Orcus

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Entdeckungssequenz von Orcus
Entdeckungshoroskop von Orcus (Fotonachweis)

Orcus ist ein Plutino im Kuiper-Gürtel und gehört zu den resonanten KBOs. Seine Asteroidennummer oder MPN lautet 90482, die alte Bezeichnung 2004DW.

Er wurde am 17. Februar 2004 von einem Astronomenteam am California Institute of Technology in Pasadena, USA (Mike Brown, Chad Trujillo und David Rabinowitz), entdeckt.

Etymologie

Der Name "Orcus" kann entweder von Uragus („des Nachtrabes Führer”) abgeleitet sein, oder von lat. urgere, „drängen, antreiben”. Der wahrscheinlichste Bezug besteht jedoch zum griechischen Wort (H)orkos (ὅρκος) für den Eidschwur/ den Gott des Eides, aber auch für die Einzäunung erkos. Sein Name wird manchmal auch von dem hebräischen arka („Erde”), abgeleitet, seinem unterirdischen Wesen entsprechend [1].

Astronomie

Astronomischer Vergleich von Pluto und Orcus

Parameter Pluto Orcus
Perihel AE 29,658 30,639
Aphel AE 49,305 48,046
Umlaufzeit (siderisch in Jahren) 247,7 246,8
Neigung der Bahnebene 17,16° 20,59°
Durchmesser 2390 km 814 km[2]
Die im Verhältnis zur ekliptiknahen und fast runden Bahn Neptuns (grau) exzentrischen und stark geneigten Bahnen von Orcus (blau) und Pluto (rot)

Orcus ist nicht bloß in der Namensgebung so etwas wie ein astronomischer Zwilling des Pluto. Seine Umlaufzeit ist nur minimal kürzer, und seine Bahn verläuft sehr vergleichbar, d.h. ähnlich geneigt und extrem (stark elliptisch). Im Unterschied zu Pluto, dessen Perihel im Skorpion liegt, ist das von Orcus in den Fischen zu finden. Wie Pluto verweilt er in den Tierkreiszeichen in der Nähe seines Perihels nur ein gutes Jahrzehnt, in denjenigen bei seinem Aphel dagegen eine ganze Generation lang (ca. dreißig Jahre, siehe Tabelle unten). Sein letzter Periheldurchgang war 1895. Er gelangt nie innerhalb der Neptunbahn, berührt diese in seinem Perihel jedoch fast, wohingegen Pluto tatsächlich zeitweise im Inneren der Bahn Neptuns läuft.

Die Größe wurde nach seiner Entdeckung auf etwa 1400 km Durchmesser geschätzt, neuere Messungen gehen jedoch von einem wesentlich geringeren Durchmesser um die 800 km aus, da inzwischen auch ein Mond, Vanth, entdeckt wurde, der schon einen Durchmesser von ungefähr 360 km hat[2].

Mythologie

Orcus und Pluto

Der Name Orcus wird in der römischen Mythologie sowohl als das Totenreich selbst, aber auch als einer der Benennnungen seines Herrschers geführt. Als Gott der Unterwelt ist er ein Synomym für Pluto. „Mit Orcus wird dessen böse, bestrafende Seite bezeichnet, der Gott, der die Toten im Jenseits folterte. Ihm wurden allerdings auch Eigenschaften eines Psychopomp zugeschrieben, als welcher er die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt führte.“[3] Es werden noch weitere Unterscheidungsmöglichkeiten gegeben: „Der römische Volksglauben kennt als zweiten Todesgott den Dis Pater, der durch seinen Namen im Zusammenhang mit dem griechischen Unterweltgott Pluto (bzw. Hades) steht. Beide haben unterschiedliche Aufgaben: Orcus galt als der vollziehende Gott des Todes, während Dis Pater über die Toten in der Unterwelt herrschte.“[4] „Von ihm abgeleitet sind die unterschiedlichen Dämonengestalten bzw. Erscheinungsformen des Ork in der alpinen Volksüberlieferung.“[5]

Es scheint, wenn man die Quellen zum Pluto- bzw. Orcus-Mythos verfolgt, dass der Herr der Unterwelt in seiner Erscheinungsform als Orcus nicht so eng mit der Entführung der Proserpina (= Persephone, Demeters Tochter) verknüpft ist: denn Orcus kommt niemals an die Oberwelt, sondern bleibt ständig unten.[6]

Aufenthalt von Orcus im

Tierkreiszeichen:

von - bis
(exakte Daten s. bei
Ingress)
Jahre[7]
Lib.gif Waage 1794/96 - 1821/22 27
Sco.gif Skorpion 1821/22 - 1844/45 23
Sag.gif Schütze 1844/45 - 1864 20
Cap.gif Steinbock 1864 - 1880 16
Aqu.gifWassermann 1880 - 1892/93 12
Pis.gif Fische 1892/93 - 1904/05 12
Ari.gif Widder 1904/05 - 1917/18 13
Tau.gif Stier 1917/18 - 1932/34 15
Gem.gif Zwillinge 1932/34 - 1953/54 21
Can.gif Krebs 1953/54 - 1978/80 25
Leo.gif Löwe 1978/80 - 2007/09 29
Vir.gif Jungfrau 2007/09 - 2037/39 30

Orcus und der Eid

Weiter ist Orcus[8] ein Eid ebenso wie der Wächter des Eides. Als solcher war er ursprünglich in der griechischen Mythologie eine Erscheinungsform von Zeus, nämlich Zeus Horkos. Diese Erscheinungsform von Zeus verselbständigte sich im Laufe der Zeit zu einem eigenständigen, aber anscheinend zunächst nicht personifizierten Horkos. Später wurde er bei Hesiod als Sohn der Eris (Göttin der Zwietracht und des Streites) beschrieben, da es oft Auseinandersetzungen sind, die einen Eid zur Bekräftigung der Glaubwürdigkeit erst erforderlich machen. Seine Geschwister sind Ponos (die Mühsal), Limos (die Hungersnot), sowie weitere Götter der Unrechtmäßigkeit und des Leides[9]. Horkos trat immer bei Eidbrüchen bzw. Meineiden in Erscheinung, um den Frevler zu strafen. Herodot schreibt über ihn: "Aber Horkos hat einen namenlosen Sohn, ohne Hände und Füße, der einen dennoch unentrinnbar verfolgt, bis er die Familie und das gesamte Habe erwischt und vernichtet. Die Ahnenreihe des Menschen, der einen wahren Schwur tut, ist später demhingegen besser dran."[10] Passend dazu heißt es im Hippokratischen Eid (Ἱπποκράτους ὅρκος, Hippokratos Horkos): "Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil."[11]

Obwohl Horkos ursprünglich als Eid bzw. als dessen Wächter neutral zu werten ist, erschien er im Laufe der Zeit immer finsterer, da er nur strafend in Erscheinung trat, insbesondere damit die Unverbrüchlichkeit eines Eidschwures gewahrt blieb; die segensreiche Seite eines gehaltenen Eides wurde dagegen mit der Gottheit nicht in Verbindung gebracht. Da der Bruch eines Eides die schlimmste Strafe, den Tod und höllische Qualen nach sich zog, gilt Orcus somit auch als das Ende aller Dinge. Später, bei Aesop, tritt er als Verfolger der bösen Menschen auf, der so lange harmlos ("lahm") bleibt, wie er nicht durch Boshaftigkeit oder Unaufrichtigkeit meineidiger Menschen provoziert wird[12].

Auch die etymologische Verwandtschaft zu erkos (Zaun, Abgrenzung) passt in diese Bedeutungsrichtung, nämlich "als Schranke, die für den Menschen selbst und sein Handeln durch Leistung des Eides besteht, indem er in einer ganz bestimmten Weise handeln muss, will er nicht Schuld auf sich laden und Strafe gewärtigen."[13]. Ebenso kann man davon ausgehen, dass der Ort, an den die Straffälligen kommen, eingezäunt bzw. eingschränkt ist in der Weise, dass von dort keine Rückkehr möglich ist. In dieser Ableitung wird Orkos auch als der Eid selbst gesehen, als die Schwelle, hinter der keine Rückkehr mehr möglich ist, bzw. wogegen jeder Verstoß Rache und Strafe nach sich zog.

Die Gleichsetzung von Orcus mit dem römischen Gott der Unterwelt Pluto dürfte eine Folge der strafenden Eigenschaft des Orcus beim Eidesbruch sein.
Die Identifikation mit dem Wächter des Schwures ist eine Gemeinsamkeit zwischen Horkos/ Orcus und Varuna.

Deutung

Vorbemerkung: Da es sich bei Orcus um einen neu entdeckten Himmelskörper handelt, gibt es noch wenig allgemein verbindliche Deutungsansätze zu ihm. Als Langsamläufer wird er eigentlich sowieso erst interessant bei (sehr) engen Aspekten zu Planeten oder Achsen.
In den fachastrologischen Diskussionen über ihn wird dieser neu entdeckte Himmelskörper oft projektiv überladen. Man sieht meist nur "Negatives" in ihm, schreibt ihm Schlimmes, Furchtbares zu - was nach dem Selbstverständnis der Psychologischen Astrologie im Grunde jedoch nicht sein kann. Denn dort hat jeder Horoskopfaktor auch "Positives" an sich, Sinnvoll-Konstruktives (dient einem bestimmten Zweck).

Rolf Liefeld deutet Orcus zwar in seiner Ähnlichkeit zu Pluto, hebt aber auch Unterschiede hervor. Er sieht das Domizil für Orcus in den Fischen, und deutet ihn im Vergleich zu Pluto als sanfter und feinfühliger. Orcus soll insbesondere für Übergänge und Beendigung stehen, auch für bedeutende Wendepunkte im Leben, hinter die es kein Zurück mehr gibt. Auch Medialität soll durch ihn gefördert werden, sowie Tätigkeiten, die mit Sterbenden oder Toten zu tun haben. Desweiteren wird die Jenseitigkeit des Todes hervorgehoben, wie es beispielsweise beim Schamanismus ritualisiert geschieht[14].

Horoskopbeispiele

Park der Ungeheuer bei Bomarzo in Latium: Besucher können in den aufgesperrten Rachen des Orcus hinabsteigen.

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. Hederich, Gründliches mythologisches Lexicon. Sp. 1438 f.Google Books
  2. 2,0 2,1 Johnstons Archive: List of Known Trans-Neptunian Objects. abgerufen am 25. Juni 2012
  3. Wikipedia: Orcus (Mythologie)
  4. http://www.sphinx-suche.de/satanismus2/orcus.htm
  5. http://www.sphinx-suche.de/elementa/orcus.htm
  6. Dies könnte durchaus eine Parallele zum astronomischen Orcus sein, der auch nie innerhalb der Neptunbahn läuft.
  7. von Erstingress bis Erstingress
  8. zusammengefasste Informationen aus: Rudolf Hirzel, Der Eid. Leipzig 1902, S. 142-170
  9. Wikipedia (engl.): Hesiod's Theogony identifies him as the daughter of Eris ("strife") and brother of Ponos ("toil"), Limos ("starvation"), the Algea ("pains"), the Hysminai ("fightings"), the Makhai ("battles"), the Phonoi ("murderers"), the Androktasiai ("man-slaughters"), the Neikea ("quarrels"), the Pseudologoi ("lies"), the Amphilogiai ("disputes"), Dysnomia ("lawlessness"), Atë ("ruin"), and Lethe ("forgetfulness").
  10. Herodotus, Histories 6. 86c (trans. Godley) (Greek historian C5th B.C.); zitiert bei theoi.com
  11. http://de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates
  12. Aesop: Der Treuhänder und der Eid: Einer hatte von seinem Freunde Geld zur Verwahrung übernommen und trachtete danach, ihn zu betrügen. Als der Freund nun jenen zur Eidesleistung vor Gericht lud, scheute der sich davor und zog über Land. Am Tor angelangt, erblickte er einen lahmen Mann, der ebenfalls hinausging; den fragte er, wer er sei und wohin sein Weg führe. Als der Angesprochene erwiderte, er sei Horkos, der Gott des Eides, und sei hinter den Meineidigen her, fragte er weiter, wie oft er denn in die Städte zu kommen pflege. »Alle vierzig, manchmal auch nur alle dreißig Jahre«, war die Antwort. Da zögerte der Mann nicht länger, sondern legte am nächsten Tag den Eid ab, dass er das Geld nicht in Empfang genommen habe. Dadurch jedoch dem Horkos verfallen und von diesem zur Richtstätte geführt, beschuldigte er den Gott, der habe behauptet, nur alle dreißig Jahre zu kommen, und jetzt lasse er ihn nicht einmal einen Tag straflos. Doch Horkos fiel dem Sprecher ins Wort: »Du solltest wissen, wenn mir einer gar zu beschwerlich wird, dann komme ich für gewöhnlich noch am selben Tag.« online bei Fabelnundanderes
  13. Bruhns, zitiert in: Hirzel, Der Eid, S. 102. Leipzig 1902
  14. Rolf Liefeld: (90482) Orcus in der Astrologie. online bei top-astro.de abgerufen am 19. November 2012