Saturn

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Saturn

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Inhaltsverzeichnis

Astronomie

Ein alle 29 Jahre wiederkehrender Saturn-Sturm (2011)

Saturn ist der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, der noch gut mit bloßem Auge gesehen werden kann. Sein Äquatordurchmesser beträgt 120 536 Kilometer. Er ist damit etwa neunmal so groß wie die Erde, kann es aber an Umfang nicht ganz mit dem anderen Riesenplaneten, Jupiter, aufnehmen. Auch leuchtet sein Licht wesentlich matter als das des Jupiter. Der mittlere Abstand des Saturn von der Sonne beträgt 1 427 Millionen Kilometer. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er fast 29 1/2 Jahre. Seine Tagesbewegung beträgt maximal 7,1 Bogenminuten, im Durchschnitt sind es 2 Bogenminuten.

Auffallend am Saturn sind seine Ringe, bestehend aus Gesteins- und Eisbrocken verschiedenster Größe. Sie machen die Betrachtung dieses Planeten durch ein Teleskop zu einem beeindruckenden Erlebnis.

Mythologie

Rhea rettet Zeus vor Kronos indem sie ihm statt dessen einen eingewickelten Stein reicht

Kronos (lateinisch Saturn) war vor Zeus der oberste Gott. Er entstammte dem Geschlecht der Titanen. Auf Initiative seiner Mutter Gaia entmannte und kastrierte er seinen Vater Uranos, denn der hatte all seine Kinder, die ihm nicht gefielen, wieder in den Bauch der Mutter zurückgestopft. Damit ihn selbst seine Kinder dereinst nicht auch stürzen könnten, verschlang Kronos sie unmittelbar nach der Geburt. Lediglich Zeus, sein Jüngster, entkam diesem Schicksal durch eine List von Kronos' Frau Rhea.

Tatsächlich schwang sich Zeus später zum Rächer seiner Geschwister auf. Er entmachtete und entmannte seinen Vater Kronos. Der Gestürzte wurde in die Unterwelt verbannt, doch bald hatte Zeus ein Einsehen mit ihm. Er begnadigte Kronos und schickte ihn auf die Insel der Seligen im westlichen Ozean. Dort prägte Kronos als weiser alter Herrscher das Goldene Zeitalter. Von den Kämpfen der Olympischen Götter hielt er sich fern; in seiner Welt ging es langsam und gemächlich zu, wie beim Zyklus des Planeten Saturn am Himmel.

Den beschaulichen, friedlichen Eigenschaften des Kronos entspricht Saturnus, ursprünglich der Gott des Ackerbaus im alten Italien. Er war zudem ein weiser Lehrer, denn er brachte den Menschen die Landwirtschaft und die Errungenschaften der Zivilisation nahe. In Erinnerung an ihn feierten die Römer alljährlich Mitte Dezember die ausgelassenen Saturnalien, Feste, bei denen die Konventionen auf den Kopf gestellt wurden und unter anderem die Herren im eigenen Haus ihre Sklaven bewirten mussten.

Deutung

Tabelle: Stichworte zur Deutung nach Klöckler[1][2]

stark und
harmonisch
stark und
disharmonisch
schwach und evtl.
disharmonisch
Naturprinzip: Kristallisation, Verfestigung, Schwerkraft
Kristallisation Verhärtung mangelnde Festigkeit
Festigung Schrumpfung
biologisch: Kalkstoffwechsel
Normaler Kalkstoffwechsel Verkalkung Kalkmangel
organisch: Knochensystem, Haut, Milz
psychologisch: Konzentration, Festigungstendenz
Festigkeit Starre Haltlosigkeit
Beharrlichkeit Eigensinn Beeinflussbarkeit, Ablenkung
Ernst Melancholie Mangel an Ernst
Sparsamkeit Geiz Mangel an Einteilung
Vorsicht Misstrauen, Furcht Unvorsichtigkeit
Vertiefung Absonderung, Einsamkeit Oberflächlichkeit
Reserve Verschlossenheit Risikofreude
Temperament: schizoid-melancholisch

Saturn als letzter sichtbarer Planet unseres Sonnensystems gilt seit altersher als "Hüter der Schwelle". Er ist Symbol für Begrenzungen und steht als "Herr der Zeit" für das Ende ebenso wie für das Unendliche, denn er unterliegt der Zeit nicht mehr. Wie Jupiter ist Saturn einer der gesellschaftlichen Planeten. Er weist den einzelnen Menschen auf die Begrenzungen hin, die ihm dadurch gesetzt sind, dass er ein soziales Wesen und nicht allein auf der Welt ist. Daher ist Saturn Symbol für gesellschaftliche Regeln, für Recht und Ordnung[3].

Das von Saturn verkörperte Prinzip lautet Konzentration, wobei es ihm um das Wesentliche, die Essenz der Dinge geht. Hierin stellt er einen Gegensatz zu dem von Jupiter verkörperten Prinzip der Expansion dar. Als Struktur gebendes Prinzip verleiht Saturn Halt und Festigkeit. Er verkörpert das Materielle, im Unterschied zu den beiden transsaturnischen Planeten Uranus und Neptun und dem Zwergplaneten Pluto, welche eher Geistiges darstellen.

Für einen Durchlauf durch ein Tierkreiszeichen benötigt er durchschnittlich zweieinhalb Jahre, sodass er bei allen Menschen, die in diesem Zeitraum geboren wurden, im selben Zeichen steht. Mit seiner Haus- und Zeichenstellung, aber auch über die Aspekte symbolisiert Saturn einen Bereich, der dem betreffenden Menschen in der Regel schwer fällt, in dem er gehemmt ist, sich eingschränkt fühlt oder vor dem er Angst hat. Die Person ist angehalten, sich hier durch stete Arbeit weiterzuentwickeln. Gerade weil sie immer wieder auf Schwierigkeiten stößt, kann sie es in dem angesprochenen Bereich zur Meisterschaft und zu höchster Reife bringen. Dies wird ihr in der Regel nach der ersten Saturn-Wiederkehr deutlich leichter fallen, also etwa um das dreißigste Lebensjahr herum, nachdem der transitierende Saturn zum ersten Mal an die Geburtsstelle zurückgekehrt ist (sog. "Saturn-Revolution") - ein Transit, der als entscheidender Reifungsschritt im Leben eines Menschen gesehen wird.

Saturn-Transite zeigen eine Verlangsamung an, eine Konzentration auf das Wesentliche. Sie zwingen zu Verantwortung und Reife. Meist stehen sie für Zeiten harter Arbeit, aber auch für die Früchte, welche eine solche hervorbringt.

Melencolia I von Dürer (im Hintergrund das Jupiter-Zahlenquadrat)

Klassische Astrologie
In der klassischen Astrologie wurde Saturn meist, aber nicht nur, als Symbol für Unglück, Tod, Armut und - ab dem christlichen Mittelalter - des Teufels gefürchtet (weshalb man ihn häufig als Sensenmann, d.h. als "Schnitter" darstellte). Relativ alt ist auch seine Gleichsetzung mit der Gemütskrankheit Melancholie (Trübsinn), die erstmalig explizit durch den arabischen Astrologen Alcabitius (10. Jh.) erfolgte, über die bei ihm endgültige Zuordnung der Schwarzen Galle zu Saturn im Rahmen seiner Humorallehre.[4][5]. Das dominierende Bild von der weitgehend sehr negativen Wirkung Saturns stand so im christlichen Europa für lange Jahrhunderte fest, bis ins 20. Jahrhundert hinein; selbst das Melancholie-Konzept wurde noch im Eingang des 20. Jh. vertreten und z.B. beim niederländischen Astrologen C.Aq. Libra (in seinem einflussreichen Astrologie-Lehrbuch) stets mit Saturn verbunden[6]

Psychologische Astrologie
Die psychologische Astrologie gelangte heute allerdings - wie in der Renaissance bereits Marsilio Ficino - zu einer ganz anderen Sichtweise: Wenngleich es Saturn den Menschen nicht gerade leicht macht, so verleiht er doch denen, die sich seinem Gesetz unterwerfen, ein großes Potential. Die beste Strategie im Umgang mit ihm ist daher Geduld und die Bereitschaft, hart an einem selbst zu arbeiten. Dadurch können wirkliche Selbsterkenntnis und innere Freiheit erreicht werden [7] (freier Wille). Die Schmerzen, die solche Prozesse mit sich bringen können, können verstanden werden als "Motor", der den Menschen auf seinem Entwicklungsweg beständig vorantreibt.

Saturn ist Herrscher des Zeichens Steinbock und im Krebs im Exil. Er gilt als in der Waage erhöht und im Widder im Fall. Vor der Entdeckung des Uranus war er auch Herrscher des Wassermanns und entsprechend im Zeichen Löwe im Exil. Da das Zeichen Wassermann tatsächlich Eigenschaften aufweist, die durch einen alleinigen Herrscher Uranus nicht abgedeckt werden, gilt Saturn dort heutzutage immer noch als Nebenherrscher.

Körper

Dem Saturn wird das Knochengerüst zugeordnet, welches dem Körper Halt und Stütze gibt, aber auch die Haut als Grenze des Körpers.[8]

Quellen

  1. Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 43 f.
  2. s. auch Saturns "Analogieketten" bei Thorwald Dethlefsen
  3. im Unterschied zum Recht im Sinne von Gerechtigkeit, was von Jupiter symbolisiert wird
  4. Die bekannten vier Temperamente als Ausdruck der Säfterelationen im menschlichen Körper wurden festgehalten und weiter tradiert in die europäische Astrologie.
  5. Klibansky/Panofsky/Saxl: Saturn und Melancholie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 1990, S. 207
  6. C.Aq. Libra: Astrology, its technics and ethics. Amersfoort 1917, S. 104, 117 etc.
  7. Liz Greene: Saturn. München 1981. S. 11.
  8. Als Sinnesorgan untersteht die Haut hingegen der Venus.
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