Paran

Aus Astrowiki-de
(Weitergeleitet von Paranatellonta)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als ein Paran (Kurzform von Paranatellonta) wird bezeichnet, wenn zwei Himmelskörper gleichzeitig am Horizont und/oder Meridian stehen. Dabei kann eine Paranstellung im Sinne der Mundanaspekte als Quadrat verstanden werden, wenn sich ein Himmelskörper am Horizont und ein anderer am Meridian befindet, als Konjunktion wenn zum Beispiel zwei Himmelskörper gleichzeitig aufgehen, oder als Opposition, wenn ein Stern aufgeht, während ein anderer untergeht.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Steht die Sonne am Aszendenten und Jupiter gleichzeitig am Medium coeli, so befinden sie sich miteinander im Paran. Eine derartige Stellung ließe sich zwar auch noch ohne Paranberechnung im normalen Horoskop erkennen - bei jenen Planeten, deren Umlaufbahnen stärker zur Ekliptik geneigt sind und ganz besonders bei den Fixsternen, von denen sich nur die wenigsten auf der Ekliptik befinden, ist es aber nicht im Horoskop erkennbar, wann sie wirklich aufgehen, untergehen oder kulminieren. So kann der Mond im Horoskop mitten im 12. Haus auf seinem Tierkreisgrad eingezeichnet sein, in Wirklichkeit aber noch am Aszendenten stehen, wenn er sich unterhalb der Ekliptik befindet. Noch größere Abweichungen gibt es bei den Fixsternen. Erst die Paran-Berechnungen für den jeweiligen Ort zeigen, welche Sterne und Planeten wirklich in einem bestimmten Moment am Horizont stehen oder kluminieren.

Die australisch-englische Astrologin Bernadette Brady hat sich unter den heutigen Astrologen und Astrologinnen am ausführlichsten mit den Parans befasst[1], vor allem im Zusammenhang mit Fixsternen[2]

Geschichte

Die Lehre der Paranatellonta wurde etwa im 5. vorchristlichen Jahrhundert ausgebildet und geht ursprünglich auf die Beobachtung der mit den Tierkreisgraden und Dekanen am Osthorizont aufsteigenden, in der Himmelsmitte stehenden und am Westhorizont untergehenden Sternen und Sternbildern zurück, aus denen ein bestimmtes Schicksal abgeleitet wurde. Eine Zusammenfassung dieser Lehre ist auf den in Ägypten wirkenden Babylonier Teukros zurückzuführen, die etwa 100 v. Chr. als „Sphaera barbarica“ bekannt geworden ist. Diese ist nur teilweise erhalten geblieben und wurde von Franz Boll in seinem Werk „Sphaera“, 1903, rekonstruiert. Wilhelm Knappich:"Besonders aus der Beobachtung der bei der Geburt aufsteigenden, kulminierenden und untergehenden Gestirne leitete man die Schicksale der Geborenen ab. Es handelt sich hier um die Lehre von den Paranatellonta,.."[3]

Ralph William Holden: "Die bekanntesten babylonischen Tafeln stammen von MUL APIN. Obwohl diese vermutlich erst um 700 v. Chr. erstellt wurden, gehen sie doch 600 Jahre zurück und sammeln alle beobachteten Ergebnisse; darin sind eine Fülle an Informationen enthalten hinsichtlich von Sternbezeichnungen und der Details von Aufgang, Kulmination und Untergang der Sterne."[4] Die zeitgenössische Astrologie berücksichtigt selten die Sterne und Sternbilder auf den Vertikal- und Horizontachsen und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Himmelskörper des Sonnensystems.

Deutung

Stehen zwei Himmelskörper im Paran, so wirken sie gleichzeitig auf den Horoskopeigner ein, wenn auch über unterschiedliche Ebenen. Im Unterschied zu den astrologischen Aspekten besteht somit kein fester geometrischer Winkel der ermittelt wird sondern ein relatives Verhältnis, das nur in Abhängigkeit vom Standort und vom Horoskopeigner zustande kommt. Die Wechselwirkung ist somit sehr stark ohne dass von vornherein gesagt werden kann welcher Art von Aspekt sie am Nächsten kommt, ob analytisch oder synthetisch. Viel hängt daher von der Thematik der jeweiligen Himmelskörper ab.

Parans und Astrokartographie

In der Astrokartographie werden auf Landkarten die Linien eingetragen, auf denen ein Planet wirklich am Horizont (Aufgang oder Untergang) oder am Meridian (Überquerung des MC oder IC) steht. Die Kreuzung zweier solcher Linien ist daher ein Paran. Wenn sich etwa die Jupiter-AC Linie mit der Venus-MC Linie kreuzt, so ist an diesem Ort Jupiter gerade am Aszendenten und gleichzeitig Venus genau am MC. Die wirkliche räumliche Position der Planeten, die bis zu 5° (Mond) oder 17° (Pluto) abseits der Ekliptik stehen können, und die im normalen Geburtshoroskop nicht zu erkennen ist, kann dazu führen, dass eine Stellung, die im Geburtshoroskop aussieht wie ein Paran, in Wirklichkeit ein paar geografische Grade vom Geburtsort entfernt ist. Diese Abweichung hat dann mit der ekliptischen Breite vor allem des Planeten am Aszendenten tun.

Harald Mayen schreibt dazu in Einführendes zu den Astro-Landkarten: "Kreuzungen von Planetenlinien gelten ebenfalls als Kraftplätze. Die Energien beeinflussen sich dort gegenseitig. Dies gilt auch für den Fall, dass zwei Linien sehr nahe zusammenliegen. Kreuzungen können, in abgeschwächter Form, weltweit über den betreffenden Breitengrad spürbar sein" [5].

Erin Sullivan behandelt in ihrem Buch Angewandte Astro*Carto*Graphy[6] das Thema ausführlicher.

Quellen

  1. Astrothek: Paranatellonta
  2. Bernadette Brady, Fixed Stars; Red Wheel/ Weiser 1999 ISBN-10: 157863105X ISBN-13: 978-1578631056
  3. Wilhelm Knappich: Horoskop und Himmelshäuser - Grundlagen und Altertum, (zusammen mit Walter Koch). 144 Seiten. Sirius-Verlag 1959, S. 13
  4. Holden, Ralph William, Astrologische Häusersysteme, Chiron Verlag, 1998,S.36
  5. Astrodienst 'Astroclick Reisen', Einführung. Wenn man dort auf eine Linienkreuzung klickt, bekommt man direkt eine ortsbezogene Deutung des Parans.
  6. [1] Erin Sullivan: Angewandte Astro*Carto*Graphy, Chiron-Verlag Tübingen 2002 ISBN 3925100687 ISBN 978-3925100680