Tor des Hades

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Tor des Hades, auch Pforte der Unterwelt, wurde in der babylonischen Astrologie die Achse der Tierkreiszeichen Stier-Skorpion genannt und schon im babylonischen Gilgamesch-Epos steht ein Skorpion-Menschenpaar Wache vor der Unterweltpforte:

Auf seiner Heldenreise will Gilgamesch auch seinen Urahn Utnapischtim finden:

"Auf seiner Suche irrt er zunächst durch die Weite der Steppe und kommt schließlich zum Berg Maschu, in dem sich der Einstieg in den nächtlichen Tunnel befindet, den die Sonne Schamasch nachts auf ihrem Weg von West nach Ost durchläuft. Gilgamesch kann die Wächter des Tunnels, zwei Wesen, die halb Mensch, halb Skorpion sind, überreden, ihn passieren zu lassen. Als er aus dem Tunnel heraustritt, befindet er sich in einem Garten, in dem alle Pflanzen aus Edelsteinen bestehen. Er kommt dann zu einer Schenke, deren Schankfrau ihm den Weg weist. Gilgamesch findet also den Fährmann Utnapischtims, der ihn über das Meer des Todes zur Insel bringen soll, auf der Utnapischtim lebt." [1]

Der Herbstpunkt lag damals aufgrund der Präzession im Skorpion. Der Tierkreis galt nun in der babylonischen Astrologie als aufgeschütteter Himmelsdamm, der sich über die auf einem Weltmeer schwimmenden Erde wölbte und dessen Enden die Erde im Stier (damaliger Frühlingspunkt) und Skorpion (damaliger Herbstpunkt) berührten und dort die Tore zur Unterwelt markierten[2].

In der späteren griechischen Mythologie herrscht Pluto bzw. Hades über die Unterwelt und Pluto wurde nach seiner Entdeckung 1930 vielfach als Herrscher über den Skorpion gedeutet.

Die hellenistische Astrologie bzw. das hellenistische Häusersystem kennt das zweite Haus unter anderem als Tor des Hades, das achte Haus als Ort des Todes und übernahm damit sehr wahrscheinlich die Vorstellung der babylonischen Unterwelt-Pforte aus der Stier-Skorpion-Achse in die korrespondierende Häuserbedeutung[3][4]. Diese Häuserbedeutung verband sich zugleich mit der hellenistischen Theorie der schlechten Wirkung von Horoskop-Häusern, die keine Aspekte auf den Aszendent bilden[5][6].

Astrologische Deutung und Spekulation

Gelegentlich wird das Tor des Hades besonders in mundanastrologischen Spekulationen als möglicherweise verstärkt wirksamer Tierkreis-Bereich erwähnt. Analog zum Thema mundi mit seinem AC auf 15° Krebs lag die Äquinoktinalachse bzw. Solstizienachse während des noch früher entstandenen Mythos vom Unterwelttor demnach um die Mitte der Stier-Skorpion-Zeichen.

Die beteiligten Zeichen legen eine ausgeprägte Qualität der Fixierung, Leitbildhaftigkeit und des festen Standpunktes nahe; die Stier-Energie kann sowohl der seelisch-mentalen Vorstellungskraft und Leitbildhaftigkeit des Skorpions eine fixe materielle und konkrete Form und Gestalt geben, wie auch die Skorpion-Qualität in den vorhandenen äusseren Formen, Besitztümern, sinnlich und körperlich erfahrbaren irdischen Realtitäen Kristallisationskerne findet für die zuerst unsichtbaren Skorpion-Energien. Das reicht vom Begehren des Gesehenen bis zur gänzlichen Ablehnung des Vorhandenen. Mit dem Skorpion sind Qualitäten der Transformation und Tiefe angesprochen, größte Energien, Verdrängungen wie auch ausgesprochen fixe, sowohl persönliche wie auch kollektive, seelisch-mentale Muster und Leitbilder. Ein signifikantes Beispiel für die fixen wie auch kollektiven Qualitäten dieser Achse um die Mitte von Stier und Skorpion sind die Sonnen-Positionen von Karl Marx, auf 14° Stier, und Sigmund Freud, auf 16° Stier. Am anderen Ende der Skala, wenn man so will, steht Hitler mit seiner ausgesprochen fixen Stier-Qualtität im Horoskop, wenn Mars und Venus um 16,5° Stier positioniert sind, verbunden mit einem Spiegelpunkt exakt auf 16,5° Stier des im fixen Löwen stehenden Saturn.

Konkret kann man in mundanastrologischer Sicht dafür die Position der Aszendenten der US-Präsidentenvereidigung etwa mittig des Stier-Zeichens anführen: Seit 1933 werden die US-Präsidenten am 20.1., 12h, Washington D.C. vereidigt, bei einem AC bei ca. 14° Stier. Gleichfalls fallen z. B. die Sonnenpositionen markanter Daten neuerer deutscher Geschichte in die Mitte von Stier und Skorpion: So die Ausrufung der Weimarer Republik am 9.11.1918, der Hitler-Putsch am 9.11.1923, das Attentat auf Hitler am 8.11.1939, die Kapitulation des NS-Regimes am 8.5.1945 und nicht zuletzt der Mauerfall am 9.11.1989.

Quellen und Anmerkungen

  1. Wikipedia: Gilgamesch-Epos
  2. Knappich, Wilhelm: Geschichte des Tierkreises, III, in Die Astrologische Rundschau, Leipzig 1934, Heft 5, S. 125
  3. Valens, Vettius: Blütensträusse. Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 2004, S. 172 (Buch 4, Kapitel 12, nach Einteilung v. D. Pingree)
  4. Firmicus Maternus, Julius: Die Acht Bücher des Wissens (Matheseos libri octo). Chiron-Verlag, Tübingen 2008, S. 67 + 68
  5. Hübner, Wolfgang: Die Dodekatropos des Manilius. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1995, S. 12
  6. In den Anfängen der Horoskop-Astrologie rechnete man mit Aspekten zwischen den Zeichen, nicht zwischen den Tierkreis-Graden, die Horoskop-Häuser entsprachen den Tierkreiszeichen. Zeichen, die zueinander nicht in den klassischen Aspekten Trigon, Quadrat, Sextil und Opposition standen, galten als unaspektiert, die schlechteste aller Möglichkeiten aus damaliger Sicht. Stand z. B. der AC im Stier, bildeten in den frühen Anfängen der hellenistischen Astrologie die weiteren Tierkreiszeichen die Häuser ab, die Zwillinge als benachtbartes Zeichen und Haus (zweites Haus) aspektierte damit nicht den AC.
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