Kinderastrologie
Astrologie für Kinder erfreut sich wachsender Beachtung. Offenkundig wollen immer mehr Eltern durch ein Horoskop Aufschluss über das Potenzial ihrer Kinder erhalten. Gleichzeitig argwöhnen Kritiker, darunter viele Pädagogen, die Kinder würden dadurch zu stark festgelegt und in ihrer Entwicklung eher gehemmt als gefördert.
Kinderastrologie geht von denselben Voraussetzungen aus wie die sonstige Astrologie, setzt jedoch andere Schwerpunkte. Im Zentrum steht der Mond anstelle der Sonne, wenn auch letztlich für die Deutung das gesamte Horoskop unverzichtbar ist. Die dem Mond zugeschriebenen Eigenschaften kennzeichnen das Verhalten von Kindern vorallem in den Lebensjahren bis zur Vorschule/Grundschule: Sie reagieren emotional, spontan und scheinbar unlogisch. Die der Sonne zugeschriebene mehr nach aussen gerichtete, stabilere Wesens- und Gestaltungskraft, mit deren Hilfe ein Mensch sein Leben schöpferisch selbstbestimmt formt, entwickelt sich erst allmählich und entfaltet sich nach der Pubertät zusehends[1].
Auch der stete Wandel des Mondes hat viel mit dem natürlichen kindlichen Verhalten zu tun. Es ist offenkundig, dass sich die Menschen mit zunehmendem Alter schwerer tun mit Veränderungen, mit Neuem, mit Flexibilität und Spontanität. Das betrifft die körperliche und die geistige Ebene. Ein Kind ist besonders in den ersten Lebensjahren im beständigen Wandel befindlich, was sich schon auf der körperlichen Ebene zeigt. Natürlich gibt es Unterschiede je nach Zeichenfärbung und Aspektierung des Mondes. Analogien gibt es auch auf der Ebene des Empfangens und Gebens, zwei grundlegenden Mond-Qualitäten. Als junger Erdenbürger mit weniger Erfahrung ist ein Kind mehr als ein Erwachsener darauf angewiesen, Eindrücke und Anregungen zu empfangen, um daran zu wachsen, um eine Orientierung zu erhalten. Voraussetzung für die Fähigkeit, empfangen zu können, ist Offenheit - wie die geöffnete Sichel des Mondsymbols.
Auch der absteigende Mondknoten ist im Horoskop eines Kindes von großer Aussagekraft, ebenso das Imum coeli und das vierte Haus.
In der Astrologie geht man davon aus, dass schon ein Neugeborenes Anlagen, ja sogar einen Lebensplan mitbringt, den es zu verwirklichen gilt. In der Beratung muss mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden, da das Kind in der Regel nicht - oder im Falle von Kleinkindern: nicht bewusst - anwesend ist und sich nicht gegen unangemessene Zuordnungen wehren kann. Es erfordert vom Astrologen viel Fingerspitzengefühl, dass er das Kind mit seinen Beschreibungen nicht zu stark festlegt.
Das Potenzial der Astrologie für Kinder liegt in einer konkreten Erziehungshilfe. Wenn ein Kind unverständlich häufig aggressiv oder hyperaktiv ist oder im Gegenteil auf eine befremdliche Art schweigsam bzw. kontaktscheu, dann hilft das Horoskop, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Doch dabei darf es nicht bleiben, etwa nach dem Motto: "Aha, Mars im Widder, da kann er ja nicht anders". Moderne Astrologie legt sich nicht auf ein Verhalten fest, sondern zeigt auch bei Kindern Wege zu einer konstruktiven Nutzung der vorhandenen Kraft auf. Nicht nur für so genannte verhaltensauffällige Kinder offenbaren sich im Horoskop die Chancen, Potenziale und Klippen des Lebensweges. Sie frühzeitig zu entdecken und auf verantwortungsvolle Art in die Erziehung zu integrieren, ist eine große Hilfe für alle, die mit Kindern zu tun haben.
Literatur
- Christl Oelmann: Der rote Faden durch das Kinderhoroskop: Astrologische Deutung und psychologische Unterstützung. 281 Seiten. chiron Verlag, 2012 ISBN 978-3899972030 Leseprobe bei Astronova
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Entlang den klassischen sieben Lebensphasen der Planeten (analog zur umgekehrten Chaldäische Reihe) herrscht das Mond-Lebensalter etwa bis zur Grundschule, dem folgt die Merkur-Phase bis zur Pubertät oder dem Flegelalter, beide umreissen damit die Kindheit. Z. B. Heinrich Christian Meier-Parm beschreibt die Lebensphasen im Artikel Lebensalter und Wechseljahre, in Die Astrologische Rundschau, 1935, Heft 10, S. 209. Schon bei Claudius Ptolemäus werden die Lebensphasen in gleicher Reihenfolge den Planeten, Sonne und Mond zugerechnet (Ptolemäus, Tetrabiblos. Chiron-Verlag, Tübingen 2000, S. 267f. (IV.Buch, §11)).
Externe Links
Das Kinderhoroskop von Liz Greene, eine exzellente Horoskopdeutung von Astrodienst
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