Placidus de Titis

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Placidus de Titis

Der italienische Astrologe Placido de Titis oder Placidus, auch Placido de Titi genannt, Pseudonym Didacus Prittus Pelusiensis[1], lebte von 1603 bis 1668. Der Spross eines umbrischen Adelsgeschlechtes trat zunächst mit zwanzig Jahren einem Benediktiner-Orden bei, lehrte später Mathematik und Physik als Lektor der Universität Padua, um von 1657 bis 1668 als Professor für Mathematik an der Universität Pavia zu arbeiten.

Astrologie

Placidus war im 17. Jahrhundert einer der führenden Kritiker des Regiomontanus. Er verbreitete durch Häusertafeln und Tabellen das System der sogenannten ptolemäischen Manier, das später als das Placidus-Häusersystem in die Geschichte eingehen sollte. Es war jedoch Giovanni Antonio Magini, den Wilhelm Knappich als ersten ausmachen konnte, der die mathematischen Grundlagen der ptolemäische Manier darlegte.[2] Placidus war astrologischer Berater des Erzherzogs Leopold Wilhem von Österreich und veröffentlichte eine ganze Reihe von Schriften zur Astrologie, auch in dem Bemühen, eine Vereinbarkeit von christlichem Glauben und "wissenschaftlicher" Astrologie zu untermauern, einer Astrologie, deren Elemente er als physisch-real und von Natur aus als existierend behauptete, um in der aristotelischen Tradition der katholischen Kirche geduldet und akzeptiert zu werden. Aus diesem Grund vermied er auch jedwede nur geometrisch abgeleiteten Häusersysteme und Direktionen, da sie philosophisch zu nahe an das qualitative, platonisch-mystische Denken und Empfinden gerieten, wie es von Johannes Kepler mit seiner geometrischen Ableitung der Aspekte praktiziert worden war.

Placidus arbeitete mit den Direktions-Arten der Sekundär- und Primär-Direktion:[3]:

  • Primärdirektionen werden mit den Prorogatoren oder Signifaktoren Sonne, Mond, AC, MC und Glückspunkt erstellt, entsprechend z. B. dem Schlüssel RA = 1 Lebensjahr
  • Sekundärdirektionen sind die Bewegungen der Himmelskörper nach dem Schlüssel 1 Tag seit Geburt = 1 Lebensjahr. Diese Direktionen werden bei Placidus nur mit den Himmelskörpern, nicht aber mit den Achsen vollzogen.

Auf Placidus gehen die Mundanaspekte und die Verwendung von Deklinationsparallelen zurück. Das Hauptwerk Physiomathematica sive coelestis philosophia (verbesserte Auflage aus dem Jahre 1675 des ursprünglichen Titels Quaestionum phsysiomethmaticarum libri tres) widmet sich denn auch unter anderem der Häuser-Aufteilung des Horoskopes und den Direktionen.

Werke (Auswahl)

  • Physiomathematica sive coelestis philosophia, Mailand 1675 Digitalisat der IMSS Florenz
  • Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Mailand 1657 (astronomisches Tafelwerk) Online Google books
  • Ephemeridum caelestium motuum ab initio anni 1661 usque ad totum 1665 juxta hypoteses Phlippi Lansbergi. 1661. Digitalisat der IMSS Florenz
  • De diebus decretoriis et aegrorum decubitu, Zwei Bände, Pavia 1661 und 1665 (umfangreicheres astromedizinisches Werk)

Weblinks

Literatur

  • James Herschel Holden: A History of Horoskope Astrology. Amercan Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006, S. 178-179
  • Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. C.H. Beck-Verlag, München 2003, S. 267
  • John Cooper; Claudine Besset-Lamoine; Giuseppe Bezza; Robert Amadou, Placidus de Titis "Primum Mobile", Paris : Fédération des Astrologues Francophones, 1998., franz.; Auszug aus dem Primum mobile, englisch
  • Claudine Besset-Lamoine; Giuseppe Bezza; Robert Amadou,Primum mobile, Placido Titi; Paris (41-43 rue de Cronstadt, 75015) : FDAF, 1998, franz.
  • Manoah Sibly, A collection of thirty remarkable nativities, Placido Titi; London, Printed by W. Justins, 1789-[90], engl.

Quellen und Anmerkungen

  1. Knappich, Wilhelm: Placido de Titi's Leben und Lehre online
  2. Knappich, Wilhelm, Entwicklung der Horoskoptechnik vom Altertum bis zur Gegenwart, 1966, überarbeitet 1978.
  3. Nach Knappich, Leben und Lehre online