Saturn

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Saturn

Symbol: A26_087.gif

Astronomie

Astronom. Parameter Daten
Perihel 9,021 AE
Aphel 10,054 AE
Exzentrizität 0,05415
Bahnneigung 2,484°
Umlaufdauer 29,457 Jahre
Oppositionsintervall 378,09 Tage
Kleinster Erdabstand 7,991 AE
Größter Erdabstand 11,086 AE
Durchmesser 108728-120536 km
Albedo 0,47
Helligkeit − 0,2 mag
Temperatur 134 K (−139°C)
Anzahl der Monde 62 + Ringsystem

Saturn ist der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, der noch gut mit bloßem Auge gesehen werden kann. Sein Licht leuchtet allerdings wesentlich matter als das des Jupiter. Sein Äquatordurchmesser beträgt 120 536 Kilometer, womit er etwa neunmal so groß ist wie die Erde. Ein Gasplanet, der es an Umfang zwar nicht ganz mit dem Riesenplaneten Jupiter aufnehmen kann (er ist fast so groß), mit 95 Erdmassen aber nur 30 % von dessen Masse besitztt. Von allen Planeten des Sonnensystems weist er die geringste mittlere Dichte auf (nur etwa 0,69 g/cm³, d.h. er ist zwar der zweitgrößte, aber der relativ leichteste). In seinen oberen Schichten besteht er zu 96,3 % aus Wasserstoff, zu 3,25 % aus Helium, zu 0,45 % aus Methan, sowie aus 0,026 % Ammoniak. Der mittlere Abstand des Saturn von der Sonne beträgt 1 427 Millionen Kilometer. Für einen Umlauf um unser Zentralgestirn benötigt er fast 29 1/2 Jahre. Seine Tagesbewegung beträgt maximal 7,1 Bogenminuten, im Durchschnitt sind es 2 Bogenminuten.

Auffallend an ihm sind seine Ringe. Es gibt von ihnen mehr als hunderttausend, in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Farbtönen, die durch scharf umrissene Lücken voneinander abgegrenzt sind. Sie bestehen zu großen Teilen aus Wassereis und Gesteinsbrocken, und machen die Betrachtung dieses Planeten durch das Teleskop zu einem beeindruckenden Erlebnis.

Bis zum Jahresende 2009 wurden bei ihm 62 Monde entdeckt, der größte davon ist "Titan" mit 5150 Kilometern Durchmesser.

Mythologie

Im Alten Ägypten symbolisierte der Planet als Hor-ka-pet (Himmelsstier) die Gottheit Horus. Bei den Sumerern wurde er als Lubat-saguš („Stern der Sonne“) bezeichnet, während die Babylonier ihn wegen seiner Langsamkeit Kajamanu („der Beständige“) nannten. In der hinduistischen Astrologie heißt er "Shani". In der chinesischen und japanischen Kultur steht er für die Erde (Fünf-Elemente-Lehre).

Die Römer sahen in ihm den Planeten des Gottes Saturnus, während er im antiken Griechenland als Planet des Gottes Kronos galt. Dieser war vor den Zeiten von Zeus der oberste Gott. Er entstammte dem Geschlecht der Titanen. Auf Initiative seiner Mutter Gaia hatte er seinen Vater Uranos entmannt und kastriert, denn der hatte all seine Kinder, die ihm nicht gefielen, wieder in den Bauch der Mutter zurückgestopft.

Der sein Kind verschlingende Saturn.[1]

Damit ihn selbst seine Kinder dereinst nicht auch stürzen könnten, verschlang er sie unmittelbar nach der Geburt. Lediglich Zeus-Jupiter, sein Jüngster, entkam diesem Schicksal durch eine List von Kronos' Frau Rhea. Tatsächlich schwang sich Zeus später zum Rächer seiner Geschwister auf. Er entmachtete und entmannte seinen Vater Kronos. Der Gestürzte wurde in die Unterwelt verbannt, doch bald hatte Zeus ein Einsehen mit ihm. Er begnadigte ihn und schickte ihn auf die Insel der Seligen im westlichen Ozean. Dort prägte Kronos als weiser alter Herrscher das Goldene Zeitalter. Von den Kämpfen der Olympischen Götter hielt er sich fern; in seiner Welt ging es langsam und gemächlich zu, wie beim Zyklus des Planeten Saturn am Himmel.

Den beschaulichen, friedlichen Eigenschaften des Kronos entspricht Saturnus, ursprünglich der Gott des Ackerbaus im alten Italien. Er war zudem ein weiser Lehrer, denn er brachte den Menschen die Landwirtschaft und die Errungenschaften der Zivilisation. In Erinnerung an ihn feierten die Römer alljährlich am 17. Dezember die ausgelassenen Saturnalien, Feste, bei denen man einander beschenkte und wie beim heutigen Fasching die Konventionen auf den Kopf gestellt wurden[2].

Deutung

Stichworttabelle nach Klöckler[3][4]

stark und
harmonisch
stark und
disharmonisch
schwach und evtl.
disharmonisch
Naturprinzip: Kristallisation, Verfestigung, Schwerkraft
Kristallisation Verhärtung mangelnde Festigkeit
biologisch: Kalkstoffwechsel
guter Kalkstoffwechsel Verkalkung Kalkmangel
organisch: Knochensystem, Haut, Milz
psychologisch: Konzentration, Festigungstendenz
Festigkeit Starre Haltlosigkeit
Beharrlichkeit Eigensinn beeinfluss- und ablenkbar
Ernst Melancholie
(Schwermut, Trübsinn)
Leichtsinn
Sparsamkeit Geiz Mangel an Einteilung
Vorsicht Misstrauen, Furcht Unvorsichtigkeit
Vertiefung abgesondert, einsam oberflächlich
Reserviertheit Verschlossenheit Risikofreude
Temperament: schizoid-melancholisch

Saturn als letzter sichtbarer Planet unseres Sonnensystems gilt von altersher als "Hüter der Schwelle". Er ist Symbol für Begrenzungen und steht als "Herr der Zeit" für das definitive Ende der Dinge ebenso wie für das Unendliche, denn er unterliegt der Zeit nicht mehr. Wie Jupiter ist Saturn einer der gesellschaftlichen Planeten. Er weist den einzelnen Menschen auf die Einschränkungen hin, die ihm allein dadurch gesetzt sind, dass er ein soziales Wesen und nicht allein auf der Welt ist. Daher steht Saturn für die gesellschaftlichen Regeln, für das Richtige (auch das entsprechend Korrigierte), "das, was sich gehört".

Saturn will die Dinge (wieder) in Ordnung bringen, aus der Bahn Geratenes zurechtrücken, den einzuschlagenden Weg weisen. Er korrigiert falsche Entwicklungen (kann gar deren Endpunkt bedeuten), er diszipliniert, formiert, reduziert (u.U. auf das lebensnotwendige Minimum). Zu üppiges/ unmäßiges Wachstum ("Verschwendung", "Wuchern") wird durch ihn auf das rechte Maß beschnitten.[5]

Das von Saturn verkörperte Prinzip lautet Konzentration, wobei es ihm um das Wesentliche, die Essenz der Dinge geht. Hierin stellt er einen Gegensatz zu dem von Jupiter verkörperten Prinzip der Expansion dar. Als Struktur gebendes Prinzip verleiht Saturn Halt und Festigkeit. Er steht für das Materielle, im Unterschied zu den transsaturnischen Planeten Uranus, Neptun und dem Zwergplaneten Pluto, welche eher Geistiges darstellen.

Für einen Durchlauf durch ein Tierkreiszeichen benötigt er durchschnittlich zweieinhalb Jahre, sodass er sich bei allen Menschen, die in diesem Zeitraum geboren wurden, in demselben Zeichen befindet. Mit seiner Haus- und Zeichenstellung, aber auch über die Aspekte symbolisiert Saturn einen Bereich, der dem betreffenden Menschen in der Regel schwer fällt, in dem er gehemmt ist, sich eingeschränkt fühlt oder vor dem er Angst hat. Die Person ist hier angehalten, sich durch stete, kontinuierliche Arbeit fortzuentwickeln. Gerade weil sie immer wieder auf Schwierigkeiten stößt, kann sie es in dem angesprochenen Bereich aber auch zu einer Meisterschaft und zu höchster Reife und Weisheit bringen. Dies wird ihr nach der ersten Saturn-Wiederkehr deutlich leichter fallen, also etwa um das dreißigste Lebensjahr herum, nachdem der transitierende Saturn zum ersten Mal an seine Geburtsstelle zurückgekehrt ist (sog. "Saturn-Revolution") - ein Transit, der als entscheidender Reifungsschritt im Leben eines Menschen gilt.

Saturn-Transite zeigen eine Verlangsamung an, eine Konzentration auf das Wesentliche. Sie zwingen zu Verantwortung und Bewusstheit. Meist stehen sie für Zeiten harter Arbeit, aber auch für die Früchte, welche eine solche hervorbringt.

Melencolia I von Albrecht Dürer[6]

Klassische Astrologie

In der Traditionellen Astrologie wurde Saturn meist als negatives Symbol für Armut, Unglück, Sorgen, Krankheiten und harte Arbeit gesehen. Er wurde im christlichen Mittelalter oft auch mit Tod und Teufel gleichgesetzt, deshalb häufig skelettiert, und mit einer Sichel oder Sense - als Sensenmann, "Schnitter" - dargestellt. Er verkörperte aber ebenso Ordnung und das rechte Maß. Relativ alt ist auch seine Gleichsetzung mit der Gemütskrankheit Melancholie[7][8]. Diese düstere Sichtweise, und auch das Melancholie-Konzept, wurde noch bis ins Zwanzigste Jahrhundert hinein vertreten.[9].

Todsünde[10]

Nach Hajo Banzhaf[11] liegt die ernste Gefahr des Saturn-Prinzips, wenn es im Unmaß gelebt wird, in Geiz und Habsucht.

Psychologische Astrologie

Die Psychologische Astrologie gelangte heute[12] allerdings zu einer ganz anderen Betrachtungsweise: Wenngleich es Saturn den Menschen nicht gerade leicht macht, so verleiht er doch denen, die sich seinem "Gesetz" unterwerfen, ein großes Potential. Die beste Strategie im Umgang mit ihm ist daher Geduld und die Bereitschaft, hart an sich zu arbeiten. Denn dadurch können wirkliche Selbsterkenntnis und innere Freiheit erreicht werden. Ein Sinnspruch zu Saturn lautet daher: "Erst die Erfüllung von Notwendigkeiten macht frei." Die Schmerzen, die solche Prozesse mit sich bringen, können im positiven Sinne verstanden werden als "Motor", der den Menschen auf seinem Entwicklungsweg stetig vorantreibt.

Astromedizin

Dem Saturn wird das Knochengerüst zugeordnet, welches dem Körper Halt und Stütze gibt, die Wirbelsäule; aber auch die Zähne[13]. Speziell das Knie, weiters die Milz, die Haut (in ihrer Abgrenzungsfunktion[14]), die Haare, Finger- und Fußnägel.

An Krankheitsprozessen hängt er zusammen mit allen Mangel- und chronischen Erkrankungen, mit Sklerosen (Verhärtungen) und Steinbildungen, Thrombosen, Schrumpfungen (Altersleiden), Behinderungen (sichtbaren körperliche Asymmetrien wie "Hinken"), sowie mit dem Mineralienhaushalt. Eine typische Saturn-("Gemüts-")Krankheit ist auch die Depression[15]

Saturn-Pflanzen sind der Ackerschachtelhalm (das "Zinnkraut"), der Bambus, sowie Beinwell und andere wurzelbetonte Heilpflanzen. Saturnal sind auch die Pflanzen Distel, Efeu, Stechpalme und die Farne, überhaupt Friedhofspflanzen wie der Wacholder, die Eibe oder Zypresse. Nicht zu vergessen die Nadelbäume (immergrüne "Weihnachts-"Pflanzen), speziell die Kiefer.[16]

Das dem Saturn klassisch zugeordnete Metall ist das Blei. Im mineralischen Bereich "regiert" er außerdem den Kalk, die Kieselsäure, bzw. generell Kristalle und Mineralien, d.h. auch Diamanten.[17]

Vokal (Selbstlaut) des Saturn ist das U.[18]

Das Saturn zugeschriebene Goldene Zeitalter[19]

Mundanastrologie

Saturn bedeutet politisch-sozial die bestehenden Maßstäbe und Richtlinien, den allgemeinen Rahmen, d.h. die Verfassung, die Gesetze, Recht und Ordnung[20].. Er steht für das Konservative (Bewahrende), Tradierte (Überlieferte); für das Gemeinwohl; für den Adel und die Polizei (als Hüter bzw. Wächter einer Einhaltung der Normen). Ihm unterstehen der Bergbau und das Rentenwesen (Alte, Arme).

Wirtschaftlich bedeutet er (wenn stark oder schlecht gestellt) Verfall, Stagnation und Hunger, Elend, Not.

Astrometeorologisch bzw. witterungstechnisch symbolisiert er den Frost, Eis und Kälte.

Die ihm zugeordneten Farben sind: Aschgrau, Bleigrau, Graugrün, Pechschwarz, Dunkelbraun, Grau, Grün, Indigoblau, Meerblau, Seeblau, Schwarz, Tiefblau.
Farbqualität, Farbton: Blass, Leblos oder Flach.[21].

Als Orte/ Gegenden unterstehen ihm die Gefängnis- oder Klosterzelle, scmucklose, karge ("spartanische") Räume, alte Häuser und Ruinen, Gebirge und (kalte) Wüsten.[22]

Würden

Saturn ist Herrscher des Zeichens Steinbock und im Krebs im Exil. Er gilt als in der Waage erhöht und im Widder im Fall. Vor der Entdeckung des Uranus war er auch Herrscher des Wassermanns und entsprechend im Zeichen Löwe im Exil. Da das Zeichen Wassermann tatsächlich Eigenschaften aufweist, die durch einen alleinigen Herrscher Uranus nicht abgedeckt werden, gilt Saturn dort immer noch als Nebenherrscher.

Sein Wochentag ist der Samstag.

Seine Tiere sind der Steinbock, die Schildkröte, der Rabe und die Reptilien.

Die ihm numerologisch zugeordnete Zahl ist die 4.

Saturn als Herrscher von Steinbock und Wassermann.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Quellen und Anmerkungen

  1. Künstler: Václav Hollar (1607-1677).
  2. Bei den Saturnalien mussten die Herren im eigenen Haus ihre Sklaven bewirten.
  3. Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 43 f.
  4. Siehe auch Saturns "Analogieketten" bei Thorwald Dethlefsen
  5. Richard Vetter: Saturn - Pluto: "wenn es hart auf hart kommt ..." Meridian 1/ 1994, S. 10-18 .
  6. Rechts oben, vermutlich als Gegenmittel gedacht, das Jupiter-Zahlenquadrat.
  7. Eine Gleichsetzung, die erstmalig explizit durch den arabischen Astrologen Alcabitius (10. Jh.) erfolgte, über die Zuordnung der Schwarzen Galle zu Saturn im Rahmen von dessen Humorallehre. Die antiken vier Temperamente als Ausdruck der Säfterelationen im menschlichen Körper wurden festgehalten und weiter tradiert in die mittelalterliche Astrologie, siehe auch Element.
  8. Klibansky/Panofsky/Saxl: Saturn und Melancholie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/ M. 1990, S. 207
  9. Etwa bei dem niederländischen Astrologen C.Aq. Libra in seinem einflussreichen Astrologie-Lehrbuch Astrology, its technics and ethics. Amersfoort 1917, S. 104,117,etc.
  10. "Todsünden" sind ein frühmittelalterliches Konzept, wodurch die problematische Seite jedes Planetenprinzips deutlich wird. Banzhaf: "Das Wort Sünde geht auf «absondern» zurück und meint die Absonderung von Gott. Ein sündiger Mensch lebt demnach in Gottesferne. Wenn wir das Göttliche als Mitte, Sinn und Tiefe verstehen, dann wird diese Verlorenheit zum Verlust der Mitte, des Lebensmittelpunktes. Im Unterschied zu den lässlichen Sünden bedeutet die Todsünde, so einseitig geworden zu sein, dass dafür der höchste Preis zu bezahlen ist: der Preis der Lebendigkeit."
  11. In: Die sieben Todsünden - astrologisch gesehen. Astrologie Heute 88 (2000/ 2001)
  12. Wie in der Renaissance schon Marsilio Ficino
  13. Mit ihrer mineralisierten Härte; in ihrer "Zubeiß"-Funktion unterstehen die Zähne jedoch Mars.
  14. Als Sinnes- und Berührungsorgan untersteht die Haut hingegen der Venus.
  15. Vgl. die Auseinandersetzung von Marsilio Ficino damit.
    Siehe auch (musikalisch) den Songtext von "I am a Rock", Simon and Garfunkel (1965):
    Saturn-Sturm 2011
    I have my books and my poetry to protect me,
    that none may penetrate.
    I have no need for friendship, friendship causes pain,
    Its laughter and its loving I disdain.
    I am a rock, I am an island.
  16. Siehe Pflanzen und ihre kosmischen Heilkräfte (Astrologie und Phytotherapie, von Olaf Rippe)
  17. Nach Seminarunterlagen von Thorwald Dethlefsen
  18. In der anthroposophischen Sprachgestaltung (Eurythmie) bedeutsam, siehe Anthrowiki, Urvokale
  19. In einer Buchmalerei des 13. Jahrhunderts.
  20. Im Unterschied zu "Recht" im Sinne von Gerechtigkeit, welches von Jupiter symbolisiert wird
  21. Hannelore Goos, Handbuch der astrologischen Zuordnung, mehrere Bände, Books on Demand (2002) ISBN-10: 3831131163
  22. Nach Dethlefsen und Otto Rumburg, Horoskope und Politik, Bietigheim 1973, S. 35