Peregrin
Begriffsherkunft: peregrinus (lat.) = herumwandernd (in der Fremde), fern von zu Hause, Fremder, Pilger
Klassische Astrologie: Planet ohne Würde
In der klassischen Astrologie gilt ein Planet als peregrin, wenn er keine essentielle Würde hat, also im betreffenden Zeichen weder im Domizil, noch im Exil, Fall oder in Erhöhung steht, auch ausserhalb seiner Grenzen und auch nicht in seinem Dekanat.[1][2]. Peregrine Planeten gelten als geschwächt, sind nicht in der Lage, ihre Kräfte zu entfalten, stehen "fremd".[1] Meist sind die Zeichen-Quinkunxe und Zeichen-Halbsextile peregrin, beim Mond sogar alle Feuer- und Luftzeichen, damit alle Zeichen männlichen Geschlechts, was zum Mond als astrologische Verkörperung des weiblichen Prinzips sehr gut passt.
Aspektlehre: Planet ohne Aspekte
Erst in jüngerer Zeit findet sich der Begriff auch ausserhalb der traditionellen Astrologie. In der modernen psychologischen Astrologie wird oft nicht mehr mit den traditionellen Würden gearbeitet. Dort hat man dann den Begriff peregrin = fern von zu Hause übertragen, im Sinne, dass ein Planet, der nicht duch das Netz der Aspektbeziehungen ins Ganze des Horoskops einbezogen ist, der also allein herumsteht, peregrin ist. Ein Planet wird als peregrin bezeichnet, wenn er unaspektiert ist. Noel Tyl schreibt auf seiner Homepage[3]: Alle unter uns sollten in der Lage sein eine eindeutige Definition von Peregrinität zu geben: jeder Planet, der keinen Ptolemäischen Aspekt im Horoskop macht.
Der Mond wird aus diesem Grund auch ab und zu in der Mondpause als peregrin bezeichnet, da er üblicherweise dann keine Hauptaspekte mehr vor dem nächsten Zeichenwechsel bildet.
Nach Karl Brandler-Pracht
Zitat: "Ein Planet in seinem Hause, also wenn er sich in jenem Zeichen befindet, das er beherrscht, erhält 5 Stärken. Befindet er sich in seiner Vernichtung, erhält er 5 Schwächen. Die Erhöhung stärkt ihn mit 4, der Fall schwächt ihn mit 4, die Triplizität stärkt ihn mit 3, die Grenzen mit 2 und die Dekane mit 1, während ihn eine Stellung, in der er gar keine Würden aufzuweisen hat, mit 5 Einheiten schwächt. Ein solches Verhältnis wurde peregrinus genannt."[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Erik van Slooten: Klassische Stundenastrologie. Chiron-Verlag, Tübingen 2004, S.70.
- ↑ William Lilly notiert in Christliche Astrologie (Band 1 + 2, Chiron-Verlag, Tübingen 2007, S. 130) anschaulich zu einem Planet, der z. B. nur noch die Dekanat-Würde besitzt: "Ein Planet, der wenig oder keine Würden hat, außer durch seine Dekane, ist beinahe wie ein Mann, der bereit ist, aus der Tür gewiesen zu werden, und viel Mühe hat, sein Guthaben und den Ruf zu behalten".
- ↑ http://www.noeltyl.com/techniques/070831.html
- ↑ Karl Brandler-Pracht: Eine alte Methode zur Rektifikation der Geburtszeit. in "Astrologische Blätter", 3. Jahrgang, Monat Mai 1921, Heft 2, S. 11, Linser-Verlag, Berlin