Stundenastrologie

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Synonyme: Augenblicksastrologie, Fragenastrologie

Die Stundenastrologie als die "Kunst zu erkennen, was die Stunde geschlagen hat, oder der gekonnte Blick auf die aktuelle Zeitqualität und ihre Themen, gehört zu den ältesten Disziplinen in der klassischen Astrologie"[1]. Bereits der spätantike Astrologe Dorotheos von Sidon (1.Jh. n. Chr.) veröffentlichte ein Werk zur Stundenastrologie, überliefert im fünften Buch der Carmen Astrologicum[2], in dem allerdings die Fragen nur über die Hauptachsen und ihren Häusern und Herrschern beantwortet werden.

Sie ist ein Teilgebiet der Astrologie, bei dem es darum geht, eine konkrete Frage aus einem Horoskop zu beantworten. Dieses wird auf den Moment, in dem die Frage formuliert wird, und auf den Ort, an dem sich der Astrologe befindet[3], erstellt; viele stundenastrologische Beratungen finden telefonisch statt, weshalb sich der Klient nicht unbedingt am selben Ort wie der Astrologe befindet. Für gewöhnlich beziehen sich die Fragen auf eine Entscheidung oder auf ein Ereignis, über das Unsicherheit herrscht, zum Beispiel im Bereich Gesundheit, Beruf, Partnerschaft oder Reise.

Auch die Deutung von Begegnungen aller Art gehören in den Bereich der Stundenastrologie. Ein Begegnungshoroskop (auch Konsultationshoroskop), wird auf den Zeitpunkt und Ort einer Begegnung erstellt und kann, nach stundenastrologischen Regeln gedeutet, Einblicke in die Beweggründe sowie den weiteren Verlauf der Angelegenheit geben.

Bei der Deutung berücksichtigt der Astrologe i. d. R. nicht das Horoskop in seiner Gesamtheit, sondern in erster Linie spezielle Signifikatoren, die mit der Frage zusammenhängen. Das können nur wenige Planeten, Zeichen oder Häuser sein. Um überhaupt das Fragehoroskop deuten zu können, muss dieses die Frage widerspiegeln. Außerdem gibt es folgende Deutungseinschränkungen: Liegt der Aszendent zwischen 0 Grad und 3 Grad bzw. zwischen 27 und 30 Grad eines Tierkreiszeichens, ist es für die Beantwortung der Frage oft noch zu früh bzw. zu spät, so dass eine Deutung nur unter Vorbehalt ratsam ist.

Wie bei Elektionen, bei denen es um die Wahl des richtigen Zeitpunkts für eine geplante Aktivität nach astrologischen Gesichtspunkten geht, erfolgt die Deutung nach den Regeln der klassischen Astrologie. So wird beispielsweise nur mit den alten Herrschern gearbeitet - wenngleich die modernen Planeten Uranus, Neptun und Pluto in der Deutung durchaus eine Rolle spielen können -, und die Aspekte werden in "gute" und "schlechte" eingeteilt. Und entsprechend den Regeln der klassischen Astrologie sind die Würden der befragten Planeten mitentscheidend bei der Beantwortung der Frage.

Es sollten, wie bei den Elektionen, möglichst konkrete Aussagen gemacht werden, und entsprechend streng sind die Deutungsregeln. Eine psychologische Deutung eines Fragehoroskops ist jedenfalls fehl am Platz.

Der Mond nimmt ungeachtet dessen für die Deutung bei der Beantwortung der Frage eine hervorgehobene Stellung ein, bildet doch der weitere Mondlauf und seine Aspektbildung ganz wesentlich den weiteren Verlauf "der Geschichte" ab ("der Mond erzählt die Geschichte"). [4]

Als ihr Altmeister, auf den sich viele moderne Stundenastrologen berufen, gilt der englische Astrologe William Lilly [5]. Heute unterscheiden sich innerhalb der Stundenastrologie vor allem zwei Richtungen, bei denen die einen die modernen Planeten Uranus, Neptun und Pluto mit einbeziehen, während die anderen nur mit den traditionellen sieben Planeten (bis Saturn) arbeiten, die schon in der Antike und zur Zeit Lilly's bekannt waren. Speziell bei Fragen nach Verlauf und Natur einer Krankheit verwendete Lilly das Decumbitur-Horoskop, also das Horoskop für den Augenblick, in dem sich der Erkrankte erstmals ins Bett legt. Falls dies nicht bekannt ist: Alternativ ist auch der Augenblick möglich, zu dem der Erkrankte erstmalig seinen Harn einer Person übergibt, zu dem er nach seiner Kranheit befragt, oder die Zeit des ersten Gesprächs mit dem Arzt [6]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als insbesondere nach 1970 in den deutschsprachigen Ländern die Astrologie einen großen Aufschwung erlebte, stand die Stundenastrologie eher am Rande. Erst seit den 1990er Jahren wurde sie wieder populärer. In anderen Ländern, insbesondere im englischsprachigen Raum, ist die Stundenastrologie (als horary astrology) viel stärker verbreitet. Das wird auch in Astrologieforen deutlich, etwa im Bereich Horary Astrology des Astrodienst-Forums, der dort zu den belebtesten und beliebtesten Bereichen zählt.

Spezialbegriffe der Stundenastrologie

Literatur

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Quellen und Anmerkungen

  1. Zitat von Mona Riegger
  2. Dorotheos von Sidon: Carmen Astrologicum. Astrology Classics, Abingdon (USA) 2005, S. 262ff.
  3. Erik van Slooten: Lehrbuch der Stundenastrologie. Freiburg 1994, S. 21
  4. Erik van Slooten: Klassische Stundenastrologie, Tübingen 2008, S.51
  5. William Lilly: Christliche Astrologie. Buch 1 und 2, Chiron Verlag, Tübingen 2007
  6. William Lilly: Christliche Astrologie. Buch 1 und 2, Chiron Verlag, Tübingen 2007, S. 276
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