Wissenschaft

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Gauquelins Ergebnisse bei Ertel, in: Stiehle & Voltmer, 2011

"Astrologie - die Algebra des Lebens". (Dane Rudhyar, 1895-1985)[1]

"Die Lehre von den Gestirneinflüssen ist noch keine Wissenschaft, aber die Hoffnung auf eine Wissenschaft". (William James, 1842-1910)[2]

"Die moderne Astrologie nähert sich mehr und mehr der Psychologie und klopft bereits vernehmlich an die Pforten der Universitäten." (Carl Gustav Jung, 1875-1961)

Meyers Taschenlexikon definiert Wissenschaft als den "Inbegriff des durch Forschung, Lehre und überlieferte Literatur gebildeten, geordneten und begründeten, für gesichert erachteten Wissens einer Zeit". Wissenschaftlern zufolge ist die Astrologie nicht beweisbar und deshalb substanzlos, ja schädlich. Insbesondere Astronomen setzen sich vehement gegen sie zur Wehr.

Früher waren Astronomie und Astrologie noch zwei Seiten einer Medaille oder, wie es der tschechische Astrologe Milan Spurek formuliert, "Grundlagen- und angewandte Forschung" [3]; die Astrologie war ein selbstverständlicher Bestandteil der universitären Lehre. Bahnbrechende Wissenschaftler wie Tycho Brahe oder Johannes Kepler praktizierten sie nicht nur, sondern verteidigten sie auch gegen Kritiker. Heute gibt es jedoch kaum einen Naturwissenschaftler und nur wenige Geisteswissenschaftler, die sich ernsthaft mit der Astrologie auseinandersetzen.

Die Astrologen ihrerseits reagieren unterschiedlich auf die wissenschaftliche Kritik. Ein Teil versucht, die Vorbehalte aufzubrechen und mit offiziell anerkannten Methoden nachzuweisen, dass die Astrologie durchaus eine solide Grundlage hat. Manche hoffen sogar auf einen neuen Lehrstuhl an einer Universität. Ihre Methoden basieren vor allem auf der Statistik; mit deren Hilfe wollen sie die Richtigkeit der Astrologie nachweisen. Daneben gibt es noch im Bereich der Psychologie wissenschaftliche Arbeiten zur Astrologie. Die wichtigsten Vertreter, die sich in Deutschland um eine Rehabilitierung der Astrologie an den Universitäten bemühen, sind Professor Suitbert Ertel, Dr. Theodor Landscheidt und Dr. Peter Niehenke.

Der Astrologe Dennis Elwell weist darauf hin, dass die Astrologie eigentlich "absolut vereinbar mit den Erkenntnissen der modernen theoretischen Physik" sei. Weiter schreibt er:

"Die moderne Physik, die sich in praktischen Begriffen als ungeheuer fruchtbar erwiesen hat, steht in deutlichem Widerspruch zum alten Newtonschen Modell, das vereinfachend auf Ursache und Wirkung gründete. Die neue Lehrmeinung besagt, dass die Newtonsche Physik nicht mehr adäquat erklären kann, was geschieht. Doch wenn es darum geht, die Astrologie zu diskreditieren, dann sinken die Wissenschaftler glückselig in Sir Isaacs Arme und wollen erklärt bekommen, wie denn die Planeten über große Entfernungen signifikante Veränderungen der Schwerkraft oder elektromagnetischer Felder bewirken können. Und dann haben sie die Stirn, der Astrologie vorzuwerfen, sie klammere sich an ein überholtes Modell der Realität! Mit starrem Blick auf Newton sagt die Wissenschaft, Astrologie könne es nicht geben, und deshalb gebe es sie auch nicht. Die ,Gibt's-doch-nicht'-Falle hat über die Jahre so viele Gelehrte gefangen, dass man meinen sollte, sie wüssten es inzwischen besser. Steine können nicht aus dem Himmel fallen, deshalb sind Meteoriten unmöglich! Das Flugzeug wird nicht fliegen, weil es das nicht kann! Die Raumfahrt ist ein schöner Traum! Übertriebenes Vertrauen in ihr Urteil darüber, was möglich oder unmöglich sei, hat den Wissenschaftlern in der Kunst der Prophezeiung beinahe ebenso schreckliche Fehlschläge eingebrockt wie den Astrologen."[4]

Hinzu kommt, dass sich die Astrologiegegner in aller Regel nicht näher mit dem Gegenstand ihrer Kritik beschäftigen.

Es gibt jedoch auch Astrologen, die eine ganz andere Richtung vertreten: Sie legen gar keinen Wert auf eine Anerkennung durch die offizielle Wissenschaft. So beispielsweise der Astrologe Ernst Ott: "Horoskopdeutung ist keine exakte Wissenschaft. Sie ist Kunst, Symbolsprache, kreative Methode. Astrologie beschreibt niemals, was ist und was sich ereignet, sondern vielmehr die innere Bedeutung der Ereignisse."

Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaft

Ist die Astrologie eine Natur- oder eine Geisteswissenschaft?[5] Sie steckt in dem Dilemma, sowohl - exakt berechenbare und damit zeitlich genau vorhersagbare - naturwissenschaftlich-astronomische Gegebenheiten als Grundlage ihrer Deutung heranzuziehen (sog. "Objektives"). Andererseits daraus auch begründete, plausible, aber "subjektive" Ereignisse und Phänomene geisteswissenschaftlich zu folgern und abzuleiten. Dieses "Subjektive" kann sie allerdings nicht durch "objektive" Methoden wie exakt wiederhol- und vorhersagbare Messungen und Experimente beweisen. Die Bereiche, worauf sich die Natur- und Geisteswissenschaften beziehen, sind unterschiedlich: Naturwissenschaftliche Methoden und die Naturwissenschaften erstrecken sich auf die äußere, materielle "Wirklichkeit", soweit sie mess- und berechenbar ist, also auf physikalisch und mathematisch erfassbare Phänomene. Die Geisteswissenschaften dagegen beschäftigen sich mit Bewusstsein, dem Denken, der Kultur, dem Geist, mit Sinn und Bedeutung, sowie mit der Psyche des Menschen. Die von ihnen erforschten Gegenstände sind der Naturwissenschaft nicht zugänglich, enthalten jedoch unsere menschliche, erlebte Wirklichkeit, die andererseits stark von der jeweiligen Kultur und Gesellschaft abhängig und geprägt ist.

Versuchsanordnung einer Radieschen-Aussaat Maria Thuns

Leider sind die Versuche der Astrologie, ihre Aussagen mit den Werkzeugen der Naturwissenschaft (Statistik) zu beweisen (z.B. Niehenke, 1987), eigentlich allesamt gescheitert. Durch die Trennung des Menschen von der Natur, welche er - ab der Renaissance - zunehmend als etwas außerhalb seiner selbst Befindliches erforschte, war die Schnittstellenfunktion der Astrologie zwischen beweisbarem, aber absichtslosem Sein der Natur einerseits, und dem absichtlichen, jedoch nicht beweisbaren Geschehen der menschlichen Lebenswelt andererseits nicht mehr erwünscht - und die Notwendigkeit der Astrologie wurde in Abrede gestellt. Erfolgreich waren fast nur die Untersuchungen von Michel Gauquelin ("Mars-Effekt", etc., s.o.) und die Testreihen von Maria Thun - die allerdings mit der heute praktizierten Astrologie nur sehr bedingt zu tun haben. Christoph Schubert-Weller[6] sieht die Astrologie als eine Geisteswissenschaft, in der nur Einzelfalluntersuchungen sinnvoll bzw. zieldienlich sind, um (hermeneutisch) das Ganze zu verstehen bzw. (phänomenologisch) das Wesentliche zu erkennen - und sich nicht in den widersprüchlichen naturwissenschaftlichen Details aufzureiben und zu verlieren.

Die moderne Physik, die im Bereich der Quantenmechanik an die Grenzen der herkömmlichen Beweisbarkeit durch Messung und exakte Berechnung stößt und mit Statistik nur mehr Wahrscheinlichkeiten vorhersagen kann (allerdings sehr hohe oder höchste Wahrscheinlichkeiten), wie auch die moderne Psychologie und Biologie, die zunehmend individuelles Verhalten auch biochemisch und neurologisch erfassen und erklären, könnten dazu beitragen, diese Kluft wieder zu überwinden: denn der Mensch trägt in sich selbst genau diese Schnittstelle zwischen der äußeren, materiellen Welt und der inneren, geistigen Erlebnissphäre.

Eine - parapsychologische - Extrapolation, dass diese Schnittstelle nicht nur im Inneren des Menschen, sondern auch in der (naturwissenschaftlich erfassbaren) äußeren Welt besteht, könnte die (aus astrologischer Sicht) nur scheinbare Trennung zwischen Innen und Außen wieder aufheben.

Letztendes geht es um die hermetische Aussage: wie oben so unten. Oder, geisteswissenschaftlich formuliert, um das Kant'sche "Ding an sich", also um das Sein und die Zusammenhänge, wie sie wirklich sind. Dieses 'Sein an sich' können wir nur über die (sichtbaren, äußeren) Phänomene erfassen, nicht jedoch die dahinter liegende Kausalität; wir können alles Geistige nur stofflich (empirisch) erleben.

Wissenschaftliche Arbeiten

Autor Titel Institution Art der Arbeit Datum/
Veröffentlichung
Robert Vian
Salzburg
Ein Mondwahrsagebuch Philosophische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg Doktorarbeit 1910, Halle
Horst Meyer-Dressler Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung der medizinischen Behauptungen der Astrologie Medizinische Fakultät der Freien Universität Berlin Doktorarbeit zum Dr. med. 1954
Peter Niehenke Validitätsüberprüfung grundlegender astrologischer Konzepte. Entwicklung eines Forschungsfragebogens. Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg Diplom-Hauptprüfung, Fach Psychologie 1980
Angelika Geiger Wallensteins Astrologie. Eine kritische Überprüfung der Überlieferung nach dem gegenwärtigen Quellenstand. Universität Bonn Diss. phil. 1982
Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz (543 S.) 1983
Peter Niehenke Kritische Astrologie. "Zur erkenntnistheoretischen und empirisch-psychologischen Prüfung ihres Anspruchs." „Eine Befragungsstudie an über 3000 Personen, um zu überprüfen, ob astrologische Weissagungen über den Charakter eines Menschen mit dessen Selbstbeurtellung nach einem psychologisch konstruierten (425 Fragen enthaltenden) Fragebogen übereinstimmten."[7] Universität Bielefeld Dissertation, Fach Psychologie 1985
1987, Aurum Verlag, Freiburg ISBN 359108252X
Doris Vyvadil Die Aussagekraft astrologischer Konstellationen in Bezug auf kognitive Fähigkeiten Fakultät für Psychologie der Universität Wien Diplomarbeit
Juli 2005, Wien (279 Seiten)

Anmerkungen, Links und Literaturverweise

  1. in: Die Astrologie der Persönlichkeit, 1970, S. 39
  2. Zitiert in: Rudolf Tomaschek: Kosmische Kraftfelder und astrale Einflüsse. Ebertin-Verlag Aalen 1959, Seite 19
  3. Milan Spurek: Das große Handbuch der Astrologie, München 1996, Seite 20
  4. Dennis Elwell: Das kosmische Netzwerk. Wettswil o. J. (englisches Original 1987), Seiten 13 und 19
  5. Volker Schendel plädiert für sie als eine Geisteswissenschaft, in: Stiehle & Voltmer, S. 346ff.
  6. Kasuistik in der Astrologie, in: Stiehle & Voltmer, S. 72ff.
  7. Niehenke äußert darin die Überzeugung (S. 101): "Das "experimentum crucis", mit dessen Hilfe die Astrologie bewiesen oder widerlegt werden könnte, gibt es nicht!"
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