Wassermannzeitalter

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Synonym: New Age

Als Wassermannzeitalter bezeichnet man eines der etwa 2150 Jahre dauernden astrologischen Zeitalter, die sich aufgrund der langsamen Verschiebung des Frühlingspunktes durch den siderischen Tierkreis ergeben sollen (platonisches Jahr, Präzession) und an dessen Schwelle wir uns nach Meinung vieler heute befinden. Der genaue Zeitpunkt des Übergangs ist allerdings umstritten (siehe unten).

Inhaltsverzeichnis

Erwartungen

Die Erwartungen an das Wassermannzeitalter gehen in Richtung dessen, was auch das Tierkreiszeichen Wassermann ausmacht: Aufbruch erstarrter Strukturen, geistige Freiheit, Originalität und Unkonventionalität, die sich jedweden Normen entziehen. Das Zeichen Wassermann gilt als freigeistig, voll schöpferischer und innovativer Energie. Die Hippie-Bewegung in den späten Sechzigerjahren sah sich als Vorbotin des Wassermannzeitalters, im Musical Hair kommt das zum Ausdruck. Ebenso werden alternative Heilmethoden, Homöopathie oder auch Reiki gerne in diesem Zusammenhang genannt, viele esoterisch-spirituelle Erweckungsströmungen sehen sich als Ausdruck des beginnenden oder begonnenen Wassermannzeitalters.

Die Astrologin Liz Greene macht darauf aufmerksam, dass auch das gegenüberliegende Zeichen, Löwe, einbezogen werden muss, sollen nicht die Gefahrenseiten des Wassermann überwiegen: "Der Wert des einzelnen Menschen und sein Recht, er selbst zu sein, bilden einen guten Kontrapunkt zu dem Kollektivismus, den wir bereits in so frühen und ungefügen Wassermann-Experimenten wie Kommunismus, Expansion großer Industriebetriebe und anderen Manifestationen untadeliger Organisationen erfahren haben und noch erfahren, die zu Lasten der Freiheit des Einzelnen gehen." [1]

Historische Entwicklung

Ausgehend von der Präzession und der dadurch bedingten Verschiebung des siderischen gegen den tropischen Tierkreis veröffentlichte Hans Künkel 1922[2] die Theorie des großen Jahres, mit dem Fischezeitalter, Wassermannzeitalter etc., die der Astrologie, die auf dem tropischen Tierkreis aufbaut, zuwider läuft, da sie sich nicht an den Ständen der Fixsterne orientiert.

Ab den späteren 1920 Jahren galt zumindest in der deutschrachigen völkischen und ariosophischen Astrologie das kommende Wassermannzeitalter, man hat es gerne zugleich mit dem Eintritt des Uranus in den Widder im Jahre 1927 verbunden, als Phase der Umwälzung vom überkommenen, überalterten System hin zum völkischen-nationalen Aufbruch, zum Gemein- und Gemeinschafts-Sinn, zur Selbst-Befreiung z. B. von Fremdbestimmung, westlichem Kapitalismus, römisch-katholischer Beeinflussung und Versailler Vertrag. Der Rassist, Antisemit und Ariosoph Jörg Lanz von Liebenfels spricht 1928 entsprechend hoffnungsvoll [...]...vom esoterischen Uranus-Zeitalter(s), an dessen Schwelle wir stehen.[...][3]

Zeitpunkt des Beginns des Wassermannzeitalters

Nach Auffassung vieler heutiger Esoteriker und Okkultisten, Theosophen und New-Age-Anhänger steht die Welt seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Wassermannzeitalter, einige gehen sogar davon aus, dass dieses Zeitalter bereits mit der Französischen Revolution begann.

Ursprung der Argumentation, dass im 20. Jahrhundert das Wassermann-Zeitalter begonnen haben soll, war wohl die Annahme, dass ungefähr alle 2000 Jahre der Frühlingspunkt in ein neues Tierkreiszeichen wandert und dass zur Zeitenwende, also Christi Geburt, der Wechsel ins Fischezeitalter stattgefunden haben soll. Doch sind beide Wert, wie sich nachfolgend zeigt, so ungenau, dass sich allein schon hieraus grobe Fehler ergeben.

Um den Beginn des Wassermannzeitalters festlegen zu können, ist es Voraussetzung, den Beginn des Fischezeitalters zu bestimmen. Hierzu können sowohl die Tierkreiszeichen (Vergleich topisch/siderisch), aber auch die Sternbilder in ihrer tatsächlichen Ausdehnung am Himmel als Grundlage genommen werden.

Ermittlung aufgrund der Sternbilder

Die häufig vertretene Annahme, dass das Fischezeitalter durch die Zeitenwende um Christi Geburt eingeläutet worden sei, ist nur dann korrekt, wenn die unterschiedlich großen, astronomischen Sternbilder auf der Ekliptik als Anzeiger für Zeitalter verwendet werden. Da das Sternbild Fische einen überdurchschnittlich großen Raum von 37°[4] auf der Ekliptik einnimmt, kann mit der gleichen Begründung, die den Wechsel des Frühlingspunktes in das Sternbild Fische um das Jahr 0 unserer Zeitrechnung sieht, der Frühlingspunkt erst um 2600 n. Chr. das Sternbild Wassermann betreten.

Ermittlung aufgrund der Tierkreiszeichen

Um das Problem der unterschiedlichen Größe der Sternbilder auf der Ekliptik zu lösen, wurde in der Indischen Astrologie eine Angleichung vorgenommen, so dass auch die siderischen Zeichenabschnitte jeweils 30° auf der Ekliptik einnehmen. Allerdings gibt es hier unterschiedliche Auffassungen, wie weit siderischer und tropischer Tierkreis gegeneinander verschoben sind. Die momentane Differenz von 0° Widder auf der Eklipktik und 0° Widder im Siderischen Tierkreis wird durch das Ayanamsha angegeben - und wenngleich die angegebenen Werte etwas variieren, liegt die Differenz aktuell zwischen etwa 24° und 25° (Spica-Ayanamsha, Lahiri-Ayanamsha).

Der Zeitraum, den der Frühlingspunkt benötigt, um einen siderischen Tierkreisabschnitt von 30° zu durchwandern beträgt etwa 2.150 Jahre. Die Präzession beträgt 71,7 Jahre pro Grad. Daraus ergibt sich ein Beginn des Fischezeitalters etwa im Jahr 250 n. Chr. (plus/minus 50 Jahre). Das Wassermannzeitalter begänne danach etwa im Jahr 2400 n. Chr. (plus/minus 50 Jahre).

Quellen

  1. Liz Greene: Kosmos und Seele. Frankfurt a. M. 1991, Seite 280
  2. Hans Künkel: Das große Jahr - Der Mythos von den Weltzeitaltern. 65 Seiten. Diederichs ab 1922; Nachdruck Waakirchen Urania 1980 ISBN 3921960061
  3. Jörg Lanz von Liebenfels: Ernst Issberner-Haldane; In: Zeitschrift für Geistes- und Wissenschaftsreform, Pforzheim, 3. Jg. 1928, Heft 5, S. 145
  4. Es ist nicht gesichert, dass die Ausdehnung der Sternbilder in der Antike exakt gleich war wie heute, insofern ist der Wert von 37° ein vermuteter Wert, wenngleich das Sternbild, wie es am Himmel gesehen wird, sich im Laufe der Zeit gerade bei den Fischen kaum verändert haben dürfte.