Suitbert Ertel

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Suitbert Ertel

Der Psychologie-Professor und Astrologieforscher Suitbert Ertel wurde am 2. März 1932 um 8:30 Uhr in Radevormwald geboren[1].

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Ertel
Geburtshoroskop von Suitbert Ertel

Sein Diplom erhielt Ertel 1957 an der Universität Münster, vier Jahre später folgte daselbst die Promotion, 1969 habilitierte er. Bereits ein Jahr später erfolgte seine erste Berufung auf eine Professur der Universität Heidelberg, 1972 der Wechsel nach Göttingen als Professor des Institus für Psychologie.

Seine Forschungsschwerpunkte lagen in der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie, insbesondere interessierte er sich hier für die Methodenlehre, Statistik und Anomalistik. Diese Themen lehrte er auch, derüber hinaus noch Allgemeine Psychologie und Psycholinguistik. Im Jahr 1997 wurde er emeritiert.

Ertel ist Mitglied in Fachgesellschaften, Autorengemeinschaften und Herausgeberschaften, insbesondere der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der Deutschen Gesellschaft für Anomalistik sowie der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie, international der Society for Scientific Exploration und der Parapsychological Association[2].

Astrologie: Untersuchung von Gauquelins Mars-Effekt

Seit 1985 beschäftigte sich Ertel immer wieder mit der Untersuchung von Michel Gauquelins Planeteneffekten, mit dem Mars-Effekt insbesondere, d.h. mit dem statistischen Zusammenhang zwischen astrologischer Konstellation und Beruf. Er gilt als der führende Experte auf diesem Gebiet[3]. Seine Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen: „Die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen der Planetenstellung bei der Geburt von Menschen und ihrer späteren beruflichen Bedeutung hat tatsächlich den härtesten Überprüfungen standgehalten.“[4] Allerdings stellte Ertel bei der Sportler-Stichprobe Gauquelins fest, dass der Effekt weniger stark war als Gauquelin ihn errechnet hatte. Andererseits war es ihm möglich, die positive Korrelation zwischen dem Planeteneffekt und der Eminenz der Berufsvertreter, die Gauquelin nur geschätzt hatte, quantitativ zu objektivieren: Bei besonders berühmten Sportlern z. B. fand er den Marseffekt sehr signifikant häufiger als bei weniger herausragenden Sportlern. Ertels statistische Arbeit alarmierte die organisierten Skeptiker in USA (CSICOP), in Frankreich (CFEPP), Belgien (Comité Para), in Holland (Stichting Skepsis) und Deutschland (GWUP, Gesellschaft zur Untersuchung parawissenschaftlicher Phänomene)[5], die alles nicht naturwissenschaftlich Belegbare als Aberglauben verurteilen. Man warf Ertel pauschal Dogmatismus vor, während Ertel diese Haltung bei den Skeptikern vorfand und im einzelnen Belege dafür vorlegte. Man hielt Ertel nach Erscheinen seines Buches "The Tenacious Mars Effect" vor, ein grundsätzlicher Befürworter der Astrologie zu sein und die Ergebnisse dementsprechend absichtlich manipuliert zu haben[6]. Dies wies er jedoch von sich, indem er konstatierte, dass er bei der statistischen Auswertung der Gauquelin-Daten mancherlei Fehler entdeckt, für eine von Gauquelins Haupthypothesen, die character trait hypothesis (CTH), keinerlei Bestätigung gefunden und auch dies publiziert hatte.

Mit Geoffrey Dean, der Gauquelins Daten geprüft und für untadelig beurteilt hatte und der mit Ertel zunächst einiges zusammen publizierte, kam es am Ende zu einer Auseinandersetzung, als Dean, der ein Fellow der US-Skeptiker ist, eine Erklärung der Gauquelin- Planeteneffekte vorlegte, die einer astrologischen Deutung den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Dean hielt es für möglich, dass diese Effekte astrologisch voreingenommenen Eltern angelastet werden können, die die Geburtsdaten und –zeiten ihrer Kinder bei der pflichtmäßigen Meldung auf den Ämtern ihren astrologischen Hoffnungen für das zukünftige Leben der Neugeborenen angepasst haben sollen („parental tampering hypothesis“ PTH). Ertel meint, diese Hypothese sei absurd, trotzdem prüfte er sie in mehreren empirischen Untersuchungen, die die PTH Deans nicht bestätigten.

Publikationen (Auswahl mit astrologischem oder parawissenschaftlichem Bezug)

Ertels Hauptwerk zum Thema Astrologie: "Der hartnäckige Mars-Effekt" (1996)

Bücher

  • Sonnentätigkeit in der Geschichte der Menschheit - Überprüfung einer verlachten und verfolgten Hypothese. Exposé eines Forschungsberichts. Ernst-August-Universität, Göttingen 1980
  • 1083 members of the French "Académie de Médecine". (Mit Arno Müller) 89 Seiten. Waldmohr Müller 1994
  • The Tenacious Mars Effect. (mit Kenneth Irving) 112 Seiten. Urania Trust, 1996 ISBN 9781871989151 Abstract

Artikel

  • (1988) Gauquelins Planetenhypothese: Stein des Anstoßes oder Prüfstein der Vernunft? Psychologische Rundschau, 39(4), 179-190.
  • (1990) Verdacht eines demographischen Artefakts. Replik auf Anmerkungen zur Planetenhypothese. Psychologische Rundschau, 41(1), 52-53.
  • (1991) Reanalyse des Kasseler Wünschelruten-Tests der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP). Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 250-258.
  • (1991) Nachruf auf Michel Gauquelin (1928-1991). Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 55-62.
  • (1992, mit Arno Müller) Astrologisches Zuordnungsexperiment mit Ärzte-Horoskopen. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 217-221.
  • (1992) Reanalyse des Kasseler Wünschelruten-Tests der GWUP. Skeptiker, 5(3), 69-72.
  • (1992) Ist der Mondeffekt bei Gauquelins Schriftstellern zweifelhaft? Notizen zur Wiederholungsstudie Arno Müllers. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 225-231.
  • (1992) Ist der Gauquelin-Effekt zu erklären? Eine Stellungnahme zu Arno Müllers Deutung der planetarischen Effekte. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 80-88.
  • (1992) Bemerkungen zur Skeptiker-Reaktion auf die Reanalyse ihrer Wünschelrutendaten. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 235-238.
  • Why the Character Trait Hypothesis Still Fails: resolving the conflict between the Fresno and Gottingen Studies. Correlation: Astrological Association Journal of Research Into Astrology 12 Nr. 1/1993 S. 2 - 9Abstract
  • (1993) Planetarische Eminenzeffekte: Verwirrende und entwirrende Befunde. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 90-104.
  • (1993) Mit Sonnenflecken korreliert? Prüfmethode I: Für seltenere historische Ereignisse: Testfall Grippe-Pandemien. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 178-211.
  • (1995) Die Stärke des Gauquelin-Planeteneffekts: Arno Müllers Bilanz korrekturbedürftig. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 3-27.
  • (1996, Mit Geoffrey Dean) Are personality differences between twins predicted by astrology? Personality and Individual Differences, 21(3), 449-454.
  • (1996) Space weather and revolutions. Chizevsky's heliobiological claim scrutinized. Studia Psychologica, 3-22.
  • (1986) Wissenschaftliche Qualität und progressive Dynamik im Gauquelin-Paradigma. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 104-135.
  • (1997) Gauquelins Mars-Effekt: Illusion oder Irritation? Zum übereilten Abgesang von Dr. J. W. Nienhuys. Skeptiker, 10(3), 88-92.
  • (1998, mit Kenneth Irving) Mars Effect - Dead or Alive? Dissenting from J.W. Nienhuys' 'Retrospect'. The Skeptical inquirer. 22, no. 4, (1998): 59
  • (2001, mit Lance Storm) Does Psi Exist? Comments on Milton and Wiseman's (1999) Meta-Analysis of Ganzfeld Research. Psychological Bulletin. 127, no. 3, (2001): 424
  • (2001) Tampering birth dates should occur more often among rural than urban people. Scrutinies of Geoffrey Dean's parental tampering claim (1). Correlation 19(2): 37-44.
  • (2001/2) Births of priests should abound on feasts. Scrutinies of Geoffrey Dean's parental tampering claim (2). Correlation 20(1): 30-36.
  • (2002, mit Lance Storm). The Ganzfeld debate continued: A response to Milton and Wiseman (2001). Journal of Parapsychology, 66, 73-82.
  • (2002) Superstition should decline over time. Scrutinies of Geoffrey Dean's parental tampering claim (3). Correlation 20(2): 39-48.
  • (submitted to Zeitschrift für Anomalistik) Astrologische Deutungen des Horoskops. Wirkt Psi mit? Fallstudie verstärkt einen Verdacht. (Astrological interpretations of the horoscope. Does Psi play a role? Case study reinforces suspicion).
  • (2002) Is there no Mars effect? The CFEPP's verdict scrutinized with the assistance of six independent researchers. Les Cahiers du RAMS 10, März 2002, S. 42-74 Abstract
  • (2003) Follow-up - The Mars Effect Cannot Be Pinned on Cheating Parents. The Skeptical inquirer. 27, no. 1, (2003): 57
  • Hopeful findings, unduly neglected, and stars on human affairs. Online
  • (2004) Astrologie und Psi. Eine Fallstudie verstärkt die Zusammenhangshypothese. Zeitschrift für Anomalistik, 4(1-3), 52-101.
  • (2004) Gauquelin planetary effects – brought down to earth? On Geoffrey Dean’s dealing with stubborn facts. PDF
  • (2005) Aus Unverständnis wird Missverständnis. Zu Volker Guiards partiellem Meinungswandel. Zum Aufsatz von Suitbert Ertel "Astrologie und Psi. Eine Fallstudie verstärkt die Zusammenhangshypothese" in: Zeitschrift für Anomalistik 4 (2004), 52-68 sowie dem daran anschließenden Kommentar von Volker Guiard (S.71-80) und der Antwort von Suitbert Ertel (S.89-96). Zeitschrift für Anomalistik, 5(2-3), 290-295.
  • (2006) Umgang mit Überraschungen. Ergänzendes zu Guiards Kommentar über ein- und zweiseitige Signifikanzen - Autorenantwort. Kommentar zum Aufsatz von Suitbert Ertel "Astrologie und Psi. Eine Fallstudie verstärkt die Zusammenhangshypothese". In: Zeitschrift für Anomalistik 4(2004), 52-68 und zur Antwort von Suitbert Ertel (Bd. 5, 290-295) auf den Kommentar von Volker Guiard (Bd. 5, 282-289). Zeitschrift für Anomalistik, 6(1-3), 233-235.
  • (2007) Außersinnliche Wahrnehmung unter Kontrolle organisierter Skeptiker. Zeitschrift für Anomalistik, 7(3), 236-269, 2007
  • (2008) Betrugsverdacht und sensorische Schlupflöcher. Autorenantwort auf die Kommentare von Etzold, E. und Hergovich, A. im gleichen Heft auf den Seiten 135-138 und 138-148 zum Aufsatz von Suitbert Ertel "Außersinnliche Wahrnehmung unter Kontrolle organisierter Skeptiker". In: Zeitschrift für Anomalistik 7 (2007), 236-269. Zeitschrift für Anomalistik, 8(1-3), 143-153
  • (2009) Replikation von ASW-Heimtest-Ergebnissen im Labor. Zur Validierung der Ball- und Perlentests. Zeitschrift für Anomalistik, 9(1-3), 108-139.
  • (2011) Rückblick (1955-2005) auf die durch Michel Gauquelin entfachte Forschung, in: Reinhardt Stiehle & Ulrike Voltmer (Hrg.), Astrologie und Wissenschaft. Chiron Verlag, Tübingen 2011 ISBN 9783899971934, S. 280ff.

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. AstroDatabank: Datum im NCGR-Newsletter Frühjahr 1989
  2. Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID): Prof. em. Dr. Suitbert Ertel
  3. AstroDatabank: Suitbert Ertel
  4. Wiesendanger, Harald. (1990): Der Streit ums Horoskop. Astrologen im Dialog. S.51. Braunschweig: Aurum Verlag. Zitiert auf Astrosophie.de
  5. die deutsche Skeptiker-Bewegung (GWUP)
  6. Abstract zu "The Tenacious Mars Effect" Online
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