahreshoroskope und Mundan-Konjunktionen
- 9. Geburtshoroskope-Astrologie
- 10.Meteorologie-Astrologie
Die einzelnen Schriften wurden und werden auch separat veröffentlicht. Vorallem Die 146 Betrachtungen wurden in späteren Jahrhunderten separat veröffentlicht, unter anderem von William Lilly 1676 in England unter dem Titel Anima Astrologiae:, or, a Guide for Astrologers. Lillys Ausgabe wiederum wurde ab dem späteren 19. Jh. oft nachgedruckt und wiederveröffentlicht. Bonatus bezog seine Kenntnisse von den Arabern, Claudius Ptolemäus und Hermes Trismegistos wie auch sonstigen klassischen Quellen, die er - wie Lilly - einer kritischen, also auch auswählenden Würdigung, zudem entlang seiner Erfahrung, unterzogen hat[10]. Er hielt es für selbstverständlich, daß eine Grundsteinlegung nach dem astrologisch günstigsten Termin erfolgen müsse.
Bonatus gilt auch als Erfinder der Halbsummen, wie Udo Rudolph, ein Vertreter der Hamburger Schule, angibt. [11] Laut Olaf Staudt hat er sie als Korrekturmethode angewandt.[12]
Bonatus und Christentum
Bonatti empfahl geistlichen und weltlichen Würdenträgern das Studium der Astrologie und forderte, dass die Grundsteine der Kirchen nach astrologischen Gesichtspunkten gelegt werden müssten. Nur der Sternkundige könne nicht an der Güte Gottes verzweifeln, da er das Unglück in der Welt als von des Aspekten hervorgerufen erkennen könne. Das Wort Christi »Sind nicht des Tages 12 Stunden«, (Joh. 11,9) deutete Bonatus so, dass Jesus hier gemeint habe die rechte Stunde astrologisch zu wählen.
Ebenso meinte er, das Wunder der göttlichen Liebe des heiligen Franz von Assisi durch einen hiefür günstigen Planetenstand zu deuten. [13]
Wegen dieser und ähnlicher Sätze versetzte Dante den Astrologen Bonatti in das Inferno (8. Kreis der Hölle, Inferno XX,118). Dort hat Bonatus seinen Kopf verkehrt herum aufgesetzt, mit dem Gesicht nach rückwärts: so wird er nie wieder in die Zukunft blicken können.
Werke
- Tractatus de nativitatibus
Sein Hauptwerk Liber astronomicus ist unter verschiedenen Titel gedruckt worden:
- Tractatus de Judiciis astrorum (auch: Liber introductorium ad iudicia stellarum), Venedig 1491 und Augsburg 1530 und 1536; Basel 1536 in deutscher Sprache.
- Liber Astronomicus, Decem contiens tractatus astronomiae. Suppl.: Jacobus Canter. Ed.: Johannes Angeli [14] Druckvermerk: Augsburg: Erhard Ratdolt, 26. März 1491 Bayerische Staatsbibliothek: Digitalisat
- Foroliviensis Mathematici De Astronomia Tractatvs X, Basel 1550 Bibliothek Emden: Digitalisat
Englisch:
- Anima Astrologiae:, or, a Guide for Astrologers. Being the 146 Considerations of the Famous Astrologer Guido Bonatus. Diverse Ausgaben. Hrsg.: William Lilly, Übers.: Henry Coley. Zuerst London 1676. [15]
Mehrere moderne Ausgaben erhältlich, z. B von Kessinger Publishing, LLC 2005 ISBN 978-1425326524 - Book of Astronomy, 2 Bände. Übertragung und Neuherausgabe von Bonattis Hauptwerk Liber astronomicus, übersetzt von Benjamin Dykes (engl.), ISBN 978-1934586006
- Bonatti on Basic Astrology, treatises 1, 2 & 3 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
- Bonatti on Mundane Astrology, treatises 4, 8.1 & 10 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
- Bonatti's 146 Considerations, treatise 5 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
- Bonatti on Horary, treatise 6 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
- Bonatti on Elections, treatise 7 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
- Bonatti on Lots, treatise 8.2 - Guido Bonatus, translated by Benjamin Dykes, Cazimi Press
Weblinks
Quellen und Anmerkungen
- ↑ http://it.wikipedia.org/wiki/Guido_Bonatti
- ↑ Sphinx-Suche: Bonatti
- ↑ Daten von Guido Bonatus in einer Auktionsbeschreibung
- ↑ CURA-Liste: Geburtsdatenangabe für Guido Bonatus
- ↑ Das Horoskop von Pegius ist abgebildet in: Astrologischer Auskunftsbogen Nr. 47, August 1957. Baumgartner-Verlag, Warpke-Billerbeck
- ↑ Holden, James Herschel: A History of Horoskopic Astrology. Amerrican Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006, S. 137
- ↑ Lilly, William: Christliche Astrologie, Band 3. Chiron Verlag, Tübingen 2008, S. 470 Anmerkung 215 (von Reinhardt Stiehle)
- ↑ Astrologiekronos: Biographie über Guido Bonatus
- ↑ Holden, S. 138
- ↑ Lilly, Anmerkung 215 (Reinhardt Stiehle)
- ↑ Interview von Lietta Cantoni mit Udo Rudolph
- ↑ Olaf Staudt: Halbsummen in der Astrologie
- ↑ Sphinx-Suche: Bonatti, a.a.O.
- ↑ Bibliothek der Benediktinerabtei Metten: Abbildungen der Tierkreiszeichen aus dem Liber Astronomicus
- ↑ Astrologer's Guide von 1676 als pdf-Datei zum freien download