Vesta

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Vesta, Aufname durch die Sonde Dawn (24. Juli 2011)[1]

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Vesta ist ein Asteroid im Asteroidengürtel, der den Namen der römischen Göttin des heiligen Feuers trägt.

Inhaltsverzeichnis

Astronomie

Vesta ist ein Kleinplanet bzw. Asteroid (Asteroidennummer 4), der die Sonne im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter umkreist. Sie ist der drittgrößte unter den Asteroiden dieses Rings. Ihr Durchmesser beträgt 503 Kilometer, der mittlere Sonnenabstand 353,4 Millionen Kilometer. Für einen siderischen Umlauf benötigt sie 3,63 Jahre. Vesta wurde am 29. März 1807 um kurz nach 20:00 Uhr [2] von H. W. Olbers in Bremen entdeckt.

Dawn-Mission

Dawn-Start

Am 27. September 2007 um 11:34 UTC wurde die Raumsonde Dawn erfolgreich von Startrampe 17B der Cape Canaveral Air Force Station gestartet. Ab Mai 2011 lieferte Dawn die ersten Aufnahmen von Vesta, am 16. Juli 2011 schwenkte Dawn in einen Orbit um Vesta mit einem Radius von etwa 16.000 Kilometern ein. Anfang August wird in einer Höhe von 2700 km ein Orbit erreicht, in dem erste Bilder und wissenschaftliche Daten gesammelt werden, später wird die Höhe stufenweise erst auf 680 km, später auf 200 km gesenkt. Im Mai 2012 wird Dawn den Asteroiden verlassen und zu Ceres weiterfliegen, den sie im Februar 2015 erreichen soll[3].

Mythologie

Vesta, mit Fackeln
Vesta Sitz trägt die Insignien des Bäckers, sie füttert eine Schlange

Die römische Göttin Vesta (griechisch: Hestia) gab dem Asteroiden ihren Namen. Hestia war das älteste der sechs Kinder von Rhea mit Kronos (Saturn). Ihre Brüder waren Zeus (lateinisch Jupiter), Poseidon (Neptun) und Hades (Pluto), ihre Schwestern Demeter (Ceres) und Hera (Juno). Hestia war unter den Göttern des Olymp ziemlich beliebt. Apollon, Poseidon und andere warben um ihre Gunst; doch sie entschied sich für ein jungfräuliches Leben. Als unauffälligstes der Kinder von Rhea und Kronos wurde sie zur Göttin des Herdes und der Häuslichkeit. Besondere Geschichten ranken sich um sie nicht. Als ihr Kulttier gilt der Esel, und zwar in seiner Funktion als Arbeitstier, er wurde gerne in Mühlen eingesetzt. Aus diesem Zusammenhang heraus ist Vesta die Schutzgöttin der Müller und Bäcker gewesen[4].

Die Römer machten Vesta zur Schutzgöttin ihres Staates und damit eines größeren "Hauses", bei ihr tritt die Bedeutung als Göttin des heimischen Herdes zurück, und sie wurde angerufen, um Heil für Volk und Staat zu erlangen[4]. Es entstand ein ausgeprägter Kult mit den sechs Vestalinnen, den jungfräulichen Priesterinnen der Vesta. Deren Aufgabe war es, ein ewig brennendes Feuer zu hüten, das jährlich am 1. März rituell neu entzündet wurde. Dieses Feuer wurde im Allerheiligsten des Tempels, dem penus Vestae (Vorratsraum der Vesta) gehütet. Es wird immer wieder überliefert, dass dort in römischer Zeit auch das Palladium (Statue der Pallas) aufbewahrt wurde. Eventuell wurde von diesem zentralen vestalischen Feuer auch jährlich das Feuer für den eigenen Herd neu geholt[4]. Vestalin zu sein, bedeutete ein großes Privileg, aber auch eine ebenso große Herausforderung. Zugelassen wurden nur Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren ohne körperliche Gebrechen. Ihre Eltern mussten von freier Herkunft sein und noch leben. Ihr Dienst dauerte dreißig Jahre. Das schlimmste Vergehen einer Vestalin war es, das Keuschheitsgebot zu verletzen oder das Feuer erlöschen zu lassen. Dafür drohten Geißelung und ein Begrabenwerden bei lebendigem Leibe.

Dass es sich bei der Jungfräulichkeit Vestas ursprünglich nicht um eine sexuelle Enthaltsamkeit handelte, darauf weist die Asteroiden-Spezialistin Demetra George hin: "Der Kern der ursprünglichen Vesta-Tradition lag in den sexuellen Riten, mit denen die fruchtbaren Zeugungskräfte der Mondgöttin in Ehren gehalten wurden, da diese für eine Herrschaft unter göttlichem Segen sorgte. Und aus eben diesem Grunde wurde mit Vesta die idealisierte Mutterschaft verehrt. Mit der Errichtung des Patriarchats wurden die Funktionen von Vesta jedoch in ein obskures Halbdunkel gestellt, und sie wurde zur Göttin der Reinheit und sexuellen Enthaltsamkeit umgestaltet."[5] Nach Ovid (Fasti 6, 319 ff.) wollte der Gott Priapos Vesta im Schlaf Gewalt antun, wurde aber vom Geschrei eines Esels des Silenos daran gehindert. Dieser tötete den Esel in der Wut, der daraufhin als Sternenbild an den Himmel gesetzt wurde.[6]

Deutung

Dienst an einer höheren Sache

Vesta steht für den Dienst an einer höheren Sache, was große Unabhängigkeit verheißt, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Vesta ist zwar Gesetzen zum Wohle der Allgemeinheit unterworfen und trägt eine große Verantwortung, doch vermag sie die Freiheit innerhalb dieses Rahmens zu erkennen. Damit entsteht ein enger Bezug zur Natur und deren Gesetzen. Vesta wird von manchen deshalb mit dem modernen ökologischen Bewusstsein in Verbindung gebracht, das den Gesetzen der Natur zur Geltung verhelfen will und genau weiß, dass deren Beachtung wirkliche Freiheit bedeutet.

Vesta zeigt im Horoskop an, wo es sinnvoll ist, seine Freiheit nicht im Ausleben der Individualität zu spüren, sondern sie für ein größeres Ziel scheinbar loszulassen und damit auf einer tieferen Ebene zu erleben. Hier geht es um die innere Mitte, das innere Feuer.

Sexualität und Spiritualität

Verschleierte Vestalin (Raffaele Monti, 1847)

Wie es bei allen vier großen Asteroiden beobachtet werden kann, spielt das Thema Sexualität zwar eine Rolle, doch in einer Art und Weise, dass sie an Bedingungen geknüpft sind und hohe Hürden aufgebaut sind, die in der Realität auf die Sexualität unterdrückend wirken können. Vesta beleuchtet hier besonders die "die Notwendigkeit zu einer Reintegration von spirituellen und sexuellen Energien".[7] Hans Taeger stellt hierbei die Möglichkeit einer tantrischen Sexualität in den Vordergrund, denn an sich muss ja eine Vestalin keusch bleiben: "Betrachtet man das viele Leid und die karmischen Verstrickungen, die aus einem unreflektierten und triebdumpfen Ausleben der Sexualität resultieren können (vor allem, wenn einem die wahre esoterische Potenz tantrischer Wirklichkeit bewußt ist), verwandelt sich die scheinbar sexualfeindliche Funktion Vestas tatsächlich in eine Art strenge Priester(innen)-Rolle, die erst dann ihr o.k. zu einem freien Fluß der Libidovereinigung gibt, wenn tantrische Vereinigung in die mystische Verzauberung völlig egotranszendierter Ekstase gelebt und bewußtseinsmäßig nachvollzogen werden kann."[8]. So steht dann auch betreffend der Sexualität die Heiligkeit dieses Feuers im Vordergrund, das bewacht und behütet wird aber auch nicht verlöschen darf.

Fokus und Verstärker

Richard Vetter meint bei Vesta wenig eigene, nur ihr zugehörige Qualitäten beobachten zu können, sieht sie eher als eine Art "Verstärker" für andere astrologische Prinzipien, vergleichbar einem plutonischen Fokus[9]. Nimmt man jedoch die Mythologie als gültig an, so entspräche dies tatsächlich dem vestalischen Prinzip des heiligen "inneren Feuers", wie dies schon Manilius (siehe unten) formuliert hat. Die von Vetter beschriebenen Beispiele scheinen zudem eine unpersönliche, übergeordnete Fokussierung der von Vesta beeinflussten Prinzipien zu unterstreichen, was durchaus dem Attribut der "Heiligkeit" des vestalischen Feuers entsprechen kann.


Gemäß Vetter lässt sich zwar teilweise eine plutonische Verstärkung vermuten, jedoch unbedingt kombiniert mit einer starken saturnalen (oder Steinbock-) Komponente, ganz entsprechend der Beschreibung des Manilius (s. u.); möglicherweise sucht der Vesta-betonte Wesensanteil auch wenig Gemeinschaft im Sinne von Freundschaft und Miteinander, und wenn, dann in führender Position. Statt dessen findet sich eine starke Erfolgsorientierung, Sachdienlichkeit und nicht selten ein gewisses Einzelgängertum.

Deutungsstichworte von Richard Vetter: "Zu beobachten war stets eine Erhöhung, Intensivierung, Verschärfung der Energie des mit Vesta verbundenen Planeten. Vesta verstärkt ein Thema (Hausposition, aspektierter Planet) ungeheuer. Sie bringt eine enorme Kraft, eine fast übermenschliche Leidenschaft in dem jeweiligen Tun, eine hohe Opferbereitschaft, selbstvergessene Hingabe an ein gewähltes Ziel. Ehrgeiz und Ambition sind mit ihr erheblich, sie ist mit dem Erreichten kaum jemals zufrieden."

Domizil

Vesta scheint einerseits eine Beziehung zu den Zeichen Jungfrau (vgl. Claus D. Stahl[10]) und Skorpion zu haben und könnte hier ihr Domizil haben bzw. erhöht sein.

Manilius jedoch ordnet, im Rahmen seines antiken Herrschersystems, Vesta eindeutig dem Steinbock als alleinige Herrscherin zu, wenn er schreibt: "und die zusammengekuschelten Sterne des Steinbocks wärmt Vesta" (2. Buch, Vers 445).[11]. Später schreibt er noch ausführlicher:

Steinbock, dein Sternenfeuer wartet Vesta im Innern des Tempels: Hiervon erhältst Du Berufung.
Denn was für die Praxis Feuer braucht und für die Aufgaben neue Gluten erfordert, dir ist's zu danken.
Durchzuwühlen lichtlose Minen,auszugraben die Schätze der Erde, in Steinadern ruhend,
und zu verfeinern den Stoff mit sicherer Hand, das entspringt dir, ebenso auch was aus Silber sowohl und aus Gold fabriziert wird.
Dass die heißen Glutöfen Eisen und Kupfererz schmelzen und die Backöfen Ceres verbrauchen, sind Deine Verdienste.
Auch die Neigung zu Kleidern und Kälte vertreibender Ware fügst du hinzu indem du für immer das Winteramt ausübst
und die zu höchsten geführten Nächte zurückholst und durch den Rückruf der Tage das Jahr zur Neugeburt wandelst.
(Buch 4, Verse 243-255)

Vesta ist also bei Manilius eindeutig das innere Feuer, welches der äußeren Kälte trotzt und von innen wärmt und antreibt und so die Leistungen des Steinbocks überhaupt erst möglich macht.

Wenn man diese Zuordnung nachvollzieht, und das innere Feuer dem Steinbock zuordnet[12], lässt das gleichzeitig das doch ansonsten im Tierkreis etwas unterkühlt beschriebene Zeichen der Wintersonnwende wesentlich wärmer erscheinen und holt es etwas aus seiner eiskalten Winterecke. Da dem Steinbock ja ein sehr weicher, verletztlicher Kern zugeschrieben wird, scheint diese Zuordnung eines von innen wärmenden vestalischen Feuers sehr passend - und der Steinbock darf so auch wieder als "warmherzig" gelten, was ja durch seinen modernen Hauptherrscher Saturn gerne etwas in Vergessenheit gerät.

Weiterführende Literatur

Quellen und Anmerkungen

  1. Dawn-Mission der NASA: Full-Frame Image of Vesta. Foto kombiniert mit der farbigen Hubble-Aufnahme von Vesta.
  2. Uhrzeitangabe aus dem Artikel Vesta-Forschung von Richard Vetter; Stefan Arens gibt 20:05 an
  3. Infos über die Dawn-Mission aus dem Wikipedia-Artikel
  4. 4,0 4,1 4,2 http://imperiumromanum.com/religion/antikereligion/vesta_01.htm
  5. Demetra George: Das Buch der Asteroiden, Chiron Verlag, Mössingen 1991, Seite 164
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Vesta
  7. Demetra George: Die Asteroiden und ihre Anwendung. In: Meridian 6/91, Seite 43.
  8. http://www.iol.ie/~taeger/articles/vessun-d.htm
  9. Richard Vetter über Vesta, auch mit Deutungen der Aspekte zu Planeten und Achsen
  10. Claus D. Stahl: Vesta und die Jungfrau-Energie bei astrologix
  11. Manilius, Astronomica / Astrologie. Lateinisch-deutsch, übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Fels. Reclam Stuttgart 1990, Reclam-Buch-Nr. 18555, ISBN 978-3150185551
  12. analog der Bedeutung von Weihnachten bzw. dem "Licht in der Finsternis" der christlichen Mythologie
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