Hugo Vollrath
Otto Hugo Vollrath, geboren am 11. April 1877 um 03:00 Uhr in Loitzsch bei Zeitz[1], gestorben † 1943 in Lützschena bei Leipzig, war ein deutscher Theosoph, Astrologe und Verleger.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Biographie
Hugo Vollrath wurde 1877 im sächsischen Loitzsch bei Zeitz geboren. Sein Vater war der Kaufmann Bernhard Vollrath. Bereits 1899 soll Vollrath ein Mitarbeiter von Franz Hartmann gewesen sein, einem bekannten Theosophen und Freund von Helena Petrovna Blavatsky, dessen Werke Vollrath auch später verlegte. Seit seiner Studienzeit, er hatte Kameralistik (Kämmererwesen) studiert in Leipzig, war Vollrath an der Theosophie interessiert und erkannte schnell, dass es einen möglicherweise lukrativen Markt für okkultes Wissen gab.
Mit der Gründung des "Theosophischen Verlagshauses" 1907 in Leipzig sicherte er sich einen Anteil an diesem Markt daran (es existierte bis 1937). Im Laufe der Zeit entwickelte sich sein Verlag in Leipzig zu einem der größten, der ausschließlich okkulte Schriften verbreitete. Sehr viele bedeutende astrologische Werke der damaligen Zeit erschienen in diesem Verlag. Hugo Vollrath war u. a. Herausgeber der Zeitschrift "Theosophie".
1908 wurde Vollrath wegen wirtschaftlicher Unterschlagungen und moralischer Unredlichkeit aus der von Rudolf Steiner geleiteten Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Adyar ausgeschlossen. Er wurde Mitglied und Sekretär (Repräsentant für Deutschland: 1908-1911) des "Ordens des Sterns vom Osten" der Annie Besant, die ihm schließlich das Amt entzog. Die Konfrontation mit Steiner und dessen Zerwürfnis mit der TG nahm weiter zu.
1909 heiratete Vollrath Clara Ortlepp (praktizierte Waldorfpädagogik; Gründerin der Wanderer-Loge in Breslau). 1913 wurden beide wieder geschieden.
1912 wurde Max Heindels Hauptwerk ("Die Weltanschauung der Rosenkreuzer. Das esoterische Christentum der Zukunft") auf Veranlassung des Theosophen Franz Hartmann durch Hugo Vollrath ins Deutsche übertragen. Etwa zu der gleichen Zeit publizierte er unter seinem Pseudonym Walter Heilmann Rosenkreuzer-Meisterbriefe eines vorgeblichen Max Grashof, ein Pseudonym wiederum für Heindel[3].
Vollrath fälschte nicht nur seine Dissertation[4] um sich mit dem Doktortitel zu schmücken (1914 Aberkennung), sondern er wurde auch 1914 von einem Kriegsgericht wegen Fahnenflucht verurteilt und organisierte kriminelle Machenschaften.
Wohl bereits 1931[5] trat Hugo Vollrath der NSDAP bei und versuchte, seine Theosophische Gesellschaft dem Nationalsozialismus anzunähern. Für ihn rechtfertigte die Astrologie die Idee von der Überlegenheit der arischen Rasse. Damit vollzog er einen Schwenk seiner "Astrologischen Rundschau" auf die Linie des NS-Rassismus. Vollrath gehörte zu jenen Leipziger Pseudo-Theosophen, die eine germanentümelnde völkische Strömung repräsentierten, die sich als theosophisch bezeichnete, obwohl sie antisemitisch war. Ellic Howe bezeichnet Vollrath in seinem Buch "Uranias Kinder", einem Werk über das Verhältnis der deutschen Astrologie zum Nationalismus, zur Ariosophie, zu völkischen Gedanken und zum Nationalsozialismus selber, als "Gauner mit einem Hang zum Okkultismus". Es verwundert nicht weiter, dass Vollrath die Ariosophen Ernst Tiede und Rudolf von Sebottendorf in seinem Verlag fördert, ersteren als Schriftleiter, letzteren als Autor. In der "Astrologischen Rundschau" darf Ernst Tiede bereits 1914 eine günstige Besprechung der ariosophischen Zeitschrift "Ostara" von Lanz von Liebenfels veröffentlichen[6].
Im Jahr 1937 wurde in Deutschland die Theosophie verboten. Dies bedeutete den Beginn einer Ära der Verfolgungen, Haussuchungen, Vernehmungen und Beschlagnahmungen waren an der Tagesordnung. Büchersammlungen wurden geplündert, die Bücherverlage geschlossen und ihre Bestände an wertvoller esoterischer Literatur beschlagnahmt und fast restlos vernichtet wurden. Das betraf auch das Theosophische Verlagshaus Vollraths.
Vollrath[7] wurde 1941 in Loitzsch bei Zeitz verhaftet und vor Ort arrestiert. Seine Gesundheit litt dort sehr. Die theosophischen Freunde entführten ihn daher 1942 nach Lützschena, einem Orte bei Leipzig. Dort ist er unter ihrer Pflege 1943 gestorben.
Astrologie
Hugo Vollrath (Schüler von Karl Brandler-Pracht) wurde als Buch- und Zeitschriften-Verleger einer der Wegbereiter der wiedererstehenden Astrologie im deutschsprachigen Raum während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. 1909 brachte er die theosophische Zeitschrift "Prana" heraus und stellte den Österreicher Brandler-Pracht als Redakteur ein. Er gab eine astrologische Monatsbeilage zu "Prana" mit dem Titel "Astrologische Rundschau" heraus. Damit wurde das Interesse an der Astrologie im breiten Kreise geweckt. Sein Theosophisches Verlagshaus gehörte zu den bedeutendsten astrologischen Verlagen im Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen, und viele namhafte Astrologen veröffentlichten in seiner 21-bändigen "Astrologischen Bibliothek" ihre Werke.
Als die Nazis Wahrsagerei verboten, mußte er 1937 die Astrologie aufgeben.
DAG und AGiD
Am 07. August 1910 um 08:12 MET[8], gründete Brandler-Pracht zusammen mit Vollrath in Leipzig die Deutsche Astrologische Gesellschaft (DAG), nachdem er bereits zwei Jahre zuvor in Wien die "Astrologische Gesellschaft" gründete. Das Verbandsorgan wurde die "Astrologische Rundschau", eine Zeitschrift aus Vollraths Verlag. Nach dem Zerwürfnis zwischen Brandler-Pracht und Vollrath verließ zunächst Brandler-Pracht die DAG, später scheint es jedoch auch zwischen DAG und Vollrath zum Streit gekommen zu sein, denn der Verein wendet sich ab Anfang 1914 wieder Brandler-Pracht zu.
Nach dem I. Weltkrieg engagierte sich Vollrath erneut in der deutschen Astrologiebewegung. Es gelang ihm allerdings nicht, die Kontrolle zu übernehmen. Im Mai 1924 wurde unter seiner tatkräftigen Mitwirkung die Astrologische Gesellschaft in Deutschland (AGiD) gegründet, wiederum mit Sitz in Leipzig. Als übernationale Dachorganisation umfasste die AGiD zahlreiche Vereine und Verbände in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei. Bekannte Vorstandsmitglieder waren, neben Vollraths treuem Mitarbeiter Theobald Becher und Vollrath, Otto Kellner und Dr. Gerhard Naumann[9]. Nachdem Hubert Korsch, ebenfalls Mitglied der AGiD, 1929 den Vorsitz der Astrologischen Zentralstelle in Düsseldorf übernahm, schwand die Bedeutung der AGiD zunehmend.
Am 12. Juni 1933 wurde die AGiD durch den Nazi Werner Schingnitz "gleichgeschaltet", Vollrath und Becher hatten von da an keinen großen Einfluss mehr, statt dessen etwa der Nazi-Astrologe Otto Martin Pfefferkorn, der in den Vorstand berufen wurde[10]. Im Jahr 1937 wurde die AGiD ganz aufgelöst[11].
Der deutschen Astrologen-Verband betrachtet die DAG ebenso wie die AGID als seine Vorläuferorganisationen[12].
Astrologische Bibliothek des theosophischen Verlagshauses
- Band I: Astrologisches Lehrbuch zur Einführung in die astrologische Wissenschaft. Autor Erstauflage: Karl Brandler-Pracht. Dritte, bedeutend vermehrte Auflage: Otto Pöllner. Vierte Auflage: Rudolf von Sebottendorf
- Band II: Astrologische Aphorismen. Autor: Karl Brandler-Pracht.
- Band II (Neuauflage): Astrologische Deutungsregeln in neuer Bearbeitung. Autorin: Lia Feerhow
- Band III: Häuser-Tabellen von 40° bis 56° geographische Breite. Mit einem Anhang: Mathematische Tafeln zum Gebrauche für die Astrologie. Diese Häuser-Tabellen ermöglichen es die Häuser eines Horoskops auch ohne rechnerische Mühe annähernd genau zu bestimmen. Autor 1. Auflage: Karl Brandler-Pracht; 2. Auflage: Otto Pöllner
- Band IV: Das Solarhoroskop. Jahreshoroskop. Autor Erstausgabe: Karl Brandler-Pracht, späterer Auflagen ohne Autorenangabe.
- Band V: Direktionen der wissenschaftlichen Astrologie. Autor 2. Auflage: Alfred Max Grimm
- Band VI: Stunden- und Fragehoroskope mit Berücksichtigung der Perioden, Zyklen und Tattwas. Autor: Rudolf von Sebottendorf.
- Band VII: Mundan-Astrologie. Autor: Otto Pöllner
- Band VIII: Schicksal und Sterne. Autor: Otto Pöllner.
- Band IX: Die Medizinische Astrologie. Unter Berücksichtigung des Pflanzenheilverfahrens, der Homöopathie, Hygiene und Biochemie. Autor: Friedrich Feerhow
- Band X: Berechnungs-Tabellen für die astrologische Praxis zum Gebrauche bei den verschiedenen Direktionsverfahren. Autor: Fr. Mörbitz
- Band XI: Tafeln der schiefen Aufsteigung für die Polhöhe (Geographische Breite) von 1° bis 60°. Autor: Otto Pöllner
- Band XII: Vereinfachte wissenschaftliche Astrologie. (Einzig autorisierte Übersetzung von R. Voss Berlin.) Autor: Max Heindel
- Band XIII: Die Botschaft der Sterne (Einzig autorisierte Übersetzung von Rudolf von Sebottendorf). Autor: Max Heindel
- Band XIV: Astrologisches Lexikon. Autor: Ernst Tiede
- Band XV: Geschichte der Astrologie. Band 1 - Urzeit und Altertum. Autor: Rudolf von Sebottendorf
- Band XVI: Sterntafeln (Ephemeriden) von 1838 bis 1922 und Häusertabellen 2° bis 40°. Autor: Rudolf von Sebottendorf
- Band XVII: Praktischer Lehrgang zur Horoskopie nebst Deklinationen der Wandelsterne von 1851-1923. Autor: Rudolf von Sebottendorf
- Band XVIII: Sonnen- und Mondorte, Sternzeit von 1850-1923. Die Frage der Häuserberechnung Planetenkonjugationen und Ausdeutung von Finsternissen. Autor: Rudolf von Sebottendorf
- Band XIX: Die Symbole des Tierkreises. Der Schlüssel zu dem astrologischen Weltbild. (Mit einigen Figuren im Text). Autoren: Theobald Becher, Ernest Hentges, J. Kruisheer, Franz Hartmann u. a.
- Band XX: Die Lehre von den Transiten. Die Wirkung der einfachen und progressiven Transite der Planeten über die wichtigen Plätze und Stellen des Geburtshoroskopes. Autor: Professor Dr. Uhle.
- Band XXI: Die Fixsterne. Ihre Bedeutung in der Astrologie. Autor: Professor Dr. Uhle.
Quellen
- ↑ Quelle Geburtsdatum: Persönliche Mitteilung per E-Mail an R. Liefeld vom Standesamt Elsteraue, Frau Beinroth, am 21. Juli 2009
- ↑ Wesentliche Teile des Artikels wurden aus vollrath.websiteportal.de übernommen mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Seidel
- ↑ Berling: Zodiak Register und Glossar online
- ↑ Hubert Korsch machte diesen Vorgang in der Astrologenwelt bekannt. ZENIT, Jg. 1934, Nachrichtenblatt auf Seite 40
- ↑ "In einem denunziatorischen Spitzelbericht behauptete der Leipziger Buchhändler Karl Milde, Vollrath sei um 1931 herum der NSDAP beigetreten, ... nach der Machtübernahme der NSDAP finden sich dafür Bestätigungen." Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, 2007. Seite 327 f. Zitat bei Google Books
- ↑ in: Rezension der „Ostara, Bücherei der Blonden und Mannesrechtler", „Astrologische Rundschau", 5. Jahrgang, Heft 12, S. 189
- ↑ Ergänzende Information von der Homepage über Verweyen
- ↑ Datenangabe DAG bei Monika Transier, astro-exklusiv
- ↑ http://www.deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3550075367&part=4&word=
- ↑ Wolfgang Nastali: Ursein, Urlicht, Urwort: die Überlieferung der religiösen "Urquelle" nach Joseph Schneiderfranken Bô Yin Râ. 116 Seiten. LIT Verlag, Münster 1999 ISBN 3825844064 Seite 86
- ↑ Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. C.H.Beck, 2007 ISBN 340654777X S. 332
- ↑ DAV: Geschichte