Quintil

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Das Pentagon ist die Aspektfigur, die von fünf Quintilen gebildet wird. Die aus fünf Biquintilen gebildete Figur (innen) ist das Pentagramm.

Symbol: Q oder a08_017.gif

Synonym: Gefünftschein (veraltet)

Das Quintil ist ein Aspekt, bei dem sich zwei Planeten im Winkelabstand von 72 Grad zueinander befinden. Es gilt als Nebenaspekt und findet in der praktischen Deutung zumeist wenig Beachtung, auch wenn es als günstiger Aspekt gilt. Es kann mit einem Orbis von zwei bis drei Grad berechnet werden. Das Quintil wurde ursprünglich von Johannes Kepler als astrologisch bedeutsamer, ja sogar "Hauptaspekt" eingestuft.[1] In der angelsächsischen Literatur wird es entsprechend als wirksamer Aspekt (z.B. in der Raphael-Ephemeride und in der Astrometeorologie) berücksichtigt, während es im deutschsprachigen Bereich heute kaum noch Beachtung findet.[2]

Ein zweifaches Quintil, also ein Aspekt von 144 Grad heißt Biquintil.

Deutung

Das Quintil zeigt Begabungen und Potentiale über die Hauptaspekte hinaus an. Das betrifft vor allem den künstlerischen Bereich. Michael Roscher: "Quintile sind in ihrer Bedeutung ähnlich den Trigonen, mit dem Unterschied, dass sie zum Schöpferischen herausfordern. Planeten, die zueinander im Quintil stehen, zeigen Lebensbereiche an, in denen man die Wirklichkeit durch kreatives, künstlerisches Handeln und Schaffen überhöhen möchte."[3]

Thomas Ring drückte es so aus: "Gewertet von der Normalwirklichkeit aus, kommen wir beim vorigen Aspekt zu schwer ausdrückbaren Zwischensituationen, zeitlich einem «nicht mehr» und «noch nicht». Das Negative daran kann sich beheben in Schöpfungen, die aus diesen Normen heraustretend zwar Ungewohntes, doch in sich Wohlproportioniertes darstellen. Nicht querköpfige Neuerungssucht treibt dabei an, vielmehr wird ein natürliches Grundmaß in überraschender Verknüpfung entdeckt und positiv ausgeschöpft. Hier liegt der Bereich der «quintilischem» Anlagengefüge, bei Durchschnittsmenschen lediglich in «schief Gelagertem» zur Anschauung gebracht, mehr oder minder harmlos. Die zugrundeliegende stetige Teilung, in der nach Platos Forderung «das Ungleiche zu einem Ganzen verbunden wird und aus diesem Ganzen sein Maß zurückempfängt», bleibt ohne Hinzutreten des genialen Funkens unsichtbar."[4]

Grundsätzlich sollten für ein Quintil, um tatsächlich die Quelle zur Kreativität und Inspiration zu dienen, folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Da der Zusammenhang zu Quadrat und Opposition (geradzahlige Teilung des Kreises) fehlt, kann die Produktivität des Quintils nicht erzwungen werden. Zu sagen: ich muss/ du musst! - wird beim Erschließen des Potentials eines Quintils nicht weiterhelfen.
  • Das Quintil beruht auch nicht auf der Dreierteilung (Trigon, Sextil), die eine Selbststabilisierung ermöglicht (das Dreieck ist die einzige zweidimensionale geometrische Figur, die sich selbst halten kann) - sie ist, auch ohne jede Anstrengung, stabil und wirkt. So fließt bei der Dreierteilung die Energie von selbst, ohne dass etwas dazu getan werden muss. Dies ist so beim Quintil nicht gegeben; ein gewisser Einsatz, Initiative, Zeit, auch Ehrgeiz ist hilfreich, um einem Quintil zum Ausdruck zu verhelfen.
  • Deshalb ist der Zugang zum Quintil - wie auch bei anderen primzahligen Figuren, etwa dem Septil - nur ohne Druck (Stress) gegeben, aber dennoch nicht "wie von selbst" möglich. Das bedeutet, die Qualität eines Quintils muss zwar einerseits erarbeitet werden - ohne Fleiß kein Preis, könnte das Motto lauten - doch funktioniert das nur frei von Zwang. Dies ist in unserer Kultur hauptsächlich im künstlerischen und kreativen Bereich gegeben, deswegen wird das Quintil als solcher Aspekt gewertet. Möglich ist die Anwendung der quintilischen Qualitäten jedoch überall, wo diese zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sind - wenn ein strebendes Bemühen, aber nicht krampfhaft, gegeben ist.
  • Das Quintil ist, wie andere Aspekte auch, stark und wirksam (bei Fünferteilung ist der Kreis geringer geteilt als beim Sextil!), und es wird seinen Weg finden, zum Ausdruck zu kommen. Wenn die Rahmenbedingungen für eine "kreative" Entfaltung nicht vorhanden sind, so ist das Quintil dennoch da, wenn auch in einer gehemmten Form. Deshalb kann es zu unerwarteten Ausbrüchen der quintilischen Talente kommen, die sich überraschend ihre Bahn brechen. Es kann auch nicht an seiner Wirkung gehindert (negativer Zwang, Zweierstruktur), oder als sowieso vorhanden gesehen werden (negative Dreierstruktur). Es dürfte vielmehr ein starkes Bedürfnis, ja, ein Drang da sein, der Energie des Quintils zu folgen.

Nick Kollerstrom fand in seinen empirischen Untersuchungen beim Quintil (und Septil) Zusammenhänge zwischen dem Auftreten dieser Aspekte und bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckungen ("Heureka-Effekt").

Aspektfigur

Fünf Quintile, die den Kreis schließen, ergeben als Aspektfigur ein Pentagon, das ja auch das Symbol für den Quintil-Aspekt darstellt. Das Pentagramm demhingegen, eines der ältesten magischen Symbole, wird aus Biquintilen zusammengesetzt.

Weblinks

Zum Goldenen Schnitt

Literatur

  • Nick Kollerstrom und Mike O'Neill: The Eureka Effect: Astrology of Scientific Discovery. 76 Seiten. Caer Sidi Publications, 1994; Urania Trust, Windsor (Berkshire) 1996 ISBN 978-1871989038
Über Quintile und Septile.

Quellen und Anmerkungen

  1. Johannes Kepler: Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie. Chiron-Verlag, Mössingen 1999, These 38.
  2. Walter Koch: Aspektlehre nach Johannes Kepler. Die Formsymbolik von Ton, Zahl und Aspekt. 96 Seiten. Hamburg, Kosmobiosophische Gesellschaft, 1950, 1952
  3. Michael Roscher: Das Astrologie-Buch. München 1989. S. 171.
  4. Thomas Ring: Astrologische Menschenkunde Band 1, S.292 (kostenlose PDF-Version aller vier Ring-Bände bei Astrodienst)