Münchner Rhythmenlehre

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Die Münchner Rhythmenlehre (Abk.: MRL) ist eine von dem Münchner Astrologen Wolfgang Döbereiner entwickelte Schulrichtung. Ihr zufolge lässt sich aus dem Geburtshoroskop der Lebensplan rhythmisch erschließen.

Inhaltsverzeichnis

Anschauungen

Ein besonderes Merkmal und Anliegen ist, Schicksal nicht als fremdes oder feindliches Zufallsereignis kosmischer oder fatalistischer Konstellationen zu verstehen, sondern dieses als dem Menschen folgerichtiges und zugehöriges Geschehen zu entschlüsseln.

Die Anlagen (entschlüsselbar anhand der Konstellationen des Geburtshoroskops) werden als Einheit zwischen dem Menschen und dem verstanden, was ihm von außen entgegenkommt oder zustößt. Das Wie und Was dessen, was das "Subjekt" als Fatum (Glück oder Unglück, Krankheit, etc.) ereilt, hängt weitestgehend von der Verwirklichungsmöglichkeit des Geborenen im Rahmen seiner mentalen Abhängigkeit von den "gesellschaftlichen Maßstäben" oder auch von den sozialen Gegebenheiten ab. Die Lös- oder Unerlösbarkeit der Anlagen ergibt sich aus dem Einklang oder Widerspruch zwischen dem Verhalten (Sonne und ihren Aspekten) und den latenten Anlagen, die vornehmlich am Aszendenten, den Planeten in Haus Eins und deren Aspekten ablesbar sind. Das zeitliche Zusammentreffen zwischen rhythmischer Auslösung und Art und Weise des Schicksalsereignisses gibt Aufschluss über den Zustand der bisher geglückten oder missglückten Verwirklichung. Die annäherungsweise oder gar vollständige Verwirklichung der Anlagen, die sich im Leben duch das komplexe Zusammenspiel von Empfindungen, subjektivem Handeln und Schicksal ergibt, wird auch als "Erlösung" von einer "Verzauberung", wie im Märchen beschrieben, in denen die Hauptakteure ganz bestimmte Rätsel zu lösen haben.

Der Mensch ist an seine "Veranlagung" oder "Aufgabe" gebunden. d.h., nicht jeder kann alles Wollen oder Tun, vielmehr nur seine ihm gestellten Aufgaben lösen oder verweigern. Die individuelle Freiheit besteht demnach in einer Art Annahme des persönlichen Schicksals. Wenn es zur Verweigerung kommt, werden allmählich Selbstverhinderungs- und -vernichtungsstufen ausgelöst, die beginnend durch den Neptun, fortschreitend zum Uranus und Saturn, ausgelöst werden und sich häufig in Form von Krankheiten oder durch schicksalhaft empfundene regulative Ereignissen äußern, die meist als schmerzhaft oder "nicht gewollt oder geplant" erlebt werden. Döbereiner: "Das Schicksal ist nie zufällig oder böse, sondern immer das Ergebnis des individuellen Verhältnisses zwischen Anlagen und Verhaltensweisen."[1] Die Sinnhaftigkeit dieser Prozesse und in ihnen die Lösungsmöglichkeiten zu erkennen, ist das wesentliche Ziel des individualastrologischen und astrohomöopahtischen Ansatzes der Rhythmenlehre. Ihr mundaner Anteil umfasst die Defintion und Beschreibung von Geschichtsrhythmen, Wetterlagen oder Astrogeographien.

Das System

Die Lehre geht davon aus, dass sich die Entwicklung der Zeit und der in ihr gespeicherten Erfahrungen in verschiedenen Rhythmen und deren Vergrößerungen vollzieht, wobei der Siebenjahres- und Zehnjahresrhythmus im Radixhoroskop und der Siebenmonats- und Zehnmonatsrhythmus im Septar als die zwei Hauptrhythmen (7 und 10 Jahre, bzw. 7 und 10 Monate) angesehen werden. Beginnend am Aszendenten läuft dabei der eine Rhythmus im Uhrzeigersinn und der andere gegen den Uhrzeigersinn durch das Horoskop.

Die verschiedenen rhyrhmischen Auslösungen im Fügungs- oder Schicksalsrhythmus
  • Der Rhythmus im Uhrzeigersinn wird Fügungs- oder Schicksalsrhythmus[2] genannt (s. Abbildung links)und zeigt Ereignisse an, die mehr von "außen", d.h. als schicksalshaft erlebt werden. Er startet vom Aszendenten aus (die ersten sieben Lebensjahre) Richtung Hausspitze Zwölf durch das zwölfte, dann das elfte (die zweiten sieben Lebensjahre), das zehnte (die dritten sieben Lebensjahre), das neunte Haus (die vierten sieben Lebensjahre), usw. Grundlage ist das Häusersystem von Placidus.
  • Der Rhythmus gegen den Uhrzeigersinn wird Phänomenrhythmus[2] genannt und zeigt die konkreten, subjektiven (Lebens-) Erfahrungen an, aus welchen Handlungsimpulse und direkte Veränderungen am "Subjekt" ablesebar sind. Analog dem Vorgehen beim Fügungsrythmus beginnt er am AC und erreicht nach sieben Jahren Hausspitze Zwei, nach weiteren sieben Jahren, also ingesamt nach 14 Jahren Hausspitze Drei, etc.

Für eine detailliertere Betrachtung wird die Gradzahl eines Hauses durch sieben geteilt, sodass einzelne Jahre und kleinere Zeiträume sichtbar gemacht werden können. Der individuell ausgelöste Phasenherrscher im Rhythmus ist der Herrscher des Tierkreiszeichens, das die Häuserspitze anschneidet, von welchem der Rhythmus der aktuellen Sieben-Jahres-Phase ausgeht. Beispiel: Ist die Native 16 Jahre alt, so betrachtet man einerseits den Herrscher über das dritte Haus, da der Phänomenrythmus von Hausspitze Drei nach Vier geht, gegen den Uhrzeigersinn. Andererseits den Herrscher der Hausspitze Elf, da der Fügungsrhythmus von Hausspitze Elf nach Hausspitze Zehn geht, im Uhrzeigersinn.

Befindet sich in dem jeweiligen Haus vollständig ein weiteres Tierkreiszeichen, so gilt dessen Herrscher als Mitherrscher des Hauses. Zu Auslösungen, die den Verlauf der Entwicklung verdeutlichen, kommt es auf unterschiedliche Weise.

Für die Horoskopinterpretation gibt es einige Besonderheiten: so die Betonung der vier Quadranten und die ihnen zugesprochenen Bedeutungen, sowie die Solarhoroskope. Letztere gelten nicht nur, wie allgemein üblich, für eine Periode von zwölf Monaten (zwischen zwei Geburtstagen), sondern sie werden auch als Analogie für den Siebenjahresrhythmus angesehen. So ist zum Beispiel das Solarhoroskop für das dritte Lebensjahr auch ein Abbild für das dritte Lebensjahrsiebt. Es wird als solches Septar genannt.

Entwicklung

Phänomensdeutung

Anfang der fünfziger Jahre entstand zusammen mit der rhythmischen Auslösung und den Septaren (siehe Erstveröffentlichungen) die Phänomensdeutung, nach der zwischen Anlage (Aszendent), Verwirklichung (Sonne) und Erwirktes (Medium coeli) unterschhieden wird; der Deutungsweg wurde auch als "Dreier­weg" bekannt. Der Aszendent wird bildlich als "das zur Verfügung stehende Material", die Sonne als "die Verwirklichung" und das Medium coeli als "das unbeabsichtigt Erwirkte" oder "Ergebnis" (die Finalität) bezeichnet. Die Differenzierung erfolgt durch die Herrscher der Tierkeiszeichen und deren Aspekte, wobei ausschließlich Quadrat, Opposition, Konjunktion und die Spiegelpunkte über 0° Widder/Waage verwendet werden[3] - das Trigon oder allenfalls noch das Sextil haben lediglich Auslösungsfunktion. Die Phänomensdeutung, die durch einfache und schlagwortartige Begriffsbildungen gekennzeichnet ist, wird zusammen mit der rhythmischen Auslösung und den Septaren in den Lehr- und Übungsbüchern ausführlich dargestellt.

Gruppenschicksalspunkte

Vermutlich bereits in den sechziger Jahren ergab sich aus astrologischer Praxis heraus die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Gradeigenschaften der Tierkreiszeichen, die zur Theorie und Erforschung der Gruppenschicksalspunkte führte, und dessen Ergebnisse in dem Buch Horoskop für jeden Tag – Ein astrologischer Lebensfahrplan[4] 1972 veröffentlicht wurden.

Astrologische Homöopathie

1980 kam es zur Erstveröffentlichung des Buches Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder.[5], das umfangreich die biografische Entstehung von Erkrankungen und deren astrologische Entsprechungen im Sinne der paracelsischen Signaturenlehre zu Konstellationen beschreibt. Die Empfehlung der Einnahme von homöopathischen Mitteln als Analogie zu schwierigen Aspekten ist ein wesentlicher Teil der Münchner Rhyhtmenlehre, was als konkrete Hilfe für die Verwirklichung und Lösung konstellativer Anlagen angesehen wird. Aufgrund von jahrzehntelangen Beobachtungen wird davon ausgegangen, daß Hochpotenzen (ab D 30 oder C 30) homöopathischer Arzneien nicht nur analoge Entsprechungen zu bipolaren Aspekten darstellen, sondern dass diese schicksalswirksam sind. Stehen nun zwei oder mehr bipolare Aspekte in einem größeren Zusammenhang oder stellen eine Kompensation dar, kann die Einnahme von nur einer homöopathischen Entsprechung nach Döbereiner Schicksalsirritationen hervorrufen oder Menschen völlig aus dem Gleichgewicht bringen, bzw. ungelöste Aspekte aktivieren - weshalb in der Regel die gleichzeitige Einnahme mehrerer Mittel angezeigt ist.

Deutungsweg der Aphrodite

Ende der achtziger Jahre entstand der "Weg der Aphrodite", eine rhythmische Deutung als Resultat der Erkenntnisse, die sich aus einer etwa zehnjährigen Arbeit an dem Buch Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei[6] ergaben. In klassischen Bildern der Malerei erkannte Döbereiner bildhaft das Prinzip des Werdegangs grundsätzlicher Anlagen, die sich als Gestalten schrittweise vom Aszendenten aus über das Medium coeli bis in das siebte Haus hinein entwickeln. Als Lehrbuch ist dieser Deutungsweg in Band Zehn der Flumserberger Seminare[7] dargestellt.

Weg der Aphrodite oder auch Fügungsrhythmus (oben) und phänomenistischer Weg (unten)

Der Aszendent bleibt, wie bei der Fügungsdeutung, die Anlage, welche schrittweise in der Entwicklung im Uhrzeigersinn von Haus zu Haus gedeutet wird, während gleichzeitig parallel der Phänomensweg gegen den Uhrzeigersinn betrachtet wird. Haus Zwölf ist mit Haus Eins das "Ungeteilte", worin die Anlagen und der Aszendent im Unbewussten lagern und auf ihre Verwirklichung warten. In Haus Elf kommen die Anlagen (auch die Planeten in Haus Eins und Zwölf) zu ihrem "Ursprung", während sie in Haus Zwei gleichzeitig "Erscheinung" werden. In Haus Zehn kommen sie zu ihrer "Bestimmung", während in Haus Drei die "Ausübung" der Erscheinungen die Entsprechung bildet. Haus Neun stellt die schicksalsmäßige "Fügung" dar, während parallel in Haus Vier das Leben, bzw. das "Empfinden" entsteht. In Haus Acht sind die "Formen" zu finden, in denen das "Leben" von Haus Fünf geprägt wird. Schließlich werden die Formen in Haus Sieben "frei" (in die Wirklichkeit entlassen) und stellen die Gesamtheit der Schicksalsgestalten dar, während in Haus Sechs die subjektive "Bewusstheit und Wahrnehmung" der Gestalten dazu entsteht. Im Unterschied zur reinen Phänomensdeutung (Aszendent, Sonne, Medium coeli), die aus der Perspektive des Subjekts mit seiner Verwirklichungsproblematik betrachtet wird, stellt der Weg der Aphrodite eine gesamtperspektivische Deutung des sich fügenden Schicksalsweges unabhängig vom Subjekt dar.

Rückseitenseitenlehre

Ende der neunziger Jahre entstand, wiederum aus der Entwicklung des Vorhergehenden, die sog. Verbund-Deutung, einschließlich der "Rückseitendeutung" und der "Lückenlehre". Lehrbücher über diese Entwicklungen sind die Seminarbände Die verlorene Grenze[8], sowie In der Gewalt der Titanen[9] und die Nachfolgebände.

Die Rückseitenlehre besagt, dass zum Phämomens- immer der Fügungsrhythmus parallel läuft und, mundan gesehen, dieser mit Widder bzw. den Fischen beginnt. Insofern gehören Mars und Neptun (als Herrscher dieser Zeichen) stets zusammen. Des Mars Rückseite ist der Neptun. Dasselbe gilt für die Paare Stier und Wassermann (Venus - Rückseite: Uranus) bis zur Waage - Jungfrau (Venus - Merkur).

Lückenlehre

Die Lückenlehre geht davon aus, dass der Tierkreis demgemäß als geschlossener Entwicklungskreis zu verstehen ist, so dass bei Aspekten die Aussage abgeleitet wird, dass zwischen den beteiligten Planeten eine Lücke sein muss, bzw. ein schwieriger Aspekt selbst Ausdruck einer Entwicklungslücke ist. Z.B. Mars-Uranus: dazwischen fehlt der Neptun; in der Deutung wird der Neptun folgerichtig im Sinne und im Zusammenhang von Mars-Uranus gedeutet. Wenn sich ein Mars-Uranus auslöst, dann wird also Neptun gleichzeitig immer mitausgelöst.

Verbunddeutung

Die Verbunddeutung erkennt in den Tierkreiszeichen der vier Jahreszeiten eine Einheit, so dass diese als Ganzheit eines Organismus gedeutet werden. Z.B. Widder-Stier-Zwillinge (Frühling). Steht die Sonne im Stier, so ist sie abhängig vom Widder, dem ersten Frühlingszeichen, und dessen Herrscher Mars. Danach wird die Venus als Herrscher des Stiers und der Sonne gedeutet und schließlich der Merkur als Herrscher der Zwillinge. Der Aszendent ist nicht mehr die primär zu verwirklichenden Anlage, sondern der Ort, das Erscheinungsbild oder die nähere Umgebung, das Umfeld. O-Ton Döbereiner: "Die Verbunddeutung geht vom Tierkreis aus und ist damit die Umkehrung der Phänomensdeutung. Der Stand der Sonne bestimmt, aus welchem Quartal des Tierkreises sich der Verbund ergibt. Der Aszendent wird dabei entmachtet. Er stellt lediglich das Umfeld dar, in dem sich etwas begibt." [10]

Rezeption

Die Münchner Rhythmenlehre hat in vielen Bereichen Ansätze, die mit allgemein verbreiteten astrologischen Sichtweisen entweder nur schwer kompatibel sind oder konträr laufen. Daher können sich Astrologen der Münchner Rhythmenlehre in Gesprächen mit Vertretern einer mehr psychologisch oder klassisch orientierten Sichtweise oft nur schwer verständlich machen. Die Rhythmenlehre wird damit zu Recht als eigene astrologische Schule bezeichnet. Sie grenzt sich aufgrund ihrer systemeigenen Begrifflichkeiten und Anschauungsweisen erheblich von den anderen astrologischen Ausrichtungen ab.

Quellen

  1. Döbereiner, Wolfgang, Der Wandel des Lebens im Tierkreis, Verlag Döbereiner, 2006
  2. 2,0 2,1 Döbereiner, Wolfgang: Berliner Vortrag. Verlag Münchner Rhythmenlehre, München 1988, S. 16
  3. Eine Spiegelung über 0° Krebs/Steinbock ergibt in ihrer Bedeutung die gleichen Aspekte.
  4. Döbereiner W., Horoskop für jeden Tag – Ein astrologischer Lebensfahrplan, Südwest Verlag, München, 1972
  5. Döbereiner, W., Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen, München, Hugendubel Verlag, 1980
  6. Döbereiner, W., Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei, München, Döbereiner Verlag, 1988
  7. Döbereiner, W., Flumserberger Seminare, Bd.10, Weg der Aphrodite, München, Döbereiner Verlag, 1993
  8. Döbereiner, W., Die verlorene Grenze, München, Döbereiner Verlag, 2000
  9. Döbereiner, W., In der Gewalt der Titanen, München, Döbereiner Verlag, 2001
  10. Döbereiner, Wolfgang, Einbruch des Zeitlosen, Seminarband 18, 2005, S 217

externe Links

MRL-Foren:

siehe auch

  • Wolfgang Döbereiner: Hier ist auch die Literaturliste der Werke von Wolfgang Döbereiner zu finden.
  • Schule (als besonders eigenständige astrologische Ausrichtung)
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