Kopernikanische Wende

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Flammarions Holzschnitt aus dem Jahre 1888. Sinnbild einer Überschreitung des mittelalterlichen Weltbildes.

Als Kopernikanische Wende bezeichnet man den von dem deutsch-polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus (19.2.1473 - 24.5.1543)[1] mit seiner Annahme des heliozentrischen Weltbildes eingeleiteten Wandel im menschlichen Bewusstsein. Danach steht nicht die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt unseres Planetensystems.

"Die Erde bewegt sich um ihre Achse und täuscht den Himmelsumschwung somit nur vor. Nicht die Sonne zieht ihre schiefe Jahresbahn um die Erde, sondern die Erde schwingt mit schief gestellter Achse um die Sonne. Die Erde ist nur einer der um die Sonne kreisenden Planeten." So lautet die Kernaussage in des Kopernikus Werk "Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper" (De revolutionibus orbium coelestium libri VI), das in seinem Todesjahr erschien. Damit rückte er nicht nur im physikalischen Sinne die Erde aus dem Zentrum heraus, sondern schuf auch ein neues Bewusstsein, wonach sich der Mensch selbst nicht länger als Zentrum des Kosmos verstehen konnte.

Dass schon in der Antike Aristarch ein heliozentrisches Modell vertreten hatte, war dem kollektiven Bewusstsein entschwunden: das geozentrische System des Ptolemäus hatte sich in der Römerzeit durchgesetzt. Deshalb lehnte die Kirche die neue Lehre erst kategorisch ab. Daran änderte auch nichts, dass Kopernikus sein Buch Papst Paul III. gewidmet hatte, welcher der Astrologie durchaus nahestand. Gefährdete die Theorie doch die Überzeugung, wonach der Mensch die Krone von Gottes Schöpfung sei und folglich die Erde im Mittelpunkt des Universums stehen müsse. 1616 wurde die Veröffentlichung schließlich gemeinsam mit den Werken Galileo Galileis[2] auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Erst 1757 wurde Kopernikus rehabilitiert. Bei den Protestanten erging es der Kopernikanischen Idee nicht besser, obwohl der Astrologenkreis um Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon sich durchaus ambivalent verhielt - angesichts der offensichtlichen Mängel bzw. Schwächen (Stichwort Epizykel) des Ptolemäischen Systems. Erst die Gesetze des Johannes Kepler verhalfen dem Kopernikanischen System zum Durchbruch.[3]

Bis heute gibt es ausgesprochen konservative Kreise in Christentum und Islam, die aufgrund religiöser Vorstellungen das mit der Kopernikanischen Wende eingeführte Weltbild ablehnen.

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen und Quellen

  1. Nikolaus Kopernikus auf Wikipedia
  2. Galilei musste seinen mit dem Fernrohr gemachten Entdeckungen, die das überkommene Sphärenmodell sprengten, bei Gefahr seines Lebens offiziell abschwören. Im Jahr 1600 war Giordano Bruno wegen ähnlicher Ideen noch auf dem Scheiterhaufen gelandet.
  3. Kepler musste sich jedoch von dem Platonischen Dogma planetarer Kreisbahnen verabschieden, und zu Ellipsen bekennen.