Johannes Kepler

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Johannes Kepler um 1620[1]
Johannes Kepler: Geburtshoroskop, Zeit 14:37 Uhr.

Der deutsche Astronom und Astrologe Johannes Kepler wurde am 27.12.1571 (jul.) in Weil der Stadt (Schwaben) geboren. Er starb am 15.11.1630 im oberpfälzischen Regensburg. Zu seiner Geburtszeit gibt es von ihm selbst zwei unterschiedliche Angaben. Einmal ist ein eigenhändiges Horoskop überliefert (nebenstehend), das eine Geburtszeit von 13:00 LAT angibt (entspricht 13:03:33 LMT), bzw. die in seiner "Harmonices mundi" angegebene Zeit von 14:30 LAT (entspricht 14:37 LMT). Diese Zeit gilt, da von ihm selbst veröffentlicht, als die offizielle und wird normalerweise verwendet.

Biografisches

Eigenhändiges Horoskop von Kepler, Zeitangabe 13:00 LAT.
Johannes Kepler: Geburtshoroskop, Zeit 13:03 Uhr

Er studierte in Tübingen Theologie, nachdem er das übliche, vorgeschaltete Magisterstudium der sieben freien Künste an der Artistenfakultät nach zwei Jahren sehr erfolgreich abgeschlossen hatte[2]. Er wollte ursprünglich auch Theologe werden, aber seine eigentlichen Interessen und Fähigkeiten lagen auf den Feldern Mathematik, Philosophie und Astronomie. Schon früh war er ein Anhänger des Nikolaus Kopernikus (kopernikanische Wende). Beruflich war er ab 1594 Mathematiklehrer in Graz. Es gab dort jedoch Probleme mit der Gegenreformation (Kepler war Protestant, allerdings auch kein linientreuer), so dass er 1600 auf Einladung Tycho Brahes an den Hof Rudolfs II. nach Prag zog. Dort wurde er zuerst Assistent, dann Nachfolger Brahes als kaiserlicher Hofastronom und Mathematiker. Aufbauend auf dessen Beobachtungsdaten formulierte er die drei sog. Keplerschen Gesetze über die Bahnen der Planeten um die Sonne. Damit wurde das heliozentrische Weltbild endlich theoretisch widerspruchsfrei begründet und konnte sich nunmehr auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit durchsetzen. Seine Gesetze[3] schufen die Voraussetzung für Isaac Newtons Gravitationslehre. Als seine Mutter 1615 in einem Hexenprozess angeklagt war, reiste er zu ihr ins Württembergische, auch um den eigenen Ruf zu schützen, und konnte deren Verurteilung abwenden.

Forschungsweise

Kepler war ein mystisch empfindender und gleichzeitig rational denkender Mensch. In seinem Erstlingswerk Mysterium cosmographicum suchte er sehr aufwendig danach, die Beobachtungsdaten der Planetenbewegungen, die noch von Kopernikus stammten, mit Rechenoperationen nachzuvollziehen, die zum geometrisch-harmonikalen Kosmosmodell des Neuplatonismus passten, welches seinen mystisch-pantheistischen Vorstellungen[4] entsprach. Dies gelang ihm erstaunlich gut, und machte die Fachwelt schlagartig auf ihn aufmerksam, wenn auch nicht ganz, so dass er nach 1600 in eine Krise geriet. Mit den sehr genauen Beobachtungsdaten Tycho Brahes und neuen Erfahrungen in der Optik erkannte er ab 1604 die Wirklichkeit der elliptischen Planetenbahnen, die es im neuplatonischen Kosmosmodell jedoch eigentlich nicht geben durfte, da Ellipsen keine vollkommene Geometrie bzw. keine Kreisbahn hatten[5]. Damit wandte er sich der modernen empirisch-naturwissenschaftlichen, "reinen" Beobachtung zu, die sich, so die neuzeitliche Idee, nur durch Beobachtung (a posteriori) auszeichnen sollte, statt durch vorhergehende Theorien/ Hypothesen (a priori) und deren späterer Überprüfung[6]. Seine verstärkt naturwissenschaftliche bzw. empirische Wissenschaftsmethode nahm die erkenntnistheoretische Entwicklung von der Renaissance hin zur quantitativ-mechanistischen Naturerklärung der anbrechenden Neuzeit auf und verkörperte sie teilweise mustergültig[7]. Kepler bettete die naturwissenschaftliche Methode letztlich allerdings in sein harmonikal-platonisches Kosmosmodell ein.

Obgleich er auch eine kleine Science-Fiction-Geschichte (Somnium, über eine Mondreise) verfasste, vertrat er alchemistisch-hermetischen und archaisch-magischen Positionen gegenüber einen modernen, aufgeklärten Standpunkt, trotz seiner eigenen mystisch-pantheistischen Ader. In seiner berühmten Kontroverse mit dem englischen Okkultisten Robert Fludd wandte er sich eloquent gegen dessen schwärmerische, archaisch-magische Naturbeschreibung[8] und warf dem Engländer vor: "Ihm macht nichts größere Freude als unverständliche Rätselbilder... wogegen ich darauf ausgehe, die in Dunkel gehüllten Tatsachen der Natur ins helle Licht des Wissens zu ziehen."[9] In diesem Sinne trat er auch ein für eine, seiner Meinung nach "rationale" - des "magischen" Zierats entkleidete - Astrologie bzw. Hermetik.

Astrologie

Keplers erstes Wallenstein-Horoskop

Die Philosophia und also auch die wahre Astrologia ist ein Zeugnis von Gottes Werken und also ein heilig und garnicht ein leichtfertig Ding, das will ich meinesteils nicht verunehren.[10] Kepler beschäftigte sich viel mit "mystischen" Strömungen wie dem Pythagoräismus, dem Platonismus und dem Neo-Platonismus (Marsilio Ficino). Die Astrologie betrieb er keineswegs, wie von Skeptikern gerne behauptet, nur aus finanziellen Gründen. Er erstellte zahlreiche Persönlichkeits- und Ereignis-Horoskope, unter anderem für den späteren Feldherrn Wallenstein. Bei seinen Interpretationen war er ziemlich erfolgreich, auch in den Prognosen seiner Almanache und Praktiken (populäre Jahreskalender, die er drei Jahrzehnte lang schrieb); er besaß eine Sammlung von achthundert (selbst gezeichneten!) Horoskope, mit der er bis an sein Lebensende arbeitete und sie fortlaufend ergänzte.[11] Außerdem stellte er über 16 Jahre hinweg täglih astrologische Wetterbeobachtungen an, sah u.a. den extrem kalten Winter in Österreich von 1593 voraus[12].

Hatte er im Mysterium cosmographicum Mars und Saturn noch als die klassischen Übeltäter betrachtet[13], so merkt er in der 2. Auflage von 1621 zu dieser Aussage an, dass es am Himmel kein böses Gestirn gebe, "weil sich des Menschen Natur im Bereich der Erde bewegt, die den Ausstrahlungen der Planeten eine Einwirkung auf sie selber verleiht."[14]

Er störte sich sehr an der gängigen Trivialastrologie seiner Zeit, nahm die Sternenkunde aber auch vor ihren Kritikern in Schutz, ersichtlich an seiner "Warnung an etliche Theologos, Medicos und Philosophos: daß sie bey billicher Verwerffung des Sternguckerischen Aberglauben nicht das Kindt mit dem Badt außschütten..." 1625 schrieb er: "Die Philosophie und also auch die wahre Astrologie ist ein Zeugnis von Gottes Werken und also ein heilig und gar nicht leichtfertig Ding. Diese will ich meines Teils nicht verunehren." Er vertrat die Überzeugung, man brauche diese "närrische Tochter" der Astronomie; die Welt sei eh viel närrischer. In der Astrologie seien Perlen zu finden; sie sei ein nützlicher (Erkenntnis-)Spiegel, eine seelenvolle Ergänzung zur nüchternen Astronomie. Er nutzte die Astrologie schließlich nicht nur zur Beratung, sondern auch zur Introspektion bzw. Selbsterkenntnis.

Das progressive Horoskop

Kepler berücksichtigte, soweit heute bekannt ist, als erster europäischer Astrologe die sogenannten Aarabischen Direktionen, wie sie von Abu Maschar gelehrt wurden[15] - von Placidus de Titis als Sekundärdirektionen bezeichnet - und integrierte diese in das seinerzeit übliche ptolemäische - von Placidus als "Primärdirektion" bezeichnet - Direktionsverfahren. Walter Koch sah deshalb in Kepler den "Vater des progressiven Horoskops".[16] Kepler:"Aus unterschiedlichen Meinungen zusammengezogen und diese der Meinung anderer Autoren, die im Maßstab nicht übereinstimmen, dahin gehend angeglichen, daß an jedem Tag ein jeder Tag nach der Geburt 1 Jahr bedeute, 2 Tage daher 2 Jahre, u.s.f. Daraus folgt, dass die Sonne mit ihren Tagesbewegungen in der Ekliptik das MC in RA, das ASC in OA (also in aequatore) zu dirigieren sei. Dabei werden immer die Stunden der Geburt (Geburtsuhrzeit) zur RA der direktionellen Sonne addiert und die Figur (Anmerk.: Horoskop) neu aufgestellt. Der Mond wird auch auf der Ekliptik berechnet und zwar nach dem täglichen Sonnenfortschritt; der Glückspunkt aber verworfen und darf nicht dirigiert werden."[17]

Weltharmonik

Ineinander geschachtelte Polyeder als Planetenbahnen im "Mysterium Cosmographicum".

Keplers wichtigstes Werk sind die "Harmonices mundi" ("Weltharmonik") aus dem Jahr 1619. Darin beruft er sich auf die "heidnische" Philosophie der Pythagoräer: In Gottes Bau der Welt seien Proportionen, d.h. Form und Struktur maßgeblich; Gesetz, Ordnung, Sinn und Rechtmäßigkeit seien in den Zahlen der Mathematik zu finden. Ähnliche Gedanken fänden sich schon in der Bibel: "Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet" (Weisheit XI,21[18]). Er verstand geometrische Verhältnisse buchstäblich als "Gedanken Gottes". Als eine Art Logos existiere "die Geometrie vor der Schöpfung... Gott versah sie mit einem Modell der Schöpfung und pflanzte sie dem Menschen ein, zusammen mit seinem eigenen Bild... Die Geometrie ist gleichsam der Archetypus des Kosmos." In seiner Astrophysik gelang es ihm (teilweise), die im Makrokosmos anscheinend wirksamen geometrischen Formprinzipien zu entdecken. Im Mysterium Cosmographicum (dt. "Weltgeheimnis", Tübingen 1596) versuchte er beispielsweise, ausgehend von Analogien, die Abstände der Planetenbahnen exakt zu beschreiben, was fast gelang - und zwar mittels ineinander geschachtelter Platonischer Körper (Tetraeder, Würfel, Dodekaeder, usw.), d.h. ausgehend von ideellen, abstrakten, ästhetischen Gesichtspunkten. Um die bekannten Exzentritäten der Planetenbahnen in sein Harmonie-Konzept zu integrieren, welches keine elliptischen Planetenbahnen erlaubte (sie bildeten keinen Kreis)), sollten die Kugelschalen dieses Modells eine gewisse Dicke haben[19]. Tycho Brahe, der berühmte Astronom und scharfe Himmelsbeobachter, wurde mit Keplers Werk auf diesen aufmerksam und schrieb ihm wohlwollend, aber an Keplers früheren Uni-Lehrer Mästlin schrieb er sinngemäß von der mangelnden Berücksichtigung der empirischen Beobachtungstatsachen durch Kepler[20]. Wenige Jahre später kam Kepler nach Prag zu Brahe, um mit diesem zusammen zu arbeiten. Aufgrund Brahes vieljährigen genauen empirischen, aufgezeichneten Planetenbeobachtungen[21] veröffentlichte Kepler 1609 sein spektakuläres 1. Gesetz, das der elliptischen Planetenbahnen[22]. Damit hatte sich Kepler teilweise von seinen spekulativen Gedankenkonstruktionen gelöst - zugunsten der empirisch-naturwissenschaftlichen Beobachtungen[23] und eines neuzeitlich-modernen Wissenschaftsverständnisses.

Die Pythagoräer hatten erkannt, dass die Aufteilung der Saite eines Musikinstruments angenehme, wohlklingende Akkorde ergab oder aber dissonante - je nach Verhältnis der Saitenlängen zueinander. Gleichzeitig ordneten sie - und nach ihnen u.a. Ptolemäus - jedem Planeten einen bestimmten Ton der Tonleiter zu. Die daran anknüpfende spätantike und mittelalterliche Anschauung der Sphärenharmonie ging davon aus, dass jeder Planet einen für irdische Ohren unhörbaren Ton (eine Art Summen) von sich gebe - vergleichbar dem biblischen Choral der Engel zum Lobe Gottes.[24]

Kepler stellte fest, dass das Verhältnis der Bahngeschwindigkeiten der verschiedenen Planeten zueinander mathematisch ziemlich genau musikalischen Akkorden entsprach. Je nach Bahnposition (im Perihel oder Aphel) vermochte er in der erklingenden "Himmelsmusik" sogar Dur- und Molltonarten zu unterscheiden.[25] Seine Entdeckungen bestätigten ihm die Bedeutung der Geometrie als wesentliches Formprinzip der Welt. Wie die Pythagoräer hatte er ganzzahlige Proportionen sowohl am Firmament (in den Schwingungen oder Rhythmen der Planeten) als auch in den Akkorden der irdischen Musik gefunden bzw. empirisch bestätigt - und jubilierte 1619 am Schluss seines Buches: "Die Himmelsbewegungen sind nichts als ein ununterbrochener Gesang für mehrere Stimmen (die durch den [höheren] Intellekt, nicht durch das Ohr, aufgenommen werden); eine Musik, die durch dissonante Spannungen, durch Synkopen und Kadenzen sozusagen (wie sie die Menschen in Nachahmung dieser natürlichen Dissonanzen verwenden), zu bestimmten urbildlichen, gleichsam sechsstimmigen Schlüssen fortschreitet und dabei Marksteine setzt in dem unermesslichen Strom der Zeit."[26]

Aspekte

Die geometrischen Harmonien waren für Kepler das Urbild aller Wohlklänge - nicht nur der musikalischen, sondern auch der astrologischen bzw. psychologischen: "Alles lebt, solange die Harmonien dauern; alles erschlafft, wenn sie gestört sind." Entsprechend katalogisierte er musikalische Akkorde und astrologische Aspekte nach verschiedenen Kriterien geometrischer Vollkommenheit (u.a. nach ihrer manuellen Konstruierbarkeit mit Zirkel und Lineal) - und hielt sie entsprechend für mehr oder weniger harmonisch bzw. wirksam. Unter den Aspekten erachtete er Konjunktion und Opposition für am stärksten bzw. bedeutsamsten. Am zweitwirksamsten sah er das Quadrat. An dritter Stelle rangierten Trigon und Sextil. Er schuf die heute als Nebenaspekt behandelten Aspekte Anderthalbquadrat (später von ihm verworfen), Quintil, Biquintil und Quinkunx bzw. Halbsextil, um die überlieferten fünf ptolemäischen Aspekte (Hauptaspekte) um drei weitere zu ergänzen, damit die ihm wichtigen acht harmonischen Verhältnisse auch in den Aspekten wieder zu finden waren.[27]

Archetypen

Johannes Kepler[28]
In der Tradition christlich-neoplatonischer Kosmologien ging Kepler davon aus, dass grundlegende Konzepte bereits vor jeder Schöpfung in Gott und damit ebenso im Menschen als seinem Ebenbild vorhanden sind. Er schreibt dazu in Harmonice Mundi, Buch IV:
"Erkennen heißt, das äußerlich Wahrgenommene mit den inneren Ideen zusammenzubringen und ihre Übereinstimmung zu beurteilen,[...]. Alle Ideen oder Formbegriffe, von denen ich eben sprach, liegen in den Wesen, die Erkenntnisvermögen besitzen, drin, und sie werden nicht etwa diskursiv innen aufgenommen, sondern hängen von einem natürlichen Instinkt ab und sind mit eingeboren,[...]."[29]
Diese präexistenten Ideen werden von Kepler Archetypen genannt, alternativ auch "Paradigmata", mit denen der Mensch bereits geboren werde. Der Begriff Archetyp wird heute mit der Tiefenpsychologie von Carl Gustav Jung verbunden, der ihn in den 1920er Jahren den Schriften des Corpus Hermeticum entnommen hatte und davor Begriffe wie Urbild (seit 1921, von Jacob Burckhardt angeregt) oder Dominante des kollektiven Unbewußten (z.B. 1916 in "Das Unbewußte im normalen und kranken Seelenleben") verwendete[30]. Der Physiker Wolfgang Pauli, der in regem Austausch mit Jung stand und sich u.a. mit Keplers Schriften auseinandersetzte, erkannte die Ähnlichkeit mit Keplers Archetypen-Begriff, wie er 1948[31] bzw. 1952[32]mündlich und schriftlich referierte:

Der Vorgang des Verstehen der Natur sowie auch die Beglückung, die der Mensch beim Verstehen, d.h. beim Bewusstwerden einer neuen Erkenntnis empfindet, scheint demnach auf einer Entsprechung, einem Zur-Deckung-Kommen von präexistenten inneren Bildern der menschlichen Psyche mit äußeren Objekten und ihrem Verhalten zu beruhen. Diese Auffassung der Naturerkenntnis geht bekanntlich auf Plato zurück und wird, wie wir sehen werden, auch von Kepler in sehr klarer Weise vertreten. Dieser spricht in der Tat von Ideen, die im Geist Gottes präexistent sind, und die der Seele als dem Ebenbild Gottes mit-ein-erschaffen wurden. Diese Urbilder, welche die Seele mit Hilfe eines angeborenen Instinktes wahrnehmen könne, nennt Kepler archetypisch. Die Übereinstimmung mit den von C.G. Jung in die moderne Psychologie eingeführten, als "Instinkte des Vorstellens" funktionierenden "urtümlichen Bildern" oder Archetypen ist eine sehr weitgehende. Als Vorwegnahme der Psychologischen Astrologie erscheint auch, dass sich Kepler bei Deutungen stets mehr als Berater denn als Prognostiker empfand - was u.a. aus der Idee der Archetypen resultiert: Astrologie handle nämlich nicht von Particularia (detaillierten Einzelheiten), sondern von Generalia (übergeordneten Typisierungen), sie beziehe sich nicht auf konkrete (gute oder schlechte), sondern auf allgemeine Dinge. Also drückten die himmlischen Zahlenverhältnisse die irdischen Gegebenheiten symbolisch aus, nicht buchstäblich. Deswegen seien Spezifika auch so schwer vorherzusagen.(s. folgende Anmerkungen)

Resonanz

Kepler erklärte den astrologischen Wirkmechanismus mithilfe von "Resonanz", wobei der menschlichen Natur die kosmosbildenden geometrischen oder harmonikalen Schemata schon vorgeburtlich (archetypisch) eingeprägt seien. Die Wahrnehmung der jeweiligen Himmelskonfiguration geschehe dann unterschwellig bzw. mit dem angeborenen harmonischen Instinkt und man verhalte sich deswegen den Energien gemäß. Alles auf planetare Aspekte Reagierende stecke im Menschen selber bzw. in der Erde ("anima telluris"[33]), würde also durch ein "Mitklingen" aktiviert: Die Sterne seien vergleichbar mit Orgelpfeifen - wobei das Instrument natürlich nicht identisch sei mit dem Musiker. Und die Saiten der individuellen Seele würden quasi mitschwingen, wenn jemand diejenigen der himmlischen Leier zupft.

Er erklärte den astrologischen Mechanismus eindeutig psychologisch - und präfigurierte nebenbei, wiederum Jahrhunderte vor Schopenhauer und Nietzsche oder der Psychoanalyse, das Konzept des Unbewussten: "Die Relationen (= Aspekte) selbst bewirken nichts", stellte er unmissverständlich fest. Sie würden aber in der Seele gespürt "durch ein noch zur zeit verborgenes auffmercken ... ohn alle ratiocination oder muthmassung."
Die Frage, ob und in welcher Art die Gestirne das individuelle Schicksal beeinflussen oder es lediglich anzeigen, ist auch heute in der Astrologie noch nicht abschließend geklärt. C.G.Jung zählt Kepler zu den Vorläufern seines Synchronizitätsprinzips, da das psychologische, also akausale Erklärungsmodell der Wirkung von Planeten-Aspekten vor dem Hintergrund des Keplerschen Archetypus wesentliche Elemente davon schon vorweg nimmt[34].

Reduktion der Deutungselemente

Bis vermutlich 1595/ 1596 arbeitete Kepler nur mit einer traditionell geprägten Astrologie, die z.B. die Würden, Haus- und Zeichen-Stellung der Planeten, usw. berücksichtigte. Das wird aus den frühen astrologischen Charakterskizzen von ihm zu seinen Eltern und Großeltern deutlich[35]. Doch ab 1598 reduzierte er die Deutungselemente drastisch; im März 1598 schreibt er in einem Brief: [...] als hätte ich die ganze Astrologie in neue Bahnen gelenkt, oder als wenn ohne Häuser, Grenzen, Gesichter und Triplicitäten (die ich ebenfalls in meinem Buch - er meint vermutlich Mysterium cosmographicum - in Zweifel gezogen habe), eine Vorhersage überhaupt nicht stattfinden könne[36]. Allerdings notierte und beachtete er auch später in verschiedenen prognostisch-astrologischen Veröffentlichungen zumindest zu mundanen oder meteorologischen Entwicklungen die Würden, Haus- und Zeichen-Stellungen der Planeten[37]. Die Aspekte wurden für Kepler so wichtig, da diese aus einer regelmäßigen Aufteilung des Kreises hervorgingen (d.h. aufgrund idealer, klassisch platonischer bzw. harmonikaler Überlegungen) - und sich für ihn in der Praxis bestätigten.

Ähnlich radikal reduzierte einige Jahre nach ihm Abdias Trew die Astrologie, explizit in Anlehnung an Kepler[38].

Weblinks

Werke (Auswahl)

Kepler, vor 1612[39]

Moderne Ausgaben

  • Weltharmonik. 459 Seiten, Oldenbourg Verlag 2006 ISBN 978-3486580464
  • Astronomia Nova: Neue, ursprünglich begründete Astronomie. 576 Seiten. Marix-Verlag 2005 ISBN 978-3865390141
  • Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie. 69 Seiten. Chiron-Verlag Tübingen 1999 ISBN 978-3925100383
  • Warnung an die Gegner der Astrologie. Tertius interveniens. 184 Seiten. Kindler Verlag 1971. ISBN 978-3463004952

Originalausgaben

  • Prodromus dissertationum cosmographicarum, continens mysterium cosmographicum, de admirabili proportione orbium coelestium... Georgius Gruppenbachius, Tübingen 1596 Digitalisat der SLUB Dresden
  • Prognosticum Auff das Jahr nach Christi unsers Heylandes geburt 1604., Sampt vorgehendem nutzlichem bericht, warzue die Astronomia vnd Artes Mathematicae dienstlich seyen. Prag, 1603 Digitalisat der BSB München
  • Gründtlicher Bericht Von einem ungewohnlichen Newen Stern, wellicher im October diß 1604. Jahrs erstmahlen erschienen. Carolus, Straßburg, 1604 Digitalisat der BSB München; Schuman, Prag [1605]
    • Gründlicher Bericht und Bedencken/ Von einem ungewöhnlichen Newen Stern/ welcher im October deß 1604. Jahrs erstmals observirt und gesehen worden. Forster, Amberg 1605
  • Prognosticum. Auff das Jahr, nach der gnadenreichen Geburt vnsers Herrn vn[d] Heylandes Jhesu Christi (der gewohnlichen rechnung) 1605., Sampt einer außführlichen verzeichnus, wie das Gewitter dieses verschienen 1604. Jahres sich von tag zu tag alhie zu Prag angelassen, vnd mit dem Himmel verglichen. Jtem, einem gründtlichen Bericht von erscheinung eines vngewohnlichen Newen Sternens. Prag, 1605 Digitalisat der BSB München
  • De Stella Nova In Pede Serpentarii, Et Qui Sub Eius Exortum De Novo Iniit, Trigono Igneo: Libellus Astronomicis, Physicis, Metaphysicis, Meteorologicis & Astrologicis Disputationibus endoxis & paradoxois plenus. Accesserunt I. De Stella Incognita Cygni: Narratio Astronomica. II. De Jesu Christi Servatoris Vero Anno Natalitio, consideratio nivissimae sententiae Laurentii Suslygae Poloni, quatuor annos in usitata Epocha desiderantis. Sessius, Prag 1606
  • Außführlicher Bericht/ Von dem newlich im Monat Septembri und Octobri diß 1607. Jahrs erschienenen Haarstern/ oder Cometen/ und seinen Bedeutungen: Sampt vorgehendem gantz newem und setzamen/ aber wolgegründetem Discurs. Was eigentlich die Cometen seyen/ woher sie kommen/ durch wen ihre Bewegung geregieret werden/ und welcher gestallt sie dem menschlichen Geschlecht etwas anzudeuten haben. 19 Bl. Erasmus Hynitzsch, Halle 1608 In Auszügen online[40]
  • Antwort Joannis Keppleri Sae. Cae. Mtis: Mathematici Auff D. Helisaei Röslini Medici & Philosophi Discurs Von heutiger zeit beschaffenheit und wie es ins künfftig ergehen werde. Belangend sonderlich etliche puncten, so D. Röslin auß Kepleri Buch de Stellâ Anni 1604. angezogen. Allen Liebhabern der wahren Philosophia, sonderlich aber auch denen wölche kunfftige Sachen gern wissen wolten zu sonderm Nutz vnd vnderricht warauff sie sich entlich zuverlassen haben. 64 Bl. Sesse Prag 1609 Digitalisat der SLUB Dresden; Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Tertius Interveniens. Das ist/ Warnung an etliche Theologos, Medicos und Philosophos, sonderlich D. Philippum Feselium, daß sie bey billicher Verwerffung der Sternguckerischen Aberglauben/ nicht das Kindt mit dem Badt außschütten/ und hiermit ihrer Profession unwissendt zuwider handlen : Mit vielen hochwichtigen zuvor nie erregten oder erörterten Philosophischen Fragen gezieret/ Allen wahren Liebhabern der natürlichen Geheymnussen zu nohtwendigem Unterricht / Gestellet durch Johann Kepplern/ der Röm. Keys. Majest. Mathematicum. Franckfurt am Mäyn: Tampach 1610 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Widerholter Außführlicher Teutscher Bericht, Das vnser Herr vnd Hailand Jesus Christus nit nuhr ein Jahr vor dem anfang vnserer heutiges tags gebreuchigen Jahrzahl geboren sey: wie Herr D. Helisaeus Röslinus/ Hanawischer Medicus zu Buchsweiler in seinem jüngst außgangenen unrichtigen Bericht an die Röm. Kay. May. neben Henrico Buntingo, Chronologo, und anderen/ fürgibt: auch nicht nuhr zwey Jahr/ wie Scaliger und Calvisius Chronologi mit vilen alten Kirchen-Scribenten darfür halten/ sondern fünff gantzer Jahr : Auß richtiger Harmonia, und vergleichung Haidnischer und Jüdischer Historien/ so umb die zeit der geburt Christi eingefallen/ auch beygefügten anzügen auß deß Himmelslauff ... 125 Seiten. Ledertz Straßburg 1613. Digitalisat der SLUB Dresden; Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Epitome Astronomiae Copernicanicae. Johannes Plancus, Gent 1618-1621 Band 1 bei Google Books; Ioannis Godefrid Schönewetter, Frankfurt 1635 [id=6926 Digitalisat der SLUB Dresden]
  • Harmonices mundi libri V. Gottfried Tampach, Linz 1619 Digitalisat der Posner Memorial Collection
  • Prognosticon, Von aller handt bedraulichen Vorbotten künfftigen Ubelstands/ in Regiments- und Kirchensachen/ sonderlich von Cometen und Erdbidem/ auff das 1618. und 1619. Jahr. 12 Bl. 1619
  • De Cometis Libelli Tres: I. Astronomicvs, Theoremata continens de motu Cometarum, vbi Demonstratio Apparentiarum & altitudinis Cometarum qui Annis 1607. & 1618. conspecti sunt, noua & paradoxos. II. Physicvs, continens Physiologiam Cometarum nouam & paradoxon. III. Astrologicvs, de significationibus Cometarum Annorum 1607. & 1618. Augustæ Vindelicorum : Mylius, 1619 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Astronomischer Bericht/ Von Zweyen im Abgelauffenen 1620. Jahr gesehenen grossen und seltzamen Mondsfinsternussen: Wie auch von der grossen Sonnenfinsternuß/ so im jetzlauffenden 1621. Jahr den 11/21 Maii erscheinen wirdt. Mit kurtzer Widerholung Aller grossen Sonnenfinsternussen/ so innerhalb Achtzig Jahren in Europa gesehen worden/ und was jedeßmals vor und nach/ der Zustand in Geistlichen und Weltlichen Sachen gewest. Ulm, Meder 1621 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel
  • Discurs Von der Grossen Conjunction oder Zusammenkunfft Saturni unnd Jovis im fewrigen Zeichen deß Löwen/ so da geschicht im Monat Julio deß MDCXXIII. Jahrs Wie auch von den viel- und- Mannigfaltigen Prognosticationibus über dieses Jahr ... 16 Bl. Sartorius, Nürnberg 1623
  • Prognosticum Meteorologicum, Das ist: Naturgemässe vermuthung/ was die beschaffenheit deß Him[m]els-Gestirns über diese nidere Welt ungefährlich bedeute: Auff das Jahr nach der Gnadenreichen Menschwerdung Jesu Christi unsers Herren und Erlösers/ Als die Occidentalische Kirch zehlen wirdt M.DC.XXIV. 16 Bl. Abraham Wagenmann, Nürnberg 1623

Weiterführende Literatur (Auswahl)

  • Walter Koch: Aspektlehre nach Johannes Kepler. Die Formsymbolik von Ton, Zahl und Aspekt. 96 Seiten. Hamburg, Kosmobiosophische Gesellschaft, 1950, 1952
  • Arthur Koestler: Die Nachtwandler. Die Entstehungsgeschichte unserer Welterkenntnis. Scherz, Bern 1959; Suhrkamp, Frankfurt/M. 1980 ISBN 3518370790
  • Heinz Artur Strauß, Sigrid Strauss-Kloebe: Die Astrologie des Johannes Kepler. 1981 ISBN 978-3870893507
  • Ulrike Voltmer: Rhythmische Astrologie - Johannes Keplers Prognose-Methode aus neuer Sicht. Mit Geburtszeitkorrektur im Anhang. 310 Seiten. Königsfurt Urania 1998 ISBN 978-3908651017
  • Friederike Boockmann et al (Hrg.), Miscellanea Kepleriana, Augsburg 2005
  • Katrin Bauer: Der andere Kepler - Vom Aufstieg eines frühneuzeitlichen Gelehrten mit Hilfe der Astrologie. Dissertation an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 2014 PDF-Download

Quellen und Anmerkungen

  1. Copyright Oberösterreichische Landesmuseen, Linz
  2. Mechthilde Lemcke: Johannes Kepler. Reinbeck 1995, S. 22ff.
  3. Die Keplerschen Gesetze
  4. Heinrich Schmidt, Georgi Schischkoff, Philosophisches Wörterbuch. Stuttgart 1991, S.379
  5. Fritz Krafft: Johannes Keplers Antworten auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält; In: Johannes Kepler, Was die Welt im Innersten zusammenhält. Antworten aus Keplers Schriften. Wiesbaden 2005, S. XXf
  6. Tycho Brahe mahnte gegenüber Kepler noch die Vorgehensweise "a posteriori" an, anstatt der "a priori"-Methode Keplers, die dieser in Mysterium cosmographicum verwendet hätte, wie Brahe Kepler brieflich sinngemäß mitteilte. Der Brief wird zitiert in: Max Caspar, Einführung, in: Johannes Kepler, Mysterium Cosmographicum. Augsburg 1923, S. XXVII
  7. Volker Bialas: Johannes Kepler. München 2004, S. 11ff.
  8. Wolfgang Pauli: Der Einfluss archeteypischer Vorstellungen auf die Bildung naturwissenschaftlicher Theorien bei Kepler; in: W. Pauli, C.G. Jung: Naturerklärung und Psyche. Zürich 1952, S. 147
  9. Zitiert nach Koestler, S. 403; Näheres zur Fludd-Kepler - Kontroverse s. bei Johannes Rösche: Robert Fludd, V&R unipress GmbH; Wolfenbüttel 2008 ISBN 9783899714616 S. 465 ff.
  10. Zitat aus dem 2. Wallenstein-Horoskop (von Kepler gestellt 1625), in H.A. Strauss/ S. Strauss-Kloebe: Die Astrologie des Johannes Kepler. Eine Auswahl aus seinen Schriften. Verlag Adolf Bonz, Fellbach, 2. Auflage 1981, ISBN 3-87089-350-8, S. 240
  11. Friederike Boockmann, Horoskopsammlung Keplers, in: Miscellanea Kepleriana, Boockmann et al, Augsburg 2005, S. 184ff.
  12. Kim Farnell, Everyone talks about the weather... (2006)
  13. Johannes Kepler: Mysterium cosmographicum. 9. Kapitel, IN: Kepler, Was die Welt im Innersten zusammenhält. Wiesbaden 2005, S. 47
  14. Kepler, Was die Welt im Innersten zusammenhält, S. 137
  15. Wilhelm Knappich: Entwicklung der Horoskoptechnik vom Altertum bis zur Gegenwart. 1978, S. 91
  16. Koch, Walter, Astrologische Monatsschriften, 1958, Heft 1/2
  17. Zitat nach der neusten Kepler-Ausgabe der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, zitiert nach Knappich, Wilhelm, Entwicklung der Horoskoptechnik vom Altertum bis zur Gegenwart, 1978, S. 97
  18. eine Stelle, die Generationen mittelalterlicher Astrologen zur Rechtfertigung ihrer Tätigkeit heranzogen
  19. Angaben von kepler-museum.de
  20. Lemcke, Johannes Kepler, S. 43
  21. Johannes Hoppe: Johannes Kepler. Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner. Leipzig 1982. S. 29
  22. Angabe von kepler-gesellschaft.de
  23. Hoppe, Kepler, S. 29
  24. In unseren Tagen versucht Hans Cousto mittels seiner Kosmischen Oktave "Planetentöne" wieder hörbar zu machen. Und Hartmut Warm zeigt in seiner "Signatur der Sphären" sehr schön die Geometrie des Sonnensystems.
  25. Keplers Sphärenmusik im Anthronet
  26. Zitiert nach Max Caspar: Johannes Kepler Weltharmonik, München 1939, Neuauflage 2006, S. 47/ 48 online
  27. Kepler, Johannes: Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie. Chiron-Verlag, Mössingen 1999, These 40
  28. Dieses Portrait schenkte Kepler seinem Freund Matthias Bernegger, wie dieser berichtet. Im Jahr 1627 stiftete Bernegger dieses Bild der Straßburger Bibliothek. Kepler-Museums in Weil der Stadt
  29. Kepler zitiert nach: Pauli, Der Einfluss..., S. 120 - 121 (siehe Anmerkung 7).
  30. Jolande Jacobi: Komplex, Archetypus, Symbol in der Psychologie C.G. Jungs. Zürich 1957, S. 38f.
  31. Wolfgang Pauli, Der Einfluss archetypischer Vorstellungen auf die Bildung naturwissenschaftlicher Theorien bei Kepler (Autoreferat beider Vorträge Paulis v. 28.2. und 6.3.48 im Psychologische Club Zürich im Jahresbericht 1948 des Psychologischen Clubs Zürich p. 37 – 44), IN: Wolfgang Pauli und C.G. Jung. Ein Briefwechsel 1932 – 1958. Heidelberg 1992, S. 199 – 200. (Jung hatte den Psychologischen Club Zürich 1916 gegründet)
  32. Pauli/ Jung, Naturerklärung (1952): Der Einfluss..., S. 112
  33. Johannes Kepler: Harmonices mundi libri V. Linz 1619, S. 163 (4. Buch, 7. Kapitel)
  34. C.G. Jung: Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge; in: W. Pauli, C.G. Jung: Naturerklärung und Psyche. Zürich 1952, S. 81 ff.
    Jung zitiert Kepler u.a. aus dessen Tertius interveniens:"[...]Nemlich daß in dieser niedern Welt oder Erdenkugel stecket ein Geistische Natur, der Geometria fähig,, welche sich ab den Geometrischen und Harmonischen Verbindungen der himmlischen Liechtstrahlen ex instinctu creatoris, sine rationcinatione erquicket, und zum Gebrauch jhrer Kräfften selbst auffmundert und antreibt". Jung schreibt weiter: Über den astrologischen 'Charakter', das heißt die astrologische Synchronizität, sagt er [Kepler] folgendes: "Dieser Charakter wirdt empfangen nicht in den Leib, dann dieser ist viel zu ungeschickt hierzu, sondern in die Natur der Seelen selbsten, die sich verhält wie ein Punct, darumb sie auch in den Puncten deß confluxus radiorum mag transformiert werden, und die da nicht nur deren Vernunfft theilhafftig ist, von deren wir Menschen vor andern lebenden Creaturen vernüfftig genennet werden, sondern sie hat auch ein andere eyngepflantzte Vernunft, die Geometriam so wol in den radiis als in den vocibus, oder in der Mucica, ohn langes erlernen, im ersten Augenblick zu begreiffen".[...] Der Sitz der astrologischen Synchronizität sei nicht in den Planeten, sondern vielmehr in der Erde, aber nicht in der Materie, sondern eben in der anima telluris.[...]
  35. Heinz Artur Strauß, Sigrid Strauss-Kloebe: Die Astrologie des Johannes Kepler. Fellbach 1981, S. 207f.
  36. Die Astrologie des Johannes Kepler, S. 208f.
  37. So in "Prognosticum. Auff das Jahr, nach der gnadenreichen Geburt vnsers Herrn vn[d] Heylandes Jhesu Christi (der gewohnlichen rechnung) 1605" oder in "Discurs Von der Grossen Conjunction oder Zusammenkunfft Saturni unnd Jovis im fewrigen Zeichen deß Löwen" (1623). Siehe Digitalsate der unten aufgeführten Keplerschen Originalausgaben
  38. Abdias Trew: Nucleus Astrologiae correctae. Das ist; Kurtzer Bericht vom Nativitätstellen, wie darmit umbzugehen, u. was es nutze; Nicht allein den Astrologis, sondern allen in Erforschung d. Natur zu rechtem Nutz u. ohne Aberglauben Beflissenen, theils zur Nachricht, theils zu fernerm Nachdenken, aus gutem natürlichem Grund u. Erfahrung. Nürnberg 1651, S. 7 (Einleitung)
  39. Hans von Aachen, Standort: Hradschin/ Prag.
  40. In der Veröffentlichung von Ernest Hentges: Die Kometen in der astrologischen Systematik. Zuerst erschienen in: "Die Astrologie" 4-6/1937