Philipp Melanchthon

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Philipp Melanchthon
Philipp Melanchthon
Geburtshoroskop
Geburtshoroskop
Handschrift BSB Clm 27003 (anonym) aus dem 16. Jahrhundert, hier ist die Geburtszeit mit 19:06 Uhr angegeben, allerdings mit einem Aszendenten, der auf eine spätere Zeit passen würde, nämlich die von Erasmus Reinhold angegebene Zeit von 19:20 Uhr. (siehe Fußnote)
Handschrift BSB Clm 27003 (anonym) aus dem 16. Jahrhundert, hier ist die Geburtszeit mit 19:06 Uhr angegeben, allerdings mit einem Aszendenten, der auf eine spätere Zeit passen würde, nämlich die von Erasmus Reinhold angegebene Zeit von 19:20 Uhr. (siehe Fußnote)

Philipp Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt (* 16. Februar 1497 um 19:06 in Bretten[1]; † 19. April 1560 um 19:00 Uhr in Wittenberg), war ein Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Astrologe, Lehrbuchautor, neulateinischer Dichter und wurde als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) bekannt. Neben Martin Luther wurde er als Reformator eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Elternhaus und Kindheit

Philipp Melanchthons[2] Vater Georg Schwartzerdt (um 1459–1508) stammte aus Heidelberg und war mit dem Amt des kurfürstlichen Rüstmeisters und Waffenschmiedes (Vorsteher der fürstlichen Waffenkammer) betraut. Seine Mutter Barbara Reuter (um 1477–1529) war eine Tochter des Tuch- und Weinhändlers, Schultheißen und Bürgermeisters von Bretten. Philipp hatte vier Geschwister.

Melanchthon wuchs in Brettheim auf, wie Bretten damals genannt wurde. Sein Großvater sorgte für eine gründliche Erziehung, vor allem durch Unterweisung in lateinischer Sprache durch Johannes Unger aus Pforzheim. So kommt er schon frühzeitig mit durchreisenden Scholaren in Kontakt und konnte mit diesen diskutieren. 1508 starben innerhalb weniger Tage sowohl sein Vater wie auch sein Großvater, womit seine Kindheit beendet war und er zu Verwandten nach Pforzheim kam.

Bildung und Lehre

In Pforzheim besuchte er ab 1508 gemeinsam mit seinem Bruder Georg die Lateinschule und wohnte bei seiner Großmutter Elisabeth (Els) Reuter, der Schwester Johannes Reuchlins. Melanchthon war der begabteste Schüler der Lateinschule.

Nach knapp einem Jahr konnte Melanchthon zwölfjährig im Oktober 1509 die Universität Heidelberg beziehen. 1510 veröffentlichte Melanchthon in Wimphelings Büchern seine ersten lateinischen Gedichte. Durch seine hohe Begabung bewältigte Melanchthon das Studium in Heidelberg problemlos und erwarb zum frühesten möglichen Zeitpunkt am 10. Juni 1511, den ersten akademischen Grad eines Baccalaureus artium.

Am 17. September 1512 wechselte er aus Altersgründen an die Universität Tübingen. Dort studierte er Astronomie, Musik, Arithmetik und Geometrie. Zugleich beschäftigte er sich mit Griechisch, Hebräisch und Latein. Am 25. Januar 1514 schloss er sein Studium an der philosophischen Fakultät mit dem Magistertitel ab. In die Tübinger Zeit fallen auch Melanchthons eigene erste Publikationen.

Als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, fand am 26. April 1518 eine Heidelberger Disputation über die Grundlagen seiner Forderungen an der Universität statt, die auf Melanchthon entscheidenden Eindruck hinterließ. Daher begab er sich mit seinen Studienkollegen nach Wittenberg, um sich die Ansichten Luthers näher erläutern zu lassen. Fortan war Melanchthon gegenüber dem reformatorischen Gedankengut aufgeschlossen.

Durch den Einfluss Luthers erwarb Melanchthon den akademischen Grad eines baccalaurus biblicus am 19. September 1519. Dazu war er befähigt, auch an der theologischen Fakultät Vorlesungen zu halten. Obwohl Melanchthon zeitlebens davon Gebrauch machte, bevorzugte er jedoch die philosophische Bildung, die man als Voraussetzung der theologischen Bildung verstand.

Familie

Melanchthon mietete sich nach seiner Ankunft in Wittenberg ein schlichtes Haus, das er oft auch als Bude bezeichnete. Dort wohnte er mit seinem Gehilfen zusammen. Luther fürchtete jedoch um die Gesundheit Melanchthons, die durch die Männerwirtschaft offensichtlich beeinträchtigt wurde. Um Melanchthons Lebensumstände zu verbessern, aber auch um ihn in Wittenberg zu halten, suchte Luther für Melanchthon 1520 eine Frau. So gelang es Luther, dass er endgültig am 27. November 1520 Katharina (* Oktober 1497; † 11. Oktober 1557) heiratete.

Obwohl seine Frau aus einem angesehenen Hause stammte und Melanchthon als Professor an der Universität gut verdiente, gab es im Hause Melanchthon nie einen größeren Wohlstand.

Melanchthon erlangte durch sein Wirken in Wittenberg bald ein so hohes Ansehen, dass ihm Angebote anderer Universitäten in Deutschland und Europa unterbreitet wurden. Johann Friedrich I. (Sachsen) wollte jedoch den angesehenen Professor in Wittenberg halten und errichtete auf dem Grundstück seiner "Bude" 1536 ein standesgemäßes Haus, das heute als Melanchthonhaus in Wittenberg bekannt ist. Als die Familie 1537 in dieses Haus einzog, hatte das Ehepaar bereits die Kinder Anna (* 24. August 1522; † 27. Februar 1547), Philipp (* 21. Februar 1525; † 3. Oktober 1605 in Wittenberg), Georg (* 25. November 1527 in Wittenberg; † 1529 ) und Magdalena (* 19. Juli 1531; † 12. September 1576).

Als Katharina am 11. Oktober 1557 verstarb, empfand er großen Verlust und sehnte sich danach, ihr bald folgen zu können.

Von einer Reise nach Leipzig im Jahre 1560 kam er erkältet am 4. April zurück. Während der Nacht vom 7. zum 8. April bekam er Fieber, das mit kurzen Unterbrechungen immer wiederkehrte. Am 19. April sammelten sich die nächsten Angehörigen, um ihm das letzte Geleit zu geben. Gegen 19 Uhr wurden Hände und Füße kalt und sein Puls setzte aus.

Astrologie

In einer Zeit des Umbruches, in der Melanchthon lebte und wirkte, hatte die Astrologie eine unsichere Stellung. Im Spannungsverhältnis von Scholastik und Humanismus, Papsttum und Reformation, Religion und Aberglaube musste sie für unterschiedlichste, oft auch unseriöse Interessen herhalten. Von einfacher Volksunterhaltung über propagandistische Hetze bis hin zu gewissenhafter, wissenschaftlicher Arbeit reichte ihr Wirkungsspektrum, das in zunehmendem Maße Anhänger und Gegner spaltete. Auch Melanchthon vollzog eine diffizile Gratwanderung: Einerseits war er der religiösen Erkenntnis verpflichtet, andererseits - oder gerade deswegen - diente er dem "Lichte der Natur", der Wissenschaft[3].

Melanchthon war zeitlebens von der tiefen Bedeutung der Astrologie überzeugt. Zu seinen Werken auf diesem Feld gehören eine vielbeachtete Rede "Über die Würde der Astrologie", eine Übersetzung der Tetrabiblos, das Buch "Initia doctrinae physicae" und das Vorwort zur Sphaera des Sacrobosco. Er hielt die Astrologie für eine Naturwissenschaft wie die Physik, verstand sie kausal-mechanistisch: "Die Astrologie ist ein Teil der Physik, welcher lehrt, welche Wirkungen das Licht der Gestirne auf einfache und zusammengesetzte Körper ausübt, welche Mischungen, Veränderungen und Neigungen es hervorbringt."[4]

Das "Griechlein" (wie er von dem astrologie-skeptischen Luther genannt wurde) war aber auch abergläubisch, überquerte etwa aufgrund einer astrologischen Todesprognose nie die Elbe bei Wittenberg. Andererseits förderte der (mit den vorhandenen Ephemeriden unzufriedene) Gelehrtenkreis um ihn schon früh die Theorie des Nikolaus Kopernikus (s. dessen "Commentariolus" bzw. die "Narratio Prima" von Georg Joachim Rheticus) - deutete astrologisch jedoch weiterhin geozentrisch.

Literatur

  • Hoppmann, Jürgen G. H.: Astrologie der Reformationszeit: Faust, Luther, Melanchthon und die Sternendeuterei. Mit kompletten Horoskopdeutungen aus der Astronomia Teutsch von 1580. Berlin: Zerling, 1998. 220 S. ISBN 3884680692 ISBN 978-3884680698
  • Hoppmann, Jürgen G. H.: Melanchthons Astrologie. Ausstellungskatalog zur Wanderausstellung ab 15. September 1997. Drei Kastanien Verlag. ISBN 3980449289 PDF

Quellen

  1. Geburtsdaten aus der Astrodatabank übernommen: Die Uhrzeit wurde von Walter Koch auf einem Astrologenkongress als die glaubwürdigste Zeit bezeichnet, gilt aber als unsicher. Nach dem Astrologen und Zeitgenossen von Melanchthon, Erasmus Reinhold, wurde Melanchthon um 19:20 Uhr geboren. Diese Zeit passt besser zur handschriftlichen Horoskopgrafik, die oben rechts angegeben ist, welche allerdings mit der Uhrzeit 19:06 versehen wurde. Die Abweichung könnte durch falsche geographische Angaben zustande gekommen sein. Lucas Gauricus gibt in seinem Tractatus Astrologicus (Venedig 1552, Blatt 75r (PDF) 19:06 an. Ebenso Johannes Garcaeus (Astrologiae Methodus, Seite 142), und er war zudem noch mit Melanchthon persönlich bekannt.
  2. Biographische Angaben stark gekürzt aus Wikipedia
  3. http://www.astrologix.de/melanchthon/index.htm Angabe aus dem Ausstellungskatalog "Melanchthons Astrologie", wiedergegeben in Astrologix
  4. Rüdiger Plantiko über Melanchthon, wiedergegeben auf Astrologix
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