Lilith
Synonym: Schwarzer Mond
Name: לילית (Li-Li-Th hebräisch für: "die Nächtliche")
Symbole:
Lilith als der "Schatten" des Mondes
Lilith als Mondschatten, dominierend über dem Kreuz, das für die Erde steht, angeordnet.
Symbol des Asteroiden Lilith
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Astronomie
Über das, was Lilith astronomisch ist, herrscht in der astrologischen Literatur einige Verwirrung. Die meisten Astrologen sind Anhänger einer der beiden folgenden Auffassungen (siehe Abbildung) denen zufolge Lilith ein sensitiver Punkt ist:
- demnach ist Lilith entweder der zweite Brennpunkt der elliptischen Bahn des Mondes - neben der Erde, dem ersten - oder
- der erdfernste Punkt dieser Bahn, das Apogäum.
In gewisser Weise stimmt beides, obwohl zweiter Brennpunkt und Apogäum nicht identisch sind. Die Mondbahn weist jedoch keine wirkliche Ellipsenform auf, da die Mondbahn nicht nur durch die Gravitation der Erde, sondern auch die der Sonne beeinflusst wird. Deshalb ist es schwierig, eindeutige Brennpunkte zu bestimmen, was für die Definition als Apogäum spricht. Allerdings ist die Frage, welcher Punkt für Lilith angenommen wird, für die Lokalisierung im Horoskop ohnehin irrelevant, denn zweiter Brennpunkt und Apogäum liegen auf einer Linie, und somit ergibt sich bei der Berechnung ein und derselbe Tierkreisgrad. Der Gegenpol von Lilith im Tierkreis ist Priapus, der erdnächste Punkt bzw. das Perigäum. Da die Mondbahn um die Erde tänzelt und der Mond von der Erde aus betrachtet am Perigäum stärker durch die Sonne "aus der Bahn gebracht" wird, kann das Perigäum bis zu 25° von der Opposition zum tatsächlichen Apogäum des Mondes entfernt stehen. Lilith und Priapus bilden also eher selten eine genaue Oppositionsachse. Dennoch kann in der astrologischen Deutung die Opposition zu Lilith als Perigäum interpretiert werden.
In den Ephemeriden wird häufig eine "wahre" und eine "mittlere" Lilithposition angegeben[1]. Diese können jedoch sehr weit voneinander abweichen. Darüber hinaus entspricht die wahre Lilithposition meist gar nicht den tatsächlichen Gegebenheiten und kann damit das, was ihr Name zu versprechen scheint, nicht halten. Die meisten Astrologen arbeiten daher mit der mittleren Lilith.
Für einen Umlauf durch den Tierkreis benötigt Lilith etwa 8 Jahre und 10 Monate.
Es gibt außerdem noch zwei weitere Phänomene, die als Lilith bezeichnet werden bzw. wurden:
- In der Antike nannte man so einen zweiten Erdtrabanten, der sich angeblich immer vor der Mondscheibe befinde und deshalb von der Erde aus nicht gesehen werden könne. Das ist aber nach den astronomischen Gesetzen nicht möglich.
- Darüber hinaus gibt es auch einen Asteroiden namens Lilith zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter im Asteroidengürtel.
Mythologie
Jüdisch-christliche Tradition
Mythologisch gilt Lilith als die erste Frau von Adam,[2] bisweilen sogar als seine Mutter. Sie wurde nicht aus seiner Rippe geschaffen, sondern als gleichberechtigte Partnerin aus derselben Erde. Die Konkurrenz zwischen beiden war von Beginn an groß. Sie entzündete sich vor allem an der Frage der Sexualität. Beide bestanden darauf, bei der Vereinigung oben zu liegen, und weil keiner nachgeben wollte, verließ Lilith das Paradies. Dabei beging sie einen Tabubruch. Sie sprach den Namen des unaussprechlichen Gottes Jahwe aus. Der war aber offenbar dennoch von ihr beeindruckt, denn er schickte Engel aus, die sie zur Umkehr bewegen sollten. Lilith ließ sich jedoch nicht umstimmen. Sie wurde schließlich zur Herrscherin über die Nacht.
Die Quellen um Lilith sind recht rar. In der Bibel wird sie nur an einer einzigen Stelle zitiert, als ein Gottesgericht der Verwüstung der Erde beschrieben wird (Jes 34,14): "Da treffen Wüstentiere mit wilden Hunden zusammen, und Bocksdämonen begegnen einander. Ja, dort rastet die Lilit und findet einen Ruheplatz für sich." Es geht dort um ausgestoßene Kreaturen, mit dem "Bocksdämon" beispielsweise wird der Sündenbock[3] in Verbindung gebracht, und ebenso gehört Lilith zu den verstoßenen Wesen.
Im Zohar wird Lilith als nicht-materielle Traumgestalt, als Schattenwesen, die verführerisch und verführend wirkt dargestellt, wenn dort steht: "Sie wandert des Nachts umher, erregt die Söhne der Menschen und bringt sie dazu sich selbst zu beflecken"[4]. Es mag diese Schilderung sein, die Michelangelo in seiner bildnerischen Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies bewog, Lilith mit der Schlange der Versuchung gleichzusetzen. Lilith selbst gilt in der Mythologie immer auch als schön, sie ist niemals ein hässlicher Dämon. Beispielsweise wird sie im Talmud als Frau mit langen Haaren beschrieben[5], was in der jüdischen Tradition ein Symbol sexueller Verführung ist.
Die jüdische Tradition hat Lilith als Dämonin und Vampirin verteufelt. Im Gegensatz dazu wird sie vom Feministinnen als Vorkämpferin gegen patriarchale Unterdrückung und für Emanzipation idealisiert.
Lilith in der Astrologie
Geschichte
1918 schrieb Sepharial in seinem Buch The Science of Foreknowledge von der Entdeckung eines neuen Erdbegleiters, "Dark Moon", er nannte ihn Lilith, den ein deuscher Astronom um 1900 beobachtet haben will[6]. Diese Lilith intendierte allerdings noch eine deutlich andere wie die heutige verbreitete(n) Bedeutung(en). Der Name wiederum blieb aber erhalten und wurde später wieder aufgegriffen, z. B. von der bekannten amerikanischen Astrologin Ivy Goldstein-Jacobson (1893 - 1990), die 1961 ein Werk mit dem Titel The Dark Moon Lilith in Astrology (Pasadena/USA 1961) veröffentlichte und mit als Initiatorin der sich danach entwickelnden Lilith-Deutung(en) und -Forschung gilt.
Eine breite Lilith-Rezeption, auch in der Astrologie, fand in Europa erst ab den 1980er Jahren statt. Den wesentlichen Impuls dafür gab die französische Autorin und Astrologin Joelle de Gravelaine mit ihrem Werk Le Retour Du Lilith: La Lune Noire, welches 1985 in Frankreich erschienen war und bald in verschiedene weitere Sprachen übersetzt wurde. Die deutschsprachige Ausgabe kam 1990 in den Handel und regte weitere Veröffentlichungen, Deutungen und Auseinandersetzungen an.
Bereits 1988 wurde in Deutschland zumindest der Begriff "Schwarzmond" von der damaligen evangelischen Theologin und späteren Psychoanalytikerin Jutta Voss im damals umstrittenen Werk Das Schwarzmond-Tabu. Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus aufgegriffen, Schwerpunkt war aber eben die Tabuisierung nicht nur des weiblichen Zyklus in den patriarchalischen Religionen (inkl. Christentum) und Gesellschaften.
Deutung
Lilith kann als Punkt auf der Mondbahn natürlich nur mit Themen des Mondes in Verbindung stehen, also mit dem Empfindungsleben, dem Seelischen und dem mütterlichen, umsorgenden Prinzip, aber auch der Wahrnehmung und der Identifikation mit der Umwelt. An seinem Apogäum ist der Einfluss des Mondes mit all seinen Zuständigkeiten geschwächt[7], da er dort am weitesten von der Erde, aber auch von uns Menschen entfernt ist.
In diesem Sinne zeigt Lilith im Horoskop, wo wir den Mond weniger spüren, neuen Einflüssen ausgesetzt sind, uns von bisherigen Sicherheiten (oder Geborgenheiten) weg bewegen, "nicht mehr ganz dazugehören" und in gewisse Tiefen eintauchen. Dabei können wir uns, wie auch sonst bei einem geschwächten Mond im Horoskop, fremd oder einsam fühlen oder in einer Art Ausnahmezustand befinden. Lilith offenbart hier jedoch, wo wir Quellen der eigenen Kraft finden. So lernen wir durch Lilith, verunsichernde Situationen zu bestehen und stark zu werden. Im Sinne der astrologischen Entsprechungen des Mondes werden wir dort, wo sein Apogäum ist, von Gefühlen und der Umwelt unabhängiger. Bei Frauen führt eine hervorgehobene Lilith oft zu einer Distanzierung von der gesellschaftlich erwarteten Rolle als umsorgende Ehefrau und Mutter, und statt dessen zu Freiheit und Selbstständigkeit. Bei Männern bringt Lilith ebenso einen typischen Wunsch nach Autonomie, häufig damit verbunden, erst einmal „draußen“ etwas unter Beweis zu stellen, bevor „mann“ sich auf Gefühle (und damit eine gewisse Abhängigkeit) einlassen kann.
Da Lilith symbolisiert, wo wir uns seelisch-emotional von der Welt des gewöhnlichen, irdischen Daseins distanzieren, zeigt sie eine Art "Tor zwischen Diesseits und Jenseits". Dabei steht sie auch in Verbindung mit Themen wie Schamanismus und Magie. Lilith ist allerdings nicht die Magie selbst. Sie ist viel mehr eine Verbindung zur „anderen Welt“ der Götter, Dämonen und Geister oder der höheren Gesetzmäßigkeiten.
Im Horoskop bedeutet Lilith auch ein Tor zwischen Leben und Tod, da die Erdgebundheit geschwächt ist. Wird Lilith ausgelöst, beispielsweise durch einen wichtigen Transit, so befindet man sich an diesem Tor, das nun geöffnet ist. Bei vielen öffnet es sich in Richtung Leben, und sie bekommen ein Kind, wobei hier jedoch der "Tod" des Ego Voraussetzung ist, viele gehen aber auch tatsächlich aus dem Leben. Andere erleben, dass es kurzzeitig um Leben und Tod geht und erfahren dabei eine Art Einweihung, durch die sie zur eigenen Kraft finden[8].
Viele Astrologinnen und Astrologen bringen Lilith mit den verborgenen, mysteriösen Seiten des Weiblichen in Verbindung, mit Eigenständigkeit und Aufbegehren, mit Stolz und Stärke. Da das Weibliche in unserer Kultur über Jahrtausende verteufelt und verdrängt wurde, hat Lilith oft etwas Furchterregendes. Sie ist jedoch nur so lange grausam, wie sie aus dem Bewusstsein der Menschen verbannt wird. Letztlich dient die Entfaltung der Lilith-Kraft, und zwar sowohl bei Männern wie bei Frauen, dem Leben und der Ganzheit. Der oft in Zusammenhang mit Lilith erlebte Schmerz und die Unergründlichkeit werden häufig als Voraussetzung für die Entfaltung von künstlerischem Potenzial gesehen. Hannelore Traugott, eine der bekanntesten Lilith-Expertinnen, schreibt: "Lilith steht für etwas, was aus unserem Bewusstsein gefallen ist und heimdrängt. Nennen wir es archaische Energie, spirituelle Weiblichkeit, das Wissen der Göttin oder wie immer auch, solange wir keinen Zugang zu dieser Kraft haben, erleben wir hier, psychologisch interpretiert, Verlust, Unterdrückung, Einsamkeit, Leere, Sucht und vor allem Machtkämpfe."[9][10] Kocku von Stuckrad sagt: "Lilith verkörpert für mich die Präsenz einer archaischen Form weiblicher Stärke, die jeden patriarchalen Diskurs von Macht und Herrschaft ignoriert und sich auf die lebensbejahenden Kräfte des Lebens festlegt." [9][11]
Domizil
Manche Astrologen ordnen Lilith dem Tierkreiszeichen Steinbock zu, da dieses in Opposition zum Domizil des Mondes steht. Inwieweit dies der mit Lilith verbundenen Intensität zu vereinbaren ist, bedarf sicher noch weiterer Diskussion. So lange es jedoch um den erschwerten Zugang zur Welt der Gefühle geht, mag dies eine sinnvolle Zuordnung sein.
Alternativ ist auch die Zuordnung zum Zeichen Waage in Diskussion, was insbesondere der oft bemerkenswerten Resistenz gegen Veränderungen des Status quo in dem Bereich, in dem Lilith steht, Rechnung trägt.
Allgemein ist es schwierig und unter Astrologen nicht allgemein anerkannt, einem sensitiven Punkt ein Domizil zuzuweisen.
Quellen
- ↑ Dokumentation zu Swiss Ephemeris (englisch) mit genauer Darstellung der Berechnung von mittlerer, oskulierender ("wahrer") und interpolierter Lilith, von Dieter Koch und Alois Treindl
- ↑ Siegmund Hurwitz: Lilith, die erste Eva, Daimon Verlag Zürich 1980
- ↑ Am Jom Kippur, dem Tag der Sündenvergebung im Judentum, machte der Hohepriester die Sünden des Volkes Israel bekannt und übertrug sie durch Handauflegen symbolisch auf einen Ziegenbock. Mit dem Vertreiben des Bocks in die Wüste wurden diese Sünden mitverjagt.Wikipedia
- ↑ “She wanders about at night, vexing the sons of men and causing them to defile themselves (19b),”Wikipedia (engl.)
- ↑ Eiruvin 100b
- ↑ James Herschel Holden: A History of Horoscopic Astrology. American Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006, S. 207f.
- ↑ http://www.astrologie-muenchen.de/pdf/Lilith.pdf
- ↑ Wesentliche Informationen aus: Meridian 05/2005 Inhaltsverzeichnis
- ↑ 9,0 9,1 Lilith. Mythos und Wirklichkeit. In: Meridian 5/99. S. 10
- ↑ Hannelore Traugott: Lilith - Eros des Schwarzen Mondes, Edition Astrodata Zürich, 1995
- ↑ Kocku von Stuckrad: Lilith - Im Lichte des schwarzen Mondes zur Kraft, Aurum Verlag, 2004
andere Literatur
- Joelle de Gravelaine: Lilith - Der Schwarze Mond, Edition Astrodata, Wettswil 1990. ISBN 3907029135
- Lianella Livaldi-Laun: Lilith. Die Begegnung mit dem Schmerz: Die Astrologie des Schwarzen Mondes. Mit monatlichen Ephemeriden 1900 - 2049. 153 Seiten. Chiron Verlag 4. Auflage 1993 ISBN 3925100156 ISBN 978-3925100154
- Lianella Livaldi-Laun: Lilith in Transit. Der schwarze Mond im Alltag. 1152 Seiten. Chiron Verlag 2000. ISBN 3925100512 ISBN 978-3925100512
- Lianella Livaldi-Laun: Lilith in der Partnerschaft. Selbstverwirklichung durch den Schwarzen Mond. 160 Seiten. Chiron Verlag 2002 ISBN 3925100725 ISBN 978-3925100727
- Hans-Joachim Maaz: Der Lilith-Komplex: Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit. dtv Verlag, München 2005 (aus psychoanalytischer Sicht)
- Heidi Wolfart-Zundel & Günther Cherubini: Lilith - Der Geheimnisvolle Planet, Schimer Verlag, 2007
- Vera Zingsem: Lilith. Adams erste Frau. Reclam Verlag, Leipzig 2009
Weblinks
- Lilith Wikipedia-Artikel
- Lilith - Der Schwarze Mond Artikel von Jan Martin
- Lilith (der schwarze Mond) Artikel von Stefan Arens
- Lilith und Priapus - die Astrologie des Verdrängten Artikel von Bernhard Rindgen
- Lilith und Priapus : Ephemeriden der neuen Interpolierten Lilith und Priapus Artikel Von Dieter Koch und Bernhard Rindgen