Komet

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Halleyscher Komet, 1986 (NASA)

Inhaltsverzeichnis

Astronomie

Kometen (Schweif- oder Schwanzsterne) sind Himmelskörper, deren gefrorener Kern einen Durchmesser von bis zu hundert Kilometern haben kann, meistens jedoch weit darunter bleibt: der berühmte Halley'sche Komet bringt es auf gerade mal 15x7x7 km[1]. Der Begriff Komet kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich Haarstern. Kometen bewegen sich auf so genannten Kegelschnittbahnen um die Sonne. Wenn sie auf ihrer Bahn der Sonne am nächsten sind (beim Durchgang durch ihr Perihel), kommt es durch die intensive Bestrahlung zum Ausbruch leuchtender Gasmassen, die sich als die so genannte Koma (Nebelhülle) um den Kern legt. Die Kometen, die der Sonne relativ am nächsten kommen, entwickeln einen Schweif, der sie auffällig macht. Dabei handelt es sich um Gasmoleküle aus der Koma, die vom Sonnenwind fortgetrieben werden. Die Kometen entstanden vermutlich zeitgleich mit den Planeten. Von den unzähligen Kometen, die sich durch das Sonnensystem bewegen, kann nur ein ganz geringer Teil mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden. Solche sichtbaren Kometen tauchen durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahrzehnt auf.

Astrologie

Der Komet von 1506 im Löwen (Titelbild einer Schrift von Johannes Virdung[1]

Früher bildeten die Kometen einen wichtigen Bestandteil der astrologischen Deutung, insbesondere in der Mundanastrologie. Dabei wurde die Bahn des Kometen entweder mit einem bestimmten (individuellen) Horoskop in Verbindung gebracht oder aber nach eventuellen Aspekten zu den Planeten Ausschau gehalten.

Geschichte

Antike und Mittelalter Einer der ersten Kometentheoretiker war der Narurphilosoph Aristoteles. Er sah in den Himmelserscheinungen der Kometen Feuer, das aus der Milchstraße stamme und seine Dämpfe auf die Erde sinken lasse. Dadurch verschmutze sich die Atmosphäre und es würden Katastrophen verursacht. Tatsächlich galten Kometen zumeist als Anzeichen für Unheil aller Art, wie Kriege, Aufruhr, Überschwemmungen, Seuchen, Hungersnöte und ähnliches. Es gibt allerdings auch Beispiele, wonach Kometen als Ankünder der Geburt einer bedeutenden Persönlichkeit oder eines Zeitenwechsels betrachtet wurden (s. den Stern von Bethlehem). Zumeist löste ihr unerwartetes Erscheinen jedoch Furcht aus, da zur Zeit des geozentrischen Weltbilds die Fixsternsphäre als unveränderlich und immerwährend galt, und jede Veränderung darin als negatives göttliches Zeichen gedeutet wurde.

von Brahe bis Kepler

Der Komet von 1577 war sogar tagsüber sichtbar.

Der Komet von 1577 beschäftigte Tycho Brahe während des Baus an seinem Observatorium Uraniborg. Kometen galten zu seiner Zeit und davor nicht als reguläre Himmelskörper. Man sah sie vielmehr als bloße Erscheinungen oder auch atmosphärische Störungen innerhalb der so genannten sublunaren Sphäre. Nur in dieser Himmelsgegend konnten überhaupt Veränderungen stattfinden, so die damals allgemein akzeptierte Lehrmeinung, nicht aber im Bereich der Planeten oder der Fixsternsphäre. Doch Tycho prüfte als neutraler Beobachter immer wieder alle verfügbaren Messdaten, seine eigenen wie die seiner Kollegen. Das Ergebnis war für ihn eindeutig: Der Komet konnte nicht Teil der sublunaren Region sein, sondern musste sich wegen der fehlenden Parallaxe weit außerhalb der Atmosphäre befinden, also zur planetaren Himmelsgegend gehören. Mehr noch: Er bewegte sich so, dass er die Planetensphären zwangsläufig durchstoßen musste; eine Bewegungshemmung durch die (damals angenommenen) planetentragenden Schalen konnte aber nicht festgestellt werden.

Von da an sah Tycho Kometen als Teil des planetaren Wirkungsgefüges an; außerdem wuchsen seine Zweifel am Ptolemäischen (geozentrischen) Weltbild. Seine Erkenntnis setzte sich aber nicht gleich durch, selbst Galileo Galilei spottete noch ein halbes Jahrhundert später über die „Tychonischen Affenplaneten“, wenn er von Kometen sprach. Erst Johannes Kepler erkannte die wahre Bedeutung von Brahes Entdeckung: Planeten und Kometen als sich frei bewegende Körper im Weltenraum.

aktuelle Situation

Der Komet Hale-Bopp am 07. April 1997
Seit der Aufklärung und dem Niedergang der mittelalterlichen Astrologie spielen Kometen kaum mehr eine wichtige Rolle bei der Vorhersage von irdischen Ereignissen. Zwar benutzen manche Trivialastrologen in den Medien die archaische Kometenfurcht noch immer, um Sensationen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. So wurde von ihnen etwa das Erscheinen des Halleyschen Kometen, der am 11. April 1986 der Erde am nächsten war, mit der atomaren Katastrophe von Tschernobyl 15 Tage später in Verbindung gebracht. Mit dessen Auftreten vom Mai 1910 lässt sich jedoch kein vergleichbar spektakuläres Ereignis in Verbindung bringen.

Zu der Vernachlässigung von Kometen und ähnlichen Himmelskörpern schrieb Christoph Schubert-Weller (anlässlich des Auftretens des Kometen Hale-Bopp): "Den Alten wäre die heutige Astrologie, die gerade einmal mit Sonne, Mond, Planeten, Aufgang und Himmelsmitte arbeitet, ausgesprochen merkwürdig vorgekommen. Nicht nur der Volksglaube dachte sich den Himmel bevölkert von Tieren, Geistern, Engeln und allerlei sonstigen Wesen, die sich eben in Meteoren, Kometen und anderen Phänomenen manifestierten. Ein ganzes Himmelsland, eine 'Himmelserde' wurde konstruiert - und seine Bedeutung für den Menschen astrologisch-mantisch interpretiert."[2]

Deutung

Ernest Hentges[3] beschreibt, dass früher "eine Kometenerscheinung um desto bedeutungsvoller, je größer, heller und auffälliger der Schweifstern" war. "Ähnlich wie für die Fixsterne beurteilte man die 'Natur' eines Kometen nach der Farbe seines Lichtes. So hieß es beispielsweise von einem rotleuchtenden Kometen, dass er die Natur des Mars besitze. Entsprechend ihrer Farbe wurden die Kometen in bezug auf ihre Wirkungsweise den Planeten gleichgesetzt. Ein fahl und dunkel scheinender Komet z.B. hatte Saturnnatur..." Hieronymus Cardanus unterschied neun verschiedene Kometentypen - nach ihrer Größe, Helligkeit, Farbe, Form und Bedeutung. Als wichtig sah man auch, wo - in welchem Zeichen, bei welchem Planeten oder Fixstern - der Komet bei seinem Sichtbarwerden gerade stand. Oder wo sein Periheldurchgang (und damit sein vermeintliches 'Stillstehen') erfolgte[3].

Heute ist die Deutung eines Kometen schwierig. Meist handelt es sich um recht kleine Himmelskörper, die weniger durch ihre Masse beeindrucken, sondern gerade dadurch, dass sie diese gasförmig abstrahlen (und zunehmend verlieren). Falls wir es mit einem in kürzeren Perioden wiederkehrenden Kometen zu tun haben, wird sein Erscheinen jedes Mal von schwächerer Leuchtkraft sein - da immer weniger zu verdampfende Masse zur Verfügung steht. Ersichtlich war dies insbesondere bei der letzten Wiederkehr des Halley'schen Kometen, die von den Beobachtern mit Spannung erwartet wurde, dann aber doch relativ unspektakulär verlief.

Viele Kometen haben extrem lange Umlaufzeiten, so dass keine Erfahrung über ihre Wirkung gesammelt werden kann. Kometen mit kurzen Perioden, wie z.B. Encke (mit drei Jahren), sind sehr klein, letzterer zwischen einem und drei Kilometern.

Die mittelalterlichen Deutungsvorstellungen, gerade die Katastrophenszenarien, haben sich nicht bestätigt. Ob beim Auftauchen eines Kometen eine berühmte Person geboren wird, ist schwer zu sagen, zumal es heute sehr viele berühmte Person gibt, und der Zeitraum, innerhalb dessen ein Komet sichtbar ist, sich meist über mehrere Wochen erstreckt. Falls Kometen in eine Deutung mit einbezogen werden sollen, empfehlen sich - bei Aspekten - enge Orben sowie nur Hauptaspekte, vielleicht sogar nur Konjunktionen zu berücksichtigen.
Die Bedeutung von Kometen als faszinierendes Himmelsschauspiel ist wahrscheinlich größer als ihre astrologische Relevanz.

Doch auch in moderner Zeit gibt es noch Astrologen, die das Erscheinen eines Kometen als unheilverkündende 'Unterbrechung des Gewohnten und Regelhaften' sehen, wie etwa den englischen Astrologen John Frawley. In seinem Buch "The Real Astrology" (2000) brachte er das Auftauchen des Kometen Hale-Bopp in Verbindung mit dem Klon-Schaf Dolly und der menschlich anmaßenden Gentechnik.

Literatur

  • Ernst Hentges, Die Kometen in der astrologischen Systematik. In: Die Astrologie, Berlin-Steglitz 4-6/1937 online
mit einem ausführlichen Zitat von Johannes Kepler über den Halleyschen Kometen des Jahres 1607

historische Schriften (Digitalisate)

Johannes Virdung

Johannes Kepler

  • De Cometis Libelli Tres: I. Astronomicvs, Theoremata continens de motu Cometarum, vbi Demonstratio Apparentiarum & altitudinis Cometarum qui Annis 1607. & 1618. conspecti sunt, noua & paradoxos. II. Physicvs, continens Physiologiam Cometarum nouam & paradoxon. III. Astrologicvs, de significationibus Cometarum Annorum 1607. & 1618. Augustæ Vindelicorum : Mylius, 1619 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel

Johannes Praetorius

  • InDICIVM AqVILonis: Das ist/ der Nordische Comet/ und Mörderische Prophet : So im Ausgange des verwichenen/ und Anfange des angetretenen 1665. Jahrs/ am Himmel/ nicht ohne Verwunderung vieler tausend Menschen/ angeblicket worden/ Welchen außführlich/ nach seinen Umbständen ... erkläret und mit gründlichen Vermuthungen unserm lieben Vaterlande allhier auffm Papier vorgestellet Als den dritten Theil/ Nebenst einem andern Anhange/ von dem ietzigen in Martio erschienenen. Johann Wittigau, Leipzig 1665. Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Urano Dromus Lacteus, Oder Der Silberfarbene Strobel-Stern: Welcher sich vom 22. Decemb. an des verschienen Jahrs/ biß in den Februar, dieses angehobenen M. DC. LXV. Jahrs ... am hohen Firmament/ in Eridano, Balenâ und Ariete Nordenwerts hinauff. 48 Seiten. Johann Wittigau, Leipzig 1665 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Himmlischer Comet-Stern, Welchen der erzürnete Höchste Gesamt-Richter abermahl ietzund in diesem Vor Jahre Anno 1677. durchn Aprill über ein frisches gewisses Volck, zur Land-Plage, leider! verhänget hat wegen Sündiger Verschuldigung; und unter der Andromeda, durch Nord-Fisch und Triangel führende zum Medusischen Kopf aufgeaben hat. „Bey Autore zu finden“, 1677. 36 Seiten. Digitalisat der HAB Wolfenbüttel

siehe auch

Quellen und Anmerkungen

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Halleyscher_Komet
  2. Christoph Schubert-Weller: Kometenglaube - Kometenfurcht. In: Meridian 3/97. S. 29.
  3. 3,0 3,1 s. Ernst Hentges, Die Kometen (Literatur)
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