Morgenstern

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Die Mondgöttin Selene, begleitet von Hesperos (Abendstern) und Dioskurios (Morgenstern); 2. Jh. n. Chr; Italien

Wenn der Planet Venus morgens am östlichen Himmel vor der Sonne aufgeht und sich im Tierkreis somit vor der Sonne befindet, wird er Morgenstern genannt. Wenn also zum Beispiel die Sonne in der Waage ist und Venus in der Jungfrau, dann ist Venus Morgenstern.

Auch der Planet Merkur kann theoretisch Morgenstern sein, wenn er sich in diesem Verhältnis zur Sonne befindet; er ist jedoch zu selten und zu kurz sichtbar. Wenn von "dem" Morgenstern die Rede ist, ist deshalb die Venus gemeint. Als solcher wurde Venus in früheren Zeiten Phosphoros (griechisch) oder auch lucifer (lateinisch), die Lichtbringerin genannt.

Venus und Merkur können sich, da sie als einzige Planeten innerhalb der Erdumlaufbahn um die Sonne kreisen, aus Sicht der Erde nur maximal 47 Grad (Venus) bzw. 28 Grad (Merkur) von der Sonne entfernen, befinden sich also, anders als die anderen Planeten, immer in deren Nähe. Von daher erklärt sich die Aufmerksamkeit, die früher der Frage gewidmet wurde, ob Venus, der als dritthellstem Gestirn nach Sonne und Mond das größte Interesse galt, vor der Sonne aufging oder nach der Sonne unterging.

Wenn Venus und Merkur am westlichen Himmel nach der Sonne untergehen, werden sie Abendstern genannt. Bei "dem" Abendstern handelt es sich normalerweise jedoch wiederum um die Venus; sie wurde früher Hesperos genannt.

Als Wochentag ist seit dem Altertum der Freitag der Venus zugeordnet.

Deutung

In der modernen zeitgenössischen Astrologie wird der Umstand, ob es sich bei Venus und Merkur um einen Morgen- oder Abendstern handelt, kaum noch in der Interpretation berücksichtigt. Diese Unterscheidung ermöglicht jedoch in der Deutung feinere Nuancen. Beispielsweise kann der Zyklus von Rückläufigkeit und Rechtläufigkeit im Zusammenhang mit der Stellung als Morgenstern berücksichtigt werden:

Denn als rechtläufiger Morgenstern ist die Energie des betreffenden Planeten auf neue Handlungen ausgerichtet. Es ist dies eine Zeit des Neuanfangs, der seinen Höhepunkt während der oberen Konjunktion erreicht, während es bei der Phase anschließend, bis zum Beginn der Rückläufigkeit, um eine Stabilisierung des Neuanfangs geht. Wenn der Planet langsamer wird und sich der stationären Phase nähert, geht es darum, zu prüfen, ob tragfähig ist und bleibt, was dieser oder auch vorangegangene Zyklen gebracht haben. Während der ersten Phase der Rückläufigkeit geht es darum, das mit dem Planeten verbundene Thema inhaltlich zu einem Abschluss zu bringen; es sind hier weniger irgendwelche äußerlich sichtbaren Handlungen gefragt. Anschließend an die untere Konjunktion kommt die Phase des geistigen, inneren Neubeginns, welcher jedoch erst wieder mit der erneuten Rechtläufigkeit in Handlungen mündet.

So ist insgesamt die Energie des Morgensterns auf Beginn, Aktivität, Schwung, Neuanfang ausgerichtet, die Energie des Abendsterns entspricht eher der Festigung, aber auch einer "Beendigung", wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Domizil

Besonders bei der Deutung der Qualitäten der Morgen- und Abend-Venus in der Antike sprach man der Morgen-Venus mehr Waage-Qualitäten zu und der Abend-Venus mehr Stier-Qualitäten. Diese Zuordnung ist allerdings nicht ausdrücklich erfolgt, sondern lässt sich nur ableiten. Wilhelm Knappich begründet dies so[1]: "Die im vorderen Orient am meisten verehrte Gottheit ist Ishtar (phönizisch Astarte), die auch als Tochter des Mondgottes gilt und sich in leuchtenden Vollmonden offenbart. Die Identität als Morgen- und als Abendstern wurde frühzeitig erkannt und polar gedeutet. Als morgendliche Gestalt hatte sie mehr männlichen Charakter und war als Ishtar von Akkad sogar Kriegsgöttin, in abendlicher Stellung hatte sie mehr weiblichen Charakter, als Ishtar von Uruk war sie Göttin der sinnlichen Liebe und Hierodule der Götter."[2]

Manche moderne, gerade deutschsprachige Astrologen nehmen an, dass Venus beim Aufgang als Morgenstern eher die Eigenschaften einer Stier-Venus in der Deutung annimmt, dass dagegen bei ihrem Erscheinen als Abendstern die Qualitäten und Energien einer Waage-Venus dominieren. Diese Auffassung wurde vor allem von Bernd A. Mertz in seinem Werk "Venus als Morgen- und Abendstern im Horoskop" veröffentlicht.[3].

Quellen und Anmerkungen

  1. Knappich, Wilhelm: Geschichte der Astrologie. Klostermann Frankfurt 1967, S. 31
  2. Der grundsätzlich mehr elektrisch-expressive Charakter eines Morgensterns, nach der unteren Konjunktion bis hin zur oberen Konjunktion, der als Phase des Beginns gesehen werden kann, scheint diese Sichtweise zu stützen.
  3. http://www.astronova.de/8301-JmZvbGRlcmlkPTI0Mzg0MCZwcmltYXJ5PTIyMzk3NQ-~Shop~produktdetails.html Zuordnung von Morgen- und Abendstern: nach Bernd A. Mertz: Venus und Merkur als Morgen- und Abendstern im Horoskop. Buchvorschau bei Astronova
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