Sonne

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Unser Zentralgestirn - mit Sonnenflecken und Flares (Auswürfen).

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Astronomie

Die Sonne ist das Zentralgestirn des Sonnensystems. Ihr Durchmesser beträgt 1,392 Millionen Kilometer, die mittlere Entfernung von der Erde 149 597 870 Kilometer. Auf dem 360-Grad-Kreis, den sie bei ihrem scheinbaren Lauf um die Erde beschreibt, hat sie von dieser aus gesehen einen Durchmesser von etwa 32 Bogenminuten, also ca. ein halbes Grad (wie der Mond). Die durchschnittliche Tagesbewegung der Sonne beträgt im Tierkreis 59 Minuten 8 Sekunden (dieser Wert ist wichtig für Direktionen), die minimale liegt bei 0° 57' 13", die maximale bei 1° 1' 11".

Sie ist eine Kugel, physikalisch bestehend aus extrem heißen, glühenden Gasen, und spendet uns mit deren Ausstrahlung Licht und Wärme. Durch ihre Anziehungskraft (Gravitation) hält sie die Erde und die anderen Planeten auf ihren Bahnen. Sie selbst macht allein 99,9% der Masse des ganzen Sonnensystems aus.[1]

In den Ephemeriden kann sie - wie der Mond - nie rückläufig werden.

Die Auswirkungen der Sonnenfleckenaktivität auf Erdbeben, Klima u.a. wurden von Karl Ernst Krafft, Theodor Landscheidt, Suitbert Ertel und Siegfried Schiemenz wissenschaftlich bzw. statistisch untersucht.

Mythologie

Helios
Viele alte patriarchale Hochkulturen (Ägypter, Babylonier, Perser, Maya) erhoben die Sonne zu ihrer wichtigsten Gottheit am Himmel. In der griechischen Mythologie verkörperten zwei Götter das Sonnenprinzip: Helios und Apollon, der Zwillingsbruder der Mondgöttin Artemis (Mond). Helios lenkt jeden Tag einen Wagen mit vier feurigen Rossen von seinem Palast im Osten über den Himmel zu seinem Palast im Westen, angekündigt von Eos, der Morgenröte. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er alles sieht und alles hört. Deshalb wurde er bei Eiden als Zeuge angerufen. Phaeton, einer seiner zahlreichen Söhne, stieg eines Morgens in den Wagen und wollte es seinem Vater gleichtun. Doch er lenkte den Wagen zu hoch und stürzte ab.
Apollon mit seinen Attributen, der Leier und der Pythonschlange (150 n.Chr.).

Weit mehr als Helios genoss Apollon, der auch Phoibos (der Strahlende) hieß, die Verehrung der Menschen. Seine Domäne war die Kunst, vor allem die Musik, das Heilwissen, die Weissagung und das Bogenschießen. Apollon war ein Sohn des Göttervaters Zeus mit der Titanin Leto. Als Kind wurde er mit Nektar und Ambrosia genährt, eine Götternahrung, die ewige Jugend und Schönheit verleiht. Seine wichtigsten Errungenschaften waren das Orakel von Delphi, der Ort, wo er die hellseherische Schlange Python getötet hatte, sowie das Spiel der Laute und der Leier. Letztere hatte er von seinem Halbbruder Hermes erhalten (Merkur).

Ungeachtet seiner Schönheit und seiner künstlerischen Begabung gingen ihm Frauen und junge Männer, die er ebenfalls begehrte, lieber aus dem Weg - ein Symbol dafür, dass die Sonne, wenn sie ungehindert strahlt, für Sterbliche kaum zu ertragen ist. Man muss sich vor ihr schützen. Zudem war Apollon ein Verfechter patriarchaler Strukturen. Wenn es darum ging, die Vorherrschaft des männlichen Prinzips zu festigen, war er besonders aktiv.

Sein Orakel in Delphi hatte den Leitspruch: "Erkenne dich selbst - damit du Gott erkennst!". Dies charakterisiert auch die von der Sonne im Horoskop gestellte Aufgabe.

Deutung

Stichworttabelle nach Klöckler[2]

stark und harmonisch stark und disharmonisch schwach und evtl. disharmonisch
Naturprinzip: Licht
Wärme zerstörende Hitze Wärmemangel
Kraft zerstörende Kraft Kraftmangel
Licht Grelle Lichtmangel
Biologisch: Vitalität
Vitalität lebensfeindlicher Kraftverbrauch geschwächte Vitalität
organisch: Herztätigkeit und Kreislauf
normale und kräftige
Herz- und Kreislauffunktion
akute Störungen von Herztätigkeit und Kreislauf,
erhöhter Blutdruck
chronische Störung im Herz- und Kreislaufgebiet,
Herzschwäche, herabgesetzter Blutdruck
psychologisch: Wille (zur Macht, im weitesten Sinne)
Ehrgeiz, Machtwille Machtgier, Herrschsucht gehemmter und fehlender Machttrieb
Streben Überspannung der Ziele Mangel an Zielstrebigkeit
Organisation Überorganisation Organisationsmangel
'Mut Tollkühnheit, Prahlerei, Unbesonnenheit Furcht
Durchsetzungsgabe Gewalttätigkeit Entschluss- und Energielosigkeit
Temperament: schizoid-cholerischer Typ

Wie der Mond, so wird auch die Sonne in der Astrologie als Planet, also Wandelstern, bezeichnet, da beide zu den bewegten Körpern am von der Erde aus sichtbaren Himmel gehören; im Gegensatz zu den Fixsternen.

Die Sonne steht als Symbol für die Lebenskraft schlechthin. Im Horoskop ist sie das Kernstück der Persönlichkeit. Es ist eine Lebens- und Entwicklungsaufgabe, das zur Entfaltung zu bringen, was sie durch ihre Hausstellung und das Tierkreiszeichen, in dem sie sich befindet, an Potenzial enthält ( = Selbstverwirklichung). Sie ist somit grundlegend für die Identität eines Menschen, aber auch für sein Selbst und die Entwicklung dorthin. Hieraus erklärt sich, warum die Trivialastrologie allein das Sonnenzeichen berücksichtigt, das so genannte Sternzeichen. Es hat im Horoskop eine herausragende Bedeutung, wenngleich es viel zu kurz greift, dieses zur ausschließlichen Deutungsgrundlage zu nehmen.

Der Mond ist der Sonne gegenüber nicht minder wichtig. Der Unterschied besteht darin, dass er etwas passiv aufnimmt und es verarbeitet ("weibliches" Prinzip), wohingegen die Sonne aktiv in die Welt hinein erschafft ("männliches" Prinzip). Die Sonne, als aktiv-schöpferisches Prinzip, bildet im Individualhoroskop die väterliche Seite ab. Im engeren Sinn steht sie also für den Vater oder eine andere Autoritätsperson. Im Horoskop eines Mannes zeigt die Sonne, zusammen mit dem Mars, seine männliche Identität. Entsprechend geben Sonne und Mars im Horoskop einer Frau Auskunft über deren Männerbild (Animus).

Sie steht darüber hinaus für den Willen, für Geist und Bewusstsein, für das Prinzip, das - kreativ - etwas erschaffen möchte. Sie ist der Dirigent im Orchester der Planeten und besitzt als solche eine integrierende Kraft. Einem kleinen Kind steht die volle Sonnenkraft noch nicht zur Verfügung, sie beginnt sich erst nach dem siebten Lebensjahr oder später zu entwickeln.

Todsünde[3]

Nach Hajo Banzhaf[4] liegen die ernsten Gefahren des Sonnen-Prinzips, wenn es im Unmaß gelebt wird, in Stolz, Arroganz, Selbstgefälligkeit, Eitelkeit und Hoffart.

Rider-Waite - Tarot.

Mit ihrer Haus- und Zeichenstellung im Horoskop beschreibt die Sonne den zentralen Bereich sowie die Art und Weise der Selbstentfaltung. Planeten und Achsen, zu denen sie einen Aspekt bildet, sind darin mit eingebunden.

Astromedizin

Als zentrales Organ entspricht das Herz dem Sonnenprinzip. Auch das Keislaufsystem, das sämtliche Organe mit Blut versorgt, ist ihr unterstellt.

Wie die Sonne auf die Erde wirkt, so wirkt das Herz auf den Leib. (Paracelsus)

Desweiteren der Zellkern und die Augen (insbesondere das rechte[5]):

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken. (Goethe)

Als ihr zugeordnete Heilpflanzen wären die Ringelblume (Calendula) zu nennen, das Johanniskraut (Rotöl), Rosmarin, der Lorbeer und natürlich die Sonnenblume. Sie wirken wärmend, vitalisierend, kräftigend, belebend.[6]

An Nahrungspflanzen ist das Getreide sonnenhaft (speziell der Weizen), Reis und Mais.[7]

Metall der Sonne ist das Gold (Aurum, etwa für die Homöopathie wichtig).

Die ihr zugeordneten Farben sind: gelb, gelbbraun, gold, hellgelb, rot, orange, rosa, scharlachrot, safrangelb.
Farbqualität, Farbton: volles Spektrum.[8].

Vokal (Selbstlaut) der Sonne ist AU.[9]

Mundanastrologie

Politisch steht die Sonne für die Instititution an sich, z.B. für den Staat selbst, oder für seine Spitze, den Herrscher (Monarchen) bzw. Präsidenten ("König"). Außerdem für den Verwaltungsapparat, die staatliche Autorität - um die es schlecht bestellt ist, wenn sie (etwa im Transit) gerade von Saturn angegriffen wird. Die - gute oder schlechte - Stellung der Sonne gibt in einem Mundanhoroskop Auskunft über die Entwicklungsmöglichkeiten der Einrichtung. In Firmen repräsentiert sie den Vorgesetzten, Chef (der das Sagen hat).[10]

Ihr "Milieu" sind - echter, authentischer - Prunk und Glanz.

Wochentag der Sonne ist traditionell der Sonntag ("Sonnen-Tag", engl. sunday).

Die ihr numerologisch zugeordnete Zahl ist die 1.

Im Transit, der nur einen oder zwei Tage spürbar ist, sorgt die Sonne für eine Bewusstwerdung bzw. Verlebendigung.

Sie regiert des Tierkreiszeichens Löwe und ist erhöht im Widder; im Wassermann befindet sie sich im Exil, und in der Waage im Fall.

Siehe auch

Weblinks

Der ägyptische Sonnengott Re.

Quellen und Anmerkungen

  1. Wie ist das Sonnensystem entstanden? (Harald Lesch, 2000; Video 14 min)
  2. Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 33 ff.
  3. "Todsünden" sind ein frühmittelalterliches Konzept, wodurch die problematische Seite jedes Planetenprinzips deutlich wird. Banzhaf: "Das Wort Sünde geht auf «absondern» zurück und meint die Absonderung von Gott. Ein sündiger Mensch lebt demnach in Gottesferne. Wenn wir das Göttliche als Mitte, Sinn und Tiefe verstehen, dann wird diese Verlorenheit zum Verlust der Mitte, des Lebensmittelpunktes. Im Unterschied zu den lässlichen Sünden bedeutet die Todsünde, so einseitig geworden zu sein, dass dafür der höchste Preis zu bezahlen ist: der Preis der Lebendigkeit."
  4. In: Die sieben Todsünden - astrologisch gesehen. Astrologie Heute 88 (2000/ 2001)
  5. Das linke Auge wird manchmal dem Mond zugeordnet
  6. Siehe Pflanzen und ihre kosmischen Heilkräfte (Astrologie und Phytotherapie, von Olaf Rippe)
  7. Nach Seminarunterlagen von Thorwald Dethlefsen.
  8. Hannelore Goos, Handbuch der astrologischen Zuordnung, mehrere Bände, Books on Demand (2002) ISBN-10: 3831131163
  9. In der anthroposophischen Sprachgestaltung (Eurythmie) bedeutsam, siehe Anthrowiki, Urvokale
  10. Nach Otto Rumburg, Horoskope und Politik, Bietigheim 1973, S. 31/ 32