Kalender

Aus Astrowiki-de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kalender von Regiomontanus, 1512

Geschichte

Kalender waren seit frühester Zeit Ausdruck für das Bedürfnis der Menschen, ihre Erfahrung von der Zeit zu systematisieren, sie in überschaubare Abschnitte einzuteilen und zu zählen. Die Basis dafür bilden die kosmischen Zyklen. Ein Kalender hatte religiöse und praktische Bedeutung. Er schuf den äußeren Rahmen für den Rhythmus der Festtage, an denen die Menschen in besonderer Weise des Göttlichen gedachten, und er machte es möglich, grundlegende Aktivitäten wie Aussaat und Ernte im voraus zu bestimmen.

Die ersten Kalender waren vermutlich Mondkalender mit einem Zyklus von 29,5 Tagen (was einem synodischen Mondlauf Synodischer Mondlauf entspricht). Zwölf Monde (Monate), der Lauf durch den Tierkreis, betragen demnach 354 Tage. Dies ist die Länge eines Mondjahres. Im Laufe der Geschichte verschiedener Kulturen trat später der Sonnenzyklus in den Vordergrund, da er eine größere Einheit schuf, die außerdem den Erfahrungen des Menschen mit den Jahreszeiten Rechnung trug. Mit dem Mondumlauf war der um gut elf Tage längere Sonnenumlauf allerdings nur schwer in Einklang zu bringen. Um den Abstand nicht unüberschaubar groß werden zu lassen, rechneten manche frühe Kulturen, sofern Sonne und Mond (Lunisolarkalender) zugleich für die Kalenderberechnung berücksichtigt wurden, abwechselnd mit zwölf und dreizehn Monden für ein Mondjahr.

Die ältesten Hinweise auf einen Lunisolarkalender (der also Mond und Sonne einbezieht) stammen aus dem alten Babylonischen Reich und sind knapp viertausend Jahre alt. Die Ägypter benutzten als erste einen reinen Sonnenkalender. Das bei ihnen wichtigste Naturereignis, die jährlichen Nilüberflutungen, von denen die Landwirtschaft abhing, konnte so leichter bestimmt werden. Indikator dafür war das Wiedererscheinen des Sirius, des hellsten Fixsterns in der nördlichen Hemisphäre. Die ägyptischen Priester berechneten für ein Jahr 365 Tage, unterteilt in zwölf Monate zu dreißig Tagen sowie fünf Zusatztagen. Bald bemerkten sie jedoch, dass der tatsächliche Sonnenumlauf etwas länger war. Deshalb wurde alle vier Jahre ein Zusatztag hinzugeschaltet (Schalttag).

Faltkalender (um 1400) mit Tierkreiszeichen des Monats, Tageslängen und zu verrichtender Tätigkeit

Julianischer Kalender

Bis zur Zeit Cäsars (100-44 v.Chr.) hatte jede (erorberte oder angegliederte) Kultur und Herrschaft des Römischen Reiches ihren - ieweils mehr oder weniger genauen - eigenen Kalender. Juden, Araber und Griechen orientierten sich noch am Mondkalender[1]. Cäsar gab schließlich im Jahre 46 v.Chr. eine grundlegende Kalenderreform in Auftrag, nicht zuletzt aus machtpolitischen Gründen, um im römischen Weltreich eine Vereinheitlichung in dieser so wichtigen Frage zu erreichen. Als Grundlage für den seither so genannten Julianischen Kalender diente der ägyptische Sonnen-Kalender samt der Zählung mit den Schalttagen. Der Julianische Kalender wurde mit dem sich ausbreitenden Christentum im Römischen Reich des 3. und 4. Jahrhunderts n Chr. zugleich der kirchliche und später nach und nach der Kalender großer Teile der sich ausweitenden christlichen Welt.

In Julianischen Kalender betrug die Länge eines Jahres 365,25 Tage, die Monate waren abwechselnd 31 und 30 Tage lang, der Februar 28 Tage bzw. in jedem vierten Jahr, dem Schaltjahr, 29 Tage. Diese Einteilung hatte viele Vorzüge. Nach 28 Jahren fielen alle Daten wieder auf dieselben Wochentage, so dass sich die Zuordnung der Wochentage im Nachhinein und im voraus leicht bestimmen ließ. Der Kalender hatte nur einen kleinen Nachteil, er war 0,0075 Tage länger als der Sonnenzyklus. In 133 Jahren summierte sich diese Abweichung auf einen ganzen Tag.

Nicht zu verwechseln ist der Julianische Kalender mit dem Julianischen Tag, der in der Astronomie für eine kontinuierliche Zeitzählung verwendet wird.

Monat Länge vor
46 v. Chr.
Länge nach
45 v. Chr.
Ianuarius 29 31
Februarius 28
(23 / 24)
28
(29)
Martius 31 31
Aprilis 29 30
Maius 31 31
Iunius 29 30
Quintilis
(Iulius)
31 31
Sextilis
(Augustus)
29 31
(30)
September 29 30
(31)
October 31 31
(30)
November 29 30
(31)
December 29 31
(30)
Intercalaris (27) (abgeschafft)
Der Monat März im Stundenbuch des Herzogs von Berry, frühes 15. Jahrhundert.

Gregorianischer Kalender

Dies erkannten mittelalterliche Astronomen, denn das Konzil von Nicäa hatte im Jahr 325 den Frühlingsbeginn auf den 21. März festgelegt. 1200 Jahre später war dieser jedoch auf den 31. März gewandert. Deshalb leitete Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 eine weitere Kalenderreform ein. Damals kannten die Astronomen die genaue Dauer eines Sonnenzyklus von 365,2425 Tagen. Für die praktische Zählung bedeutete das, die Schalttage in den Jahren 1700, 1900, 2100 und weiter alle zweihundert Jahre ausfallen zu lassen. Damit wurde eine so genaue Übereinstimmung mit dem Sonnenlauf erzielt, dass der Kalender in dreitausend Jahren nur um einen Tag vom Sonnenzyklus abweicht. Zur Zeit der Kalenderreform betrug die Abweichung der Zählung bereits 11 Tage. Um dies auszugleichen, verfügte der Papst, die Zeit vom 4. bis 15. Oktober 1582 einfach zu überspringen. Danach stimmten Zählung und Zyklus wieder überein.

Abgesehen vom Ausfall dreier Schalttage in jeweils vierhundert Jahren ist der Gregorianische mit dem Julianischen Kalender identisch.

Ungeachtet der astronomischen Genauigkeit dauerte es lange, bis alle Kulturen den Gregorianischen Kalender übernahmen. Die katholische Kirche führte ihn sofort ein, die protestantischen Kirchen blieben teilweise bis zum 18. Jahrhundert dem Julianischen Kalender treu, da sie nicht dem römischen Papst folgen wollten. Im orthodoxen Russland war der Julianische Kalender erst im 13. Jahrhundert eingeführt worden. Er hatte bis zum Ende der Zarenherrschaft Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts Bestand. Erst die bolschewistischen Revolutionäre übernahmen die päpstliche Reform, und sie mussten bereits 13 Tage überspringen, um Zählung und Zyklus in Einklang zu bringen. So verfügten sie, dass auf den 1. Februar 1918 unmittelbar der 14. folgte. Die Türkei übernahm 1927, und China 1949 die gregorianische Reform.

Land Übernahme des
Greg. Kalenders
Republik Venedig 1582
Hl. Römisches Reich (kath.
Deutschland, Österreich)
1582
Spanien, Portugal 1582
Frankreich 1582
Südl. Niederlande
(das spätere Belgien)
1582
Südwestl. Niederlande
(Holland, Zeeland)
1582
Nordöstl. Niederlande 1700
Preußen, Dänemark 1700
Toskana 1750
Schottland 1752
England 1752
Schweden 1753
Lothringen 1760
Russland 1918
Türkei 1927
China 1949

Die USA, bis 1776 englische Kolonie und somit nach britischer Gesetzgebung bis 1752 dem julianischen Kalender unterliegend, beschloss nach ihrer Unabhängigkeit in einem Gesetz proleptisch den Gregorianischen Kalender seit 1582 anzuerkennen. Die US-amerikanischen Geschichtswissenschaftler praktizieren dies auch heute. Unabhängig von der jeweiligen gesetzlichen Einführung des Gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern Europas, werden alle geschichtlichen Daten seit dem 15. Oktober 1582 stets gregorianisch umgerechnet.

Inzwischen gilt der Gregorianische Kalender weltweit, jedoch gibt es kulturell oder religös bedingt daneben immer noch alternative Jahreszählungen und Kalendersysteme mit anderen Neujahrstagen und Monatseinteilungen. Die Juden zählen ab 3 761 v.Chr., dem Beginn ihrer fiktiven Weltschöpfung. Die Chinesen beginnen 2 637 vor unserer Zeitrechnung, mit der Epoche des mythischen Kaisers Huang-ti; die Buddhisten mit 544 v.Chr., dem Datum der Erleuchtung Buddhas. Die Tibeter gehen auf 127 vor unserer Zeitrechnung zurück, den Anfang ihres Königtums; die Moslems zählen seit 622, der Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina (Hidschra).

Seite aus einem indischen Kalender 1871.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Markus Mueller: Beherrschte Zeit. Lebensorientierung und Zukunftsgestaltung durch Kalenderprognostk zwischen Antike und Neuzeit. Kassel, 2009 ISBN 978-3-89958-296-3
Über den spätmittelalterlichen Passauer Kalender.[2]

Anmerkungen und Quellen

  1. Eine Praxis, welche der aus der arabischen Kultur entstandene Islam später übernahm.
  2. Dissertation Universität Göttingen, 2006. Als PDF online