Jean-Pierre Nicola

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Jean-Pierre Nicola
Jean-Pierre Nicola: Geburtshoroskop

Der französische Astrologe Jean-Pierre Nicola wurde am 8. Mai 1929 um 8:00 Uhr[1] oder 7:45 Uhr[2] in Nizza geboren.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Nicola gilt, nicht zuletzt wegen seiner ungewöhnlichen Forschungsansätze, als astrologischer Einzelgänger, der möglicher Kritik gerne durch Rückzug begegnet und deswegen auch wenig in die astrologische Gemeinde integriert ist. Nichtsdestotrotz übt er auf viele zeitgenössische französischsprachige Astrologen einen großen Einfluss aus. Mit André Barbault liegt er in einem Dauerzwist, da Nicola diesm Nachlässigkeit vorwirft, obwohl beide vergleichbare astrologische Ansätze haben (z.B. Zyklen).[3]

Nicola war von 1976 bis 1979 der Herausgeber der Zeitschrift "Carré, Astrologique," seit 1980 von "Les Cahiers Conditionalistes".

Astrologie

Konditionierungs-Astrologie

Nicola bezeichnet seine astrologische Herangehensweise als Konditionierungs-Astrologie (astrologie conditionaliste [4]). Wie Reinhold Ebertin geht er davon aus, dass der Mensch, neben den kosmischen Einflüssen, gleichermaßen durch seine ererbten Eigenschaften, sowie sein soziales Umfeld bestimmt und konditioniert wird. Er baut dabei auf den Gedanken von Iwan Pawlow[1] (vgl. "Pawlow'schwer Hund") auf.

Doch spricht er sich gegen einen Determinismus in der Astrologie aus, da sich aus dem kosmischen Einfluss kein absolut zwingende Wirkung ableiten lasse. Den Begriff "conditionaliste" (= bedingt, konditioniert) meint Nicola damit als explizit nicht-determiert. Diese These vertrat ererstmals in seinem Werk La condition solaire. Die Auswirkungen des kosmischen Einflusses sieht Nicola weniger auf dem Gebiet der Schicksalsbeeinflussung, sondern sie sind nach ihm eher psychologischer Natur und zeigen sich durch die Formung des Charakters. Man sei diesen Einflüssen keineswegs hilflos ausgeliefert, sondern könne sich der wirkenden Energien gleich energetischen Werkzeugen bedienen. Planeten stellen für ihn so etwas wie energetische Signale dar, die es zu entschlüsseln und zu verstehen gilt.

Astronomische Fundierung

Ziel Nicolas ist es, durch die Einbeziehung der astronomischen Gegebenheiten seitens der Astrologie die Trennung zwischen Astronomie und Astrologie wieder aufzuheben.

In seinen Forschungsarbeiten versucht er deshalb, die Astrologie stärker mit den astronomischen Gegebenheiten zu verknüpfen. Beispielsweise plädiert er dafür, die Entfernung der Planeten von der Sonne, und damit ihre Laufgeschwindigkeit, in der astrologischen Deutung mit zu berücksichtigen (s. auch Entfernungswert). Pluto betrachtet er etwa nicht als einzelnen Himmelskörper, sondern sieht ihn, da sein Mond Charon im Verhältnis sehr groß ist, als Doppel-Planetensystem. Vergleichbar zu Dane Rudhyar und André Barbault sieht er die Notwendigkeit, planetare Zykklen in die Deutung mit einzubeziehen.

Kybernetisches Modell (R.E.T.-Modell)

Er[5] unterscheidet allgemein drei Ebenen der Kommunikation und Prägung.[6]

Ebene der

  • Repräsentanz (elementar, z.B. Zellebene); kurzfristige Einflüsse
  • Existenz (intersubjektiv, entspricht unserer Lebenswirklichkeit, körperlich als Trieb und Begierde); mittelfristige Einflüsse
  • Transzendenz (Einbindung in die Ganzheit, zeigt sich im Körper hormonell), langfristige Einflüsse

Die Planeten ordnet Nicola ebenfalls diesen drei Gruppen zu:

Vergleichbar damit ist das klassische Konzept der Unterscheidung in persönliche gesellschaftliche, und geistige Planeten.

Jeden der drei Planeten innerhalb einer Gruppe ordnet er wieder einer Untergruppe zu, basierend auf den R.E.T.-Klassen:

  • Merkur: Transzendenz der Repräsentanzen (tR).
    Bewusstes Verständnis von Gegebenheiten jenseits sinnlicher Einflüsse. Das Langfristige im Kurzfristigen: nahe Zukunft, rasch wechselnde Interessen
  • Venus: Existenz der Repräsentanzen (eR).
    Materialisierung. Aufeinandertreffen der Erwartungshaltung mit der tatsächlichen sinnlichen Erfahrung. Vorstellung eines Objekts aufgrund der Erfahrung. Emotionale Bewertung der Erscheinungen. Verwirklichung.
  • Sonne: Repräsentanz der Repräsentanzen (rR).
    Selbst-Repräsentanz. Erscheinung. Der Augenblick. Das Selbst, Über-Ich. Selbstbezüglichkeit. Entstehung aus sich selbst heraus. Wirklichkeitsmodelle generieren, verwerfen und aufrecht erhalten.
  • Mars: Existenz der Existenzen. (eE).
    Kräfte, die zur Aufrechterhaltung der persönlichen Existenz dienen. Intensivierung der Existenz durch Erfahrungen mit Objekten, Konfrontation. Aktivität, Handlungsdynamik. Intensivierung der Gegenwart. Problematik der Erwartungshaltung aufgrund von Erfahrung.
  • Jupiter: Repräsentanz der Existenzen. (rE).
    Vereinfachung und Klärung von Konzepten. Die Sprache der Erfahrungen, Diagnose, Formuliuerung. Fähigkeit einzuordnen, zu beschreiben, auszuwählen. Modellbildung. Hierarchisierung. Belohnung. Gegenwart ändert sich durch Applikation: eingreifen, sich ausetzen, ankommen. Beurteilung entsprechend von Prinzipien und inneren Bildern.
  • Saturn: Transzendenz der Existenzen (tE).
    Situationen, die nicht in einfache Modelle integrierbar sind. Suche nach dauerhaften Werten. Komplexes, nicht-modellhaftes Wirklichkeitsverständnis. Relativierung der persönlichen Erfahrung anhand überpersönlicher Referenzen. Entfernung, Kälte, Langsamkeit. Klärung der Bedingungen, die zu einer Situation führen, hieraus Entwicklung komplexer Wirklichkeitsmodelle.
  • Uranus: Repräsentanz der Transzendenzen (rT).
    Vereinfachung. Wirklichkeitsmodelle vor jeder Erfahrung, Erwartungshaltung. Aus dem Informationsfluss Ideen und Orientierung gewinnen. Auswahl, Polarisierung. Der langandauernde Augenblick: die dauernde Revolution, der historische Moment. Sich aus Problemen zurückziehen. Willkür, der Hammerschlag.
  • Neptun: Existenz der Transzendenzen (eT).
    Relativierung der Komplexität. Der mittlere Weg. Die Universalität des Erlebten. Die Unsicherheit der Möglichkeiten, das Unglaubliche der Wahrscheinlichkeit. Unsichtbare Einflüsse bedingen Erfahrungen. Das nicht Geschehene im Erlebten. Die universelle Sprache. Das vergängliche Paradies auf Erden. Inkarnierende Götter.
  • Pluto: Transzendenz der Transzendenzen (tT).
    Intensivierung. Geheimnisse und Unbekanntes werden durch Interferenzen und Gleichzeitigkeiten aufrechterhalten. Der Mensch als Opfer seines abgetrennten Denkens. Unergründlichkeit, der Abgrund, die Unerreichbarkeit. Gegenmodelle. Das resistente Ego.
  • Mond: Der Mond steht für das gesamte R.E.T. mit dominatem "R". Damit ist er der einzige Himmelskörper, der alle drei Funktionen und die Eigenschaften aller Planeten in sich vereint.

Publikationen

  • La condition solaire. Éditions Traditionnelles 1964; Villain et Belhomme, Paris 1976
  • Nombres et Formes du Cosmos. Éditions Traditionnelles, 1971; 1977
  • Pour une Astrologie Moderne. 188 Seiten. Seuil, Paris 1977
  • Le Grand Livre du Taureau. 295 Seiten. Sand et Tchou 1983; 2002
  • Le grand livre de l'astrologue. 236 Seiten. Sand et Tchou, 1983; 307 Seiten: Tchou 2005 ISBN 978-2710707189
  • Le grand live des prévisions. 252 Seiten. Sand et Tchou 1992; 1996
  • Neptune (Les Livres des Planetes). 214 Seiten. Sand et Tchou, 1987
  • Anthologie astrologique 1980-1986. 270 Seiten. Nicola
  • Les signes du destin. Rocher 1981.
    Tierkreiszeichenbücher für jedes Tierkreiszeichen. Nicola und jeweils ein Co-Autor.

Quellen und Anmerkungen

  1. AstroDatabank: Nach Patrice Guinard (1979) und Jacques de Lescaut (1994), aus der Literatur
  2. Franz. Wikipedia, ohne Quellenangabe
  3. Biographische Informationen von Patrice Guinard, auf Cura online (engl.)
  4. http://fr.wikipedia.org/wiki/Astrologie_conditionaliste
  5. Französische Wikipedia
  6. Dieses Modell ist zwar explizit "kybernetisch", unterscheidet sich jedoch in seiner Definition vom kybernetischen Modell der TPA Michael Roschers.
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