Medium coeli

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Horoskopbeispiel (Sonnenfinsternis 1999). Mars erreicht in Kürze den Aszendenten, wird dabei am östlichen Horizont aufsteigen, während Venus kurz vor der Kulmination steht, bzw. in Konjunktion mit dem MC sein wird.

Medium coeli, lat.: medium = Mitte, coelum = Himmel (Centrum Medii Caeli, Medium Caelum, griech.: Mesouranema, von mesos „mittlerer“ und ouranos „Himmel“)

Synonym: Himmelsmitte

Abkürzung: MC

Der südliche Kulminationspunkt eines Tierkreisgrades, zu einem bestimmten Zeitpunkt und von einem bestimmten Standpunkt aus gesehen.
Das Medium coeli liegt dem Imum coeli polar gegenüber.

Astronomie

Schematische Darstellung von Ekliptik und Meridian. Das Medium Coeli ist der Kulminationspunkt

Das Medium coeli ist der obere Schnittpunkt von Meridian und Ekliptik und darf nicht mit dem Zenit verwechselt werden. Ihm gegenüber liegt das Imum coeli und bildet mit ihm zusammen die Meridianachse im Horoskop. Wie über die anderen Hauptachsen, wandert der gesamte Tierkreis an einem Tag auch über das Medium coeli.

Deutung

Als höchster Punkt im Horoskop symbolisiert das Medium coeli den Bereich, wo ein Mensch nach außen tritt. Da er die schützende Atmosphäre der Privatheit, die durch das Imum coeli symbolisiert wird, vor allem dann verlässt, wenn er seinem Beruf nachgeht, zeigt das Medium coeli zusammen mit dem zehnten Haus auch den Beruf, genauer: die Berufung eines Menschen an. Es steht für seine Stellung in der Öffentlichkeit bzw. in der Gesellschaft. Im Gegensatz zum Deszendenten geht es hier nicht um ein konkretes Gegenüber, sondern um das unbestimmtere Kollektiv, zu dem er als Individuum seinen Beitrag beisteuert. Der tschechische Astrologe Milan Spurek spricht in dem Zusammenhang von der "Autoritätskomponente, die durch Selbstreflexion das Handeln der Persönlichkeit reguliert".[1]

Das Medium Coeli wird in einem Horoskop normalerweise oben eingezeichnet, zu Beginn des vierten Quadranten.

Das Medium coeli gilt im Horoskop als der Punkt der größten Extraversion, das Imum coeli dagegen für die stärkste Introversion. Da die Entwicklung von der Kindheit (für viele bereits vergangen) zum Erwachsensein (jetzt und in Zukunft) geht, wird das Medium coeli auch gerne mit "Zukunft" gleichgesetzt, obwohl dies streng genommen nicht stimmt. Hier wird das Sein im Außen dargestellt, das, was man gemeinhin als Karriere bezeichnet bzw. was im gesellschaftlich relevanten Sinn als Erfolg gewertet wird. Insofern, als "Zukunft" gerne mit einem Aufstieg auf der Karriereleiter gleichgesetzt wird, kann dieser Punkt auch über die Gegenwart in Richtung Zukünftiges hindeuten.

Das Tierkreiszeichen am Medium coeli gibt Auskunft darüber, wie ein Mensch nach außen tritt bzw. welche Eigenschaften er hier im Lauf seines Lebens entwickelt.

Mit dem Medium coeli beginnt das zehnte Haus, das dem Steinbock zugeordnet ist.

Medium coeli nach der Hamburger Schule

Äquator Ekliptik Horizont aufgeschnitten.gif

Astronomische Definition: Das Medium coeli (MC) ist der in Abhängigkeit von Beobachtungszeitpunkt und -ort bestimmte Schnittpunkt des Meridians (der gedachte, an den Himmel projizierte Längengrad der Erde) mit der Ekliptik. Dieser Schnittpunkt stellt den zu dieser Zeit kulminierenden Punkt der Ekliptik dar.

Astrologische Definition, entsprechend dem Jahreslauf der Sonne:

  • sie beginnt ihren Lauf im Winter,
  • geht auf im Frühling,
  • erreicht ihren höchsten Punkt (kulminiert) im Sommer,
  • geht unter im Herbst und
  • erreicht ihren tiefsten Punkt im Winter

und dem Tageslauf der Sonne:

  • sie beginnt ihren Lauf um Mitternacht,
  • geht morgens im Osten auf,
  • erreicht jeden Tag ihren höchsten Punkt (kulminiert) am Mittag,
  • geht abends im Westen unter und
  • erreicht ihren tiefsten Punkt um Mitternacht

Wie das Ereignis „Kulmination" für ein Gestirn, wird das Ereignis „Geburt" ebenso betrachtet. Im Höhepunkt liegt das Ende der Schwangerschaft und in der Geburt der Anfang des eigenen, selbstständigen Atmens, der Beginn eines neuen Menschenlebens. Mit der Geburt findet die vorgeburtliche Entwicklung des Menschen ihren Höhepunkt, dem im Laufe des Lebens weitere Höhepunkte folgen.

Dem mathematischen Punkt MC wird große Bedeutung zugemessen. Er zeigt die symbolische (nicht mathematisch-astronomische) Mitte im Horoskop an: Ziele und Höhepunkte eines Menschen. Das MC bezieht sich auf die Rotation, die Drehung der Erde um sich selbst. So wie der Wechsel von Tag und Nacht vor dem Wechsel der Jahreszeiten wahrgenommen wird, so nimmt der Mensch zuerst sich selbst wahr. Das MC symbolisiert daher im Horoskop auch das Ich, die Persönlichkeit, das eigene Empfinden von sich selbst, z.B. mein Denken, mein Handeln, mein Wollen, meine Vorlieben.[2]

Äquator Ekliptik Horizont aufgeschnitten2.gif

Häusereinteilung

Das MC bezieht sich auf die Äquatorebene, dem Fundamentalkreis der Erdrotation. Gemessen wird in Rektaszension.[3] Sie ist in der Astronomie die Bezeichnung für den Winkel zwischen Frühlingspunkt[4] und dem Längenkreis (Meridian) des Geburtsortes. Gemessen wird, wie die geografische Länge, gegen den Uhrzeigersinn, aber nicht in Grad, sondern im Zeitmaß (Stunden, Minuten und Sekunden), wobei 24 Stunden mit 360 Grad gleichgesetzt werden.

Berechnung der Häuser

Die Äquatorebene wird in zwölf gleichgroße Abschnitte geteilt, in Analogie zur Zwölfteilung (zwölf Monate, zwölf Tierkreiszeichen) des Jahres. Die zur Geburtsminute errechnete Rektaszension für das MC ist der Anfang (oder die Spitze) des 10. MC-Hauses. Zu diesem Rektaszensionswert werden zwei Stunden (= 30°) addiert. Damit wird die nächste Position, die Spitze des 11. MC-Hauses, ermittelt. So fortfahrend erhält man weitere zwei Stunden später die Spitze des 12., des 1., des 2., des 3., des 4. usw. Hauses.

Bedingt durch die Schiefe der Ekliptik, wegen der Neigung der Erdachse auf ihrer Bahn um die Sonne, decken sich die Positionen auf der Äquatorebene nicht gradgenau mit den Schnittpunkten auf der Ekliptikebene. Für die Berechnung der ekliptikalen Positionen bedient man sich einer Koordinatentransformation (sphärische Geometrie). Damit wird die äquatoriale Länge (Rektaszension, Winkel „alpha", Zeitmaß: Stunde, Minute, Sekunde) in ekliptikale Länge (Winkel „lambda", Bogengrad, -minute, -sekunde) umgerechnet. So kommt es, dass die MC-Häuser mit ihren ekliptikalen Positionen unterschiedlich, zwischen rund 28°-32°, groß sind.

MC und Aszendent werden gleichgroße Bedeutung zugemessen (Aszendent, weil er am MC "gekoppelt" ist). Beide zusammen stehen, von der Wertigkeit her betrachtet, nebeneinander an erster Stelle, nur unterschieden nach dem Ich (MC) und dem Du (Aszendent).

Mit dem MC beginnt das zehnte Haus, das dem Krebs zugeordnet ist.[5]

Quellen

  1. Milan Spurek: Das große Handbuch der Astrologie. München 1996. S. 115
  2. Dietrich von Heymann: Wo ist der rote Faden? Leben zwischen Astrologie und Glauben. Lehrian Verlag, Wittnau 1988, ISBN 3-924770-02-6, S. 55, 99-107
  3. Rektaszension, Abkürzung: RA von engl. Right Ascension, das Wort stammt aus dem Lateinischen, ascensio recta, AR, gerade Aufsteigung.
  4. Der Frühlingspunkt ist eine Position um den 21. März, an dem die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn (Ekliptik) genau in diesem Punkt den Himmelsäquator kreuzt. Dann beginnt der Frühling. Der Frühlingspunkt dient der Rektaszension als Nullpunkt. Er ist identisch mit Null Grad Widder, wo die Zählung gegen den Uhrzeigersinn beginnt.
  5. Alfred Witte, 47 Aufsätze von 1913-1925. Nachdruck in: Alfred Witte: Der Mensch - eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen. Ludwig Rudolph (Witte-Verlag) Hamburg, 1975, ISBN 3-920807-11-1, S. 36, 91-95, 119, 137, 147, 159, 250, 270, 295