Reinhold Ebertin

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Reinhold Ebertin
Reinhold Ebertin: Geburtshoroskop

Reinhold Ebertin (geboren am 16.2.1901 um 4.40 Uhr in Görlitz[1], gestorben am 14.3.1988 in den frühen Morgenstunden in Hirschlanden[2]) ist das bekannteste Mitglied einer einflussreichen Astrologen-Familie.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Ebertins Vater war Versicherungsmathematiker[3], seine Mutter Elsbeth Ebertin eine Schriftstellerin und später bedeutende Vertreterin der psychologisch orientierten Astrologie vor allem nach dem Ersten Weltkrieg.

Seine Eltern wurden früh geschieden, Ebertin war fünf Jahre alt, der weitere Kontakt zu seiner Mutter wurde vielfach unterbunden und erschwert bis zu seiner Volljährigkeit (21 Jahre). Etwa 1922 bestand er schließlich die Lehrerprüfung, wurde Hauslehrer in Bayern und ab 1925 Schullehrer in Görlitz, wo er daneben beim Regulus-Verlag (Schwerpunkt Astrologie) mitarbeitete und im gleichen Verlag seine ersten Astrologiebücher veröffentlichte: Die ersten beiden Bücher waren "Wege zum Horoskop" und "Transite - welcher Tag ist günstig für mich?". Für seine Mutter gab er den neuen Ebertin-Kalender heraus, zog 1928 wegen einer neuen Lehrerstelle in die Nähe von Erfurt, gründete den Ebertin-Verlag und war dann ab 1929 in Erfurt, um selbständig als Journalist, Schriftsteller, Verleger und Herausgeber des "Ebertin-Kalenders" zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten[4]. Auf dem Astrologenkongress 1929 in Nürnberg lernte er seine zukünftige Frau, Luise Engbert, kennen[5]; sie heirateten am 12. Dezember 1929, der einzige Sohn Baldur kam am 21. Juli 1933 zur Welt. Die Ehe bestand 53 Jahre, bis zum Tod von Luise Ebertin im Jahr 1983[6].

Der Ebertin-Kalender 1938

Nach der Flucht des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß ereilte Reinhold Ebertin, und auch seine Mutter, das gleiche Schicksal wie viele weitere Astrologen und Esoteriker: er wurde von der Gestapo verhaftet. Allerdings ließ man ihn schon im August wieder frei, mit der damals üblichen Auflage, sich nicht weiter astrologisch zu betätigen. Er konnte daraufhin in den Betrieben (Brauereien) eines Bekannten in Breslau Arbeit finden, zog mit seiner Familie im Sommer 1942 dann nach Freiburg, den Wohnort seiner Mutter, wo er in der Nähe in einem weiteren Betrieb des Bekannten arbeitete. Nach erneutem Stellenwechsel suchte er 1944 im württembergischen Aalen Produktionsmöglichkeiten im Auftrag seiner Firma (Pharmazie) und siedelte nach der Bombardierung Freiburgs 1944 dorthin um[7]; in Aalen blieb er den größten Teil seines weiteren Lebens.

Erst nach dem Kriege konnte er seine astrologische Arbeit wieder aufnehmen. Neben seiner publizistischen Tätigkeit (Ebertin-Verlag, Zeitschriften-Herausgabe) organisierte er die von ihm begründete Institution "Arbeitstagung für Kosmobiologische Forschung", aus der 1956 die Arbeitsgemeinschaft Kosmobiologische Akademie Aalen (KAA) hervorging. Auch die astrologische Fachzeitschrift Meridian geht ursprünglich auf Ebertin und seinen Verlag zurück.

Reinhold Ebertins Werk wird heute von seinem Sohn Baldur Ebertin fortgeführt.

Bemerkungen zur Biographie

Als umstritten kann Ebertins Haltung zum Nationalsozialismus gelten, aber auch zu der gesamten damit verbundenen Ideologie - was seine Leistungen als Astrologe nicht schmälern will.

Er selbst äußerte sich darüber in seiner Autobiographie nach dem Zweiten Weltkrieg so: "Wie schwer es war, in der damaligen Zeit eine Zeitschrift herauszugeben, ohne mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen, zwischen den Zeilen aber doch die Wahrheit durchblicken zu lassen und sich trotzdem zu manchen Pflichtaufsätzen zu überwinden, nur um bestehen zu können, das kann sich in der heutigen Zeit kaum jemand vorstellen."[8] Ebertin erweckt hier den Eindruck, "Wahrheit" sei für ihn eine kritische Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus gewesen, und als hätte er Abstand zu diesem gesucht. Die dazu verfügbaren Dokumente sprechen allerdings eine andere Sprache, dass er nämlich bereits Jahre vor der Machtergreifung der Nazis mit deren völkisch-rassistischer Ideologie sympathisierte:

Er war schon 1925 der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Menschenkenntnis und Menschenschicksal beigetreten[9][10], die eine Vereinigung mit rassistisch-ariosophischen Hintergrund war, und bereits acht Jahre vor der Hitlers Machtergreifung nur Mitglieder "arischer" Abstammung aufnahm[11][12][13]. 1933 wurde er Mitbegründer[14] der "Geistigen Front", einer Gemeinschaft von Geisteswissenschaftlern, mit ebenfalls rassenideologischer Prägung (was Ebertin im nachhinein bestritt),[15]), die allerdings nur bis 1934 bestand.[16]. Seine astrologische Fachzeitschrift Mensch im All konnte, eventuell auch durch einen darin offen vertretenen Antisemitismus[17] länger als andere astrologische Fachzeitschriften im deutschen Reich erscheinen, nämlich bis zum England-Flug des Esoterik-Freundes Rudolf Heß am 10. Mai 1941. Passend hierzu scheint der Kontakt Ebertins zu "parteiamtlichen Stellen" (also der NSDAP) stärker ausgeprägt gewesen zu sein.[18][19]. In seiner Kosmobiologie sah Ebertin diejenige Art, Astrologie auszuüben, die am besten mit dem Nationalsozialismus in Übereinstimmung zu bringen sei, und führte es auf seine "Verbindung mit der offiziellen Wissenschaft" zurück, dass er nicht dem Wahrsageverbot zum Opfer fiel[20].

Siehe zu diesem Komplex auch: Ellic Howe, Uranias Kinder: Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich. Beltz-Athenäum, 1995 (engl. Originalausgabe 1967), insbesondere S. 152 und S. 161, sowie Christoph Schubert-Weller, Politische Astrologie im Deutschland der 20er und 30er Jahre, in Meridian 5/87 und 6/87, bzw. Verdrängte Geschichte. Legendenbildung der bundesdeutschen Astrologie nach dem Zweiten Weltkrieg, in Meridian 4/88 und 5/88.

Astrologie

Die Organuhr Fritz Brandaus gemäß Ebertins Tierkreisentsprechungen

Er wurde astrologisch natürlich von seiner Mutter beeinflusst, wobei er aufgrund der Scheidung seiner Eltern lange Jahre kaum Kontakt zu ihr hatte und sich die astrologischen Grundlagen anderweitig aneignete - z.B. bei dem niederländischen Theosophen und Astrologen C.Aq. Libra.[21] (= Roelf Takens). Besonders geprägt wurde Ebertin jedoch später von Alfred Witte, dem Begründer der "Hamburger Schule", dessen neudefinierte astrologischen Grundlagentechniken er fast vollständig übernahm. Ende der 1920er Jahre wurde er Astrologe, Verleger und zugleich Autor verschiedener astrologischer Werke und gab ab 1928 die astrologische Zeitschrift "Neue Sternblätter" heraus, ab 1934 unter dem Titel "Mensch im All". Seine Zeitschrift wurde ab 1929 eine wichtige und wirksame publizistische Plattform für die Hamburger Schule, deren Methoden, Elemente und Autoren in jeder Ausgabe breiten Raum einnahmen[22]. Ebertin selber schloss sich explizit der Hamburger Schule an, verlegte auch Werke von ihr, übernahm die Halbsummen-Methode, verzichtete allerdings bei der Geburtshoroskop-Grafik auf die Einzeichnung der Zwischenhäuserspitzen und auf die hypothetischen Transneptuner. Nach 1945 distanzierte er sich von ihr, da sie ihm zu ereignisorientiert schien und keine psychologische Deutung brachte[23].

Er wandte sich frühzeitig gegen jede Form von Determinismus, war wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber aufgeschlossen und suchte den Austausch mit den Naturwissenschaften. So spielt auch die medizinische Astrologie in seinem Werk eine wichtige Rolle, wobei er auf Untersuchungen seiner Mutter aufbauen konnte. Er ging auch dazu über, statt Astrologie den Begriff Kosmobiologie zu verwenden, um die Beziehungen zwischen dem Kosmos und der Biologie deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Erst dieses ganzheitliche Zusammenspiel machte ihm zufolge eine Charakterisierung des Menschen möglich.

Sein Hauptwerk ist die "Kombination der Gestirnseinflüsse" (KdG), welches schnell zum Klassiker bzw. zu einem astrologischen Standardwerk wurde, da es jeweils Stichworte für die Kombination dreier Horoskopfaktoren angibt (ein großer Fortschritt gegenüber "normalen" Deutungs-"Kochbüchern"), welches er zwar bereits 1940 fertiggestellt hatte, doch erst nach dem Krieg herausgeben konnte.

Auch in astro-medizinischer Hinsicht war seine Systematik wegweisend.

Pionier war er ebenfalls in Sachen Heliozentrischer Astrologie , für die er ab 1960 eine eigene Ephemeride herausgab.

Forschungen

Bekannt wurde Ebertin nicht zuletzt durch seine gewissenhaften und gründlichen Einzelfallforschungen, deren Ergebnisse die Verfahrenstechniken von Alfred Witte in der methodischen Vorgehensweise größtenteils widerspiegeln, damit teilweise im Widerspruch zur traditionellen Astrologie stehen, aber auch einige Lehrsätze der "Alten" bestätigen. Besonders interessierte er sich für die in Deutschland durch die Einführung der vereinfachten Ephemeriden (ohne Deklinationswerte der Planeten) vernachlässigten Deklinationsparallelen, die er jahrelang untersuchte und für die er eigens Ephemeriden erstellte bzw. veröffentlichte. Auch auf dem schwierigen Gebiet der Synastrie forschte er intensiv, was zur Entwicklung des "Kontaktkosmogramms" führte.

Die graphischen Ephemeriden

Er entwickelte nach dem Prinzip der graphischen Ephemeriden die sog. "Lebensdiagramme".
Beispiel einer 45°-Transit-Ephemeride für drei Monate. In der obersten Zeile sind die Monate aufgeführt. Mit einem Lineal oder einer gedachten senkrechten Linie kann man das Datum ablesen, wann der Transit im Kreuzungspunkt 0°Orbis erreicht hat. Die horizontal gestrichelten Linien sind die Spiegelpunkte, die von ihm jedoch nicht vewendet wurden.
Hauptsächlich benutzte er dafür die 45°-Ephemeride (s. Abb. links). Die horizontal durchgezogenen Linien stellen die Radixpositionen dar - die Radix-Planeten sind rechts aufgeführt (könnten natürlich auch links eingezeichnet werden). Die in der Diagonalen verlaufenden Planeten stellen entweder die Transit- oder die Direktions-Linien dar. Die Horizontalebene ist somit die "Raumkoordinate", während die vertikale Ebene die "Zeitkoordinate" darstellt. In dem hier angeführten Transit-Lebensdiagramm wurden als Zeitmaß drei Monate gewählt. Man kann auf einen Blick die Rückläufigkeit der Planeten (im Beispiel die grüne Linie des Jupiter) über längere Zeiträume erkennen und feststellen, wann die Planetenlinien die Radixpositionslinien kreuzen, wodurch an den Kreuzungspunkten (Orbis 0°) alle auf der Basis der 45°-Einteilung sich bildenden Aspekte ablesbar sind. Bei der 45°-Ephemeride entsprechen die Kreuzungspunkte ausschließlich den folgenden Aspekten:

Konjunktion (0°),Opposition (180°),Quadrat (90°), Halbquadrat (45°). Anderthalbquadrat (135°).

Andere Aspekte, wie Trigone (120°) oder Sextile (60°), bilden keine Kreuzungspunkte. Diese können nur mit einer 60°Ephemeride abgelesen werden, die jedoch in der Aalener Schule nicht verwendet wird. Ebertin warnte allerdings vor einer schematischen Deutung: "In der Graphischen 45°-Ephemeride kommt es nicht allein auf die Übergänge oder Reaktionspunkte an, sondern zur Deutung muss man auch untersuchen, welchen kosmischen Zustand die transitierten Planeten haben, oder welche Rolle sie im Strukturbild spielen.[24]

Ebertin war neben seiner Lehrtätigkeit auch praktizierender und beratender Kosmobiologe. Ihm lag viel daran, bei einem Klienten in der astrologischen wie astromedizinischen Praxis, leicht überschaubare Instrumentarien zur Verfügung zu haben. Mit den Lebensdiagrammen hat ein beratender Astrologe das "ganze Leben" im Blick, womit es keine Schwierigkeiten bereitet, x-beliebige Zeitpunkte in der Biographie eines Klienten zu besprechen. In gleicher Weise wurden auch die Transitdiagramme entworfen. Die Radixpositionen verlaufen als Linien auf einer 90°-Skala quer im Diagramm, während die Transit-Zeit-Linien vertikal die Radixlinien kreuzen. Das jeweils interessierende Datum braucht dann nur noch abgelesen werden.

Das Deklinationslebensdiagramm

Beispiel: DLD = Deklinations-Lebens-Diagramm der Sonnenfinsternis von 2010

Er untersuchte und überprüfte ausgiebig die Deklinationsparallelen als gültige Aspekte, wie sie in der klassischen Periode der astrologischen Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) wiederbelebt wurden. Besonders interessierte ihn dabei die Unterscheidung der Contraparallele von der direkten Parallele. Am Ende seiner jahrzehntelangen Beobachtungen konnte er die gleichwertige Wirksamkeit beider bestätigen und fasste seine Ergebnisse in dem Buch Deklinationsparallelen im Geburtsbild[25] zusammen. Als Ergebnis entwickelte er das DLD (Deklinations-Lebens-Diagramm), welches das Zustandekommen der progressiven Deklinationsparallelen über längere Zeiträume in einem Schaubild zusammenfasste.[26] Das DLD beruht auf der gleichen Darstellungsweise wie die der anderen Lebensdiagramme (Progressives- und Sonnenbogendirektionensdiagramm), welche einen Überblick über sehr große Lebensabschnitte ermöglichen. Das Zusammenlaufen verschieder zeitlicher Aspektlinien aus diesen drei Lebensdiagrammen konnte so erstmals übersichtlich grafisch, ohne Tabellen dargestellt werden, womit für einen Horoskopeigner Lebenskrisen (zeitliche Summierung schwieriger Aspekte) wie auch Lebenschancen auf einen Blick kenntlich gemacht wurden.

Das Kontaktkosmogramm

Beispiel: Kontakt-Kosmogramm (KK) zeigt innen die Planetenpositionen des einen (blau), außen (rot) die des anderen. Die Transite (grün) sind dazwischen eingezeichnet.

Außerdem erforschte er intensiv die Vergleichsmöglichkeiten zwischen zwei Geburtsbildern. In seinem Erstlingswerk zu diesem komplexen Thema Die Kosmische Ehe[27] orientierte er sich noch sehr an der Tradition. Im Nachfolgewerk Das Kontaktkosmogramm, kurz KK genannt, stellte er seine präzisierten Forschungsergebnisse zusammen.[28] Ein Novum dabei war, dass er konsequent den Orbis beim Planetenvergleich (Synastrie) auf maximal 1-2° reduzierte. Auf diese Weise werden lediglich jene Aspekte zwischen zwei Geburtsbildern berücksichtigt, die gemeinsam durch Transite oder auch Direktionen ausgelöst werden. Nur mit dieser Methode könne das gemeinsame Schicksal erfasst werden, weil sich die Auslösungen von Transiten oder Direktionen ebenfalls innerhalb dieses Orbis abspielen.

Angenommen die Venus (15° Stier) des einen steht in einem Quadrat zu der Sonne (15°30 Löwe) des anderen mit einem Orbis von 0°30´. Wenn beispielsweise der laufende Saturn 15°-16° Wassermann im Transit passiert, wird im Kontaktkosmogramm erkennbar, dass der Saturn ein gemeinsames Schicksal und Ereignisse anzeigt. Der eine wird die gemeinsame Zeit als Saturn-Quadrat-Venus erleben, der andere als Saturn-Opposition-Sonne, aber beide erleben die Zeit als saturnin, lediglich aus unterschiedlichen Perspektiven heraus. Oder der progressive Saturn eines Partners läuft über 14°30-15°30 Wassermann, so wird die "schicksalshafte" Situation (z.B. eine Krankheit) desjenigen, der den progressiven Saturn in die Verbindung einbringt, auch zum Schicksal des anderen - dieser trägt dann die Situation mit.
Zum anderen glaubte Ebertin festgestellt und auch bewiesen zu haben, dass die Qualität eines Aspektes weniger von der geometrischen Form - (Quadrat oder Trigon) - abhänge, als von der Natur der beteiligten Planeten selbst, so dass ein Venus Quadrat Jupiter durchaus als günstig zu betrachten sei. Den Oppositionsaspekt sah er in der Synastrie mehr als ein Ergänzungsprinzip denn als einen partnerschaftlichen Gegensatz oder negativen Aspekt. Einen Vorteil sah er keineswegs bei Eheleuten, deren die Sonnen in einem Trigon stehen, da man sich dann zwar wechselseitig bestätige, aber die (polare, d.h. auch gegensätzliche) Ergänzung fehle. Sein Kontaktkosmogramm ist über ein Beziehungsanalyseinstrument hinaus eine grundsätzliche Vergleichsmethode, um auch andere Verhältnisse und Beziehungen, etwa von Institutionen und Individuen in ihrem Entwicklungsweg (gemeinsame Auslösungen) leichter verstehen, erfassen und beschreiben zu können. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, Arbeitgebern und Angestellen, zwischen Vorgesetzten und Kollegen, Verträgen oder Geschäftsverbindungen erhalten mit dem Kontaktkosmogramm eine ereignisorienterte Grundlage, wobei - und das ist das Wesentliche im Vergleich zu anderen Methoden - die Geburtstkonstellationen der Beteiligten nicht verlassen werden und in einem rechnerisch-konstruierten Gemeinscheinschaftshoroskop aufgehen, wie dies bei Combin- oder Composithoroskopen der Fall ist.

1° Wirkungsregel

Ebertin nahm für sich in Anspruch, als erster die klassische Regel der Ein-Grad-Maximalwirkung präzisiert zu haben, dass nämlich die größte Intensität einer Auslösung nicht, wie in den neuen Lehrbüchern angenommen wird, innerhalb von 1° Orbis erfolgt bzw. gleichmäßig um den 0°-Punkt plus/ minus 1° Wirkungsbreite liegt, sondern dass sich in der Applikationsphase das höchste Auslösungspotential befindet, welches nach dem Exaktwerden bei 0° erheblich abnimmt, bzw. in der Separationsphase dann rasch abflacht.
Graphische Darstellung der Ebertinschen Wirkungs- bzw. Ereignisregel. Diese beinhaltet: 1. Die Wirkungsintensität erstreckt sich auf den Zeitabschnitt, den ein Planet oder Auslösungfaktor braucht, um 1° Tierkreisgrad zu durchlaufen. 2. Nach dem Eintreten in die Exaktheit (0°) eines Transites oder einer Direktion lässt die Wirkung rasch nach.
Diese Regel gelte sowohl für Transite als auch für Direktionen. Ebertin: Hinsichtlich der Wirkung der Transite wurde bereits mein Grundsatz allgemein anerkannt, den ich schon 1928 in der ersten und 1933 in der zweiten Auflage der "Transite"[29] bekanntgab: Die Wirkung eines Transites - und das gilt auch sinnentsprechend für die Direktion - erstreckt sich auf den Zeitabschnitt, den das Gestirn braucht, um einen Grad zu durchlaufen. Damit verbindet sich auch der <<Wirkungsgrad>>, denn je länger das Gestirn braucht, um einen Grad zu durchlaufen, um so anhaltender und stärker dürfte auch die Wirkung sein. Wenn ich früher die Ansicht vertrat, dass die Exaktheit eines Transites gewissermaßen die Mitte der <<Wirksamkeit>> darstellt, musste ich erkennen, dass mit dem exakten Aspekt die Wirkung fast beendet ist. Vielmehr braucht ein Transit eine Anlaufzeit bis zur Exaktheit und lässt dann in seiner Wirkung rasch nach.[30] In der Klassischen Astrologie sei der Orbis viel zu groß angesetzt worden, während Ebertin die Wirkungsbreite auf 1° vor dem Exaktwerden eingrenzte. Die Unterscheidung zwischen separativer und applikativer Phase ist nicht neu, wurde jedoch vornehmlich in der Grunddeutung des Radixhoroskopes berücksichtigt, weniger hinsichtlich der Auslösungscharakteristik, wiewohl die Schwäche eines sich separierenden Aspektes stets betont wurde.[31] Aber auch Heinrich Kündig formulierte 1949 Ähnliches: "Tritt ein schneller Planet zu einem langsamen Planeten in einen Aspekt, dann nimmt die Intensität des Aspektes in der Applikationsperiode zu; ist der Aspekt exakt, dann hat die Intensität ihren Höhepunkt erreicht; in der Separationsperiode nimmt die Intensität wieder ab, um beim Austritt des schnelleren Planeten aus dem Orbis ganz abzuklingen.!"[32]

Werke (Auswahl)

Reinhold Ebertin
  • Deklinationsprallelen im Geburtsbild, Ebertin-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1976
  • Kosmobiologische Studien. 1. Das 90° Arbeitsgerät in der [kosmobiologischen] Praxis. 29 Seiten. Ebertin Verlag 1949
  • Hilfstabellen zur Berechnung der Gestirnstände. 29 Seiten. Ebertin Verlag 1949; 13. Aufl. 1991 ISBN 978-3871860317
  • Kombination der Gestirneinflüsse. 256 Seiten. Ebertin-Verlag Aalen ab 1950; Ebertin Verlag, Freiburg 1996 ISBN 978-3871860508; Chiron Verlag 2002 ISBN 978-3925100703
  • Kosmopsychologie. Ebertin-Verlag 1950 112 Seiten; Ebertin Verlag, Freiburg 5. Aufl. 1979. 152 Seiten. ISBN 978-3871860010
  • Charakter und Schicksal im Kosmogramm 2. Die Berechnung des individuellen Geburtsbildes. 64 Seiten. Ebertin Verlag 1950
  • Transite. 80 Seiten. Ebertin Verlag, 4. Aufl. 1952
  • Vorschau durch Direktionen. 80 Seiten. Ebertin Verlag 1955
  • Die Jahres-Kurve - Eine Methode zur Ermittlung der Jahrestendenz auf kosmischer Grundlage. 40 Seiten. Ebertin Verlag, Aalen 1957
  • Gesicherte Schnelldiagnose - Anlagen im Kosmogramm und ihre Auslösung. 56 + 28 Seiten. Ebertin Verlag, Aalen 1959
  • Das Doppelgesicht des Kosmos - Einführung in die heliozentrische Darstellung von Konstellationen und deren Gegenüberstellung zu geozentrischen Aufzeichnungen. 105 Seiten. Ebertin Verlag, Aalen 1962
  • Angewandte Kosmobiologie. 3. überarb. und erw. Auflage 1963; Ebertin Verlag, Freiburg. 240 Seiten. 5. überarb. und erw. Aufl. 1986 ISBN 978-3871860645
  • Gutachten auf kosmischer Grundlage. 96 Seiten. Ebertin Verlag 1964
  • Der Einfluss des Pluto auf das Liebesleben. 31 Seiten. Ebertin Verlag 1965; Neuauflagen, z. B. 1979 ISBN 978-3871860294
  • Pluto-Entsprechungen zum Weltgeschehen und zum Menschenleben. Bd. 1. Pluto-Aspekte. 196 Seiten. Ebertin Verlag 1965; 2. überarbeitete und erw. Aufl. 1985 (288 Seiten) ISBN 978-3871860638
  • Das Jahresdiagramm als Lebenshilfe. Die Vorschau aufgrund der 45-Grad-Ephemeride. 1971-1988 ISBN 978-3871860102; Sondereinband 1988 ISBN 978-3871860713
  • Das Kontakt-Kosmogramm. Kosmogramme von Ehepartnern. 142 Seiten. 1973 ISBN 978-3871860140
  • Das Schicksal des Deutschen Volkes. Eine kosmopolitische Studie. 160 Seiten. Ebertin Verlag 1975. ISBN 978-3871860409
  • Das Schicksal in meiner Hand. Biographie von Ebertin, Grundlagen der Kosmobiologie. Ebertin Verlag, Freiburg 1975 ISBN 978-3871860003
  • Lebensdiagramme. Überblick über den Lebenslauf. ISBN 978-3871860041
  • Geburtszeit und Lebensereignis. Eine praktische Methode zur Korrektur der Geburtszeit. 128 Seiten. 3. verbesserte und erw. Aufl. 1983 ISBN 978-3871860133
  • Ereignis-Tabellen. Für die Korrektur der Geburtszeit und die Zukunftsprognose. 48 Seiten. Ebertin Verlag 3. Aufl. 1984 ISBN 978-3871860478
  • Transite. Welcher Tag ist günstig für mich? 136 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 1993 ISBN 978-3871860652
  • Sterne helfen heilen. Geschichte und Praxis der Astro- Medizin. 400 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 1986 ISBN 978-3871860584; 1995 ISBN 978-3871860676
  • Die Bedeutung der Fixsterne (Zusammen mit Georg Hoffmann). 75 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 1988 ISBN 978-3871860119; Astronova Verlag 2003 ISBN 978-3937077031
  • Die Kosmische Ehe. 144 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 1984. ISBN 978-3871860171
  • Einführung in die Kosmobiologie. 168 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 5. A. 1984 ISBN 978-3871860607
  • Direktionen. Mitgestalter des Schicksals. 176 Seiten. Ebertin Verlag, Freiburg 12. Aufl. 1988 ISBN 978-3871860706
  • Grundlagen der kosmobiologischen Heilkunde. 45 Seiten. Hermann Bauer Verlag 4. Aufl. 1989 ISBN 978-3871860522
  • Anatomische Entsprechungen der Tierkreisgrade. Ebertin Verlag, Freiburg 1991, ISBN 3871860160
  • (als Hrg.) Die Entfernungswerte der Gestirne in der kosmobiologischen Praxis. System Johannes Schreiweis. Eine Gemeinschaftsarbeit. Aalen, Ebertin-Verlag, 1971. 92 S.
  • (als Hrg.) Brandau, Fritz, Organuhr der anatomischen Entsprechungen, Aalen, 1978

Quellen und Anmerkungen

  1. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand. Ebertin-Verlag, Aalen 1975, S. 10: Geburtsbild-Grafik von R. Ebertin mit den Geburtsdaten
  2. siehe AstroDatabank
  3. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand. Ebertin-Verlag, Aalen 1975, S. 8
  4. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in Deiner Hand. Ebertin-Verlag, Aalen 1975, S. 15 - 18
  5. wobei sie schnell feststellten, dass ihre Synastrie eine Konjunktion von Sonne und Venus aufwies
  6. Informationen über die Ehe Ebertins aus der AstroDatabank übernommen.
  7. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand. Ebertin- Verlag, Aalen 1975, S. 29-30
  8. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand – Autobiographie, Ebertin-Verlag Aalen 1975
  9. Zeitschrift für Menschenkenntnis und Menschenschicksal, 1. Jahrgang 1925/ 26, Düsseldorf, Heft 1; Herausgeber Herbert Reichstein: Wir haben eine deutsche Arbeitsgemeinschaft für Menschenkenntnis und Menschenschicksal gegründet. Als Mitarbeiter werden u.a. die Ariosophen Lanz v. Liebenfels, Ernst Issberner-Haldane, aber auch Reinhold Ebertin genannt.
  10. von Herbert Reichstein, eine Vereinigung von Astrologen, Handlesern, Graphologen und Schädelformforschern; Reichstein verlegte ab 1925 die ariosophischen Werke des Lanz von Liebenfels
  11. Zeitschrift f. Menschenkenntnis und Menschenschicksal, Jahrgang 1925/ 1926, Düsseldorf, Heft 2, zweite Umschlagseite, über die Mitgliedsbedingungen der gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft
  12. Nicholas Goodrick-Clarke: The occult roots of Nazism. Wellingborough (GB) 1985, S. 168
  13. Ebertin schreibt 1927 in der Zeitschrift dieser Arbeitsgemeinschaft: "Es ist kein Zufall, dass gerade der Uranus im Widder Führernaturen hervorbringt. Ist doch dieses Zeichen dasjenige, das einen besonderen Einfluss auf die Geschicke des deutschen Volkes ausüben soll. Schon in alten astrologischen Werken, unter anderem auch im Tetrabiblos des Ptolemäus, wird Germanien unter dem Widderzeichen genannt. Widder oder Aries ist das Zeichen der Arier, und das schließt auch die Hoffnung ein, dass die arische Rasse wieder hochkommt, dass sie sich über die Mischrassen erhebt und dass wirklich die Prophezeihung eintrifft, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll" Zitat aus: Ebertin, Reinhold: Neptun und Uranus im Jahre 1927; in Zeitschrift für Menschenkenntnis und Schicksalsforschung, Heft 3, 2. Jg., Düsseldorf 1927, S. 60
  14. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand. Ebertin- Verlag, Aalen 1975, S. 22: In der Johannisnacht (23.6.) des Jahres 1933 versuchte ein kleiner Kreis von bekannten Geisteswissenschaftlern [...]
  15. Er selbst beschreibt in seiner Autobiographie die Intention der "Geistigen Front" genau umgekehrt, so dass man den Eindruck einer Widerstandsgruppe bekommen könnte: "... die Geistige Front als Gegengewicht gegen die Geistesauffassung der Nationalsozialisten ..." (Ebertin, Das Schicksal in meiner Hand, Aalen, Ebertin Veralg, 1966, S. 22). In Mensch im All, Ausgabe Oktober 1933, Heft 1, S. 37 hatte er die Gründung der Geistigen Front noch so erklärt: Für alle Berufe wurden Stände-Organisationen geschaffen. So wurde auch aus Notwendigkeit vor Monaten die "Geistige Front, Reichsvereinigung für wissenschaftliche und praktische Menschenkenntnis, Berlin", gegründet, als Sammelpunkt und Zentrale für all berufstätigen Charakterologen..[...]
  16. Neben reinen Geisteswissenschaftlern waren auch Personen wie Ernst Issberner-Haldane oder Robert Brotz (Ebertin, Das Schicksal in meiner Hand, Aalen 1975, S. 22) Mitglied dieser "Front", also bekannte Ariosophen. Die "Geistige Front" nahm "Juden und sonstige Niederrassige" nicht auf, wie in Mensch im All im Oktober 1933, S. 37, verkündet wurde.
  17. So schrieb Ebertin darin im April 1940, S. 98: Erinnern wir uns doch noch zu gut, wie in den Zeiten der Novemberrepublik das Recht zugunsten jüdischer Geldsäcke gebeugt wurde, wie spitzfindige jüdische Juristen den Sinn von Paragraphen zu ihrem Vorteil verdrehten
  18. Reinhold Ebertin in Mensch im All, April 1938, S. 211 (Zur gegenwärtigen Lage der Kosmobiologie): Als ich kürzlich in Berlin bei einer parteiamtlichen Stelle vorsprach, um mich über verschiedene Fragen zu orientieren, konnte ich sofort feststellen, dass die astrologischen Kalender bei der Beurteilung der Gesamtlage eine Hauptrolle spielen.
  19. Im Bundesarchiv, Standort Berlin, befindet sich eine Notiz des Amtes Rosenberg (Alfred Rosenberg war "Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP"), die den - wohl einvernehmlichen - Kontakt und Absprachen Ebertins zumindest mit dem Amt Rosenberg nachweisen: Bundesarchiv.de, Konvolut NS 8 /209, fol. 1, S. 21
  20. Reinhold Ebertin: Das Werden der Kosmobiologie. Eine Betrachtung zum 20.4.1939. In: "Mensch im All", 11. Jahrgang, Heft 8, Mai 1939, S. 225.
    Es gibt heute in Deutschland kein Gebiet, das nicht unter der Staatsführung Adolf Hitlers und durch den Nationalsozialismus zu neuem Schaffen angeregt worden wäre. Die Astrologie war in den Jahren vor 1933 in ein falsches Geleise geraten und konnte keineswegs der Idee des Nationalsozialismus entsprechen. (...) Astrologische Querköpfe ... beharrten eigenbrödlerisch auf ihren "selbstgeschaffenen" Systemen, während die anständigen, ehrlichen, verantwortungsbewussten Forscher auf diesem Gebiet an die Wand gedrückt wurden. Diesen chaotischen Zuständen konnte nur dadurch ein Ende bereitet werden, dass der astrologischen Bewegung ein harter Schlag versetzt wurde, um das Morsche zu vernichten, dem Lebensfähigen aber Raum zu geben. Dieser Schlag erfolgte durch das Wahrsageverbot und andere Maßnahmen. (...) Damit waren unlauteren Elementen die Verdienstmöglichkeiten genommen, während die wirklichen Forscher ihre Tätigkeit nicht aufgaben, sondern einer neuen Astrologie, der Kosmobiologie, zum Aufstieg verhalfen. Im Gegensatz zu den früheren Astrologen, die jede Verbindung mit der offiziellen Wissenschaft ablehnten, sucht der Kosmobiologe astrologische Überlieferungen nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu sichten und in Übereinstimmung zu bringen mit den Erkenntnissen der heutigen Wissenschaft.
  21. Reinhold Ebertin: Das Schicksal in meiner Hand. Ebertin-Verlag, Aalen 1975, S. 39-40
  22. Reinhold Ebertin in Mensch im All, Ausgabe Dez. 1936, S. 65
  23. Reinhold Ebertin: Kombination der Gestirneinflüsse. Chiron-Verlag, Tübingen 2002, S. 41-48
  24. Ebertin,Reinhold, Das Jahresdiagrammm als Lebenshilfe, Ebertin-Verlag, S.17
  25. Deklinationsprallelen im Geburtsbild, Ebertin-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1976
  26. Dieses kann man sich vom Astrodienst Zürich berechnen lassen, siehe Astrodienst: Horoskope gratis, Erweiterte Grafikauswahl, Astrodienst spezial, "Lebensdiagramm Deklinationen nach Ebertin".
  27. Ebertin, Reinhold, Die kosmische Ehe, Aalen/Wttbg. Ebertin-Vlg. 1971
  28. Ebertin, Reinhold, Das Kontaktkosmogramm, Freiburg/ Breisgau Ebertin 1988
  29. Transite. Welcher Tag ist günstig für mich? Görlitz, Erfurt 1933, Aalen 1952
  30. Ebertin, Reinhold, Das Schicksal in meiner Hand, Ebertin Verlag, 1966/ 1975, S. 45
  31. Leo, Alan, Direktionen
  32. , Kündig, Das Horoskop, Metz Verlag, 1949

siehe auch

Weblink

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