Häusersystem

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Verbreitung der Häusersysteme[1]

Als Häusersystem bezeichnet man die Art, nach welcher der Tierkreis in zwölf weitere Abschnitte, die Häuser (Haus), unterteilt (siehe Abbildung) wird. Bezugspunkt hierbei ist - neben Geburtsdatum und -uhrzeit - der geographische Ort, für den ein Horoskop erstellt wird. Die Zählung der Häuser beginnt üblicherweise am Aszendenten bzw. (bei manchen Systemen) demjenigen Haus, in dem der Aszendent zu stehen kommt. Selten kann auch das Medium coeli Ausgangspunkt der Zählung sein.

Die Häusersysteme werden in äquale und inäquale eingeteilt. Ungeachtet dessen sind aber die Horizontachse und Vertikalachse immer dieselben.

Unter Astrologen herrscht keineswegs Einigkeit darüber, welches Häusersystem "das richtige" ist. Es gibt kein System, das erwiesenermaßen den anderen überlegen wäre, und so muss jeder Astrologe selbst Erfahrungen sammeln, um feststellen zu können, mit welchem er die besten Deutungsergebnisse erzielt. Die inäqualen Systeme nach Placidus und Koch haben den Nachteil, dass sie in Gegenden mit höheren Breitengraden nicht mehr funktionieren.

Äquale Systeme

Horoskop mit äqualen Häusern, MC ist nahe an Spitze des 9. Hauses (29. Okt. 2008, 18:48, Zürich)

Bei den äqualen (= gleich großen) Häusersystemen umfasst jedes Haus 30 Grad. Dabei ist der Aszendent entweder die Spitze des ersten Hauses (Häuserspitze) oder aber er befindet sich in der Mitte desselben. Das Medium coeli muss sich dann keineswegs im zehnten Haus befinden, sondern kann auch im achten, neunten oder elften Haus sein. Dafür gibt es bei den äqualen Häusern keine eingeschlossenen Tierkreiszeichen.

Das Häusersystem der ganzen Zeichen (engl. "Whole Sign Houses") ist das älteste überhaupt. Hier gilt als erstes Haus das Zeichen, in dem der Aszendent liegt. Häuser- und Zeichengrenzen sind identisch.

Inäquale Systeme

Gleiches Horoskop mit Placidus-Häusern

Bei den inäqualen (= verschieden großen) Häusersystemen werden die vier Quadranten, also die Abschnitte zwischen den Achsen, in jeweils drei weitere, ungleich große Abschnitte unterteilt. Die einander gegenüberliegenden Häuser haben die gleiche Größe. Es gibt zahlreiche inäquale Häusersysteme. Die bekanntesten:

  1. Placidus
  2. Koch-Häusersystem (GOH)
  3. Porphyrius
  4. Campanus
  5. Regiomontanus
  6. Polich-Page ("topozentrische Häuser")

Das Placidus-System und das GOH (Geburtsort-Häuser) sind am gebräuchlichsten.

Placidus-Häusersystem: Dieses System wurde von Placidus de Titis (1603-1668), einem italienischen Geistlichen, geschaffen. Es beruht auf der gleichmässigen Unterteilung der Tag und Nachtbögen, auf welchen sich alle Himmelspunkte bewegen. Der Tierkreisgrad an der zwölften Hausspitze hat ein Sechstel seines Tagebogens vollzogen, der Tierkreisgrad an der elften zwei Sechstel usw.

Koch-Häusersystem: Das so genannte Geburtsorthäuser (GOH)-System wurde von Dr. Walter Koch (1895-1970) propagiert und wird verschiedentlich auch nach ihm benannt. Es teilt die Zeit, die der Tierkreisgrad am MC benötigt hat, um vom Horizont zur Kulmination zu gelangen in drei. Für die beiden sich so ergebenden Zwischenzeiten werden "Aszendenten" berechnet. Diese sind die Hausspitzen 12 und 11.

Porphyrius-Häusersystem: Dieses System wird heute kaum mehr verwendet. Es stammt aus dem dritten Jahrhundert nach Christus und unterteilt die vier Quadranten in jeweils gleich große Abschnitte. Bezugskreis ist die Ekliptik.

Campanus-Häusersystem: Schöpfer dieses Systems war der Mathematiker Giovanni Campani (1233-1296). Es beruht auf der Unterteilung eines Großkreises, der durch den Ost- und Westpunkt des Horizontes sowie durch Zenit und Nadir führt, in Abschnitte zu je 30 Grad. Durch jede Marke führt ein Kreis, und diese Kreise treffen sich am Südpunkt und am Nordpunkt des Horizontes. Die Häuserspitzen befinden sich dort, wo sich diese zwölf Kreise mit der Ekliptik schneiden.

Regiomontanus-Häusersystem: Bei diesem System von Regiomontanus (Johannes Müller, 1436-1476), Mathematiker, Astronom und Astrologe, wird der Himmelsäquator in Abschnitte zu je 30 Grad unterteilt. Dort, wo sich die Kreise, die durch die Marken führen und sich wiederum am Südpunkt und am Nordpunkt treffen, mit der Ekliptik schneiden, befinden sich die Häuserspitzen.

Topozentrisches Häusersystem: Dieses System wurde von dem Ungarn Wendel Polich und dem Briten Anthony Nelson Page in den 1960er Jahren in Argentinien erfunden. Es handelt sich um eine Variation des Placidus-Systems.

Quellen und Anmerkungen

  1. Umfrage der Zeitschrift The Mountain Astrologer auf Facebook.