Madame Buchela

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Madame Buchela (1962)
Mittagsstände Buchelas

Die deutsche Wahrsagerin und Astrologin Madame Buchela (bürgerlich: Margarethe Goussanthier, geb. Meerstein) wurde am 12. Oktober 1899 in Honzrath (heute Gemeinde Beckingen, Saarland) geboren.
Sie starb am 8. November 1986 in Bonn[1].

Biographie

Margarethe Meerstein ist eine Tochter wandernder Sinti. Sie kam - so will es die Legende - unter einer Buche an einem Waldweg bei Honzrath zur Welt, wo ihr Vater mit seinem Pferdefuhrwerk vorbeifuhr; deshalb erhielt sie auch den Namen "Buchela". Eine andere Version besagt, sie habe den Spitznamen dafür bekommen, dass sie als Kind so gerne Bucheckern aß. Im Alter von acht Jahren sah sie einen Tag vor dessem Tod das Unglück ihres Lieblingsbruders Anton voraus, der beim Versuch, eine Pistole seines Vaters zu reinigen, ums Leben kam. Nach diesem Vorfall wurde sie und ihre vier verbleibenden Geschwister von den Eltern getrennt, und sie kam in ein Waisenhaus der Borromäerinnen in St. Wendel. In dem Waisenhaus fühlte sie sich glücklich und hatte dort eine Zeit ohne seherische Eingebungen. Diese kamen erst wieder, nachdem sie von dort fortging. Sie arbeitete nun zusammen mit ihrer Mutter als fahrende Hausiererin, und heiratete im Alter von 23 Jahren den Zigeuner Adam Goussanthier.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurden die Goussanthiers in Stotzheim sesshaft, um den Nazis, die auch Zigeuner verfolgten, keinen Vorwand zu liefern. Adam Goussanthier wurde in die Wehrmacht eingezogen. Zu Besuch bei der Familie ihres Bruders in Düren, erlebte sie, wie die siebenköpfige Familie von der Polizei abgeführt wurde. Aus einem Lager bei Honzrath befreite Goussanthier die drei Kinder Josele, Anna und Marie, der mit ihr verschwägerten Winterstein-Sippe. Ihre Mutter, aber auch diejenigen, welche sie befreit hatte, wurden später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Mann starb 1945 im Lararett an einer Lungenentzündung. Von ihrer Familie überlebten nur die Schwestern Katja, Mariann und Dandela.

Tätigkeit als Wahrsagerin

Buchela

Bereits während des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie vereinzelt als Hellseherin, nach Kriegsende nahm diese Tätigkeit immer größeren Umfang an. Zwei spektakuläre Vorhersagen machten sie berühmt: Bei einem Hausbesuch als Hausiererin für Spitzendeckchen klingelte sie vor allem bei Reichen, die sich so etwas damals leisten konnten. So traf sie in einer Kölner Villa die Fürstin Eva Esfandiary und ihre Tochter Soraja, dieser sagte sie einen Ehemann mit Krone voraus. Zwei Jahre später heiratete Soraja den Schah von Persien. Zwei Schwestern aus Köln gab Buchela so lukrative Geschäftstipps, dass sie ihr ein Haus in Remagen vererbten, in welches sie am 28. Februar 1961 einzog. Viele Politiker und Prominente gehörten zu ihrer Klientel, darunter Konrad Adenauer, dem sie den - damals unerwarteten - Wahlsieg von 1953 vorhersagte und ihm riet, sich für die Heimholung der russischen Kriegsgefangenen einzusetzen. Diese Prognose brachte ihr den Beinamen "Pythia der Bundeshauptstadt" ein. Mit politischen Aussagen lag sie jedoch nicht immer richtig, so sagte sie 1967 eine Kanzlerschaft für Gerstenmaier als Nachfolger von Erhard voraus; gewählt wurde jedoch Kiesinger.

Sie hatte keinen festen Tarif, jeder konnte geben, was er gerne gab. Auch wurde sie nie reich, sie gab immer wieder Geld an notleidende Klienten und spendete großzügig in örtliche Einrichtungen. Sie widmete all ihre Zeit der Hellseherei, und Verwandte sorgten für ihren Haushalt und Garten. So konnte sie pro Tag zwanzig bis dreißig Klienten, an manchen Tagen auch weit über vierzig empfangen. 1976, nachdem ihr geliebter Neffe Wolfgang erstochen aufgefunden worden war, verließen sie ihre Kräfte, und sie empfing ab dieser Zeit nur noch wenige Klienten. Im Jahr 1986 starb sie nach einer Milz-Operation im Bonner Malteser-Krankhenhaus[2].

Astrologie

Buchela gearbeitete hauptsächlich als Wahrsagerin . Doch erschienen von ihr ab 1959 bis zu ihrem Tod jährlich astrologische Vorhersagen, 1974 auch eine Reihe Tierkreiszeichenbüchlein.

Allgemein ist über die Art und Weise, wie sie zu ihren Prophezeihungen kam, nicht viel bekannt, doch scheint sie sich auch der Astrologie bedient zu haben. So schreibt der Spiegel am 30. Novmeber 1981: "Das politische Horoskop der Buchela für 1982 ist fertig: Die Regierung bleibt so, da ist keine Veränderung." Ob Kohl mal Kanzler wird, könne sie nicht genau sehen. Aber: "Ich glaub's. Der hat Glück, der kommt immer durch."[3]. Entgegen Buchelas Prognose zerbrach die SPD/ FDP-Regierung unter Schmidt am 17. September 1982, und Kohl folgte mit seiner CDU/ FDP-Regierung nach.

Publikationen

  • Ihr Tierkreiszeichen. Erschienen für jedes Zeichen. Ca. 90 Seiten pro Ausgabe. Verlag Modernes Sachbuch, Düsseldorf 1974
  • Ich aber sage euch. Das Vermächtnis der großen Seherin. 302 Seiten. Droemer Knaur, München 1983; 1985

Periodika

  • Buchela-Kalender. Pabel-Verlag, Baden. Jährlich, 1959-1965
  • Astrologischer Kalender. Die Seherin von Bonn über unser Schicksal., Auch: Unser Schicksal - unsere Zukunft. Jährlich, 1966-1997

Quellen und Anmerkungen

  1. Saarländische Biographien: Goussanthier Margarethe Abgerufen am 30.1.2012
  2. Biographie aus folgenden Quellen kombiniert:
    Wikipedia: Buchela Abgerufen am 30.1.2012
    AW-Wiki (Wiki über den Landkreis Ahrweiler): Buchela Abgerufen am 30.1.2012
    Hildegard Ginzler: Die Seherin Madame Buchela (1899-1986) - Ein Leben zwischen Buche und Birke. (Kreisverwaltung Ahrweiler, Hauptquelle)Abgerufen am 30.1.2012)
    Hildegard Ginzler: Buchela - die "Pythia vom Rhein". (Bonner Generalanzeiger, 20.1.2006)Abgerufen am 30.1.2012
    Saarland-Biographien: Margarethe GoussanthierAbgerufen am 30.1.2012
  3. Auf einer Welle des Okkulten. Der Spiegel 49/ 1981